Kap42: Die Zeit drängt!

Am darauffolgenden Abend bekam Minnie den Schock ihres Lebens.

Zum ersten Mal hatte sie es geschafft, Hyppolite Redbarnes ein Steak genau so zuzubereiten, dass es ihm wirklich mundete. Während er den Karamelpuddig löffelte, den sie als Dessert fabriziert hatte, sagte er angelegentlich: „Heraeus ist schneller als Ritter.“
Er erntete einen verständnislosen Blick, gepaart mit einem „hm?“

„Ich habe sowohl die OP Lampe als auch die Lampe für den Dentistenstuhl den ich noch aufstellen werde, in Deutschland geordert. Ich war gespannt wer am schnellsten liefert. Die OP Lampe liegt zur Abholung bereit. Morgen werde ich sie wohl installieren. Ich hoffe, Ritter liefert mir auch bald die zahnmedizinische Leuchte, denn ohne sie kann ich die nötigen Anpassungen in Deinem Mund nicht vornehmen.“

Es war als fiele Minnie in ein tiefes, dunkeles Loch ohne Boden. Morgen schon! Zaghaft fragte sie: „Und wann beginnst Du mich zu operieren?“
„Sobald ich mich entschieden habe, welche Narkoseform am geeignetsten ist, Minnie. Ich schwanke zwischen einer Injektionsnarkose als Ganzes, oder einer kleinen intravenösen Einleitung um dann zu einer Inhalationsnarkose über zu gehen. Der Nachteil von Letzterem wäre, dass ich Dich intubieren müsste. Was ich nicht beherrsche, ich bin kein Anästhesist. Und es sollte eine zweite Person anwesend sein, die den Gaszufluss reguliert und Deine Vitalwerte im Auge behält. Eigentlich hatte ich aber nicht vor jemanden hinzu zu ziehen. Und ein Narkosegas müsste ich erst noch besorgen, Ketamin hingegen habe ich vorrätig.“ Es klang fast als spreche er mehr zu sich selbst weil er davon ausging, das die verhinderte Dämonin seine Worte sowieso nicht verstehen würde. „Andererseits kann Ketamin ziemlich böse Alpträume hervorrufen, das würde ich Dir gern ersparen.“

Minnie fühlte, wie ihr Magen begann, sich umzudrehen. Redbarnes schaute prüfend zu ihr und konstatierte dann trocken „Es ist verständlich, dass Du Angst hast. Das Steak war heute hervorragend auf den Punkt! Geh und nimm ein Bad, dann darfst Du heute in meinem Bett übernachten. Das wird Dich sicher ein wenig ausgeglichener werden lassen.“ Ein sparsames Lächeln begleitete die Aufforderung.

Minnie kam ihr nur zu gerne nach, sie räumte nicht einmal mehr den Tisch ab sondern floh mit einem gehorsamen „Sehr gern, Hyp“ ins Bad. Da sie immer wenn sie die Wanne benutzen durfte versuchte, diese Zeit künstlich auszudehnen, gab es eine Übereinkunft: Er gestattete ihr, dort ein Buch zu lesen und es sich mit einer Kerze gemütlich zu machen. Wie froh war sie in diesem Moment, die Zeit im Bad für sich und ihre Gedanken zu haben!

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Ihre Augen waren auf das Buch gerichtet, sahen jedoch den Text nicht. Morgen schon! Er könnte morgen bereits die erste Operation einläuten, oder aber jeden beliebigen Tag ab dem morgigen nehmen! Und sie wusste ja nicht, was der Wolf dort im tiefen Umbra tat, wie lange er da verweilen würde, und ob man ihn in einigen Tagen dort noch anträfe. Ganz gleich, wann die OP anberaumt werden würde!

