Kap35: ‚Zu spät, Du rettest den Freund nicht mehr…….‘

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Etwas kitzelte ihn am Schenkel. Jamie kicherte leise. Dann wurde es wieder ruhig, doch kurz darauf setzte das Kitzeln erneut ein. Das dazu gehörige Geräusch bahnte sich den Weg in sein Bewusstsein. Benommen glitt die Hand in die Hosentasche um das Handy hervorzuziehen, ein Blinzeln, der Versuch, sich zu orientieren – dann traf ihn die Realität mit Wucht. Sein Magen zog sich zusammen, das Handy entglitt ihm.

Stille. Kein Klingeln mehr. Ein Dröhnen in den Ohren, kalter Schweiss vermischte sich mit dem angetrockneten Bestienblut an Hals und Wangen. Das wilde Hämmern hätte besser in eine mittelalterliche Schmiede gepasst als in seinen Kopf! Die Luft die er atmete, schien die Lungen nicht erreichen zu wollen. Mühsam brachte sich Jamie in eine halbwegs sitzende Haltung, stüzte den Kopf auf die Hand und ließ ein leises Wimmern hören.

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Die Benommenheit war schwer abzuschütteln. Die Realität nichts, in das er zurückkehren wollte. ISAR!
Wieder zog sein Magen sich zusammen, brachte ihn leicht zum Würgen. Seitlich über dem Ohr würde eine Beule entstehen, das konnte er fühlen. Vermutlich die Stelle mit der er auf dem Boden aufschlug als er bewusstlos geworden war….es gab Schlimmeres. ISAR! Diesmal formten seine Lippen den Namen tonlos. Jamie zog die Enden der Pulloverärmel über die Hände und den Kopf zwischen die Schultern. Er hatte versagt. Er hatte es nicht bemerkt, erst als es viel zu spät war.

Hatte Isar ihn überhaupt je geliebt? War er je er selbst gewesen? Oder hatte der Dunkle ihn von Anfang an benutzt? Hätte das alles verhindert werden können, wenn er sich nicht verliebt hätte? Konnte der Plan des Wyrmwesens nur aufgehen, weil man eine Angriffsfläche bot, wenn man liebte? Ein leises Stöhnen, kurz vor der Resignation. Sein Kopf zeigte ihm erneut wie Isar’s Leib, vom Wyrm beherrscht, durch die geschlossene Garagentür wandelte………..

„Vielleicht fange ich ja damit an, dass ich Deinem Vampirfreund einen Besuch abstatte…… so ein nützlicher Körper….“
Jamie hörte den Satz ohne ihn zu verarbeiten. Aber er begann sich in seinem Hirn zu wiederholen. Wie eine Endlosschleife, oder wie eine hängengebliebene, alte Schallplatte…….Vielleicht fange ich ja damit an, dass ich Deinem Vampirfreund einen Besuch abstatte…………………………………..Deinem Vampirfreund einen Besuch abstatte……….Deinem………….

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Verdammt! Zach musste gewarnt werden! Jetzt. Sofort. Auf der Stelle! Der Magus war viel zu schnell auf den Füßen. Sein Kreislauf protestierte mit Hilfe heftigen Schwindels, und Jamie zog die Hände an die Brust als suche er Halt an sich selbst. Gottlob beruhigte sich die kreiselnde Welt recht zügig.

Zachary war in Gefahr, und das hatte die Lebensgeister des erschöpften Tänzers wieder mobilisiert. Zitternd hob er sein Handy vom Boden auf, drehte sich wankend um die eigene Achse und steuerte mit einem Gang der an einen Betrunkenen erinnerte, Richtung Wohnzimmer. Dort angekommen, zog sein Magen sich erneut zusammen. Diesmal mit Erfolg, hustend erbrach sich Jamie neben den Fernseher.

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Er kümmerte sich nicht weiter um die Lache, eilte weiter ins Bad, schaufelte sich mit beiden Händen kaltes Wasser ins Gesicht (was das angetrocknete Blut des Kampfes nicht ganz beseitigte aber ihm zumindest ein Aussehen verlieh, das nicht mehr wie Halloween für Arme wirkte und auch keine fröhlich spielenden Kids auf den Straßen erschrecken würde). Die Kälte des Wassers half auch seinem Kreislauf etwas stabiler zu werden.

