Der Endkampf

…und wer den Link am Ende meiner Faden verloren Zusammenfassung nicht gesehen hat, hier nochmal ein Reblog des Showdowns mit tollen Bildern

Über die Eleganz der Vermeidung

The Final Fight

Sigursons Nacht …

Das Tor oder der Schlüssel – er wusste es nicht. Es war ihm auch egal. Er hatte seinen Teil der Abmachung erfüllt und den Dämon abgelenkt. Jetzt war es auch sein gutes Recht, das Tor nach Arkadien wieder in die Obhut der Garou zu bringen. Das Rehkitz in seinen Armen (nein, es war kein Kitz. Nur eine Manifestation) wimmerte wieder. Eine Spur aus hellroten Tropfen folgte ihnen. Der Dämon hatte das Tor fast umgebracht in seiner Gier, es auszulösen. Sigurson sprang in großen Crinos-Sätzen durch die wild-bizarre Landschaft des nahen Umbra. Er hoffte, dass die Stargazer in New York noch ein paar Theurgen übrig hatten …

The Final Fight

Zacharys Nacht …

Ein gepflockter Vampir nimmt seine Umgebung noch wahr. Nicht vollständig – aber er ist sich auf eine vage Art bewusst, was geschieht. So auch Zachary. Er konnte nicht lächeln, sonst hätte er es getan. Nein, er war nicht…

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Kap47…und dann ging der Faden verloren.

OOC (out of character):

Ja, Leute, ich hab‘ den Faden verloren. In meinem Kopf sind die Rollenspiele, die ich noch nicht gebloggt habe, durchaus anwesend. Aber irgendwie habe ich eine Schreibblockade. Was auch immer.

Ich kriege es irgendwie nicht hin, Lust aufs Schreiben zu bekommen, und ich weiss, wenn ich mich zwinge wird es ein holpriger,  gar nicht guter Text, der beim Lesen Bauchschmerzen macht. Mir zumindest. 😉

Es ist aber auch so vieles geschehen…….Ich versuche es einfach mal in Kurzform anhand einiger Bilder darzulegen..sozusagen in einem Zeitraffer. Dann werde ich sehen ob meine Schreiblust wieder kommt, sobald dieser „Berg“ abgetragen ist. Falls nicht, halte ich Euch eben so lange mit lauter Zeitraffern auf dem Laufenden, bis sie irgendwann wiederkommt.

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Jamie hatte, kaum dass er wieder in seiner Welt war, nach Zach gesehen. Der Dämon hatte ihn wirklich übel zugerichtet. Ein schlechtes Gewissen liess sich nicht ganz unterdrücken, denn Jamie hatte zwar in der Höhle des Dämonen nicht anders handeln können als so, wie er eben handelte als er dachte Isar befreien zu können. Aber dennoch hatte das dem Biest überhaupt erst ermöglicht in Isar’s Körper zu gleiten und gleich als nächstes den Toreador zu zerfleischen. Die Wunden waren am Heilwerden, aber Jamie erfuhr, dass Zach unter etwas ganz anderem litt:
Erstens war John aufgebrochen um Informationen einzuholen und so war Zach auf fremde Drogenkuriere angewiesen, die ihm offenbar nicht den Stoff lieferten, den er benötigte. Er war auf Turkey, und das nicht zu knapp, und das machte ihn noch drama-anfälliger als er ohnehin schon war.

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Und zweitens hatte er, das entnahm Jamie seinem Bericht während er halb willig und halb unwillig in einige erotische Handlungen mit Zach versank……….er hatte es genossen. Er hatte diesen Angriff tatsächlich auf eine pervers erotische Art erlebt und schwärmte nun permanent von der Schönheit des Dämonen in Isars Leib.

Als Jamie wieder vom Lethe zurück kehrte, war er verwirrter als zuvor.
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Ein paar Tage später, Jamie hatte sich gerade an seine Gäste gewöhnt und hatte Minnie ein klein wenig Geld in die Hand gedrückt, damit sie sich eigene Kleidung kaufen möge und nicht immer seine trug. Am gleichen Abend bekam er überraschend Besuch von John.

Der Ventrue hatte sich nicht angemeldet, Jamie hörte das satte Röhren eines mehr als starken Motors, und als er nachsehen wollte, wer da durch den Tunnel gekommen war, stand John auch schon wie ein Schemen vor seiner Tür in der Dunkelheit.

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Mit einem Stirnrunzeln, er hasste unangemeldete Besucher, hatte er den Vampir herein gebeten, hoffend das es zu keiner Auseinandersetzung mit den im Gästezimmer bereits schlafenden Dämonin und „ihrem Wolf“ kommen würde. Doch John hatte in der Tat nur beabsichtigt, ihn zu informieren, und das tat er gründlich und umfassend, sich dabei auf seine sichere Quelle berufend.

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Jamie war verblüfft zu hören, dass John nach der Rückkehr von seiner Informationsreise zuerst zu ihm gekommen war, noch bevor er nach Zachary geschaut hatte! Auch Jamie gab seine Informationen bzw. seinen aktuellen Wissensstand preis – allerdings schien das den Ventrue nicht übermässig zu interessieren. Lediglich die Tatsache, dass der Magus im Obergeschoss einen Abkömmling des Erzfeindes sitzen hatte, der möglicherweise beim Auffinden der Bestie dienlich sein konnte, schien ihm zu gefallen.
Weniger gefiel Jamie was er erfahren musste: Der Dämon hatte offenbar vor, sich den Weg nach Arkadien zu ebnen, und war zu diesem Behufe bereits mehr oder weniger im Besitz des Tors. Alles was ihm noch fehlte war der Schlüssel.
Das bedeutete, Eile war geboten, und so abgedroschen es klang, es ging um nicht mehr oder weniger als die Rettung der Welt vor dem Abgrund einer Apokalypse.

Da Jamie unter diesem Wissen und der Herausforderung das mit seinen Verbündeten lösen zu müssen fast zusammenbrach, fragte er ausgerechnet den Ventrue um Hilfe. Dieser liess ihm die Wahl zwischen zwei Arten von magischer Anwendung, und Jamie wählte die welche ihm für einen bestimmten Zeitraum ein unglaubliches Selbstbewusstsein und Tatendrang verschaffen würde. Er würde „im Flow“ sein. Für den Preis, dass irgendwann danach eine Zeit anbräche, in der er das genaue Gegenteil durchleben musste: Den Schwund von jeglichem Selbstwertgefühl und eine absolute Motivatioslosigkeit. ___________________________________

Am Morgen danach, hielt Jamie Kriegsrat mit Sigurson.
Den fand er schlafend in Wolfsform auf Minnie’s Bettvorleger, allerdings ruhte die kleine Dämonin und UrUrUrUrenkelin des Dämons wie Remulus oder Remus mit dem Kopf auf den warmen Wolfsbauch gebettet und schlief deutlich tiefer als Sig. Jamie hatte ihm leise ein Zeichen gemacht, und Sigurson verstand………kaum hatte Jamie das Erdgeschoss wieder erreicht, klackten auch schon die Wolfskrallen auf der Treppe und das Tier holte den Magus ein.

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Nachdem er sich in seine humanoide Form gewandelt hatte, hockten sich die Beiden erst einmal zusammen, Jamie teilte Sig mit was er von John erfahren hatte.

Und wichtig: Er berichtete ihm von dem Plan den er mit John ausgeheckt hatte.

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„Als erstes müssen wir rauskriegen wo er sich aufhält, und da wird uns Dein allergrösster Fan Minnie eine Hilfe sein. Du wirst ihr klar machen, dass sie ihren Urahn findet!
„Ich kann sie darum bitten, ich kann ihr von meiner magischen Kraft geben aber ich kann ihr nicht weiter helfen. Ich weiß nicht, ob sie ihn finden kann.“
„Das ist mir klar, aber ich bin da recht zuversichtlich. Wichtig ist dass Du ihr vermittelst wie verdammt wichtig es ist. Sie vertraut dir. Und zwar uneingeschränkt, wenn ich sie recht lese. Wenn sie ihn aufgespürt hat, und davon gehe ich aus, werden wir John und Zachary den Standort des Dämons melden. Dann verabreden wir uns alle vier dort.. Wir beide oder auch Du alleine , das ist Dir überlassen, lenken ihn ab. Sobald er abgelenkt ist werden der Ventrue und der Toreador ihn dominieren können. Und wenn sie ihn ruhig halten, werde ich versuchen ihn aus Isars Leib zu jagen……….ach was versuchen………….ich werde ihn da raus fegen, dass ihm Hören und Sehen vergeht! Und zwar vermutlich mit dem was er am wenigsten verträgt: Liebe!“

Begeisterung sah anders aus, aber Sig hatte dem Plan zugestimmt. Minnie war aufgestanden und hatte sich zu ihnen gesellt. Der Magus liess sie mit Sig im Wohnzimmer alleine, und lauschte neugierig von der Küche, wo er sich ein Frühstück gönnte, hinüber.

