Die musikalische Jugend

 

harvest-2

An manchen Tagen, so wie heute, treibt es mich in meine früheste Jugend zurück. Rein musikalisch.
Dann logge ich mich bei Spotify ein oder besuche Youtube, und haue mir ne Weile die Sachen auf die Ohren, die ich zwischen 14 und 20 bevorzugterweise hörte.

Damals.
Als ein Cassettenrekorder noch ein kleiner, eckiger Kasten war der Mono Geräusche von sich gab, und vor dem man stundenlang lauerte um die Lieblingshits aus dem Radio aufzunehmen. (In die der Moderator unweigerlich reinzuquatschen pflegte, was einem dann die Zornesröte ins Gesicht trieb.)
Pssssst Mama, ich nehm doch auf!
Damals.

Als man sich wie ein König fühlte, wenn das Christkind endlich den ersehnten Plattenspieler brachte, dessen Deckel eine Box war. Und bei dem man ein Lied nur wiederholen konnte, indem man mehr oder weniger geduldig jedes mal hin spurtete um entweder akribisch sorgsam den Tonkopf mit dem Hebel zu lupfen und ihn auf die Stelle zwischen zwei Tracks zurückfallen liess, oder sich den Hebel schenkte und es einfach manuell tat – was dem Schellack/Vinyl unweigerlich nett knackende Gebrauchsspuren zufügte, und den Diamanten auch nicht unbedingt sterberesistenter machte.

cover_4717171942016_r

Damals – das begann 1975. Etwa zu der Zeit als ich anfing zu rauchen um der ganzen Welt zu beweisen, dass ich ja soooo erwachsen sei.
Aber bereits damals lag mein Geschmack irgendwie weitab vom Mainstream.

Während die Schulkollegen Abba, Bay City Rollers und Suzie Quattro hörten, befasste ich mich mit Genesis, Jethro Tull, Cat Stevens (wie er damals noch hieß), Pink Floyd oder Neil Young.

Deren Alben sammelte ich mit wachsender Begeisterung.
Nie werde ich das Weihnachtsfest vergessen, bei dem ich plötzlich über drei Exemplare des Albums „Foxtrot“ von Genesis verfügte.

maxresdefault-2
(Ich hatte es einfach auf meinen Wunschzettel gepinnt. Da die Schenkenden sich aber nicht absprachen, bekam ich weder „Wind & Wuthering“, noch „Selling England by the Pound“. 🙂 )
Gottlob ließ das Problem sich damals lösen weil die überschüssigen zwei Foxtrotte in Geschäften gekauft waren, die den Weihnachtsumtausch ernst nahmen….

Meine Peers und ich hörten „Jesus Christ Superstar“ rauf und runter. Bis heute bin ich fähig, mindestens 90% der Lyrics auswendig abzurufen und laut mitzugröhlen. Was eventuell anwesende „Mitzuschauer“ zu Höchstleistungen im Palmenklettern anspornt. Aber damals war es einfach Hammer, wenn die gesamte Clique zu dem alljährlichen Osterausflug auf den Petersberg aufbrach, einen Leiterwagen mit Cola und Bier im Schlepptau, und laut „Nazareth your famous son should have stayed a great unknown, like his father carving wood…..“ und so weiter trällerte.
Später, wenn der Übermut dann dem Chillen gewichen war, gab es regelmässig Tränen bei Maria Magdalena’s „I don’t know how to love him“!

Und wenn wir JCS durch hatten, begannen wir entweder von vorne. oder aber wir hörten Queen und versuchten die uns umschwirrenden Bienen zu Bohemian Rhapsody mit leeren Flaschen abzutreffen.

Dann, mit fünfzehn die erste feste Beziehung! Und sie hielt sage und schreibe dreieinhalb Jahre lang. In einem Alter, wo andere die festen Partner häufiger als die Unterhosen wechselten! Darauf bilde ich mir bis heute was ein. Aye.

Zu dieser Zeit begannen Alben weniger interessant zu werden, denn nun gab es ja das Phänomen „unser Lied“. Jeder hat sie, die „unser Lied“ Sache. Jeder von uns hat Weisen im Kopf, welche ihn sofort an einen/eine Verflossenen/Verflossene erinnern. Bei mir waren das hauptsächlich zwei Tunes:

 

 

Ich kann mir nicht helfen, aber manchmal frage ich mich wo diese Künstler geblieben sind, die einen so derart eigenen Stil schaffen den man unter Tausenden erkennen würde, und deren einem bis dahin unbekannte Songs man einfach an der „Handschrift“ erkennen kann.
Sicher gibt es Songs in den Charts, die mir gefallen und die ich gern höre.
Aber irgendwie sind die so „austauschbar“ geworden. Bands wie Jethro Tull oder Genesis, Pink Floyd oder auch Queen hatten einen unverkennbaren Stil.