Es half nichts, die Zeit drängte. Sie würde keine Gelegenheit haben ihren Plan reifen zu lassen, nein, sie musste Hyp noch heute abend auf den Wolf ansetzen!
Vor lauter Aufgeregtheit verlor sie die menschliche Form, ihre Flügel materialisierten sich, die Haare nahmen die dämonische Beschaffenheit an. Sie fluchte leise. Es wäre jetzt unmöglich, die Flügel weg zu bekommen…………sie hasste es, dass ihre Formen je nach Stimmung einfach wechselten ohne dass sie das hätte steuern können.
Ohne diese Unfähigkeit ihre beiden Formen zu verwalten, wäre sie nie und nimmer in diese missliche Lage geraten. Erstens hätte sie keinen Strohhalm namens Redbarnes gebraucht, und zweitens, selbst wenn – sie hätte ihn vermutlich leicht im Schlaf überwältigen oder aus dem Dachboden ausbrechen können. Denn nicht nur ihr Körper, nein auch die mentalen und magischen Kräfte hätten ihr dann gehorcht!

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Ihre Gedanken wurden jäh unterbrochen, als die Tür aufsprang und der Technokrat das Bad betrat. „Das Bett hat übrigens einen neuen Bezug nötig, das kannst Du tun sobald Du hier fertig bist. Am besten bevor Du neben Flügeln noch Schwimmhäute entwickelst!“
Seine gelegentlichen Ansätze von Humor brachten Minni selten zum Lachen. Sie beschloss, die Gelegenheit beim Schopf zu packen.

„Natürlich, gerne. Ach Hyp?“
„Was denn?“
„Möchtest Du Dich nicht zu mir setzen? Es gibt da etwas, das ich Dir berichten wollte, ich bin recht sicher es interessiert Dich!“

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„Muss das sein? Ich habe zu arbeiten!“
„Ehm……nein. Sicher. Es kann warten. Aber wer weiss schon ob der Wolf den ich Dir anbieten kann, noch vor Ort sein wird wenn ich es Dir spät berichte……..“

Man konnte sehen, wie er förmlich lange Ohren bekam als das Wort „Wolf“ fiel, und das auch noch in einem Satz mit „anbieten“, und tatsächlich: Er schloss die Tür, ging zur Wanne, nahm den kleinen Tischaufsatz mit dem Buch weg und hockte sich auf die Kante. Seine Augen suchten neugierig die ihren, was außergewöhnlich war. Denn solange Minnie nackt war, glitten sie eher über ihren Körper.

„Ein Wolf? Was heisst denn anbieten? Es gibt tausende von Wölfen in New York, Mädchen! Und sie alle wissen sich gut zu tarnen, sonst wären sie längst unter der Erde! Du willst mir nicht weismachen, Du hättest eine Ausnahme entdeckt, wo Du doch nicht einmal vor die Tür kommst?!“

Minnie drehte sich um, sodass sie ihm nun den Rücken zuwandte……..besser er würde ihr bei dem was sie nun vor hatte nicht zu sehr ins Gesicht schauen! Sie misstraute ihrem schauspielerischen Talent, so wie sie generell dazu neigte sich selbst zu misstrauen.
Ihre Stimme nahm einen verliebt-koketten Tonfall an. „Ich schwöre Dir, ich biete Dir die Gelegenheit einen Wolf ausserhalb von New York zu erlegen! Was ist die Info denn wert, Liebling? Ich denke Du könntest mich redselig machen indem Du mir die Schultern massierst…………!“
Während sie sprach, griff sie nach hinten und zog seine Hand hinab auf ihre nasse, warme, vom Schaum glitschige Brust, beugte den Kopf kurz in den Nacken um ihn mit dem verführerischsten Blick anzuschauen den sie in diesem höchst angespannten Moment entwickeln konnte.

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Redbarnes spielte angelegentlich mit ihrem schwarzen Flügel, dann mit dem weissen. Die Hand, die sie auf ihre Brust gelegt hatte, zwirbelte eher beiläufig ihren Nippel. Seine Stimme klang sehr erregt, aber Minnie war sich sicher das die Ursache dafür weniger eine erotische war, als die Aussicht einen Wolf präsentiert zu bekommen.
„Ausserhalb von New York? Minnie, verscheißer‘ mich nicht. Jenseits der Stadtgrenzen tarnen sie sich nicht schlechter als mitten drin!“