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Und tatsächlich, mit viel mentaler Unterstützung brachte der Wolf die Dämonenhybridin dazu herauszufinden, wo ihr Ururururahn sich aufhielt. Sie erarbeitete sich den Standort sogar so genau, dass Google Earth alt dagegen aussah.

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Sie hatten nicht viel Zeit zu verlieren. Sobald die Nacht anbrach, gaben sie Isar in die Obhut von Minnie und machten sich auf den Weg zur Mansarde es alten Hauses auf Staten Island! Der Plan war gefasst. Nun musste er nur noch umgesetzt werden………und……..funktionieren!

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Und wie der Showdown dann aussah, das könnt Ihr, weil ich ja eine schreibblockierte Socke bin, bei meinem Mitstreiter nachlesen!

 

Kap46: Das Idol der Dämonin

((Achtuuuung, auch dieser ist einer der Blogbeiträge ab 18! Ihr wisst bescheid!))

(Anmerkung: Dieses Rollenspiel war so lebendig, dass ich teilweise unsere Dialoge eins zu eins übernommen habe. Zu schön um sie meinen Lesern zu unterschlagen. Das bedeutet: In diesem Kapitel ist, so wie immer wenn ich die Dialoge aus dem RP zitiere, Zasta Korobase mein Mitautor! Danke, eatsbluecrayon!))

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Minnie erwachte davon, dass ihr die Wintersonne ins Gesicht schien. Blinzelnd öffnete sie die Augen und wusste im ersten Moment nicht wo sie sich befand.

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Sie bemerkte, dass sie wohl unruhig geschlafen und sich freigestrampelt hatte. Gut, dass eine der dämonischen Eigenschaften, welche man NICHT kontrollieren musste, darin bestand dass sie unempfindlich gegen Kälte und Hitze war. Dann sah sie Sigurson. Er hockte auf dem Bettvorleger und war bereits wach, aus dem Kopfhörer, der um seinen Hals lag, klang blechern Musik, seine Finger wischten auf einem Handy herum.

Minnie gähnte und reckte sich. „Guten Morgen, mein Held. Wow, du hast die ganze Zeit auf mich aufgepasst?“
„Hab ich doch gesagt.“
Ja, in der Tat. Und sie hatte ja auch nicht im geringsten daran gezweifelt, die rhetorische Frage war eher als Dank gemeint. Offenbar hatte der Garou eine gewisse Scheu ihrer Nacktheit gegenüber, jedenfalls hatte er beim Sprechen stur die Vorhänge fixiert. Bevor er noch irgendetwas hinzufügen konnte murmelte sie verschlafen „Ja ich weiss, nein ich bin nicht subtil. Aber hey, ich habe keine Ahnung wessen Klamotten ich trug. Gab Redbarnes mir. Meine waren es nicht! Ich wollte sie einfach los sein. Womöglich ist die Besitzerin längst einem seiner Versuche erlegen. Ich zieh das Zeug nicht wieder an!“ Sie setzte sich auf. „Danke. Fühlt sich gut an, dass Du da bist.“

Ein sparsames Lächeln. „Unser Gastgeber ist schon mit dem Hund raus. Du brauchst also keine Angst zu haben, dass hier ´n Magus im Haus rumlungert.“
„Oh, wir sind ganz alleine?“, für einen Moment glitzerten ihre Augen auf eine seltsame Weise, dann aber gähnte sie herzhaft und betrachtete ihren Arm an der Stelle wo gestern noch die Chips waren „Wie er das hinbekommen hat!?…………Es sieht völlig verheilt aus, nur eine kleine, blasse Narbe…….! Du Sig?“

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Der Wolf zuckte die Schultern. „Die werden auch ihre Heilzauber haben, gibt´s ja bei Wölfen auch.“ Er wartete kurz und fügte auf ihre unausgesprochene Frage hinzu „Was ist? hast Du Angst, dass ich dich jetzt töte?“
Minnie’s Kopf fuhr herum zu ihm und ihre Augen wurden gross. „Nee wieso solltest Du?……….ehm“ Sie guckte ihn irritierter ab als er es bei ihr je gesehen haben konnte, „oder…..hast Du das vor? Ich…… wollte Dich nur fragen ob du nicht auch schlafen musst und ob ich jetzt dann auf Dich aufpassen soll? Dann hätte ich dich gebeten kurz zu warten bis ich unten was Essbares ausgegraben habe!“

„Nein. Ich töte Dich nicht. Das Gesetz der Anführer gilt nur in London. Und hier treffe ich meine Entscheidungen, ohne dass mir die alten Geister über die Schulter sehen.“ Er schüttelte den Kopf. „Und ich hab’bereits geschlafen. In Wolfsform schlafe ich auch wie ein Wolf. Also kurze Nickerchen mit halber Wachheit. Klappt gut.“
Minnie verinnerlichte das, während sie ihn nachdenklich ansah. Dann überlegte sie sich, was eine Wölfin jetzt wohl täte. Sie krabbelte vom Bett nachdem sie eine Weile geschwiegen hatte, und hockte sich neben ihn. Stupste ihre Nase gegen seine Wange. Und begann dann ein wenig an ihm zu schnuppern. Am Hals, den Schultern. Und an der Achsel. Dort atmete sie besonders tief ein und fand seinen Geruch ziemlich erfreulich.

Ihr war nicht bewusst, dass auch dieses Verhalten aus ihrer dämonischen Triebigkeit resultierte, für sie war es das Harmloseste und Naheliegendste der Welt. Denn sie hatte keine andere Idee, wie sie ihm näher kommen sollte oder ihm die offensichtliche Scheu vor ihrer Nacktheit nehmen. Sie schaute ihm in die hellen Augen und fragte „Danke…..ich ahnte nicht das Deine Chefs Dir sowas befehlen könnten. Ich bin doch kein Feind! Ich hab nix gegen Werwölfe………….darf ich Dich was fragen?“

Er lachte, bewegte sich zwar nicht weg aber wirkte etwas unbeholfen, als wäre ihm der Umgang mit Frauen wirklich ein wenig unvertraut. „Meine Chefs, ihre vergangen Leben … all sowas. Wölfe sind da problematisch, weil wir uns ständig wiedersehen und erinnern. Aber das ist echt nicht Dein Problem, ne? was magst du wissen?“

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„Gestern Abend hab ich gesehen, dass Du Deine Wolfskrallen auch in der humanoiden Form nutzen kannst. Glaubst Du, Du kannst mir damit dieses Scheiss Collar abmachen?“ Die Art wie sie sich vor ihm auf den Boden kauerte, ja fast hinlegte und den Hals nach hinten überdehnte, ihm sozusagen Bauch und Kehle ungeschützt bot, hatte fast etwas von einer klassischen Demutsgebärde.
Sirgurson blies die Backen auf. „Das is nich so einfach .. gestern..beim Aufschlitzen einer Bierdose da kann wenig nach hinten losgehen .. wenn Dein Hals aber durch is, dann is aber Schicht. Willst du das Risiko eingehen?“
Sie zögerte keine Sekunde „JA! ich vertraue Dir. Und……es ist SEIN verdammtes Collar, er zog mir das an als wir zur Höhle wollten. Wer sagt mir das da nicht auch irgend ein Zauber drin ist, oder verfickte OrtungsChips oder weiss der Geier was? Ich will das los sein und ich will das verbrennen! Das muss in Rauch aufgehen, sonst werde ich mich nie wieder sicher fühlen!!“ Minnie rutschte derart nahe an ihn heran, dass ihre warmen Brüste seine Beine streiften, schloss die Augen und bot ihm immer noch die Kehle.

Der Garou machte große Augen als sie so ausbrach. Dann nickte er. „Verstehe ich. Aber Du erklärst dem Magus die Risse in der Wand, ne?“
Ein dämonisches Giggeln mit geschlossenen Augen. „Logo. Der ist ein Kind. DEM schöne Augen machen wirkt immer, mit Sicherheit!“ Sie fragte sich nicht, warum das Zerreissen des Halsbandes Risse in der Wand verursachen würde. Magie war Magie, und von Werwolfmagie verstand sie nichts. Wenn er das sagte, dann würde das halt eben so sein.