Und wie geht es Euch wenn Ihr an Eure musikalische Jugend denkt?

Advertisements

4 Kommentare zu „Die musikalische Jugend

  1. „Und wie geht es Euch wenn Ihr an Eure musikalische Jugend denkt?“

    Da könnte ich ein Buch schreiben. Musik ist ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens, seit etwa meinem fünften Lebensjahr. Da habe ich begonnen, die LPs meines älteren Bruders durchzuhören. Rolling Stones, T.Rex, Beatles, Pink Floyd. Pink Floyd hat mich damals am meisten beeindruckt, was sicher der Grund dafür ist, dass mein musikalischer Schwerpunkt später in Richtung progressiver Stil gegangen ist.

    Aber im Grunde habe ich mich nie auf irgendeinen Stil festgelegt. Für mich gibt es gute Musik, schlechte Musik, und alles dazwischen, was ich als „erträglich“ einstufe. Dabei höre ich mir fast jeden Stil an, mit ein paar Ausnahmen, wie Free Jazz, Dixie oder deutscher Schlager.

    Zu meinen 70er Jahre Repertoire gehörten genau wie bei dir, auch die Alben „Harvest“ von Neil Young, „Thick as a Blick“ von Jethro Tull (wobei mein JT Favorit das Album „Stand Up“ von 1968 ist), oder von Cat Stevens die „Tea for the Tillerman“ (die war sehr angesagt bei Flirts mit dem anderen Geschlecht).

    Genesis ist dann für mich noch eine Stufe höher angesiedelt. Neben Pink Floyd ist Genesis (nur mit Peter Gabriel!) für mich die zweitwichtigste Progband der 70er gewesen. Eines meiner all time Favoriten bei den Prog Alben, ist die „Selling England by the Pound“. Da läuft Peter Gabriel zur Hochform auf. Aber auch der Song „Carpet Crawlers“ von „The Lamb Lies Down on Broadway“, war damals ein Klassiker bei den ersten Feten, wenn man zwischendrin mal einen Blues einstreute.

    Weitere Klassiker, die ich in den 70er Jahren kennengelernt habe, sind für mich die Alben von Jimi Hendrix, Bob Marley, Black Sabbath (aber nur mit Ozzy!), Deep Purple, Led Zeppelin, Kraftwerk, Allman Brothers Band, Eric Clapton, Deodato, Fleetwood Mac, Grateful Dead, Manfred Mann’s Earth Band, Mike Oldfield (die „Ommadawn“ ist Kult), Queen, Santana, Marius Müller Westernhagen oder ZZ Top. Das sind nur ein paar der Gruppen, zu denen mir besondere Songs einfallen, die in meiner Jugend die eine oder andere Bedeutung hatten.

    Abseits von den eher bekannteren Namen, bin ich aber auch ein Sammler von Musik, die kaum einer kennt und die in gewisser Weise auch etwas unkonventionell ist. Ich liste mal ein paar Alben auf, die für mich in die Kategorie „vekannte Perlen“ gehören. Vielleicht kennst du ja ein paar davon. Alpha – „Lost In A Garden Of Clouds, Pt. 1“, Arena – „Immortal ?“, Billy Cobham – „Spectrum“, Doi – „Sing The Boy Electic“, Gov’t Mule – „Dark Side Of The Mule“ (Gov’t Mule spielt Pink Floyd – einfach genial), Herbie Mann – „Push Push“, Medeski Martin & Wood – „End Of The World Party“, Mother Earth – „Stoned Woman“, The Notwist – „The Devil, You + Me“, Pavlov´s Dog – „At The Sound Of The Bell“, Porcupine Tree – „Voyage 34“, Scorpions – „Lonesome Crow“ (nicht lachen, dieses Album ist die Überraschung schlechthin), Sweet Smoke – „Just A Poke“, Reuben Wilson – „Organ Donor“.