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Stöhnend hatte sich der Magus das Gesicht getrocknet, um sich dann kurz aufs Sofa fallen zu lassen, wo er sein Handy hervorzog um nachzuschauen wer ihn telefonisch vorhin aus seiner Bewusstlosigkeit geholt hatte. Der Anruf war von Red gewesen. Ein leises Fluchen. „Wo verdammt nochmal warst Du Arsch als ich nach Dir schrie, eh?“ Dann hackte er mit leicht bebenden Fingern ein paar Worte in eine Textnachricht.

Riss im Caern, Wyrm mit Isar’s Körper unterwegs. Zach in Gefahr. Komm her, asap! 

Doch es war wie verhext, die dunkle Pechsträhne schien nicht abreissen zu wollen: Just als Jamie versuchte die Nachricht abzuschicken, versagte ihm sein Handy den Dienst. Der Akku war leer. Mit einem lauten, vor Frustration fast berstendem Schrei feuerte er es in eine Ecke, erhob sich, krallte sich seine Schlüssel und spänte zur Tür hinaus. Er hatte Zach anrufen wollen. Festnetz hatte das Haus bisher noch nicht, der Antrag lief….ohne sein Handy blieb nichts weiter übrig als zum Lethe zu fahren und zu hoffen das die Sonne untergegangen sein würde sobald er dort ankam!

Mit für seinen geschwächten Zustand erstaunlich langen Schritten rannte er quer über die Wiese in Richtung Tunnel. Der SUV war dort geparkt, wo die Straße endete und sich der Natur unterwarf, die den Asphalt langsam aber sicher immer weiter überwucherte. Unterwegs stellte er eine telepathische Verbindung zu Lung her „Lung, hilf mir! Begib Dich an Oberons Hof! Umgehend! Setze ihn davon in Kenntnis, das etwas Böses sich des Körpers seines Sohnes bemächtigt hat, vermutlich ein Wyrm der sich nun mithilfe des neuen Vehikels ein wenig telurische Freuden gönnen will.!“ Er hörte Lung als Antwort fauchen, dann brach die Verbindung. Jamie war sich sicher das der Drache bereits auf dem Weg ins tiefe Umbra war.

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Als Jamie nach einer recht abenteuerlichen Bleifußfahrt, deren heikle Momente er hernach nie wieder erinnerte, New York erreichte, ging tatsächlich die Sonne gerade unter. Nachdrücklich presste er die Klingel des Lethe, hoffend das man ihm keinen Aufstand machen würde da er so absolut casual gekleidet war – die verbliebenen Blutflecken fielen dank der roten Rauten auf seinem Pullover fast nicht ins Auge, das gleiche galt für die angetrockneten Gewebereste an seinem Hosenschlag des linken Beins.

Es dauerte gefühlte Ewigkeiten bis die Tür endlich aufschwang. Wie beim Besuch zuvor war der Öffnende ein Mann, doch diesmal ein sehr dunkelhäutiger mit nahöstlichen Gesichtszügen. Etwas Kühles, Metallisches  presste sich gegen Jamie’s Hals.

Nachdem der Magus heute bereits barfuß durch die Hölle und zurück gegangen war, erschreckte ihn das sonderbarerweise nur ganz angelegentlich. Doch als er Anstalten machte sein Knie zu beugen um es dem Typen in die Weichteile zu rammen, erklangen einige chinesische Worte aus dem Dunkel der Lobby, und die Waffe verschwand dahin wo sie hergekommen war. Schnaubend setzte er sich in Bewegung, mit der Hand vage einen Dank ins Dunkel der Lobby wedelnd, durchquerte die Halle wie ein geölter Blitz um den Aufzug zu kapern und war nach kurzer Zeit oben am Loft.

Da Jamie weiss, dass Klopfen bei der dicken Metalltür sowieso nicht hilft, trat er mehrfach heftig mit dem Fuss dagegen, zählte bis zehn und riss sie auf. Lieber Gott, lass ihn daheim sein! Doch die Präsenz die er fühlte sobald er den mittlerweile recht vertrauten, bizzar gemütlichen Raum betrat, war nicht die von Zachary! Im gleichen Moment, indem er sie fühlte, eine harte und beherrschte Aura, sah er den Mann der hinter dem Billiardtisch stand und sich eisern an der Kandare zu halten schien.