Nun musste Sigurson ebenfalls lachen.“Ja, schon noch sehr jung, irgendwie.“, dann steckte er das Telefon ein und atmete tief durch. Konzentrierte sich sichtlich und die Fingerspitzen seiner rechten Hand verlängerten sich deutlich, als würden sie an den Knöcheln nach vorn gezogen. Lange Klauen brachen hervor. Er betrachtete die Teiltransformation und fuhr dann sehr entschlossen über die Wand, dabei in einer Sprache murmelnd, die Minnie nicht verstand. Die Krallen hinterliessen vier parallele Furchen bis tief in den Stein, als hätte er sie durch weichen Pudding gezogen. Funken stoben und dann griff der Wolf mit der unveränderten Hand nach Minnies Schulter, um sie zu stabilisieren. „Bereit?“

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Die Dämonin strahlte dieses unerklärliche Vertrauen zu dem Wolf sozusagen über alle Poren ihrer nackten Haut aus, er musste fast fühlen können wie absolut kindlich uneingeschränkt sie ihm traute. Ihr Gesicht trug fast einen „Papa wirds schon richten“ -Ausdruck, und ihm konnte dämmern das dieses Wesen ihn tatsächlich zu seinem Idol erkoren hatte. Als er die Krallen durch den Beton gezogen hatte, da hatte sie allerdings reflexartig die Augen geöffnet, die immer grösser wurden. „Holy Moly! Da kann kein Halsband widerstehen………………….ehm………..ja. Mach! Bitte!“ Nach diesen Worten schien Minnie fast zu Stein zu erstarren, ihr war absolut klar das eine einzige falsche Bewegung nun ihren Tod bedeuten konnte. Erneut schloss sie die Augen.

Er nickte wieder und wirkte etwas blasser unter der Sonnenbräune. Dann flüsterte er tonlos „Gaias Titten .. das muss sitzen ..!!!“ und zog die Krallen in einer schnellen Bewegung über den Verschluss des Halsbandes. Wieder stoben Funken – aber diesmal waren sie bunt und deutlich aggressiver. Das Halsband zerfiel in zwei Teile, doch Sigursons Hand ging in Flammen auf. Offenbar hatte Redbarnes tatsächlich einen Zauber darauf gewoben. Der Garou jaulte,  es klangt sehr tierhaft, während er versuchte die Flammen loszuwerden.

Minnie gab ihre Starre auf. Derweil sie fühlte wie das Collar zu Boden fiel, hörte sie dieses Jaulen, und es schien mitten durch sie hindurch zu schneiden bis ins Herz!

Ohne nachzudenken hob sie beide Hände, sie formten sich zu Fäusten von denen nur Zeige- und Mittelfinger ausgestreckt waren, und zwar so dass sie auf die Flammen zeigten. Ihre Stimme war viel dunkler als normal, fast konnte man glauben sie käme aus der tiefsten Unterwelt geschallt.
„Das Rote ersticke, das Braune obsiege!“
Ein Windhauch ging durch das Zimmer, für einen Sekundenbruchteil loderten die Flammen heller. Dann konnte Sigurson etwas fühlen, das am ehesten mit ‚warme Erde rieselt über Hände‘ beschrieben werden konnte. Die Flammen erloschen. Eine nach der anderen. Blitzartig. Als hätte dunkle, satte Erde den Flammen die Luft geraubt, die sie zum Brennen nötig hatten.

Der Garou starrte auf seine Hände, die nun aussahen, als hätte er einen Nachmittag Gartenarbeit hinter sich. Zwar hatte er deutliche Verbrennungen, doch konnte er die Finger bewegen, was ein gutes Zeichen war. „Verdammt, was hast Du da gerade getan?“

Vor ihm hockte eine nackte Dämonenhybridin, die die Verblüffung in Person war.
„Ehm……….“, ihre Stimme klang wieder kindlich mädchenhaft. „War ich das?……..oh Mann………..das hab ich jetzt geträumt oder?“
Das sie über eine solch starke Magie verfügte, die sie nicht bewusst lenkte, sondern die sich in Notsituationen offenbar von ganz alleine anwandte, machte Minnie fast Angst vor sich selbst. Nie war ihr dringlicher zu Bewusstsein gekommen, dass es höchste Zeit war zu lernen ihre Fähigkeiten zu kontrollieren!

„Autsch, das wird ´n paar Tage dauern. Und auch noch die Rechte!.. .. Aber gut, Hauptsache is weg. Also … wie nur geträumt?“
„Nee nee das war nicht geträumt. Das waren meine Hybridgene…….ich wollte ich könnte das kontrollieren! Komm. Wir müssen zum Wasserfall. Du musst Deine Hände kühlen und ich muss ein Feuer machen.“
Sie warf ihrem Held einen fürsorglich-besorgten Blick zu und ihre Stimme schien keinen Widerspruch zu dulden. Sie sprang auf, und lief vor. Der Garou folgte.

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Nachdem er auf ihre Bitte hin eine lange Weile seine Verbrennungen gekühlt hatte, während Minnie eine Feuerstelle baute und nicht im geringsten zu frieren schien -obwohl es doch Dezember war und sie nichts am Leib trug – begann sie ihn immer deutlicher anzuschmachten. Ihre Bewegungen wurden erst kokett, dann lasziv. Derweil unterhielten sie sich über ihre Herkunft.

„Der Technokrat hat verloren. das ist doch schon mal was“
„Ich wäre gar nicht bei dem Arsch gelandet, wenn ich nicht wäre was ich bin, Sig. Meine Mama ist eine ganz normale Menschenfrau.“
„Ja und? Meine Mutter war auch ein Mensch.“
„Naja……….und Papa ist ein Dämon. Er ist der Ur-Ur-Urenkel von der Bestie schlechthin. Sagte mir jedenfalls Mama. Damals. Vor 182 Jahren als ich noch klein war.“

Der Garou hätte sich fast an seiner eigenen Spucke verschluckt. „Du bist zweihundert Jahre alt? Verdammt, da war ich noch …“ er rechnete stumm nach „…. irgendwo in Mexiko …“
„Aye, nicht ganz zweihundert. Knapp. Vor kurzem traf ich einen weitläufigen Verwandten…………..in einer Spielhalle. Er hat im Gegensatz zu mir seine dämonischen Kräfte unter Kontrolle, was es für ihn viel leichter machte durch die Jahrhunderte zu kommen ohne aufzufallen. Besonders damals, als ich so ungefähr vierzig war, in London…………..ich trug ständig eine Haube, damit meine Freier meine Ohren nicht sahen. In der Zeit von Jack the Ripper war London ein verdammt unruhiges Pflaster, ich hätte nicht überlebt wenn einer meine Ohren gesehen hätte………ehm ja der Vorfahr. Und er berichtete mir……………..“ Die Feuerstelle war nun fertig gebaut, aber sie konnte das Feuer nicht entzünden. Er half ihr dabei mit Hilfe seiner Magie.

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„Okay …. ich brauche echt die ganze Story. Wie bist du mit dem Dämon verwandt, der jetzt ’nen Satyranzug trägt?“
„Boah – bloss keine Hektik Sig, ich komm‘ schon noch dazu……..und ich weiss von keinem Anzug. Jedenfalls sagte mir mein Verwandter, dass mein Ur-Ur-Ur-Urgrossvater sich wohl einen kleinen Fey heran gezüchtet hätte, dem er dann den Körper klaute um die Herrschaft dieser Welt zu übernehmen. Als ob der nicht schon genug Welten unter Kontrolle hätte mit seinen 665!“

Der Garou runzelte die Brauen.“665 was? Jahre? Welten?“
„Er kontrolliert 665 Welten. Die Legende sagt, wenn er 666 besässe, dann würden alle anderen Welten ihm automatisch überstellt, denn das ist die Zahl der Bestie und sie hat grosse Magie. Also die Zahl. Opa dann auch.“
„Welten! Die liegen noch tiefer im Umbra … da komme ich nicht hin. Wir müssen ihn also hier aufhalten, bevor er … was auch immer tut. Was denkst du, was er hier will?“
Minnie zuckte die Schultern und sah zu wie das Collar in Rauch aufging. „Was weiss ich? Mama sagte als sie noch lebte, es ginge ihm immer nur um eins: Macht. Jedenfalls……………kann ich meine Fähigkeiten nicht kontrollieren, die kommen und gehen wie sie wollen. Und manchmal hab ich Flügel oder schwarzweisses Haar. Aber das kennst du ja schon.
Die spitzen Ohren hab ich immer, die muss ich meist verstecken……..“, sie seufzte und schien völlig das Interesse an ihrem Vorfahren verloren zu haben.