    Okay, das ist jetzt doch etwas viel geworden, aber ich habe alle meine CDs in einer Excel-Tabelle aufgelistet, inklusive Bewertung und Kommentare. So konnte ich meine Favs ziemlich schnell mit Copy & Paste hier reinkopieren. Wir können ja irgendwann mal in SL eine Musiksession veranstalten. Das habe ich schon ein paar Mal gemacht. Ich miete einen Shoutcast Server und wir streamen uns abwechselnd Songs vor, die man als besonders erachtet.

  2. Von Deinen verkannten Perlen kenne ich keine einzige, Maddy.
    Aber jetzt hab‘ ich ja was zum Reinhören und Checken 🙂
    Aber von den weiteren Klassikern die Du nennst, sind jede Menge dabei die ich sofort unterschreibe….

    Bob Marley,
    Black Sabbath,
    Deep Purple,
    Led Zeppelin,
    Eric Clapton,
    Fleetwood Mac,
    Grateful Dead,
    Manfred Mann’s Earth Band, Mike Oldfield (Tubular Bells ist Oberkult!),
    Queen,
    Santana,
    ZZ Top.
    Den guten Marius mochte ich nur in etwa bis „Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz“, spätestens als er „Dicke“ released hatte, war er bei mir unten durch.
    Und ich bin sicher wir könnten noch mehr finden das wir beide kultig fanden und das in unseren Freundeskreisen rauf und runter lief. Erinnerst Du Dich beispielsweise an „In a gadda da vida“ von Iron Butterfly? 😀
    Als ich etwas älter wurde mochte ich die neue deutsche Welle gaaaar nicht. Aber dafür behagten mir die, die ich die „Deutschrevoluzzer“ zu nennen pflegte, Bands wie Udo Lindenberg und sein Panikorchester, oder auch Nina Hagen, die Humpe Schwestern, Ina Deter etc.
    Das kam unserem Lebensgefühl zwischen 18 und 20 schon irgendwie sehr nahe.

    Du musst keinen Shoutcast mieten, wenn wir nur zu zweit sind reicht es doch, sich gegenseitig abwechselnd youtube links zu posten in SL! Ich streame grundsätzlich nur, was ich auch auf meinem Rechner habe. Wegen der Legalität und so.. 😉

  3. „Erinnerst Du Dich beispielsweise an „In a gadda da vida“ von Iron Butterfly?“
    Klar, habe ich auch in meinem Regal.

    „Aber dafür behagten mir die, die ich die „Deutschrevoluzzer“
    Davon habe ich auch einiges gehört. Allen voran „Ton, Steine Scherben“ mit dem unvergessenen Rio Reiser. Oder kennst du Kraan? Ist zwar etwas schwerer verdaulich, aber immer mit einer geilen E-Gitarre.

    Was das Streamen angeht: Okay, YouTube geht auch. Allerdings sind meine seltenen Musikperlen nicht alle auf YouTube verfügbar. Ich habe auf meinem Land einen Media Player, der sich wie eine Webseite bedienen lässt. Man kann also YouTube öffnen und in der Suche nach Titeln suchen.

    Ich streame ansonsten auch nur, was ich mir an Musik gekauft habe. Allerdings sammle ich seit erscheinen der CD auch fleißig Musik, sie ich mag. Heute sind da ein paar tausend Alben zusammengekommen. Hier ist ein Ausschnitt meines begehbaren CD-Regals. Leider lässt sich das nicht in einem Foto komplett zeigen, weil es in U-Form aufgestellt ist. 🙂

    1. Wow! OMG.
      Das ist wirklich Sammelwut! 🙂
      Ich hatte nie viel Geld für CDs. Soll heissen, ich kaufte mir nur ab und an ein Album, und wenn, dann musste es schon eines sein welches ich extrem liebte und so weiter.
      Der größte Teil meiner Sammlung besteht aus Platten die wohl kaum sonst jemand hat, rund um Afrika und die Karibik.
      Eine Weile versuchte ich mal, herauszufinden ob es einen Markt für afro-karibische Abende in den SL Clubs gäbe. Ich hätte gern den Afro-Karibik DJ gegeben.
      Doch das gab ich wieder auf.
      Und zwar deshalb, weil die meisten deutschen Clubs natürlich abends öffnen, und ich halt eher so ein „tagsüber – User“ von SL bin. Und auf US Clubs hatte ich keinen Bock.
      Im RL hatte ich das durchaus erforlgreich praktiziert, zu meiner Freiburger Zeit.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s