Während Minnie so tat, als winde sie sich genüsslich und langsam geil werdend unter seinen Händen, gurrte sie leise „Das ist wahr. Aber im tiefen Umbra, da nicht!“ Sie traute sich, ihm mit einem gespielt verhangenen Blick tief in die Augen zu schauen. „Na? Neugierig geworden?“
Der Technokrat antwortete in einer Reibeisenstimme, die bei anderen Männern eher ein Zeichen höchster, sexueller Erregung wäre: „Verdammt, im tiefen Umbra? Wie kommst Du denn an eine solche Information? Hast Du Spione da draußen? Los, red‘ schon!“

An diesem Punkt begann die Scharade, Minni beinahe Vergnügen zu bereiten!
Er war voll darauf angesprungen, es hätte nicht besser laufen können. Also begann sie, von ihrem Traum zu berichten, wobei sie oft betonte, dass es sich ohne Zweifel um einen Klartraum handelte. Sie baute Kunstpausen ein, um die Spannung zu erhöhen und zu betonen, dass sie auf eine erotische Entlohnung für die Informationen scharf war………..nichts sonst, nur die Hoffnung auf Sex würde erklären warum sie ihm vom Wolf berichtete. Würde er auch nur den leisesten Verdacht schöpfen, könnte das mehr als böse für sie enden.

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Minnie konnte spüren, wie seine Neugierde wuchs! Tatsächlich ließ er sich dazu herab, ihr die Schultern zu massieren. Zum ersten Mal seit sie ihm in die Falle gegangen war, fühlte die verhinderte Dämonin eine Art unterschwellige Macht. Was dazu führte, dass ihre Scharade beständig glaubhafter wurde.

Als sie jedoch versuchte seine Hand relativ fest zwischen ihre Beine zu zwingen, scheiterte sie, da er sich dadurch so weit nach vorne beugen musste, dass er fast das Gleichgewicht verlor, was ihn wieder recht ungnädig stimmte! „Whoaaaaaa, bist du von Sinnen, Du kleines, notgeiles Miststück? Ich hätte es gesagt wenn ich scharf auf ein Bad wäre!“
Er fing sich gerade so………….schnappte sich ein Handtuch und reichte es ihr „Los, trockne Dich! Fertig mit Baden!“

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Minnie schlang sich das weiche Badetuch um den Leib und machte auf schuldbewusst, senkte den Kopf und hauchte auf entzückend reumütige Weise „Oh es tut mir leid, Hyp. Ehrlich. Großes Dämonenehrenwort! Es ist nur……….meine Hormone. Du weisst schon……….ich brauch‘ Dich einfach!“ Die Worte gingen ihr erstaunlich leicht von der Zunge. Dann hob sie den Kopf, schenkte ihm einen Blick aus vor vermeintlicher Lust brennenden Augen und produzierte einen Schmollmund, der die Bardot vor Neid hätte erblassen lassen.

„Komm mit ins Wohnzimmer. Und dann machst Du klare Ansagen wo ich diesen Wolf finde!“ Nachdem er sich brüsk abgewandt hatte, konnte sie seine schweren Schritte durch den Flur poltern hören. Minnie biss sich auf die Lippen, zählte bis zehn, damit ihr Puls sich wieder normalisieren konnte. Danach zurrte sie das weiche Handtuch enger um sich und folgte ihm.
Die nächste Überraschung bestand darin, dass er auf dem Sofa hockte, wo er sie mit ausgebreiteten Armen empfing. „So. Nun komm zu Daddy! Und sag mir wie der Ort heisst. Ich halte mich nicht gern im tiefen Umbra auf. Doch es gibt Momente an denen ich dazu neige, das zu vergessen!“

Komm zu Daddy! Es kostete Minnie große Mühe, nicht laut los zu lachen. Meine Güte! Mit einem weichen Wimpernschlag glitt sie neben ihn und schmiegte sich an.

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„Ich kann Dir nicht sagen wie er heisst. Ich weiss es nicht. Im Traum sah ich diese Höhle, und ich bin sicher das ich weiss wo sie sich befindet. Aber ich habe keine Ahnung welchen Namen dieser Ort trägt, Hyp. Das macht aber nichts, denn ich könnte Dich ja hin führen.“

Der kritischste Moment von allen. Um die Worte beiläufig klingen zu lassen, legte sie eine Hand auf seinen Schoß, gab vor nach seiner Männlichkeit zu forschen und begann leicht über die Hose zu reiben. Seine große Hand legte sich wie ein Schraubstock um ihre!