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„Scheint ja echt ´n Herzchen zu sein. Aber ich hab dem Magus versprochen, das wir ihn aus dem Satyr rauskriegen. Du weißt nicht zufällig, wie man ihn anlocken kann?“, brachte Sigurson sie wieder auf das Thema zurück.

Minnie war nicht bewusst, dass sie instinktiv versuchte, Stress über Sexualität abzubauen. Sie war erst zufrieden als sie in der Glut auch nicht mehr das kleinste Fitzelchen des Collars sah. Das ganze Gespräch über hatte sie unermüdlich versucht, ihn anzuflirten, ihn dazu zu bewegen seine Scheu abzulegen. Er war ein Wolf! Er musste doch auch irgendwo einen Hauch eines tierischen Triebes haben!

Ihre Versuche ihn zu erregen, schlugen allesamt fehl. (Was einen objektiven Beobachter nicht verwundert hätte, hatte Sigurson doch von der ersten Minute an nie einen Zweifel daran gelassen, dass „DAS“ nicht wirklich von ihm angestrebt war, und das das bei Wölfen auch eine etwas andere Sache zu sein schien.)

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Schließlich gipfelten sie darin, dass Minnie -absolut ohne Rücksicht auf Verluste- sich dicht vor ihn stellte, ihren nackten Körper gegen seine muskulöse Gestalt drängte, die so wunderbar und doch so ungewohnt duftete, und ihm ohne jegliche Scheu zwischen die Beine grabschte und beginnen wollte, seine Kronjuwelen zu massieren. Auf seine Frage hin raunte sie heiser vor Lust „Wie geht es der Pfote?……………..ehm wen anlocken? Meinen Ur Ur Ur Urgrossvater?“

Sigurson erstarrte. Nicht, dass es ihm nicht gefallen hätte – aber auf einer offenbar derzeit nicht wirklich komfortablen Ebene. „Ja..a… den, den wir aus dem Satyr holen und vernichten wollen.“
Minnie kicherte „Wollen wir das?“, rieb sich nachdrücklicher an ihm. Nicht nur die magischen Kräfte schienen ihr nicht zu gehorchen. Diese sprunghaften Wandlungen von einem niedlichen, fast naiv wirkenden Mädchen zu einer lüsternen, selbstbezogenen Dämonin ihrer Seele waren in der Tat verwirrend.
Ihre Hand glitt in seine Hose als wolle sie nachsehen ob der Inhalt selbiger Freude verspreche. Dabei gurrte sie dunkel „Keine Ahnung. Machen wir ’n Deal? Ich denke ernsthaft drüber nach. Für ’nen Fick.“

Sigurson zog  die Nase kraus und die Oberlippe von den Zähnen zurück. Eine sehr tierische Reaktion, ganz Wolf. Nicht, dass ihre Berührung ihm nicht gefallen hätte – sie konnte sicher spüren, dass er unter ihren Fingern anfing zu wachsen – aber das war eine völlig unwillkürlich-wölfische Reaktion seines Körpers und nicht das, was er willentlich beabsichtigte.
Der Garou griff nach ihren Oberarmen, nicht schraubstockartig sondern sanft.
„Das willst du nicht! Komm, wir gehen rein. Du nimmst dir was vom Magus zum Anziehen und ich koche uns was. Und Du erzählst mir dafür, was wir tun können!“

Minnie stand da, gegen ihn gelehnt, die beginnende Härte seines Schwanzes fühlend. Dieses warmen, samtigen, so lebendigen Organs…..ihr Herz klopfte wild. Ihre innere Quelle hatte bereits munter zu sprudeln begonnen. Sie fühlte mit Genuss ihre Brustwarzen hart wie kleine Perlen werden. Sexual Healing! Es war fast schon eine Art Trance.

Sie brauchte einen Moment bis ihr Hirn seine Worte verarbeitet hatte. Dann erstarrte sie kurz. Ein Laut der nicht aus ihr selber zu kommen schien und dennoch eindeutig aus ihrer Kehle rollte, übertönte für einen Moment das Prasseln des Feuers.
Es klang als würde höllische Enttäuschung das Schilf zum Rascheln bringen, ein tiefes „oooooooooooooooouuuhhh!“. Sie schien an ihm kleiner zu werden, förmlich zu schrumpfen, auch wenn sich ihre physische Grösse kein Jota verändert hatte. Ihre zuvor so fordernden Arme wurden schlaff und lösten sich von seiner Taille, sie senkte den Kopf, wurde tatsächlich rot.
Dem Mädchen in ihr war ihr dämonisches Verhalten deutlich peinlich. „Ich……..es………..ach fuck!!“ Brüsk dreht sie sich um und fand die seichte Stelle im Wasser, sodass sie es durchwaten konnte und nicht schwimmen musste. Schnell rannte sie zum Haus, wartete nicht auf ihn. Es sah aus als fliehe sie vor sich selbst!

Sigurson liess ihr Zeit. Er folgte gemächlich ins Haus, wo er sich direkt in die Küche begab. Derweil fand Minnie in Jamie’s Schrank ein altes Tanktop von ihm, welches nur so um sie herumschlackerte, weshalb sie es unter der Brust verknotete. Und eine alte abgetragene Jeans, die ihr halbwegs passte. Gut, dass der ehemalige Tänzer nicht so ein Hüne war!

Als sie aus seinem Schrank hinaustrat und sich in dem Zimmer des Jungmagus‘ umsah, entdeckte sie das Bild eines jungen Mannes mit mächtigen Schwingen. Sie rief Sigurson zu sich. „Komm mal, ich will Dir was zeigen!“

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Der Wolf hatte alle möglichen verwertbaren Lebensmittel aus dem Kühlschrank gezogen und begutachtet, Pfannkuchenteig angerührt.  Der plötzliche Wechsel in ihrer Tonlage machte ihn wieder misstrauisch. Sie klang wieder völlig normal, kleinmädchenhaft wie meist. Vorsichtig folgt er der Aufforderung.
„Hier bin ich!“
Er knurrte „Wo is hier?“, während er die Stimme zu orten versuchte.
„Na hier, in seinem Zimmer. Isses doch oder? Der pennt ja hier unten.“ Sie deutete auf das Gemälde.
Sigurson musterte das Bild und schnaufte indigniert.

„Ich glaub‘, so sieht URURUR jetzt aus hm? könnte hinkommen oder? Sein neuer Körper. Unschuldig………“
„Keine Ahnung. Sieht nicht aus wie´n Satyr!“
„Das nicht, nee. Aber Fey sind Changelinge. Genau wie du und ich. Und wenn Babymagus doch verknallt in den Fey ist, warum sollte er dann ein Bild von jemand anderem aufhängen? Das an der Türe ist ein bekanntes Gemälde, das ist niemand real Existentes. Aber das hier ist……….handgemalt!“
Der Wolf schob die Unterlippe etwas vor, biss darauf und legt den Kopf schief. „Naja, was weiß ich … also suchen wir ´nen geflügelten Satyr. Der irgendwie gar nicht nach Satyr aussieht. Sollte einfach zu finden sein!“ Eine leichte Ironie war deutlich zu hören.
„Ich kapier‘ bloss nicht was die Schwingen sollen. Aber mag sein das ist künstlerische Freiheit. So nach dem Motto „Baby, Du beflügelst mich so“ ………Ach Sig, Du hast es geschafft mich von Hyp zu befreien, Du findest auch ’nen Dämon in einem Satyr der kein Satyr ist hihihi!“ Da ist es wieder. Dieses Riesenvertrauen. „Was kochste denn?“

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Man begab sich wieder in die Küche, wo sie feststellen mußten, dass der Kühlschrank nach der langen Abwesenheit von Jamie nicht wirklich gut gefüllt war. Es endete damit das der Pfannkuchenteig in Vergessenheit geriet, und sie alten Käse mit einigen Scheiben Toastbrot verzehrten. Eine Weile hatten sie Smalltalk gehalten, vergessen war der Eklat beim Wasserfall. Leichtigkeit, Scherze, Alltag. Dann erinnerte sich Minnie aber daran, dass er eine wichtige Frage gestellt hatte. Es gab keinen Deal. Jedenfalls nicht in Form eines Ringelpietzes mit Anfassen………doch dafür gab es was zu essen!

