Kap38: Nichts ist wie es scheint! (oder: Realitätsteilmengenlehre)

 

((Achtung, auch dieses Kapitel ist nicht workplace safe……ab 18! Ihr seid gewarnt.))

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Red hatte leicht reden!
Zieh Dich an, fahr in die Stadt, such Dir was Hübsches und fick‘ Dir das Hirn raus! Dann mach ein Schläfchen. Und wenn Du DANN wieder wach wirst, kannst Du loslegen. Aber nimm Lung mit! Sicher ist sicher.
Das ist mein Ernst, Junge! Und wenn es ne Hure wäre, aber such Dir was zum Vögeln………es wird Deinen Hormonhaushalt reparieren und Dich erden!

Ja okay! Seit Isar am Hofe seines Vaters war, hatte Jamie ziemlich abstinent gelebt. Er wusste, dass Isar keine Treue brauchte und schon gar nicht verlangte. Beide hatten diesbezüglich ein recht ähnliches Weltbild: Menschen waren locker fähig mehr als einen Menschen aufrichtig zu lieben. Und Sex hing nicht von Liebe ab. Er war mit Liebe deutlich anders, besser, intensiver, aber auch eine Nummer ohne Liebe war etwas das man durchaus genießen konnte.

Es hatte ihm aber schlicht nach nichts gelüstet. Und der Haufen Sorgen, der wie ein unbearbeiteter Stapel Akten auf seinem Hirnschreibtisch lag, war alles andere als ein Aphrodisiakum!

Doch Jamie verstand, warum Red ihm dieses Versprechen abgenommen hatte. Sex war tatsächlich sehr dazu geeignet einen zu erden. Ihn wieder mit festen Beinen auf dem Boden stehen zu lassen. Oder wie die Eso Tanten sagten: Seine Mitte zu finden, sich auszubalancieren. Wenn der Kopf in den Wolken war, brauchten die Füße tiefe Wurzeln, sonst flog man einfach davon! Und bei einer ohne Zweifel gefährlichen Mission (wie den Wolf zu suchen und Isar zu finden), wäre es mehr als suboptimal keinen festen Stand zu haben.

Aber er hatte auch Hunger. Während er vom Parkplatz weg schlenderte, fiel ihm ein Diner auf. Ihm war nicht nach Huren zumute, auch wenn er die Damen des horizontalen Gewerbes durchaus mochte – aber heute lockte ihn eher ein ordentliches Junkfood bestehend aus einem doppelten Cheeseburger, Chicken Nuggets mit süß-saurer Sauce und Potatoe Wedges. Vielleicht waren ja einige notgeile Mädels in dem Diner, dann könnte er seinen Hunger stillen und gleichzeitig mit einer anbandeln.

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Doch das Diner war leer bis auf die junge Asiatin, die hinter der Theke stand. Jamie orderte sein Mittagsmahl, und während er genüßlich aß, begann er ein wenig mit ihr zu flirten. Auch wenn es vermutlich nichts bringen würde, schließlich war sie ja hier nicht abkömmlich. Sie stellte sich ihm als „Ketsuro“ vor, und natürlich bot es sich an, sie zu fragen ob der Name eine Bedeutung habe.

„Ja, hat er leider……ich weiss nicht was meinen Eltern im Kopf herum ging als ich auf die Welt kam………Ketsuro wäre in Deiner Sprache n Tautropfen………“
Er musste lächeln und gab zu bedenken „Möglicherweise hat Dein Vater, als er Dich zum ersten Mal erblickte feuchte Augen bekommen – und Deine Mutter wollte ihn nicht blamieren und sagte „Hey, da sind Tautropfen auf Deinen Wangen“ oder sowas!“

Sie lachten, flirteten und redeten eine Weile, und schließlich fragte er sie frei heraus ob sie ihm helfen wolle seinen Kopf frei zu bekommen. Erstaunlicherweise begann sie zu lachen „Ich brauche ein neues Handy, Jamie! Was springt für mich dabei raus?“ Er war verblüfft. Offenbar war sie eine Art „Hobbyprostituierte“, die sich durchaus für ein Vergnügen gern mal entlohnen ließ, auch wenn sie sich nicht offen auf der Straße anbot.