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Jamie’s Lauf stoppte als sei er gegen eine Wand gerannt, und er starrte den Mann entgeistert an. Sein begonnener Satz mit dem er die Tür aufgerissen hatte „Zach, bist du………..“ verhallte abrupt. Im gleichen Moment konnte er spüren das es sich um einen Vampir handeln musste, denn eine eiserne Kontrolle legte sich über ihn. Kühl erreichten die Worte seine Ohren.
„Das war  zu erwarten, dass Sie hier auftauchen!“

Jamie blähte die Nasenflügel, zwang sich zur Ruhe. Es war nicht allzu schwierig, eins und eins zusammen zu zählen! Er hätte sich gerne umgesehen, was nicht funktionierte da der Mann seinen Blick hielt. Doch es war auch nicht mehr nötig. Zachary war definitiv nicht hier, das war eindeutig fühlbar. „Mr. Watson, CEO der ‚Watson MedTech&Security‘, nehme ich an?“

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„Exakt. Und ich bin so freundlich, Sie jetzt nicht zu zwingen mir zu sagen, warum ich bei meiner Ankunft Zachary zerfetzt auf dem Bett vorgefunden habe. Zusammen mit einer Handvoll Federn. Und mir die Angestellten einen genauen Blick darauf ermöglichten, was das Massaker angerichtet hat.“ Er bewegte sich nicht während er sprach. Die Worte drückten gegen Jamie’s Kopf, der sich reflexartig sperrte, sie nicht einlassen wollte. Doch sie waren zu mächtig. Zu furchtbar. Es gelang ihm nicht sich der Botschaft zu verschließen. Zögernd machte er ein paar Schritte in den Raum. Dann hatte die Botschaft ihn erreicht. Er taumelte, stützte sich an einem der Pfeiler, kurz schien Übelkeit aufsteigen zu wollen, sie wurde jedoch von einer unglaublichen Wut verdrängt.

Gegen den Pfeiler gelehnt, schrie er auf. „Fuck! Fuck! Fuck! Ich bin zu spät. Scheisse, zu langsam, viel zu langsam! Fuck!“

Bei jedem ‚fuck‘ hämmerte seine Faust gegen den Beton, schürfte seine Haut sich an den Knöcheln mehr ab. Er fühlte es nicht. Seine Psyche tat, was getan werden musste. Sie mauerte. Baute einen inneren Limes der seinesgleichen suchte. Zuviel war an diesem Tag geschehen, zu viel Schmerz, Grausamkeit, Horror auf sie eingedrungen. Es war Zeit sich abzuschotten! Ein Geräusch als zerfiele die Welt in tausend glitzernde Scherben. Dann Gefühllosigkeit. Angenehme, ruhige, kühl entspannte Gefühllosigkeit. Keine Angst, kein Grauen. Nichts. Schlicht gar nichts empfand Jamie ab diesem Moment mehr. Nicht einmal Furcht vor dem so beherrschten Ventrue am Billiardtisch, von dem Zach einmal gesagt hatte, dass er Jamie niemals lebend davonkommen lassen würde…..

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Langsam richtete Jamie sich auf, sah wie Watson die Hände auf dem Rücken verschränkte und mit einer völlig nüchternen, ruhigen Stimme in diesem typisch distinguiert-britischen Akzent leise sprach: „Ich vergaß. Sie sind noch nicht wirklich so gut mit unserer Natur vertraut. Als ich sagte, dass ich Zachary zerfetzt vorfand, war das zweifellos eine positive Botschaft. Denn er ist NICHT Asche. Er wird ein paar Nächte brauchen um wieder ansprechbar zu sein, und es wird gefährlich sich ihm zu nähern. Aber das Rätsel bleibt, warum die Kreatur aus den Alpträumen hierher kam.“

Mit fast schleppenden Schritten steuerte Jamie den nächstbesten Sessel an. Das Fehlen von Emotionen ist das beste, das ihm momentan passieren konnte, und so ließ  er sich hineinplumpsen und bemerkte dabei angelegentlich „Also kein Kainstod. Sehr gut. Wir müssen Informationen austauschen, Mr. Watson.“
„Oh ich wäre hocherfreut zu erfahren, was hier vor sich geht!“
„Bitte nehmen Sie doch Platz, ich komme mir unhöflich vor zu sitzen, derweil mein Gastgeber noch steht!“ Leichte Anzeichen von Amusement geisterten über das sonst so unbewegte Gesicht des Ventrue. Er nahm Platz.