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„Wie man ihn herlocken könnte, meinen Uropa? Mama sagte mal, es gäbe etwas dem er partout nicht widerstehen könne, und das sei seine einzige Schwachstelle! Aber ………..wenn ich nur drauf käme was das war!“
„Schwachstelle klingt gut! Meistens isses ja etwas total Schräges, das normalen Leuten harmlos vorkommt. Was weiß ich, Kirchenglocken, Kinderlachen, der Geruch von Maiglöckchen …“
Minnie nagte an einem Käsecracker herum „Oh mann…………….ja, irgendwas in der Art war es……………irgendwas relativ Unspektakuläres. Da liegst du gar nicht falsch……..aber ich komme nicht mehr drauf!“ Sie kratzte sich grüblerisch die Nase.

Der Wolf deutete mit seinem Käsestück auf das Zimmer des Magus.
„Wie wär´s Du tust dich mit ihm zusammen? Ich glaub der is ein Experte für Mindfuck. Direkte Magie is jedenfalls nich so seins. Vielleicht hat er schon was am Arbeiten, so herausfindemäßig!“
„Du kennst ihn länger als ich………wenn Du das sagst……..! Dann hoffen wir mal, dass er bald vom Gassi gehen zurück kommt. Vielleicht kann er mir ja helfen mich zu erinnern. Oder er hat schon einen Plan……….der hat ja sicher auch Verbündete. Die hat schliesslich jeder. Ehm. Fast. “ Sie zwinkerte ihren Verbündeten liebevoll und ehrlich unschuldig an.

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Ein offenes Lachen.“Länger kennen? Ich hab ihn vor … äh .. fünf … sieben Tagen am Caern getroffen. Ich weiß gar nichts! Außer, dass ich ziemlich sicher bin, dass er völlig blauäugig an alles rangeht.“
„Wenn er blauäugig ist hat er vermutlich einen Haufen Anfängerglück. Aber dann sollten wir nicht auf ihn bauen!“

Jamie war derweil natürlich längst vom Gassi gehen zurück und hatte Isar auf den Rücksitz gepackt um mit ihm zum nächsten Supermarkt zu düsen und Hundefutter zu besorgen.

 

Kap45: Auf die Schnelle

((OOC: Liebe Leser, ich gestehe, auch wenn ich gross kein Weihnachten feiere und auch wenn ich daher keinen Vorweihnachtsstress habe – im Augenblick ist mein Hirn aus welchen Gründen auch immer, durch den Wind. Da ich mich augenblicklich ausser Stande fühle, die letzten Rollenspiele hier in Erzählform wiederzugeben, werde ich schlicht eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse erstellen. So bleibt Ihr auf dem Laufenden, und ich kann, sobald ich wieder ich bin, mit frischem Eifer und ganz frischen RP Eindrücken wie gewohnt weiter bloggen.))

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Am nächsten Morgen überwog die Erschöpfung. Ein Triumph wollte sich bei keinem der Beteiligten einstellen……..
Denn auch wenn Redbarnes immer noch durch das Labyrinth geisterte (und natürlich hofften sie, dass er das noch möglichst lange täte), so würden sie sich erst sicher fühlen wenn sie diesen Ort verliessen.

Jamie war verblüfft festzustellen, dass das Mädchen welches er im Halbschlaf ein paar Mal wahrgenommen hatte und für einen Bestandteil seiner Träume gehalten hatte, real war. Nachdem Sig sie ihm vorgestellt hatte und dabei bemerkte, sie könne ihm vermutlich beim Erzeugen des Raum-Zeit- Risses helfen welcher sie zurück auf die Erde bringen sollte, war er erleichtert.

Er hatte es mehrere Male geschafft diesen Riss zu erzeugen, aber er war immer viel zu schnell wieder kollabiert, sodass die Zeit nie gereicht hätte um wirklich hindurch zu gehen.

Doch gemeinsam gelang es nach einigen Fehlversuchen und Verständigungsschwierigkeiten. Und am Ende waren sie alle vier heil in der Höhle des ihm anvertrauten Caerns gelandet.

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Sig hatte verblüfft konstatiert, dass dies der Ort war an dem „alles begonnen“ hatte. Der Jungmagus war unendlich erleichtert und ebenso müde. Also hatte er seine Begleiter ins Haus geführt. Eine junge Frau über deren Wesen er sich unklar war, und die Sig mit derart anbetenden Blicken bedachte, dass es schon fast wieder lustig schien wenn man es als Aussenstehender beobachtete. Wäre das nicht dieses tiefe Misstrauen gewesen.

Jamie wusste nicht mehr was er denken sollte. Aber vorerst würde es genügen ‚daheim‘ zu sein, dem Welpen Kakao zu geben und sich erst einmal auszuschlafen. Morgen könnte er versuchen herauszufinden wieso er Red nicht erreichen konnte. Morgen.
Morgen würde er sich bei Zach melden. Morgen.
Morgen würde er sich das Mädchen genauer ansehen. Lebensmittel besorgen. Nachfragen ob John etwas herausgefunden hatte. Morgen. Nachdem er geruht hatte!

Im Haus angekommen, nahm er grollend zur Kenntnis das Red hier offenbar wie angekündigt getagt hatte, und dabei adventlich geschmückt und das Mobiliar vor dem Kamin ausgetauscht! Es gefiel ihm nicht. Aber er wusste, es war ein „Dienstwohnung“, wenn man es genau nahm. Da musste man wohl Abstriche machen.

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Der Welpe der die Seele seines Gefährten beherbergte, hatte sich relativ schnell vor dem Kamin zusammen gerollt und war eingeschlafen. Nicht mal mehr Kakao………….und die anderen zogen sich in die Küche zurück. Im Kühlschrank fand er Bier für Sig und sich, die Kleine kuschelte sich auf sein Oldtimersofa und hoffte offenbar, das Sig sich zu ihr gesellen würde, doch der Wolf verzichtete darauf. Ein träges Gespräch entspann sich, im Laufe dessen klar wurde, dass Sig kein Einzelgänger und auch nicht „the Leader of the Pack“ war. Er hatte ein Rudel und es gab ihm übergeordnete Wölfe. Aber die waren weit weg und so genoss er hier eine relative Freiheit. Dennoch machte er Jamie unmissverständlich klar, dass er, sollte er die Anweisung erhalten den Jungmagus um die Ecke zu bringen, nicht zögern würde ihr pflichtbewusst nach zu kommen.

Also konnte der dem Garou nur ein eingeschränktes Vertrauen entgegenbringen. Das Mädchen war sehr müde und redete nicht viel, und ausser sich irgendwann doch näher zu Wolf zu gesellen, tat sie nichts. Irgendwann aber fragte sie ihn ob er ihr zwei Chips entfernen könne, welche der Technokrat ihr zwecks Ortung unter die Haut gesetzt hatte.

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Endlich einmal etwas, das zu seinen leichten Übungen gehörte! Er tat es ohne große Umstände und erfuhr, dass sie mehr oder weniger eine Gefangene von Redbarnes gewesen war, der offenbar ihre Hoffnung ihre dämonischen Kräfte unter Kontrolle zu bringen genutzt hatte, um ihr zu suggerieren er könne das indem er sie in einen Cyborg verwandele. Als sie erkannte  hatte um was es ihm wirklich ging, kurz vor der ersten Operation, hatte sie irgendwie Sig kontaktet und um Hilfe gebeten. Das war wohl der Grund warum sie nun wie eine Klette an dem Garou klebte.

Er versiegelte die Chips magisch, sodass Redbarnes sie nicht würde orten können wenn er dem Labyrinth erst einmal entkommen war. Aber er fragte sich ob sie nicht eventuell dienlich sein konnten. Möglicherweise könnte man Redbarnes benutzen…………auf der Jagd nach dem Dämon. Doch Jamie war viel zu müde um all das in letzter Konsequenz zu durchdenken. Er versteckte die Chips und Minnie hatte gebeten einen Schlafplatz gewiesen zu bekommen. NAchdem er sie ins Gästezimmer geschickt hatte, plauderte er ein weiteres Bier lang mit Sig, der deutlich trinkfester als er selbst schien.

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Und irgendwann konnte er nicht mehr geradeaus gucken, schnappte sich Isar und zog sich mit ihm in sein Schlafzimmer zurück, während der Garou sich einen Platz auf dem Bettvorleger des Gästezimmers suchte um in Wolfsform zu übernachten.

„Die erste gemeinsame Nacht in unserem neuen Daheim hätte ich mir anders gewünscht, mein Prinz!“ flüsterte er leise, dann fielen ihm auch schon die Augen zu.

