Kap37: Parsley, Sage, Rosemary and Thyme…..

Er wehrte sich. Wollte nicht aufwachen! Vielleicht würden die beiden ja doch irgendwann fähig ihn wahrzunehmen, zu sehen, oder zumindest zu hören!

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Natürlich half es nichts. Die Realität zog ihn mit Macht ins Bewusstsein. In sein Bett. Auf das durchgeschwitzte Kissen. Zuerst stöhnte Jamie leise, kniff fest die Augen zu als könne es auf diese Weise gelingen, wieder in diese Rosmarin- und Thymianduft geschwängerte Landschaft zu gelangen. Stück für Stück erwachte sein Verstand, und schließlich öffnete er dann doch die Augen. Streckte sich. Und murmelte „Gott, lass es ein Wahrtraum sein, ich will daran glauben.“
Die Möglichkeit, dass am Ende gar der Wunsch der Vater des Gedanken – ähm Traums- gewesen war, schob der Jungmagus rigoros zur Seite.

Mit einem unwilligen Grunzen strampelte er seine feuchtgeschwitzte Decke vom Leib, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und ging den Traum noch einmal in allen Einzelheiten durch. Das Morgenrot tauchte das Zimmer, das geduldig auf die Ankunft seines Gefährten wartete, in ein fast magentafarbenes Licht.

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Während sich tausend Fragen in seinem Kopf materialisierten, glitten seine Augen über das Kunstwerk von Zachary. Dieser Duft von wildem Thymian schien im Raum zu hängen, er ließ ihn auch nicht los während der Traum langsam zu verblassen schien.
Damals, mit Dreizehn, als er versuchte seiner Gitarre die ersten Akkorde zu entlocken, hatte er lange darüber nachgedacht welche Version von Scarborough Fair die für ihn stimmigste war. Simon & Garfunkel hatten nicht umsonst so viel Erfolg mit dem Traditional gehabt……..leise begann er zu singen während sein Herz einen kleinen Luftsprung machte…

Are you going to Scarborough Fair? Parsley, sage, rosemary and thyme……..remember me to one who lives there………he once was a true love of mine………

Er würde kämpfen. Auch wenn sein Verstand ihm erklärte das es möglicherweise nur Wunschdenken war – sein Herz sagte etwas völlig anderes. Warum war er, wenn Isar’s Seele sich in die Welpenform hatte retten können, nicht fähig das Seelenband zu spüren? Hing das damit zusammen, dass Oberon Isar meist schlafen ließ, wenn er seinen Sprössling in den Welpen band?

Then he’ll be a true love of mine……. (sleeps unaware of the clarion call)………

Aber als der Wolf ihn gefragt hatte ob er, Jamie, in der Welpenform steckte, hatte Isar sehr wach gebellt und herumgezappelt. Schlaf konnte nicht die Antwort sein! Dieser Wolf…….verdammt gutaussehend in seiner Menschengestalt…….. Jamie es ist ein GAROU! …..Ich weiss, mein Prinz, ich weiss………..

Jamie’s Finger schienen die Akkorde zu greifen, seine rechte Hand zupfte die nicht vorhandenen Saiten.

Tell him to find me an acre of land, parsley, sage, rosemay and thyme……….between the salt water and the sea strands…………(a soldier cleans and polishes a gun)……….

Er würde dieses Land finden. Red! Er musste Red anrufen. Wenn jemand wissen konnte wo der Thymian wuchs, dann er. Und sollte er kämpfen müssen um dorthin zu gelangen, sei’s drum! Schlimmer als der gestrige Tag konnte es nicht mehr werden! Oder?

Tell him to reap it with a sickle of leather……………..(war bellows blazing in scarlet battalions), parsley, sage, rosemary and thyme…….(Generals order their soldiers to kill)……….