Die beginnende Unterhaltung hatte ein Maß an Surrealität, welches die Geschichte von Alice im Wunderland fast alltäglich erschienen ließ!

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„Also, ich weiss nichts, außer das sich mein Protegé nach vierzig Jahren wieder meldet, nach London zurück kommt und der Meinung ist, Ihnen etwas zu schulden. Dann reist er Hals über Kopf wieder in die Kolonien. Und als ich hier ankomme, hat sich das Wesen das er schon mehrfach gemalt hat,  hier Zugang verschafft und ihn angegriffen. Und was wissen Sie?“
„Was er mir zu schulden glaubt, weiss ich nicht. Ich habe eher den Eindruck, selbst in Zach’s Schuld zu stehen. Und — es war NICHT das Wesen das er malte, welches ihn angriff. Nur dessen Leib.“ Ein kurzer Blick hin zum Kamin, ein tiefer Seufzer.

Der Ventrue legte die Fingerspitzen zusammen und fixierte Jamie extrem, das Gefühl der Fähigkeit „Präsenz“ wird stärker.  „Sei es wie es sei, Zachary ist niemand der besonders wehrlos ist wenn es um geistige Angriffe geht. Also war der Körper nur das kleinere Werkzeug.“
„Ich weiss nicht, was es ist. Ich habe einen Verdacht. Aber wie der Garou sagte, und sie es vermutlich auch Ihnen bekannt sein dürfte, ich bin ein ‚Maguswelpe‘, nicht sehr versiert in diesen Dingen. Wäre ein Wyrm in der Lage, so etwas zu tun?“
„Dieses Konzept hat nichts mit Kainiten zu tun.“ Ein Schulterzucken. „Genau genommen sind auch wir Wyrm. Ein anderer Kainit hätte Zachary angreifen können, das ist richtig. Und ein anderer Kainit hätte sich dieses Aussehen geben können, auch das stimmt. Und ich kann den Geist einer Kreatur völlig überschreiben. Jedoch glaube ich irgendwie nicht, dass es so abgelaufen ist.“

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Es war an der Zeit, sich einen Ruck zu geben. Jamie begann nun dem Ventrue etwas stockend (zum einen wegen seiner Ausgelaugtheit, zum anderen aber auch wegen der unglaublichen Präsenz von Zachary’s Geliebtem), aber doch haarklein zu berichten, was genau sich zugetragen hatte, seit er am Morgen aus dem Bett gekrochen war. Er endete seinen Bericht mit den Worten „Das Wesen kommt definitiv weder von hier noch aus dem Umbra. Es war ein Ort innerhalb des Risses, und zwar hinter dem Umbra wie ich vermute.“

Sein Gesprächspartner ließ ein leicht genervtes Seufzen hören, welches ohne die perfekte britische Upperclass – Erziehung wohl deutlich stärker ausgefallen wäre. „Wie gesagt – wir Kainiten haben wenig mit den Kreaturen hinter dem Schleier zu tun. Sie sind uns in den seltensten Fällen bewusst. Aber es scheint, als hätte sich dieses Wesen ein Fleischgefäß gezüchtet, das  für sein Vorhaben – was immer das sein mag – optimal ist.“
„Etwas Ähnliches hat es sogar formuliert bevor mir die Sinne schwanden. Eins ist sicher: Oberon vermutete einen Technokraten hinter diversen Umtrieben, und Zach bestärkte den Gedanken. Aber das hier war alles, nur kein Mensch. Und auch kein Vampir.“ Jamie’s Stimme wurde immer leiser, dann sank er ein wenig in sich zusammen. Schließlich fährt er fort, mit etwas das er wohl unter normalen Umständen nie und nimmer dem ihm fast unbekannten Ventrue gegenüber geäußert hätte:
„Mr. Watson……….. mehr kann ich Ihnen nicht sagen. Ich weiss nicht weiter.  Ich habe dafür gesorgt, dass Oberon informiert wird. Und ich glaubte ich könne schnell genug hier sein um Schlimmeres zu verhindern. Ich muss wohl sehr blauäugig auf Sie wirken. Es……..tut mir leid. Als er sagte er würde meinem Vampierfreund eventuell einen Besuch abstatten, rechnete ich mit dem Schlimmsten, darum bin ich hier. Ich wollte Zach warnen. Womit ich nicht gerechnet hatte, war die verdammte Schnelligkeit des Wesens. ……..“

