Kap44: Das Labyrinth

combat-1_001

Er hatte sich weise bewaffnet. Am Eingang der Höhle überprüfte Redbarnes noch einmal sowohl den Bogen, (der nur auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Bogen wirkte, tatsächlich aber magische präparierte Pfeile abschoss), als auch die Peitsche, die er in einem Holster an seiner rechten Hüfte trug. Diese Peitsche war HighTech, und auch ihr sah das niemand an. Ein Kollege von ihm hatte sie extra für die Jagd auf Wölfe entwickelt, und sie würde einen Wolf töten, da sie sobald sie sich um seine Gliedmaßen schlang, kleine Nanosonden frei liess. Diese arbeiteten sich unter die Haut des Wolfs und setzten dann dort ihr Gift frei.

Während er vorsichtig und wachsam den Gang betrat, immer wieder nach allen Seiten sichernd, ging ihm ein Satz von Sir Walter Scott durch den Kopf. Oh welch verstricktes Netz wir weben, wenn wir zuerst die Täuschung üben!
Seine Waffen wirkten nach außen hin so einfach, ja fast rückständig.

Natürlich hatte er nicht damit gerechnet, dass er erwartet würde.

combat-2_001

Der Wolf harrte geduldig seiner, er hatte sich an einem Felssporn nach oben gezogen und hing nun über menschlicher Kopfhöhe dort. Seine Aufgabe war ihm sehr vertraut – dafür Sorgen das der Feind irritiert wird und ihn weglocken, ihn sich verirren lassen, und das Rudel in Sicherheit bringen.
Welches heute nicht aus Garou sondern aus einem Jungmagus, einem Welpen und einer seltsamen Lady bestand.
Als Redbarnes in der Höhle nichts, aber auch gar nichts Lebendes sah, (Jamie und der Welpe ruhten in dem mittleren Raum), machte er einige Schritte hinein und sah das Untier viel zu spät. Nämlich genau dann als der Wolf sich abgestossen hatte und bereits mit weit aufgesperrtem Fang auf den Technokraten zu sprang. Funken stoben, als die riesigen, scharfen Krallen Stein zerrissen……..der Technokrat schaffte noch eben so einen Ausfall zur Seite, sodass das Biest ihn mehr als knapp verfehlte, aber mit der Seite des massigen Körpers noch dafür sorgte das er zu Boden ging. Der überraschte Laut, der sich Redbarnes‘ Kehle entrang, hallte von den Höhlenwänden wieder.

Kaum hatte er sich aufgerappelt, war der Wolf schon über alle Berge. Sigurson hatte nicht vor, sich auf einen Kampf mit einem überlegenen Gegner einzulassen, er setzte auf List und war zum Ausgang geprescht, um den Technokraten weg zu locken. Der ging auch prompt darauf ein und nahm die Verfolgung auf. Da draussen war Minnie, und die brauchte er noch! Nicht auszudenken wenn der Wolf sie als Geisel nähme.Am Höhlenausgang angekommen, (menschliche Schrittlängen sind leider verglichen mit einer fast vier Meter hohen Wolfsbestie ein wenig suboptimal), war vom Wolf nichts mehr zu sehen.

Redbarnes schaute sich unruhig um, die Peitsche fest in der Hand, bereit sie jede Sekunde gegen das Monster zu schwingen.

combat-3_001

Doch alles was er sah, war Minnie, drüben am Feuer. Noch halb im Schutz des Höhleneingangs winkte er ihr zu sie möge sich zu ihm begeben und fokussierte kurz den magischen Knoten in der Leine, um ihn mental zu lösen.

combat-5_001

Immer dichter wirbelten die Flocken vom schmutzig graubraunen Himmel, das ließ ihm kaum eine vernünftige Sicht! Minnie hatte kurz verblüfft gestockt, dann aber bemerkt, das sie die Leine lösen konnte, und näherte sich dem Technokraten. Dieser ahnte nicht, dass der Wolf hoch oben auf der Höhle lauerte und dabei versuchte, Minnie’s Blick einzufangen. Sig musste sie warnen dass sie ihm auf gar keinen Fall dahin folgen durfte, wo er den Magus hinzulocken gedachte! Doch dieser Sorge wurde er enthoben, als Redbarnes Minnie befahl, sich in der Höhle zu verstecken. Sie schaute unauffällig fragend nach oben, und Sig musste lediglich zustimmend nicken und zusehen wie sie sich in die Höhle zurückzog. Dann schickte er sein Totem zum zugefrorenen See, an dem man Wolfsgeister heulen hören konnte.

„Überrede sie, uns zu helfen. Ich werde Gaias Labyrinth wirken, sie können dort spielen, wenn sie wollen“ Das Totem, die kleine schwarzweisse Katze,  strich nach diesem gedanklichen Befehl kurz um seine Pfoten und verschwand in Richtung der Geister. Sigurson orientierte sich und sprang dann los, direkt auf den Magier zu.

