Anmerkungen zum Thema Rollenspiel in SL

Ja, ich komme Euch tatsächlich mit einem kleinen ooc (out of character) Artikel. Denn für alle meine Leser, die noch nie in Second Life ein Rollenspiel absolviert haben, könnte es interessant sein. Wen es langweilt, der verpasst nichts wenn er es einfach überspringt 😉

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Ich vergleiche das Rollenspiel gerne mit dem Schauspielern des RL, des richtigen Lebens oder Real Life.
Man könnte auch sagen, es ist wie gemeinsam mit anderen Bücher schreiben. Oder vielleicht wie einen Film anschauen und selber entwickeln zur gleichen Zeit. Jedenfalls ist es für jemanden der es nie erlebt hat, nicht leicht zu beschreiben. Daher bleibe ich mal beim Beispiel des Schauspielers, der in eine Rolle schlüpft.

Wenn ein Film gedreht wird gibt es ein eng festgelegtes Drehbuch, die Dialoge stehen vorab fest, und der Schauspieler hat „nur“ den gespielten Charakter authentisch darzustellen, muss ihn lebendig werden lassen.

Im RP ist das ähnlich. Der Unterschied ist, dass es eher ein „Spontan Theater“ ist, in dem zwar die Rollen festgelegt sind, die Handlung aber relativ offen ist. Sie orientiert sich entweder an den, in einem sogenannten Plot festgelegten Eckpunkten, oder aber entsteht total spontan aus dem was die Akteure sich gegenseitig an Impulsen anbieten.
Natürlich lässt das jede Menge Raum für Überraschungen und unerwartete Wendungen. Und das erzeugt Spannung. Ebenso wie man bei einem Film nicht weiss, was passieren wird, und höchstens mutmaßen kann, weiss man im RP nicht was als Nächstes kommt.

Und ebenso wie man sich beim Betrachten eines Films mit einem der Charaktere identifiziert, (meist mit dem Protagonisten oder einer ihm nahestehenden Hauptperson), identifiziert man sich natürlich mit seinem eigenen Charakter.
Während der Verstand genau weiss, das das ’nur Theater‘ ist, rutscht die Gefühlsebene in etwas, das man „Immersion“ nennt. Auf der eigenen Gefühlsebene ist das virtuelle Erleben Realität. Um gutes RP zu liefern, genießt man also einerseits diese Immersion. Darf aber andererseits nicht vergessen auf den Verstand zu hören der einem sagt „nee nee, es ist nur Rollenspiel.“, und der ja jenseits des Gefühlten den Job hat einen rollenkonform reagieren zu lassen. Auch wenn das bedeutet das der eigene Charakter verwundet wird oder einen Fehler begeht.

Nichts ist langweiliger als ein perfekter Held. Ein wenig schizophren ist das Ganze durchaus. Der Verstand genießt die Gesamtheit des Spiels, während die Emotionalebene fühlt was der Charakter fühlt. Sei es das er verwundet wird, eine große Enttäuschung erlebt, über einen Gegner triumphiert oder auch eine ruhige, romantische Zeit erlebt.

Um es etwas konkreter zu beschreiben:
Dein Charakter läuft in eine Falle. Deinem Verstand ist das klar. Er betrachtet das Spiel ja aus der Distanz. Er weiss, gleich wird Dir etwas Übles passieren. Das generiert den Impuls den Char einfach aus der Affaire zu ziehen, wegzulaufen, oder aber ungeahnte, völlig unrealistische Kräfte oder Visionen zu entwickeln die ihn warnen. Dieses Gefühl musst Du nun unterdrücken, und den Char in die Falle schicken, damit das Play halbwegs realistisch bleibt. Jeder Charakter hat im Spiel Höhen und Tiefen. Du weisst, dass Deine Gefühlsebene dank der Immersion diese Tiefen als Schmerz, Panik, Trauer, Depression oder Furcht empfinden wird.

Es sind reale Gefühle. Sie entstehen in Dir, ähnlich als würdest Du einen schlechten Traum haben. Er ist so lange real bis du aufwachst und Dein Verstand sich wieder einschaltet.

Das Gleiche gilt natürlich auch für die Momente der Freude, des Ausgelassenseins, des Triumphes, des Gewinnens. Es geht so weit, das die real existenten Körper vieler Spieler auf ein Sex RP durchaus mit ganz realer Erregung reagieren. Und das schlägt den Bogen und beendet meine Ausführungen: RP ist Kopfkino. Ganz großes Kopfkino. Manchmal erotisch, meist aber einfach nur spannend.

Dieses Hin und Her der Emotionalebene hat schon manchen guten RL Schauspieler zu einer Drogensucht geführt oder für psychische Instabilität gesorgt. Das Gute beim virtuellen RP ist, das es keine Pflicht ist, das man keinen Drehplan hat und das man sofern man Pausen braucht, diese machen kann so lange man möchte. Es ist kein Beruf. Es gibt also kein Muß.

Heute hat mich Freund Zasta mit einem derart genialen Schachzug der Geschichte um Jamie und Isar überrascht, dass ich jetzt noch völlig verblüfft bin. Es war ein sehr intensives und actiongeladenes Vier-Stunden-RP. Und — — es wirkt nach. Ich möchte nicht spoilern und nix verraten. (Auch wenn es mit Sicherheit zwei bis drei Kapitel meiner Geschichte verschlingen wird, dieses RP nachzuerzählen.) Aber eins muss ich doch sagen: Es war eines dieser RPs, die man ‚verstoffwechseln‘ muss. Es hat mich auf eine sehr befriedigende Weise müde gemacht.

Ihr kennt diese Müdigkeit, die nach sehr guter, produktiver Arbeit entsteht? Die Müdigkeit die nicht unangenehm ist, sondern in der man förmlich mit einem breiten Grinsen badet? Ja. Genau die.
Und weil es so viel Stoff war, werde ich das gesamte RP nocheinmal durchlesen müssen bevor ich mich ans Werk mache und es für mein Blog aufschreibe. Überlegen wie ich es sinnvoll straffe ohne die schönen und spannenden Details zu verlieren. Überlegen wie ich den Spannungspunkt hoch halte, damit ein Leser nicht aufhören kann………und last not least wie ich es so übersichtlich halte das jemand der nicht dabei war, ob der Action nicht durcheinander wird.

Aber nicht jetzt. Jetzt ist Ausruhen und Verstoffwechseln der Immersion angesagt. Wow. Danke für diesen überraschenden Input, Zasta.
Wobei – für den Verstand des Users war es eventuell etwas das man erahnen konnte. Nämlich dann, wenn man dieses Kapitel von Zasta aufmerksam gelesen hatte.

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