Und sie gefiel ihm ausgesprochen gut. Er hatte einen Narren an den Mandelaugen gefressen, und nicht nur an denen.

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„Hier, nimm den Schlüssel. Wenn du zweimal links um die Ecke biegst, die grüne Tür. Ich werde in einer Viertelstunde abgelöst, komm dann nach.
Nicht wundern, ich hab nur ein einziges Zimmerchen, mehr kann ich mir nicht leisten, ich wohne ganz gut dort. Ist gegenüber von den Peep Shows……Hab keine Gardinen. Aber ne kleine Spendenkasse in den Blumenkästen vor  meinem Fenster. Manchmal kommen geile, alte Männer und trauen sich nicht in die Peep Show Läden. Vermutlich haben sie Angst ein Bekannter könne sie beobachten…………
Wenn ich sehe das einer von denen immer wieder um die Türe dort schleicht ohne reinzugehen, hock‘ ich mich hin und mach’s mir selber……und dann fangen sie an zu gucken.
Heimlich übern Kragen, so um die Ecke, weisste? Ich tu als wäre ich völlig versunken. Als sähe ich sie gar nicht. Und sie spielen Taschenbilliard vor meinem Fenster. Ganz selten starrt auch mal einer offen herein oder klettert sogar in den Blumenkasten und legt die Hände an meine Scheibe. Und bevor sie gehen, werfen die meisten was in meine Spendenbox.
Wenn ich schlafen gehe, klappe ich ’nen Paravent aus und stelle ihn neben’s Sofa, damit mir niemand beim Schlafen zuschauen kann.
Aber Du müsstest damit leben, dass uns die Menschheit beim Poppen zusieht; ist das ein Nogo für Dich?“

Jamie zuckte kopfschüttelnd die Schultern.
„Okay, dann geh vor und mach es Dir schonmal bequem, Schöner. Und falls Du vorher noch mal musst…..das Klo ist ne halbe Etage tiefer. Achja und….wenn Du keine hast, zieh‘ Gummis gegenüber am Peepshow Haus! Bei mir geht nur safe! Bis gleich!“

Meine Güte, was für ’ne Marke! Während Jamie die grüne Tür suchte, begann er sich vorzustellen wie sie wohl ohne das knappe Bustier aussähe……..es war ja in der Tat recht gut gefüllt.

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Mit jeder Menge Kopfkino sperrte er dann auf, betrat den winzigen Raum der eine sonderbare Mischung aus Wohnraum und Küche war. Auf dem Herd brodelte ein Topf mit Suppe vor sich hin, offenbar hatte sie wegen der Nähe zum Diner die Möglichkeit öfter einmal hier herein zu springen und nach dem Rechten zu sehen………

Über dem Sofa hingen etliche pornographische Collagen, jede Menge mehr oder weniger beeindruckender Geschlechtsteile auf dem Silbertablett. Jamie verspürte das berühmte Ziehen in den Lenden. Er betrachtete die Bilder ausgiebig und sie ließen ihn nicht kalt.

Er ließ sich auf dem Sofa nieder und schloss die Augen. Womöglich hatte er zuviel gegessen, jedenfalls war er träger als ein Faultier. Sein Kopfkino aber lief auf Hochtouren, er brachte sich damit in Stimmung sich vorzustellen, was er alles mit ihr anstellen würde.

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Dann fiel ihm ein das sie gesagt hatte, wegen der fehlenden Gardinen wäre ihr Zimmerchen sozusagen ein öffentliches Etwas. Der Gedanke, das ihnen jemand von der Straße zuschauen könnte, erregte Jamie über die Maßen, und sein Kopfkino wurde noch wilder, während sein Schwanz ganz eindeutig Platzangst in seiner Hose entwickelte. Was für ein geiler Gedanke, der ganzen Welt die eigene Potenz vorzuführen!

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Und plötzlich……PLOPP!

Ein PLOPP der besonderen Art!