„Hör auf! Sofort! Kannst Du denn an nichts anderes denken als ans Ficken?“
Minnie kicherte ein „Nein, wohl nicht“, und ließ das Handtuch von ihren drallen Formen gleiten. Der Duft der Badeessenzen erfüllte das Wohnzimmer während sie sich versuchte an ihm zu reiben und dabei beiläufig murmelte „Egal, ist ja nur ein Wolf…….es gibt sicher Wichtigeres!“

Der Technokrat stiess sie unsanft von sich und sprang auf. Mit hektischen Bewegungen riss er einige Schubladen auf, wühlte darin herum. Es rappelte, klirrte, schepperte……..und als er nicht fand was er suchte rummste es heftig wenn die entsprechende Schublade mit Macht wieder zu geknallt wurde.
Dann, ein triumphierender Laut. Als er sich umdrehte, sah sie etwas in seiner Hand, das wie ein Hundehalsband aussah.
„Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich mir diese Gelegenheit entgehen lassen würde? Wenn es nicht anders geht, wirst Du mich dort hin führen. Scheisse, ich war viel zu lange viel zu sehr auf meine Arbeit konzentriert! Es wird Zeit für einen Ausgleich. Ein wenig Bewegung tut mir gut. Und Dir wird sie auch nicht schaden.“

Erneut ließ er sich neben sie fallen und bevor sich Minnie versah, schlang er ihr dieses schwarz weisse Halsband um die Kehle. Verdattert hielt sie still, hörte etwas metallisch klicken und erst dann sah sie den kleinen Schlüssel in seiner Hand als er sein Werk mit zufriedenen Augen musterte.

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Genüsslich hakte er eine Kette in die Öse vorn am Halsband, woraufhin es Minnie wie Schuppen von den Augen fiel: Ein Collar. Natürlich! Sie hatte ja längst geahnt dass er in BDSM Kreisen unterwegs war.

„Steh auf! Ich will die Reichweite sehen!“
Also erhob sie sich. Die Scharade fiel in sich zusammen, jetzt war sie nur noch verdattert und nervös. Als die Kette nur noch leicht durchhing, blieb sie stehen, wandte sich ihm zu und schluckte hart. Der kalte Stahl schmerzte auf ihrer vom Baden warmen Haut. Ein befriedigtes Nicken und ein leises „Sehr schön!“ von Seiten ihres Wächters.

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Wieder öffnete er den Schrank, diesmal eine Tür, und förderte ein schwarzes Bustier und eine abgetragene Jeans zutage, sowie ein Paar klobige Boots. Sie verzichtete darauf ihn zu fragen woher die Sachen kamen. Sie gehörten definitiv nicht ihr. Und vermutlich war es besser nicht zu wissen, wem sie denn gehörten!

„Anziehen!“ Sie tat wie ihr geheißen, dabei begann sie leicht zu zittern, was sie auch nicht mehr verbergen konnte. Immer zufriedener wurde seine Miene. Schließlich zog er sie mit Hilfe der Kette wieder zu sich, hakte sie aus und brummte mit einem Lächeln „Das wird gehen. Wir brechen in zwei Stunden auf. Bis dahin wirst Du die Wäsche von der Leine nehmen, und das Geschirr abwaschen. Das Haus hat aufgeräumt zu sein, wenn wir es verlassen.“

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Verdammt! Mit so etwas hatte sie nicht gerechnet. Ihre Stimme klang ein wenig verzagt als sie „Natürlich, Hyp“, raunte und hinter das Sofa trat, um die Tür zum sogenannten Balkon zu öffnen. Während sie die Wäsche abnahm und die Klammern leise klackend in den Klammernkorb purzeln ließ, konnte sie seine Blicke auf ihrem Rücken fühlen.

Es würde schwierig werden. Sie fröstelte. Der kalte Schweiss, der nun auf ihrer Haut haftete, ließ die herbstliche Luft recht frostig erscheinen. Sie würde weit mehr improvisieren müssen als geplant. Gottverdammt!

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2 Kommentare zu „Kap42: Die Zeit drängt!

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