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Oben riss sich Minnie die Kleidung vom Leib, die Redbarnes ihr gegeben hatte. Sie hatte nicht die blasseste Ahnung wem sie vorher gehört hatte und wie der Technokrat daran gekommen war, aber sie fühlte sich beschmutzt so lange das Zeug ihr am Leib hing. Dann öffnete sie den absolut leeren Kleiderschrank und die Hoffnung zu anderen Klamotten zu kommen starb.

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Seufzend ergab sich das Mädchen in sein Schicksal und nachdem sie über 48 Stunden nicht geschlafen hatte, fiel sie in einen ohnmachtsähnlichen Schlaf, in dem sie auch nicht mehr wahrnahm wie der Wolf sich auf dem Fell vor dem Bett zusammenrollte. Sie hatte ihn gebeten sie zu bewachen, und auch bevor er vor Ort war wusste sie das er das tun würde. Denn er hatte es zugesagt!

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Ihr Held wäre der Letzte, der sein Wort bräche!

In dieser Nacht lag das Haus in einem tiefen Frieden. Und es gab kaum etwas das alle Beteiligen im Moment nötiger hatten!

 

Kap44: Das Labyrinth

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Er hatte sich weise bewaffnet. Am Eingang der Höhle überprüfte Redbarnes noch einmal sowohl den Bogen, (der nur auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Bogen wirkte, tatsächlich aber magische präparierte Pfeile abschoss), als auch die Peitsche, die er in einem Holster an seiner rechten Hüfte trug. Diese Peitsche war HighTech, und auch ihr sah das niemand an. Ein Kollege von ihm hatte sie extra für die Jagd auf Wölfe entwickelt, und sie würde einen Wolf töten, da sie sobald sie sich um seine Gliedmaßen schlang, kleine Nanosonden frei liess. Diese arbeiteten sich unter die Haut des Wolfs und setzten dann dort ihr Gift frei.

Während er vorsichtig und wachsam den Gang betrat, immer wieder nach allen Seiten sichernd, ging ihm ein Satz von Sir Walter Scott durch den Kopf. Oh welch verstricktes Netz wir weben, wenn wir zuerst die Täuschung üben!
Seine Waffen wirkten nach außen hin so einfach, ja fast rückständig.

Natürlich hatte er nicht damit gerechnet, dass er erwartet würde.

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Der Wolf harrte geduldig seiner, er hatte sich an einem Felssporn nach oben gezogen und hing nun über menschlicher Kopfhöhe dort. Seine Aufgabe war ihm sehr vertraut – dafür Sorgen das der Feind irritiert wird und ihn weglocken, ihn sich verirren lassen, und das Rudel in Sicherheit bringen.
Welches heute nicht aus Garou sondern aus einem Jungmagus, einem Welpen und einer seltsamen Lady bestand.
Als Redbarnes in der Höhle nichts, aber auch gar nichts Lebendes sah, (Jamie und der Welpe ruhten in dem mittleren Raum), machte er einige Schritte hinein und sah das Untier viel zu spät. Nämlich genau dann als der Wolf sich abgestossen hatte und bereits mit weit aufgesperrtem Fang auf den Technokraten zu sprang. Funken stoben, als die riesigen, scharfen Krallen Stein zerrissen……..der Technokrat schaffte noch eben so einen Ausfall zur Seite, sodass das Biest ihn mehr als knapp verfehlte, aber mit der Seite des massigen Körpers noch dafür sorgte das er zu Boden ging. Der überraschte Laut, der sich Redbarnes‘ Kehle entrang, hallte von den Höhlenwänden wieder.

Kaum hatte er sich aufgerappelt, war der Wolf schon über alle Berge. Sigurson hatte nicht vor, sich auf einen Kampf mit einem überlegenen Gegner einzulassen, er setzte auf List und war zum Ausgang geprescht, um den Technokraten weg zu locken. Der ging auch prompt darauf ein und nahm die Verfolgung auf. Da draussen war Minnie, und die brauchte er noch! Nicht auszudenken wenn der Wolf sie als Geisel nähme.Am Höhlenausgang angekommen, (menschliche Schrittlängen sind leider verglichen mit einer fast vier Meter hohen Wolfsbestie ein wenig suboptimal), war vom Wolf nichts mehr zu sehen.

Redbarnes schaute sich unruhig um, die Peitsche fest in der Hand, bereit sie jede Sekunde gegen das Monster zu schwingen.

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Doch alles was er sah, war Minnie, drüben am Feuer. Noch halb im Schutz des Höhleneingangs winkte er ihr zu sie möge sich zu ihm begeben und fokussierte kurz den magischen Knoten in der Leine, um ihn mental zu lösen.

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Immer dichter wirbelten die Flocken vom schmutzig graubraunen Himmel, das ließ ihm kaum eine vernünftige Sicht! Minnie hatte kurz verblüfft gestockt, dann aber bemerkt, das sie die Leine lösen konnte, und näherte sich dem Technokraten. Dieser ahnte nicht, dass der Wolf hoch oben auf der Höhle lauerte und dabei versuchte, Minnie’s Blick einzufangen. Sig musste sie warnen dass sie ihm auf gar keinen Fall dahin folgen durfte, wo er den Magus hinzulocken gedachte! Doch dieser Sorge wurde er enthoben, als Redbarnes Minnie befahl, sich in der Höhle zu verstecken. Sie schaute unauffällig fragend nach oben, und Sig musste lediglich zustimmend nicken und zusehen wie sie sich in die Höhle zurückzog. Dann schickte er sein Totem zum zugefrorenen See, an dem man Wolfsgeister heulen hören konnte.

„Überrede sie, uns zu helfen. Ich werde Gaias Labyrinth wirken, sie können dort spielen, wenn sie wollen“ Das Totem, die kleine schwarzweisse Katze,  strich nach diesem gedanklichen Befehl kurz um seine Pfoten und verschwand in Richtung der Geister. Sigurson orientierte sich und sprang dann los, direkt auf den Magier zu.

Am vereisten See, ein gutes Stück hinter der Höhle, schwärmten derweil einige weisse Wolfsgeister aus und bereiteten sich auf ihren Einsatz vor………..

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Sein Instinkt hatte Redbarnes dazu bewegt, sich umzuschauen, und so sah er den Schatten auf sich zu fliegen, schafft es, die Peitsche zu schwingen. Doch der Wolf war zu schnell, und so erreichten nur einige wenige Stränge der vielschwänzigen Waffe den Wolf. Dabei wurden auch einige der Nanosonden frei gesetzt, aber lange nicht genug um tödlich zu wirken. Sie konnten ihn allenfalls ein wenig betäuben, wenn überhaupt!

Ein wütendes Aufheulen zerriss die Stille der winterlichen Dämmerung im tiefen Umbra. Eilig begann Sigurson, sich die spitzen Nadeln aus der Haut zu ziehen. Als er laut jaulte als sie sich in seine Pfoten bohrten, ging ein zufriedenes Grinsen über Redbarnes‘ Züge. Doch als er bemerkte, dass er das Untier nur gestreift hatte, brachte sich der Technokrat erst einmal mit einem langen Satz hinter einer Schneewehe und einigen kleinen Felsen in Sicherheit.

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Dort packte er die Peitsche zurück ins Holster und schoss aus der Deckung einen Pfeil auf das Monster, doch bevor er sehen kann ob selbiger traf, war der Wolf schon bei  ihm und schlug gnadenlos zu. Er konnte sich zwar noch schnell ducken, dennoch riß eine der messerscharfen Krallen ihm eine tiefe, heisse Wunde in die Schläfe!

Ein langer Satz nach hinten, und der kupferne Geruch frischen Blutes strömte durch die fallenden Flocken, hübsche, granatfarbene Tropfen machten sich im Schnee breit.

Ein Weile umtänzelten sie sich, wobei Sigurson den Technokraten immer weiter da hin lockte, wo er ihn haben wollte. Wenn man diesem einen Vorwurf machen konnte, dann lediglich dass er die List des Monsters offenbar sträflich unterschätzt hatte. Er hatte wirklich angenommen, es käme zu einem Kampf, er hätte das Überraschungsmoment auf seiner Seite, und somit einen relativ leichten Sieg! Nun sah es nach allem aus, bloss nicht nach easy victory…….

Das Theaterspielen war offenbar keine Domäne der kleinen Dämonin! Filmreif keuchte der Wolf, griff sich mit leidenden Augen an die Seite an der ihn die Peitsche getroffen hatte, und rannte mit dramtisch angeschlagen wirkenden Sätzen davon………..immer näher auf den See zu.