War er eingeschlafen? Träumte er? Oder war das Geräusch real? dieses „Plopp“ mit dem Isar damals vor ihm in seinem New Yorker Loft gelandet war, würde er niemals vergessen. Jamie fühlte eine Art Ruck, das Sofa schien zu beben. Das Kopfkino über Ketsuro und den androgynen Zaungast verblasste, und er öffnete erschreckt die Augen.

Es war unwirklich. Es konnte nicht sein. Sein Verstand versuchte ergebnislos, die Eindrücke zu sortieren und mit dem was er für Realität hielt, zu synchronisieren.

Damals, bevor er als Magus ‚erwacht‘ war, als er einfach ein Tänzer war, der in seiner Freizeit ein wenig irdischen Schamanismus praktizierte um damit die eigene, spirituelle Entwicklung ein wenig voran zu treiben – damals hatte er IMMER gewusst was real war und was nicht! Ohne jeden Zweifel. Ganz klar und eindeutig.

Seit seinem Erwachen jedoch gab es immer wieder diese Momente, wo er sich nicht klar darüber werden konnte ob er nun eigentlich wachte oder träumte. Die Ebenen von Traum und Wirklichkeit schienen sich zu vermischen, sich in einander zu schieben und eine Teilmenge zu generieren, die sowohl Traum als auch Realtiät war. Eine Kongruenz, die sein Verstand nicht anerkennen konnte, die aber offenbar existierte.

Ja es war das gleiche Plopp wie damals als Isar in sein Leben plumpste. Aber es war ein anderer Satyr!

Der Jungmagus starrte entgeistert den kupferfarbenen Körper mit der goldenen Bemalung an, der vor ihm in dem kleinen Raum stand und genüsslich an einem Bagel kaute, während er mit der anderen Hand auf einem Smartphone herumwischte.
Dann fühlte er etwas Hartes…..nein nicht in seinem Schritt sondern im Rücken ……und realisierte, dass er einen sehr massiven, magischen Stab trug. Überhaupt, seine Kleidung war völlig anders….ihm selbst unbekannt und auch das Sofa hatte sich gewandelt. Alles war fast so wie zuvor, bevor das Plopp ertönte. Aber eben nur FAST. Trotz seiner Verwirrung reagierte Jamie blitzschnell!

Mit einem Satz stürzte er sich auf den Satyr, zwang ihn in die Knie, ging mit ihm zu Boden wo er ihn an den Oberarmen gepackt, gegen ein Sitzkissen drückte und mit einem Bein zusätzlich fixierte. Freund oder Feind? Real oder nicht? Jamie wusste gar nichts mehr. Einmal mehr. Gar nichts mehr. „Was ist mir denn da ins Netz gegangen, hä?“
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Der überraschte Satyr, oder Faun, (oder was auch immer……..), brachte seinen Bagel in Sicherheit indem er ihn mit dem ausgestreckten Arm von Jamie weg hielt, und ließ das Smartphone nachdem er ‚Senden‘ gedrückt hatte,  tatsächlich verschwinden. Nein, er steckte es nicht ein oder so, es entmaterialisierte sich einfach. Ein Traum. Es musste ein Traum sein.

Musste es?

Die Stimme war jung aber wohlklingend. „Whoa, das kommt davon wenn man nicht zuhört, ne?“

Jamie war genervt. „Lieber Chefdesigner im Himmel! Was habe ich Dir eigentlich getan, dass Du mir ständig irgendwelche Gehörnten vor die Füße schmeißt, hm? Da denke ich, die kleine Asiatin aus dem Diner kommt jetzt zu mir, jedenfalls gab sie mir ja den Schlüssel für dieses höchst merkwürdige Appartement. Und kaum bin ich drin, und gönne mir ein paar heisse Fantasien, wirfst Du schon wieder mit Satyrn?“