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Man konnte nun deutlich an Jamie’s zerknirschter Erscheinung erkennen das er sich offenbar die Schuld daran gab, was Zachary zugestoßen war. Den Meister der Selbstbeherrschung ließ das jedoch völlig kalt und emotionslos. Seine Reaktion klang recht trocken: „Ich kann Ihnen keine Absolution erteilen. Es kostet mich viel Mühe, hier nicht den tierischen Instinkten nachzugeben. Aber da das meinem Protegé nicht weiterhelfen würde, muss ich rational und kontrolliert bleiben. Ich habe keine Kontakte zu den Satyren, sie fühlen sich in meiner Gegenwart deutlich unwohler als bei Zachary, weshalb ich auch mit dem dortigen König nicht konferieren kann.
ich kann meine kainitischen Kontakte nutzen – aber das Wesen, das wir verfolgen wird sich auch tagsüber fortbewegen. Was bedeutet, dass Sie mindestens die Hälfte der Arbeit übernehmen müssen. Sie erwähnten einen Wolf. Haben Sie vielleicht die Möglichkeit, diesen zu kontaktieren?“

Nun war Jamie’s Psyche bereit, die erste Emotion durch ihr Bollwerk dringen zu lassen, er verspürte eine gelinde Aggression. Mit einer deutlich sichereren Stimme, beinahe so akzentuiert wie sein Gegenüber, (denn schließlich hatte auch er eine Erziehung genossen, zwar keine im Brittanien der Jahrhundertwende, aber dafür eine gründlich deutsche des gehobenen Bürgertums der Gegenwart), hob der Magus den Kopf.
„Sir – ich bin mitnichten hier um Ihre Absolution zu erbitten. Ich tat was mir möglich war. Und bei allem gebotenen Respekt – Ihr Kampf gegen Ihre tierischen Instinkte ist wohl kaum mein Problem!
Hingegen ist das Problem welches Ihren Protegé und meinen Gefährten betrifft ein Gemeinsames. Und somit haben wir durchaus gemeinsame Interessen, n’est ce pas? Ich gehe davon aus, dass das bei Kainiten ebenso für ein kurzzeitiges Bündnis reicht, wie bei den meisten anderen Arten die sich gegenseitig in einer bestimmten Angelegenheit nützlich sein können.“

Er schnalzte leicht missbilligend mit der Zunge, setzte sich noch aufrechter und sah dem Ventrue mit leicht schräg gelegtem Kopf in die Augen.
„Ich habe keine Ahnung wie ich den Wolf kontakten sollte, da ich first and foremost damit beschäftigt war ihn davon abzuhalten mir den Kopf von den Schultern zu reißen, und hernach die Kreaturen im Schattenreich zu bekämpfen. Dabei gingen unsere Versuche uns einander vorzustellen sonderbarerweise tatsächlich unter!“ Die Stimme entbehrte nicht eines guten Quäntchens Sarkasmus. „Bevor ich das nachholen konnte verschwand er in einer Art Lichtnebel. Aber es gibt etwas, das Sie vielleicht wissen sollten!“

Jamie schob einen kurzen Bericht über Red’s Visionssuche ein, und die Wesenheit die Red auf der Einöde angetroffen hatte. „Ergibt das im Zusammenhang mit den aktuellen Vorfällen für Sie einen Sinn, Mr. Watson?“

Der jedoch schüttelte leider den Kopf. „Es klingt mystisch und somit nicht nach Dingen, mit denen ich mich beschäftige. Es mag sie überraschen, aber wir Kainiten sind sehr weltlich. Unsere besten Chancen das Wesen zu finden sind nun der Wolf, den vielleicht Ihr schamanistischer Freund aufspüren kann, wenn er die Spur im Umbra zurück zu dessen Heimatcaern verfolgt, – und von meiner Seit aus das Bemühen Zachary so schnell wie möglich wieder auf die Beine zu bekommen. Sollte das Wesen hierher zurück kommen, um sein Werk zu vollenden, werde ich es töten.“

