Kap31: Eine arbeitsreiche Woche

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Sein Lachen fiel zeitgleich mit dem röhrenden Motor des Möbelwagens zusammen, das leiser wurde je weiter sich die Monteure entfernten. Während Jamie’s Augen zufrieden durch den Raum glitten, schallte es leicht von den Wänden des großen Wohn- Kochbereichs ab.

Red’s Blick, als sein Schüler ihm seine Forderungen aufgezählt hatte, war unbezahlbar gewesen. Das Lachen verebbte und machte einem breiten Grinsen Platz. „Aber Jamie, dir ist schon klar das ICH das nicht zu entscheiden habe, hm? Das muss der Schatzmeister unserer Vereinigung.“
„So what? Dann ruf‘ den Mann an, bitte!“

Das er hart geblieben war, hatte sich ausgezahlt. Red hatte zwanzig Minuten wild gestikulierend für Jamie verhandelt, dann war das Ziel erreicht. Der Wagen stand zu seiner Nutzung bereit, und ausser dem Benzin und eventuellen Werkstattbesuchen wegen des üblichen Verschleißes würde er keinerlei Kosten haben. Die Umzugsfirma, deren Motorengeräusch sich eben in der Ferne verlor um dann vom Tunnel aufgefressen zu werden, war bezahlt worden. Seine Küche band sich hier wirklich äussert gut ein. Aranza hatte im Keller noch einige nicht genutzte Teile ihres Sofas das er so liebte, und entschädigte ihn damit für den ganzen Aufwand und Ärger den er während seines Hostel-Sittings gehabt hatte.

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Dann, gestern, die Hiobsbotschaft: Ein Streit mit ihrer Hausbank war ausgeufert, die Hypothek für den Umbau nicht mehr abtragbar, und so hatte seine Freundin beschlossen, das irgendwie zu regeln indem sie Unicorn Isle verkaufen und dann ihre Zelte abbrechen wollte. Sie würde in einigen Wochen mit Pat nach Florida ziehen, wo man ihr eine Stelle als Hauswirtschafterin einer Jugendherberge angeboten hatte.

Während er langsam durch die Räume schlenderte, lief die vergangene Woche vor seinem geistigen Auge ab. Ein Marathon an Organisation! Christine besucht um die Kündigung schriftlich korrekt ablaufen zu lassen. Dafür gesorgt, das das Elektrizitätswerk wieder brav Strom lieferte. Das Oldtimersofa von blau auf weiss und seinen Kleiderschrank von weiss auf braun lackiert, bzw. gebeizt. Mit Red die Schamanenvereinigung besucht, sich dem Schatzmeister bekannt gemacht, und einen Nutzungsvertrag wegen dem Wagen unterschrieben. Einen Tag mit Aranza verbracht, von dort die Sofa Teile nach Deer Mansion gefahren und den Abend recht melancholisch ausklingen lassen. Die Freundin würde ihm fehlen!

Die Kissen seines Bettsofas imprägniert und es unter die große Trauerweide gepackt, die ihn wie so einiges hier, an Aranza’s schöne Insel erinnerte. Eine ganzen Tag durch Möbelläden und Baumärkte gelaufen, dabei ein neues Bett für sich und Isar angeschafft. Und viel, viel, fast ständig an seinen Prinzen gedacht. Er hörte die lachende Stimme noch als sei sie gerade erst verklungen „Ich brauche ein großes Bett!“. Na hoffentlich war das Neue groß genug! Das Schlafzimmer seines Vorgängers hatte er in das Obergeschoss geschafft. Es sollte als Gästezimmer dienen. So gern Jamie das verkauft hätte – es gehörte nunmal nicht ihm. Und sollte der verschollene Magus wieder auftauchen, wäre er mit recht empört wenn Fremde während seiner Abwesenheit klammheimlich seine Habe veräussert hätten!

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Da er einige Rollen davon übrig hatte, hatte Jamie natürlich auch die Sternenhimmeltapete wieder hinters Bett geklebt. Als das Grobe erledigt war, widmete er sich einen ganzen Tag lang den Kleinigkeiten. Bilder aufhängen, unnütz gewordene Nägel und Dübel entfernen, Löcher zuspachteln, dekorieren. Bei all dem war er froh über Red’s Hilfe, auch wenn sein Lehrer körperlich aus Altersgründen nicht mehr mit Jamie mithalten konnte, so wäre einiges im Alleingang einfach nicht machbar gewesen.

