Kap33: Dahinter. Weit dahinter.

Es kam ihm vor als dauere dieser Fall endlos, in Wahrheit waren nur einige wenige Sekunden verstrichen als der Jungmagus hart auf den steinigen Boden prallte. Nach der gefühlt ewigen Orientierungslosigkeit, in der sein Verstand sich weigerte zu akzeptieren das da einfach nur NICHTS war, erfüllte ihn die harte Landung mit einer Art Dankbarkeit.

Egal was für eine Umgebung, alles schien besser als gar keine Umgebung.

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Wie man sich doch irren konnte! Was Jamie nun wahrnahm, war immer noch die Höhle. Und doch war sie es nicht. Es war die gleiche Höhle in einer anderen Sphäre, der selbe Ort in einer anderen Dimension. Im Umbra war Jamie gewesen, das hier war nicht das Umbra. Auch nicht das Penumbra. Jäh wurde er aus seinen Gedanken gerissen als etwas seinen Kopf streifte. Der modrige, feuchte Geruch der hier herrschte, erreichte seine Nase. Ekelerregend, nach Fäulnis und Verderben roch es. Und dunkel. Es war gar nicht so leicht in diesem Zwielicht etwas zu erkennen! Flink zerrte er den Feuerstab aus der Hosentasche und liess die Spitze auflodern um etwas mehr zu sehen.

Er hörte den Wolf, dessen Namen er immer noch nicht kannte, knurren: „Tiefes….Umbra….Seite des Caerns… Pass auf!!“, während er sich um sich selbst drehte, den Nackenpelz gesträubt und mit leicht hochgezogenen Lefzen die Lage zu erfassen versuchte. Jamie folgte mit dem Blick dem Fingerzeig des Wolfes und machte dann alarmiert einen Satz zur Seite. Direkt über ihm  schien ein Monster aus einem Alptraum in einer Art glitschigem Spinnennetz zu hängen, direkt darunter schälte sich ein Hundewesen aus einem Schatten, lauernd, sprungbereit. Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube………es fühlte sich nicht an wie das tiefe Umbra.
Federn. Aus dem Netz fallen Federn.
Für einen Moment scheint die Zeit anzuhalten. Die Federn drehen sich verspielt um sich selbst, trudeln in der ihnen eigenen Ästhetik langsam und fluffig zu Boden, sanft, zart, rein auf eine mit dem Horror dieses Ortes zutiefst kontrastierende Weise. Schwarze Federn. Schwarze, große Federn. Federn wie……….

Dann hörte Jamie das metallische Geräusch als der Garou sein Schwert zog und wurde mit Macht ins Hier und Jetzt zurück gezogen, beobachtend wie sein riesiger ‚Verbündeter‘ sich auf eine unidentifizerbare Monstrosität stürzte, die auf einer zerbrochenen Säule hockte.

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Immernoch weigerte sich sein Verstand, als real zu werten was seine Augen dem Hirn meldeten. Aber Magie ist selten mit dem Verstand zu greifen. Probehalber feuerte Jamie mit dem Stab auf das Wesen das der Garou gerade angriff. Doch sein Versuch den Wolf zu unterstützen misslang offenbar, jedenfalls heulte dieser gequält auf als das Feuer sehr dicht an seinem Pelz vorüberfuhr und wohl ein paar Haarspitzen versengte.

Offenbar war Feuer etwas, das Garous fürchteten. Der große Magierstab, der sowieso nicht physisch sondern rein spiritueller Natur war, war schnell hervorgezaubert. Er beherrschte diverse magische Angriffe, keinerlei Feuer darunter. Derweil Jamie die Waffe gewechselt hatte, klirrte das Schwert des bereits unter vollem Einsatz kämpfenden Garou immer wieder laut auf, wenn die Klinge die bleichen Knochen des Monsters traf. „Kümmer Du Dich um die Kleinen!“ rief er Jamie zu, und das machte Sinn.

Ohne zu zögern begann der Jungmagus, magische Dornenknäuel auf die Hundewesen zu schiessen, gefolgt von einem giftigen, hell leuchtenden Nebel, der in ihre offenen Mäuler glitt als sie von den Dornen getroffen, schmerzlich aufheulten.

Es waren viele. So viele.
Das mussten Wyrm sein. Normale Geister waren es nicht, es waren nicht einmal wirkliche Geister, sie waren verdammt stofflich,und sie waren ohne Ausnahme „dunkel“ im Sinne von böse. Abgrundtief böse.
Wie lange der Kampf andauerte? Jamie hatte keine Ahnung, Zeit ist nicht existent wenn man ums Überleben kämpft. Einige der Schauergestalten schienen tatsächlich nicht blutleer zu sein, jedenfalls erwischte er im Gewühl ein Wesen, welches in einer heftigen Blutfontaine zu Boden ging, die warme Brühe traf ihn am Hals und im Gesicht. Es gab keine Zeit für Ekel. Sie kämpften nun Rücken an Rücken, der Garou und der Jungmagus.