Jeder Satz so emotionslos wie der andere.
Jamie stieg das Blut in die Wangen. „Das impliziert den Tod des Körpers der das Wesen trägt, richtig?“
„Sollte das Wesen wieder versuchen, Zachary zu töten, habe ich meine Prioritäten gesetzt. Ich hoffe, Sie verstehen das.“

Jamie’s Augen wurden so schmal wie seine Lippen. Sehr beherrscht presste er hervor „Ich würde an Ihrer Stelle kaum anders handeln. Doch nicht alles, was man verstehen kann muss einem gefallen, nicht wahr? Ich hoffe inständig, dass es dazu nicht kommen wird. Egal wie sehr ich nachvollziehe, dass es äusserst unangenehm für Sie wäre den Partner zu verlieren, welcher Ihre Nüchternheit durch überbordende Emotionalität, Ihre Routine durch überraschend dramatische Wendungen, und Ihre Langeweile mit der Aufgabe ihn wieder zurück auf den Boden zu stellen nachdem er abhob, ausgleicht.
Ein Magnet wird zu einem sinnlosen Ding, sobald sein Gegenpol fehlt, nicht?
Und vermutlich gibt es wenig Amusement jenseits dem, mit welchem Zachary seinen Mentor zu versorgen weiss! Ja, ich verstehe Sie.
Was nicht bedeutet, dass ich nicht versuchen würde es zu ahnden, sollte meinem Geliebten sein Leib auf diese Weise abhanden kommen!
So wollen wir denn hoffen, dass der Garou von Red gefunden wird. Ich kümmere mich darum.“

„Ja, ich glaube das ist die sinnvollste Herangehensweise. Sie übernehmen den… mystischen Teil dieser Suche und ich werde mich über mir bekannte Thaumaturgen informieren, wie man diese Besessenheit wieder rückgängig machen kann. So haben wir beide etwas von diesem Arrangement.“

Jamie atmete einmal tief ein und aus, die Angespanntheit seiner Miene liess kaum merklich nach. „Schön. Ich brauche Schlaf, bevor ich irgend etwas Sinnvolles unternehmen kann. Und ich fürchte wir haben wenig Zeit. Richten Sie falls möglich Ihrem Protegé meine besten Wünsche bezüglich seiner Rekonvaleszenz aus!“. Es klang fast überzogen förmlich, wie der Magus es leise hervorpresste. Aber wer in die Höhle des Löwen geht…………

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Mit einem leisen Ächzen erhob er sich und hielt Watson die Hand hin, als wolle er einen Deal besiegeln. Dieser erhob sich ebenfalls, sein Händedruck deutlich kühler als der von Zach! Seltsam, das jemand mit einer so riesigen, machtvollen Aura körperlich so wenig Platz einnahm. „Ich werde mich sofort melden, sobald Zachary wieder bei Bewusstsein ist. Oder sobald ich Nachrichten aus London habe, was diese Besessenheit angeht.“

„Danke sehr. Wie erreiche ich Sie ohne herzukommen? Die Fahrt raubt Zeit!“
„Ich habe Zachary’s Passwörter.“ Der Ventrue deutete zum Tisch, auf dem Zach’s I-Pad mit einer offenen Whatsapp lag.

Der Magus deutete ein Nicken an das auch einen leichten Dank implizierte. „Okay. Dann erwarte ich Ihre Nachricht, Mr. Watson.“ Und dann war er zur Tür hinaus. Er sah nicht mehr, wie der Vampir das I-Pad ergriff und ans Fenster trat, murmelte ein fassungsloses „oh heilige Scheisse“, und konnte sich später nicht mehr erinnern, wie er aus dem Lethe heraus und nachhause gekommen war.

Erst als er unter der Dusche stand, setzte sein Denken wieder ein. Und die Hoffnung erwachte. Die Hoffnung, dass Isar’s Seele noch lebte, und das er es schaffen würde, diese wieder mit seinem Leib zu verbinden. Kein Monster war unbesiegbar! Das wussten schliesslich schon die kleinsten Kinder!

Nachdem Jamie geduscht hatte, schlief er siebzehn Stunden durch ohne sich auch nur ein einziges Mal umzudrehen oder sonstwie zu rühren.

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