Am vereisten See, ein gutes Stück hinter der Höhle, schwärmten derweil einige weisse Wolfsgeister aus und bereiteten sich auf ihren Einsatz vor………..

combat-33_001

Sein Instinkt hatte Redbarnes dazu bewegt, sich umzuschauen, und so sah er den Schatten auf sich zu fliegen, schafft es, die Peitsche zu schwingen. Doch der Wolf war zu schnell, und so erreichten nur einige wenige Stränge der vielschwänzigen Waffe den Wolf. Dabei wurden auch einige der Nanosonden frei gesetzt, aber lange nicht genug um tödlich zu wirken. Sie konnten ihn allenfalls ein wenig betäuben, wenn überhaupt!

Ein wütendes Aufheulen zerriss die Stille der winterlichen Dämmerung im tiefen Umbra. Eilig begann Sigurson, sich die spitzen Nadeln aus der Haut zu ziehen. Als er laut jaulte als sie sich in seine Pfoten bohrten, ging ein zufriedenes Grinsen über Redbarnes‘ Züge. Doch als er bemerkte, dass er das Untier nur gestreift hatte, brachte sich der Technokrat erst einmal mit einem langen Satz hinter einer Schneewehe und einigen kleinen Felsen in Sicherheit.

combat-10_001

combat-9_001

Dort packte er die Peitsche zurück ins Holster und schoss aus der Deckung einen Pfeil auf das Monster, doch bevor er sehen kann ob selbiger traf, war der Wolf schon bei  ihm und schlug gnadenlos zu. Er konnte sich zwar noch schnell ducken, dennoch riß eine der messerscharfen Krallen ihm eine tiefe, heisse Wunde in die Schläfe!

Ein langer Satz nach hinten, und der kupferne Geruch frischen Blutes strömte durch die fallenden Flocken, hübsche, granatfarbene Tropfen machten sich im Schnee breit.

Ein Weile umtänzelten sie sich, wobei Sigurson den Technokraten immer weiter da hin lockte, wo er ihn haben wollte. Wenn man diesem einen Vorwurf machen konnte, dann lediglich dass er die List des Monsters offenbar sträflich unterschätzt hatte. Er hatte wirklich angenommen, es käme zu einem Kampf, er hätte das Überraschungsmoment auf seiner Seite, und somit einen relativ leichten Sieg! Nun sah es nach allem aus, bloss nicht nach easy victory…….

Das Theaterspielen war offenbar keine Domäne der kleinen Dämonin! Filmreif keuchte der Wolf, griff sich mit leidenden Augen an die Seite an der ihn die Peitsche getroffen hatte, und rannte mit dramtisch angeschlagen wirkenden Sätzen davon………..immer näher auf den See zu.

combat-11_002

Redbarnes war zwar kurz verblüfft – sollten doch mehr Nanosonden am Wolf sein, als der halbe Treffer erahnen ließ? – aber er folgte flugs und somit ging die Rechnung seines Kontrahenten auf. Und während er bei jeder passenden Gelegenheit versuchte, einen Pfeil abzuschiessen, geriet er immer tiefer zwischen die dichten Bäume aus denen die Wolfsgeister bereits begonnen hatten das Labyrinth zu weben.
Redbarnes‘ Instinkt meldete sich, sagte ihm klar, dass es Zeit für einen geordneten Rückzug sei. Doch seine Arroganz hatte die Führung, und so folgte er dem Wolf immer weiter. Dieser sorgte mit einer List und magischen Worten dafür, dass der Technokrat sich umsehen musste……………..

………….und als er wieder zum Wolf schaute, war dieser verschwunden. Es war still. Viel zu still. Bäume. Viele Bäume. Dunkele, fast schwarze Baumstämme, wohin er sah!

combat-17_001

Mit gerunzelten Brauen drehte er sich um die eigene Achse, versuchte auszumachen wo der Wolf war, wo der See…………..nichts. Es war ein völlig anderer Wald. Kälte. Dröhnende Stille.

Ein paar Schritte dahin wo er glaubte den See zuletzt wahrgenommen zu haben. Nichts. Gar nichts. Egal wie weit er ging, ganz gleich in welche Richtung er ging – da war nichts ausser dem dunklen Wald und dem weissen Schnee. Dann ging ihm auf, dass er sich hatte austricksen lassen.

Ein Schrei zerriss den Vorhang aus glitzernden Flocken. Und kaum war er verklungen, erscholl ein lauter Knall. Baumrinde rieselte in den Schnee als Redbarnes die Peitsche senkte. Er würde nicht so schnell hier heraus finden. Das sagte ihm sein Instinkt, den er zuvor so meisterhaft ignoriert hatte. Der Technokrat fluchte wie ein Besenbinder.

combat-16_001

 

Advertisements

2 Kommentare zu „Kap44: Das Labyrinth

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s