Hinter sich konnte Jamie hören wie Knochen mit einem Klirren, fleischige Monsterteile mit einem satten, schmatzenden Klatschen zu Boden regneten. „Herrgott, lass mich niemals gegen einen Garou in Rage kämpfen müssen!“, zog ihm durch den Kopf.

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Erledigt! Er hatte die Hundewesen erledigt!
Die Zahl der Feinde begann allmählich zu schrumpfen. Ebenso wie die Kraft, die Jamie für seine in kurzen Abständen abgefeuerten magischen Angriffe erübrigen konnte. Die Erschöpfung ließ sich nicht mehr ignorieren. Ebensowenig wie die blutigen Körperteile, die teilweise an seinen Hosenbeinen klebten. Es fühlte sich an als wate man durch einen Sumpf von Dreck, Blut und Gedärm, die Luft war kaum mehr atembar – zu dem anfänglich schon vorhandenen Modergeruch kam nun dieses ‚Fleischereiaroma‘ hinzu, frisch geschlachtet versus moderndes Aas.

Ein schneller Seitenblick zu seinem Mitstreiter…..um sie herum ein einziges Geklapper, Geknirsche, Geheule, Gejaule und immer wieder Zischen, Knurren, Fauchen und Töne für die die menschliche Sprache keinerlei Worte hat. Der Garou nickte ihm auf eine anerkennende Weise zu, um dann ein lautes, herausforderndes Geheul erklingen zu lassen, welches unzweifelhaft eine magische Komponente hatte. Es schien Jamie mit einer Art Energieschub, einer wilden Entschlossenheit zu versorgen, gerade nun da seine Kräfte nachzulassen begannen! Dankbarkeit. Eine sonderbar distanzierte Dankbarkeit für diese ungewöhnliche Allianz durchzog ihn.

Wieder traf ihn eine dieser schwarzen, hübschen Federn. Die Augen nach oben……das Netz! Das glitschige Netz unter der Höhlendecke enthielt eine Art Kokon, neben der das Zwitterwesen aus Spinne und Qualle mit einem fast triumphierenden Blick thronte. Aus dem Kokon konnte man eine Flügelspitze heraushängen sehen. Illuminiert von gleissenden Lichtbögen, welche entstanden wenn sich die elektrisch aufgeladene Luft an den Spitzen des riesigen Kristalls rieb. Ein löwenartiger Schwanz zuckte am schmalen Kokonende.

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„Isaaaaaaaaaaaaar, halt durch!!!“
Mit wild blitzenden Augen und einem völlig verzerrten Gesichtsausdruck mobilisierte Jamie seine letzten magischen Reserven, begann wie ein Berserker Salve um Salve dieser Dornenranken auf das Quallending zu feuern…….mehr und mehr verstrickte es sich darin, wurde zusehends bewegungsunfähig. Der Garou konnte sich noch gerade eben aus dem Zielstrahl der Dornen herausdrehen, gab einen überraschten Laut von sich. Offenbar hatte er nicht damit gerechnet, das der Welpenmagus noch einmal solch einen kämpferischen Schub erhielt! Die riesigen Wolfspranken mit den langen, scharfen Krallen rissen nun mächtige Fetzen aus dem Leib des Quallenwyrms.

Jamie bemerkte den Schweiss nicht einmal, der ihm in Strömen übers Gesicht rann. Er wechselte von den fesselnden Dornen dazu über, das Wesen mit klirrenden Eisblitzen zu beschießen. „Friss das!!!“
Reif materialisierte sich auf den Wyrmgliedmaßen, man konnte sehen wie das Wesen immer spröder zu werden schien. „Achtung, Garou! Gefrorenes splittert!“, brüllte Jamie als er sah das der Mitstreiter sein Schwert wieder erhob. Die Warnung wurde mit einem Knurren quittiert, welches zu sagen schien das dies beim besten Willen nicht sein erster Kampf war und die Warnung somit mehr als überflüssig sei………

Mit letzter Kraft versuchte der fast gefesselte Wyrm sich auf die Kämpfer zu stürzen, doch diese Bewegung nutzte der Wolf geschickt um das Vieh im Anflug sauber in zwei halbgefrorene Hälften zu zerteilen. Gerade als Jamie aufatmen wollte, die Hälften hatten den Boden noch nicht einmal erreicht, ging ein gleißendes Licht vom Stein in der Mitte aus.
Jamie hörte seinen Mitkämpfer nur noch aufjaulen und beobachteet hilflos, wie dieser rückwärts in ein sich auftuendes Loch aus purer Helligkeit gezogen wurde. Das letzte was er sah, waren die weit aufgerissenen, stahlblauen Augen, dann war der Garou verschwunden. Weg. Fort. Einfach so.

Für den Moment stellte sich die gleiche Art von Orientierungslosigkeit bei dem Jungmagus ein wie zuvor, als sie in diese Sphäre gezogen wurden. In seinen Ohren erklang das Lachen von Isar.

(Fortsetzung folgt, und zwar der Kontinuität halber hier, bei meinem werten Mitstreiter im Blog 🙂 )

 

 

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