Sonderbarerweise blieb der Satyr gelassen, zupfte schneikisch seinen Bagel auseinander und ließ verlauten: „Hey, ich wäre schon früher hier angekommen – aber wenn er mich schon einmal wieder nach NY lässt, muss ich auf jeden Fall zu Goldman’s Deli!“
Man gewöhnte sich allmählich an die sonderbarsten Erlebnisse. Jamie hörte auf, seine Wahrnehmung zu hinterfragen.
„DICH habe ich nicht mit Chefdesigner im Himmel gemeint! Und ’ne kleine Asiatin biste auch nicht! Also mit wem hab‘ ich die Ehre? Nur für den Fall, dass die Information noch an Deinem Bagel vorbei passt…!“
„Immer mit der Ruhe, Brauner! Und werd‘ nicht rassistisch, ey! Das heißt in ihrem Fall – ich hab sie gesehen – Vietnamesin. Und in meinem…..zum Teil Phillipino. Aber was red‘ ich an einen Cracker hin! Obwohl Du ein bisschen nach latin-x aussiehst. Ach, egal! Der König schickt mich.“ Er fuchtelte wild mit dem Bagel, was wohl ein dramatisches Arme Ausbreiten ersetzen sollte, das wegen Jamie’s unbarmherzigem Griff nicht möglich war. „Ja! Ich weiss … alles!“

Des Jungmagus‘ Augen wandelten sich zu schmalen Schlitzen. Sich an eine Lektion von Red und ein Gespräch mit Isar erinnernd, ließ er eine Mischung aus düsterem Lachen und Knurren hören.
„Deiner Arroganz gemäß meinst Du damit nicht Oberon……Du bist Sidhe, hm?“
Während er sprach, bemerkte er das lange, elegante Katana auf dem Rücken des Gehörnten.
„Einer von denen, wegen deren Umtrieben Oberon’s Hof ein wenig…….spannender ist als gewöhnlich? Und dann behauptest Du, Oberon schicke Dich? Und was das Mädchen angeht, sie ist keine Vietnamesin. Jedenfalls nicht ihrem Namen nach, der ist eindeutig Japanisch. Also verarsch‘ mich nicht sondern komm, lass mal raus, die Info! Und entspann‘ Deinen Bagelarm, Junge! Ich habe bereits im Diner gespeist!“

Es war wirklich unglaublich, wie ruhig der so Angesprochene blieb. „Nguyen ist so vietnamesich wie’s nur geht. Aber ist ja nicht mein Bier!“
Er nahm genüsslich einen Bissen von seinem Bagel.
„Mann, für die Dinger allein lohnt sich ein Besuch in NY schon…..dann noch so ein Pastrami Sandwich und eine Pizza……..“ Ein Räuspern.  „Nein, seh ich aus wie’n Sidhe? Himmel, nee! Ich komm‘ von Oberon. Du hast ja Deinen Kumpel hingeschickt. Weil mein verpeilter Cousin gerade seinen Körper Amok laufen lässt.“
Eine großzügig abwinkende Geste, gepaart mit einem strahlenden und recht sorglosen Lächeln. „Kriegt man auich wieder eingefangen.“

Langsam lockerte Jamie den Griff um die Oberarme des Fauns, er schien ja deutlich mehr an seinem Essen interessiert, als daran Jamie zu bedrohen. Seine unbekümmerte Rede in dieser Art Jungendgang-Jargon entlockte dem Jungmagus beinahe schon wieder ein Grinsen.
„Also bist Du ein Cousin von Isar, und Oberon hat Dich tatsächlich zu mir geschickt? Fuck, der hätte doch auch einfach Lung mir was ausrichten lassen können!“

„Easy, Mann! Er lässt den Drachen nach was schauen. Keine Ahnung. Und weil ich eh schon ewig danach genölt habe, mal wieder herkommen zu können, habe ich eben die Ehre dieses Shithole besuchen zu dürfen.“ Wieder ein strahlendes Lächeln. „Also, da die Kämpfe praktisch entschieden sind – der König hat Vermutungen, dass der ganze Scheiss ebenfalls von diesem Wyrm Geist angezettelt wurden – hat man nun mehr Kapazitäten Wings zu suchen. Aber wie man das Vieh aus dem seinem Body rausbekommt, weiss noch keiner.“

Er kannte den geheimen Seelennamen von Isar. Er wusste was geschehen war. Jamie begann ihm zu trauen.

((Fortsetzung folgt))

 

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