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Redbarnes war zwar kurz verblüfft – sollten doch mehr Nanosonden am Wolf sein, als der halbe Treffer erahnen ließ? – aber er folgte flugs und somit ging die Rechnung seines Kontrahenten auf. Und während er bei jeder passenden Gelegenheit versuchte, einen Pfeil abzuschiessen, geriet er immer tiefer zwischen die dichten Bäume aus denen die Wolfsgeister bereits begonnen hatten das Labyrinth zu weben.
Redbarnes‘ Instinkt meldete sich, sagte ihm klar, dass es Zeit für einen geordneten Rückzug sei. Doch seine Arroganz hatte die Führung, und so folgte er dem Wolf immer weiter. Dieser sorgte mit einer List und magischen Worten dafür, dass der Technokrat sich umsehen musste……………..

………….und als er wieder zum Wolf schaute, war dieser verschwunden. Es war still. Viel zu still. Bäume. Viele Bäume. Dunkele, fast schwarze Baumstämme, wohin er sah!

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Mit gerunzelten Brauen drehte er sich um die eigene Achse, versuchte auszumachen wo der Wolf war, wo der See…………..nichts. Es war ein völlig anderer Wald. Kälte. Dröhnende Stille.

Ein paar Schritte dahin wo er glaubte den See zuletzt wahrgenommen zu haben. Nichts. Gar nichts. Egal wie weit er ging, ganz gleich in welche Richtung er ging – da war nichts ausser dem dunklen Wald und dem weissen Schnee. Dann ging ihm auf, dass er sich hatte austricksen lassen.

Ein Schrei zerriss den Vorhang aus glitzernden Flocken. Und kaum war er verklungen, erscholl ein lauter Knall. Baumrinde rieselte in den Schnee als Redbarnes die Peitsche senkte. Er würde nicht so schnell hier heraus finden. Das sagte ihm sein Instinkt, den er zuvor so meisterhaft ignoriert hatte. Der Technokrat fluchte wie ein Besenbinder.

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Kap43: Rundblick

IM HAUS DES TECHNOKRATEN

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Nachdem das Haus in Ordnung gebracht war, hatte sie sich ins Bad begeben und die Türe hinter sich verriegelt. Etwas, das sie eigentlich nicht durfte. Aber sie riskierte es…….dem Wolf zuliebe!
Nachdem es so erstaunlich leicht gewesen war, Redbarnes auf ihn anzusetzen, und nachdem dieser es so verblüffend eilig hatte, sollte sie ihn warnen. Das war nicht mehr als recht und billig – der Wolf sollte vorbereitet sein. Ein Kampf mit einem Technokraten war schließlich kein Kinderspiel!

Minnie kauerte sich auf den Stuhl und versuchte ihren Körper zu verlassen; einen Avatar, also eine Art holographisches Ich ins tiefe Umbra zu senden, und siehe: Es gelang!
Allerdings war das Gespräch mit dem Wolf nicht geeignet, ihre Zuversicht wachsen zu lassen. Meine Güte, nicht einmal mehr auf Wahrträume konnte man sich heutzutage noch verlassen! Offenbar war der Traum ein Hybrid wie sie selbst. Ein Hybrid aus Wahrtraum (denn die Höhle gab es wirklich und der Wolf befand sich tatsächlich dort) und Wunschdenken (er hatte sie weder Minnie Me getauft noch kannte er sie überhaupt.)!

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Nach langem Hin und Her, bei dem sie auf glühenden Kohlen sass, weil Redbarnes jeden Moment versuchen könnte das Bad zu entern, bzw. zum Aufbruch zu blasen, hatte sich herausgestellt das Minni Me ein Welpe war, der die Seele eines Satyrs beherbergte, und der im tiefen, hinteren Teil der Höhle bei einem jungen Magus im Arm schlief.

Aber dennoch würde ihr der Wolf helfen! Sie hatte ihm versprochen, den Technokraten so weit als möglich zu behindern und ihn so spät als möglich an die Höhle gelangen zu lassen. So würde Sig, wie der Wolf sich nannte, Zeit haben einen Schlachtplan zu entwerfen. Es war noch nicht alles besprochen, als sie auch schon Redbarnes‘ Stimme und seine Fäuste gegen die Badezimmertür hämmern hörte. „Minnie, was soll das? Seit wann erlaube ich Dir, Dich einzuschließen? Mach‘ sofort auf!“

Unwillig war sie in ihren Leib zurück geschossen, und mit einem heftigen Anfall von Schwindel war sie vom Stuhl gesprungen, hatte die Tür entriegelt, ihn eingelassen. Wortlos war sie dann zur Toilettenschüssel gehechtet – vorgebend ihr sei übel und sie müsse sich übergeben. Tatsächlich hatte die kleine Hybriddämonin es geschafft, ein wenig Galle hoch zu würgen.

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Stirnrunzelnd hatte Hyppolite Redbarnes sie dabei beobachtet, und nachdem sie fertig gehustet hatte, nuschelte sie auf dem Weg zum Waschbecken „Tut mir leid Hyp, ich…………wollte nicht, dass Du mich SO siehst! Hab wohl das Steak nicht vertragen…..“, dann drehte sie flugs das Wasser auf um sich das Gesicht zu waschen. Auch dabei ließ er kein Auge von ihr. Kaum hatte sie sich gesäubert, hakte er die Kette in die Öse ihres Halsbandes und zog sie aus dem Bad. „Wir gehen! Los, zeig mir den Weg.“

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Minnie hatte so getan als habe ihre Übelkeit sie geschwächt, sie taumelte mehr hinter ihm her, als das sie ihn führte. Als sie das Haus verlassen hatten, begann sie ihn erst einmal ins tiefe Umbra zu lotsen, wobei sie Umwege machte und auf Zeit spielte. Er wurde immer ungeduldiger. Doch bei jedem scharfen Wort, versicherte sie ihm kokett und strahlend, das sie halt lange keine solche Reise mehr unternommen habe und schlicht aus der Übung sei. Und das sie den Wolf mit Sicherheit finden würde.

 

JAMIES ZUHAUSE

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Der alte Schamane war beunruhigt.
Seit Jamie sich auf die Suche nach Isar gemacht hatte, hatte er kein Lebenszeichen mehr erhalten. Weder Lung Ninurta noch er selbst schafften es, sich mit dem Jungmagus zu verbinden. Und das war höchst seltsam und so noch nie vorgekommen. Lediglich ein einziges kurzes Mal hatte er es geschafft (auf einem eher unüblichen und für ihn auch ungeübten Wege) seine Stimme physisch zu Jamie zu transportieren und ihn zu rüffeln. Dieser liebesblinde Tölpel! Nicht einmal den Stab den er ihm mitgegeben hatte, hatte Jamie zuvor auf seine Fähigkeiten geprüft! Nur ein Narr warf sich in einen Kampf ohne seine Waffe zu kennen! Hoffentlich fand er nun heraus wie man den Riss generierte, der ihn, Isar und den Wolf zurück nach hier bringen würde!

Red schob den Stecker in die Dose, und die kleinen Lichter an dem hölzernen Rentier verbreiteten ein warmes Licht am Eingang zum Wohnraum. Sein Kollege Tekko schlief oben im Gästezimmer den Jetlag aus, und Mel und Aidan waren noch nicht angekommen. Shamoni hatte abgesagt. Sie hatte wohl keinerlei Kapazitäten für Krisensitzungen frei.

Aranza hatte Jamie offenbar Teile ihres Sofas vermacht, aber für Red war das absolut zu bodennah, er hatte Probleme so tief zu sitzen.
Er konnte nicht länger verleugnen, dass er mit Riesenschritten auf die Siebzig zuging.

Also hatte er es mit Tekko gemeinsam in den Keller geschafft und die Möbel des Vormieters wieder herauf geholt. Die Nervosität besänftigte er indem er während der Wartezeit auf Mel’s Ankunft ein wenig Adventsstimmung im Haus verbreitete – war er im Keller doch über eine Kiste mit Dekorationsdingen gestolpert.

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Schließlich hatte er sich mit einer Tasse Chai an den Kamin gehockt und vor sich hin gestarrt. Er war verantwortlich für Jamie! Aber nicht nur das machte ihm Kummer. Sollte Jamie Isar wirklich finden, so blieb die große Frage wie man den Dämon bekämpfen sollte, der Isar’s Körper benutzte. Wie ihn überhaupt auftreiben??