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Die Zeitschaltuhr hatte gut funktioniert, durch die Ritze unter der Tür drang der Duft von frischem Kaffee zu Jamie herein. Er kam auf die Beine, folgte dem verführerischen Geruch und während er nachdenklich an der ersten Tasse nippte, kramte er nach seinem Handy. Red’s Nummer wählen. Lauthören. Jaja, der Schamane würde noch schlafen. Nacht in Hawaii. Wurst! Jamie zog die Halskette über, die ihn zumindest emotional mit seinem Prinzen verband. Mitten in das Klirren der Perlen hinein meldete sich sein Lehrer……..nein, diesmal nicht seine junge Erfüllungsgehilfin.

„hmpfffffffff weisst Du wieviel Uhr es ist?“
„Weisst Du das ich Dich nie ohne Grund wecken würde?“

Ein Rascheln, ein leises Poltern als habe Red versehentlich den Wecker vom Nachtisch gefegt. „Rede!“
Jamie berichtete ihm was vorgefallen war, und oh Wunder, er schaffte es tatsächlich sich auf die Fakten zu beschränken und sich kurz zu fassen. Schweigen am anderen Ende der Leitung, als er seinen Bericht beendet hatte. „Red, bist Du noch da?“
„Heiliges Kanonenrohr, was für eine verdammte Kacke!“
„Yeah………….hör zu, ich hatte einen Traum…………“, und weiter ging der Bericht. „……….und ich habe keine Ahnung was das für ein Ort sein könnte. Auch nicht in welcher Dimension oder Sphäre er sich befindet. Hast Du irgend eine Idee, Red?“

Wieder herrschte ein paar Sekunden nachdenkliches Schweigen in Hawaii. „Mir fallen spontan drei Orte ein. Ich gehe davon aus, dass es im tiefen Umbra ist, Jamie. Dieser helle, lichtvolle Spalt spricht deutlich dafür. Gib mir eine halbe Stunde Zeit um etwas nachzulesen, ich melde mich sobald ich Dir Genaueres sagen kann!“
„Okay. Ich geh derweil duschen!“

Ungeduld. Am liebsten wäre er sofort durchgestartet. Statt dessen verfügte er sich erst einmal ins Bad……..erleichterte sich, und dann drehte er, der eigentlich nicht unbedingt ein „Warmduscher“ war, das heisse Wasser auf bis zum Anschlag.

 

Nachdem er sich eingeseift hatte, -duftete die Seife heute wirklich nach Rosmarin?? – stand er eine ganze Weile still unter der Dusche und hing seinen Gedanken nach während das Wasser ihm kitzelnd den Körper hinab rann und mehr und mehr Dampf sich wie Nebel im Bad breit machte. Nebel……….es gab so vieles, das unklar war!

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Was, wenn Red den Ort nach seinen Schilderungen wirklich identifizert hätte und ihm sagen würde wie er dorthin gelangte? Würden der Wolf und Isar noch dort sein? Vermutlich wären sie längst weitergewandert! Es hatte ausgesehen als sei der Wolf seinem Prinzen halbwegs gewogen! Aber könnte sich das nicht auch binnen Kürze ändern? Was wusste Jamie schon über Werwölfe? Selbst wenn er die beiden anträfe……….was würde er denn ausrichten können?  Jamie stellte das Wasser ab und liess sich mit einem leisen Klatschen schwer auf die Duschbank fallen, kratzte sich genervt am Kopf in dem sich alles zu drehen schien.

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Der Wyrm war nicht besiegt. Niemand wusste wo er steckte. Selbst wenn – Jamie hatte keinen Dunst wie man ein solches Wesen besiegen oder töten konnte! Ob Red das wusste? Würde Isar’s Leib nicht mit dem Wyrm sterben, sofern jemand es schaffen würde ihn zu töten? John Watson traute er das zu!
War es nötig den die das Wyrm erst einmal aus Isar’s Körper zu verjagen, oder gäbe es einen Weg die Ausgeburt der Hölle zu töten indem Isar schlicht und ergreifend wieder Besitz von seiner Hülle nähme?

Verdammt, wie er diese Unwissenheit hasste!