Während er den Tee schlürfte, wurde es draußen schon ein wenig dämmrig. Noch 24 Tage bis Weihnachten! Verdammt, wie gerne würde er Isar und Jamie eine Lösung schenken! Ganz davon abgesehen, das die erfolgreiche Beseitigung dieses Monsters auch die Welt retten würde………Sorgenfalten. Tiefe Sorgenfalten.

Hoffentlich würden Mel, Tekko, Aidan und er gemeinsam eine Strategie ersinnen können. Manches konnte man einfach nicht alleine bewerkstelligen. Auf der Treppe erklangen Tekko’s schwere Schritte. Genau in dem Moment als er den langhaarigen Schamanen aus Kanada die Treppe hinablaufen sah, klingelte es an der Tür und auch sein Handy gab Laut.

Red nahm das Gespräch entgegen während Tekko ihm nur zunickte und Richtung Haustür trabte um Mel zu öffnen. Aidan erklärte am Telefon, er habe einen Todesfall in der Familie und würde ebenfalls nicht kommen können. Verdammter Bockmist.
Tekko hatte Mel eingelassen während Red kondolierte, und beide wurden mit einer Tasse Chai bedacht und aufs Sofa gebeten. Der alte Schamane verkniff sich ein Grinsen. Denn ein unterschiedlicheres Paar Magier bekam man selten auf einem Sofa serviert!

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Während man Tekko den Magus schon von Weitem ansehen konnte, sei es an seinen langen Haaren, dem Amulett, oder der Tatsache, dass er liebend gern den Damen Feuer gab in dem er schlicht zwei Finger aneinander rieb oder auch einfach mal Federn im Haar trug, hätte Mel in seinem perfekt gebügelten und frisch gestärkten Streifenhemd und der Hose aus einem edlen, leicht glänzenden Stoff ein erfolgreicher Immobilienhai sein können. Vielleicht auch ein Banker. Er war mit seinem 911er Porsche angereist, während Tekko einfach den Daumen in den Wind gehalten hatte und erfolgreich einen Flug als blinder Passagier überstand.

Red begrüsste die Beiden mit dem Satz „Houston, wir haben ein Problem!“ und berichtete seinen alten Freunden dann von dem Dämon, der in Gestalt eines unschuldig wirkenden, auf eine verblüffende Weise niedlich wirkenden, blonden Satyrs beschlossen hatte die Welt heimzusuchen.
Nachdem er geendet hatte, machte Tekko dicke Backen während Mel mit den Fingern seine Bügelfalten quälte. Eine lange Weile herrschte nachdenkliches Schweigen, das nur vom Prasseln des heimelig flackernden Kaminfeuers unterbrochen wurde. Danach vom Klingeln des Pizzaboten. Und dann schließlich vom Rufen des Eulengeistes, der den Caern bewachte.

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IM TIEFEN UMBRA

Jamie fror. Auch wenn der Mantel, der zu der Rüstung gehörte die Red ihm hatte zukommen lassen, magisch wärmte, so wurde das Schneetreiben vor der Höhle immer arger. Auch der zweite Eingang, der zuvor in eine Sommerlandschaft geführt hatte während am ersten Eingang schon Schnee lag, zeigte nun blendend weisse Pracht.

Am Tag zuvor hatte Jamie die Höhle erkundet, da er Abstand von Sig und Isar halten wollte während er versuchte, diese Risse zu generieren, den direkten Heimweg zu ermöglichen. Er kannte den Stab einfach nicht gut genug um ein Risiko einzugehen. Und siehe da, es gab einen weiteren Raum in der Höhle, die größer war als vermutet. Und ein langer, gewundener Gang führte zu einem dritten Ausgang. Man hatte sich in diesen Teil der Höhle zurückgezogen, nachdem Jamie eine Menge Risse generiert hatte, die aber allesamt nach kürzester Zeit wieder kollabierten. Zu kurz, um hindurch schlüpfen zu können.Hier waren sie sicherer, da der lange, schmale Zugang zu dem Raum deutlich besser zu verteidigen war und weniger kalte Luft einließ. Mit dem letzten Rest magischer Kraft hatte der Jungmagus eine Feuerschale materialisiert. Auch wenn das Feuer den recht ungünstig belüfteten Teil der Höhle mit Rauch füllte, so wärmte es und spendete Licht.

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Der Wolf hielt im ersten Raum Wache, während Jamie versucht hatte auf den Fellen zu schlafen, aber Isar ruderte permanent unruhig im Traum mit den Pfoten herum, und so fand er keine Ruhe. Er setzte sich eine Weile auf und starrte ins Feuer. Seine Versuche sich mit Red zu verbinden schlugen allesamt fehl. Das war in der ganzen Zeit in der er seinen Lehrer kannte noch nie vorgekommen.

Schließlich hatte er sich erneut hingelegt, aber zuviele Gedanken kreisten in seinem Kopf. Und noch nie war er so lange im tiefen Umbra gewesen. Ein Gefühl der Unwirklichkeit lag über allem, fast als könne er jeden Moment aus einem bösen Traum erwachen. Es war der kleine, warme Welpenleib in seinem Arm, der Jamie die Kraft gab durchzuhalten.

Sicher, er hatte einen Pakt mit dem Changeling. Dennoch wäre es fahrlässig ihm uneingeschränktes Vertrauen zu schenken. Sig brauchte Jamie um das tiefe Umbra zu verlassen, aber je mehr Versuche zum Generieren des Risses fehlschlugen, um so rissiger wurde der Pakt. Jedenfalls in Jamies Wahrnehmung.

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„Ich will nach hause, Isar!“ raunte er dem schlafenden Welpen zu. „Morgen schaffe ich es! Versprochen. Und wenn ich dabei den Stab verschleisse, aber morgen werden wir einen Durchgang in ‚unseren‘ Caern generieren! Und dann gibt es Kakao! Mit Rum. Mit jeder Menge Rum!“

Kurz hatte Jamie den Eindruck als würde sich Sig im Nebenraum der Höhle mit jemandem unterhalten, aber als er hinüber rief was los sei, bekam er die nichtssagende Antwort „Erzähl ich Dir morgen!“. Vermutlich hatte er mit seinem Totem geredet, dieser kleinen schwarzweissen Katze.

Jamie hatte keine Ahnung, was sich draussen im Schneegestöber abspielte, als er nun doch in einen leichten Schlummer sank, Isar fest und schützend an die Brust gepresst…………

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Minnie hatte es nicht länger hinauszögern können. Sicher, ein paar Stunden wusste der Wolf nun bescheid. Hoffentlich reichte das. Die Schneeflocken stachen wie kleine Nadeln in ihre nackte Haut, aber sie fror nur sehr wenig. Ausnahmsweise schien das Hybridentum etwas zu taugen, jeder normale Mensch hätte sich zu Tode gebibbert!

Hyppolite beäugte die Höhle misstrauisch. „Da isser drin?“ Sie nickte nachdrücklich „Ja, da drin. Keine Ahnung wie groß die Höhle ist aber ich schwöre, da isser drin.“ Des Technokraten Augen fielen auf den Feuerplatz, an dem bereits Brennholz aufgebaut war. Er prüfte die Windrichtung mit einem nassgeleckten Zeigefinger, brummte dann „Im tiefen Umbra weiss man nie…….. aber wenn der Wind so bleibt, weht der Rauch von der Höhle weg. Zünde es an, Minnie, denn ich werde Dich hier anketten und es wäre nicht gut wenn Du ein Eiszapfen bist wenn ich nach erfolgreicher Jagd wieder heraus komme.“

Sie hatte sich hingehockt und das Feuer entfacht, was eine Weile dauerte da das Holz vom Schneegestöber sehr feucht war. Aber jede Verzögerung war ihr mehr als recht. Schliesslich befestigte Redbarnes die Kette an einem Baumstamm und versiegelte den Knoten magisch, sodass Minnie ihn nicht würde lösen können.

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Als es endlich brannte, kauerte sich Minnie auf das Fell am Baumstamm und versuchte, erregt-fröhlich zu wirken. Offenbar gelang es, jedenfalls nickte Redbarnes ihr zu und griff in seine Jacke um einen sehr kleinen aber sehr potenten Stab hervor zu ziehen.

„Und du wirst keinerlei Laut von Dir geben bis ich zurück bin. Klar?“

„Klar.“

Ihre Augen folgten ihm als er sich langsam auf den Eingang zu bewegte, die Umgebung immer wieder mit den flinken, stahlblauen Augen sondierend, und schlieslich langsam und unhörbar hinein schlich.

Zum ersten Mal in ihrem Leben begann Minnie zu beten. Zu Luzifer. Auf dass sich alles zum Guten wenden möge!