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Jamie gab sich schliesslich einen Ruck. Es würde definitiv keine Lösung bringen, wenn er in der Dusche wohnen bliebe! Er richtete sich auf, kollidierte fast mit der Duschwand, fluchte und glitschte mit nassen Füßen Richtung Waschbecken, wo er schlitternd zum Halten kam. Während er sich die Haare föhnte, begann er wiederum gegen den Föhn anzusingen…..Parsley, Sage, Rosemary and Thyme, verdammt nochmal!

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Immernoch hatte das Handy sich nicht gerührt. Nach einer Ewigkeit, Jamie hatte gerade beschlossen selbst noch einmal in Hawaii anzuläuten, ertönte jedoch das erlösende Klingeln.

„Und?“
„Ja. Dir auch einen guten Morgen!“……Red klang nun deutlich wacher als beim ersten Anruf. „Hast Du was zu schreiben?“
„Moment!“…… der Magus feuerte den Fön auf die Ablage, machte einen Hechtsprung durch die Tür in sein Zimmer und krallte sich einen Kugelschreiber und einen Zettel „ich höre……..“

Red nannte ihm die geheimen Namen dreier Orte im tiefen Umbra, von denen er glaubte, dass sie zur Beschreibung von Jamie’s Traumlandschaft passten. Kaum hatte sich der Jungmagus das notiert, schoss er die Fragen, die ihm unter der Dusche durch den Kopf gegangen waren in einer einzigen, lauten, hektischen Salve ab.

„Jamie!!!! Halt die Luft an!“.
„ehm….aber……………“
„Erst müssen sie mal gefunden werden! Zumindest Isar! Dann wird man weiter sehen. Bedenke, dass beide Informationen von Wichtigkeit haben könnten die uns zur Zeit noch gar nicht bekannt sind, Junge!“ Jamie knirschte mit den Zähnen, musste aber eingestehen das sein Lehrer damit wohl richtig lag.
„Ach, nochwas, Junge………….
„hm?“
„Reise nicht sofort los. Du bist viel zu aufgelöst, ich kann spüren wie zappelig Du bist. Auch wenn es nachvollziehbar ist – es macht keinen Sinn in so einem Zustand dorthin zu reisen. Und Du bist nicht versiert mit dem Wechseln ins tiefe Umbra. Am Ende sorgst du vor lauter Ungeduld für ein Mißverständnis und der Garou reißt Dir doch noch den Schädel vom Hals……….ich gebe Dir jetzt eine Anweisung, und die wirst Du befolgen bevor Du los ziehst!“

Jamie runzelte die Brauen. „Okay, was denn?“
„Zieh Dich an, fahr in die Stadt, such Dir was Hübsches und fick‘ Dir das Hirn raus! Dann mach ein Schläfchen. Und wenn Du DANN wieder wach wirst, kannst Du loslegen. Aber nimm Lung mit! Sicher ist sicher.“ Jamie musste lachen.
„Das ist mein Ernst, Junge! Und wenn es ne Hure wäre, aber such Dir was zum Vögeln………es wird Deinen Hormonhaushalt reparieren und Dich erden!“
„Na gut………wenn das wirklich………….“
„Ja, ist es. Und wann immer Du zum Haus zurück kehrst………….sei darauf vorbereitet, dass die Schamanenvereinigung tagt. Ich werde einige Kollegen zusammentrommeln und sobald möglich dort erscheinen. Der Wyrm bedroht schliesslich unsere gesamte Welt, nicht nur Deinen Geliebten!“

Jamie hatte sich verabschiedet, und dann lange überlegt was er anziehen sollte. Er brauchte etwas, das ihm das Gefühl von Überlegenheit und Kraft gab. Schliesslich entschied er sich für einen kurzen Trench aus Leder……….das wäre am ehesten geeignet, vor eventuell ausgefahrenen Wolfskrallen zumindest ansatzweise zu schützen.

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Eine Sonnenbrille hinter der er seine Augen verbergen konnte………….die Zeit sich zu rasieren nahm er sich nicht mehr. Er hatte es eilig. Und wenn er vorher irgend jemanden flachlegen musste -er hatte es versprochen- dann würde er das tun, aber lange aufhalten würde er sich damit sicher nicht.

„Halt durch mein Prinz, ich bin unterwegs!“

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