Abends, wenn ihnen alle Knochen schmerzten, hockten sie sich zusammen und Red brachte seinem Schüler bei, wie ein Caern zu hüten war, was es mit dem Caern Totem auf sich hatte (sofern ein Caern eines hatte), und wie man vorgehen musste um ihn sauber und sicher zu halten. Gestern dann war er abgereist. Sein Seminarzentrum rief, und Nina hatte sich irgendwie in Schwierigkeiten gebracht und harrte in einer Zelle seines Auftauchens um ausgelöst zu werden.

Red hatte Jamie auch berichtet, was an Gerüchten über die Vorgänge an Oberon’s Hof im Umlauf war. Es ging, so hatte der Jungmagus es zumindest verstanden, um einige rebellische Sidhe die für Unruhe sorgten. Für ihn war die Politik der Feen natürlich noch unverständlicher als böhmische Dörfer, er hatte schlicht den Hintergrund nicht. Aber das er Lung an den Hof gesandt hatte, schien zur Folge zu haben das sich Oberon in diesen Partisanenkrieg irgendwie hatte einbinden lassen, und es schien sich nach anfänglich ungünstigen Zeichen für ihn dann gar nicht schlecht zu entwickeln. Einige der aufständischen Zellen schienen extrem aktiv und nervig zu sein, aber offenbar war bisher alles gut gegangen.

Jedenfalls hatte Jamie bei jedem Einfühlen in das Seelenband keinerlei Verletzungen wahrgenommen, keine übermäßige Angst, oder eine Form von Stress die darauf schließen hätte lassen, das Isar gefangen war oder gefoltert wurde. Was wahrnehmbar war, und dem Magus immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zauberte, waren kurze Gefühlssplitter ähnlich denen die er in seiner Pubertät und selbst noch während seiner Adoleszenz von sich selbst kannte – ein genervtes Aufbegehren gegen ständige Kontrolle, gegen selbständig sein Wollen aber nicht Können. Dinge wie die Augen zu verdrehen wenn seine Mutter zum hundertsten Male fragte „Hast du auch deinen Schlüssel eingesteckt, Junge? Und ruf an, falls es später werden sollte! Papa und ich sorgen uns sonst zu Tode! Und bitte – fahr vorsichtig! Zwei Räder sind nicht so sicher wie vier!“

Auch häufig empfing er Gefühle des überrascht oder auch angespannt Seins. Nicht ‚verblüfflich‘ angesichts dieser politischen Unruhen.

Weiter ging die Wanderung durch die nun so gut wie fertig gestellte neue Bleibe. Meine Güte, ein so riesiges Haus nur für Isar und ihn! Was für ein Luxus! Andererseits war das was er dafür zu leisten hatte ja auch nicht ohne!
Bis auf das Gästezimmer standen alle Räume im Obergeschoss leer. Jede Menge Platz um bei Versammlungen, falls sie über Nacht andauerten, Iso Matten und Decken auszubreiten.

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Während er sich mit einem Kakao auf der Terrasse niederliess, (er war nie so ein großer Freund von heißer Schokolade gewesen, doch neuerdings trank er viel und oft davon. Irgendwie sorgte es dafür, dass er sich mit Isar verbunden fühlte, es gab eine sonderbare Art von Trost gegen dieses verdammte Vermissen.), fragte er sich ob sein Prinz wohl dem Feldwebel der seine Mutter zu sein schien, von Jamie erzählt hatte. Oder ob er diese Lovestory lieber vorsorglich verschwieg. Er selbst würde sie wohl verschwiegen haben, es war nicht anzunehmen das Eltern sich über Kinder freuten die sich in eine fremde Art verguckt hatten….

Morgen würde er versuchen, den Eulengeist der über dem Eingang der Caern Höhle wohnte, dazu zu bringen für ihn zu arbeiten. Eine Art Wache in Form einer Eule war sicher nicht das Übelste das einem Caern passieren konnte! Er würde wie ein Radar funktionieren, das dem Jungmagus während seiner Abwesenheit Bericht über eventuelle Aktivitäten erstatten konnte. Und Jamie hatte beim Einrichten und Säubern des Hauses ausserdem bemerkt, dass die energetische Schutzhülle an einigen Winkeln rissig und spröde wurde……..es galt, sie zu erneuern und das Haus einmal kräftig auzuräuchern. Am besten mit Weihrauch. Das schien zwar grauselig ‚old school‘, aber Jamie war überzeugt davon das nichts über Weihrauch ging.

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Sein Muskelkater machte sich bemerkbar als er die leere Tasse auf den Boden stellte, genervt verschränkte er die Arme vor der Brust und betrachtete die Birken, deren Blätter als erste die herbstlich leuchtenden Orangetöne angenommen hatten.

„Wenn hier alles geregelt ist, mein Prinz, und du noch nicht zurück sein solltest, dann besorge ich mir Waffen und komme zu Dir! Scheisse, ich habe die Nase vom Vermissen gestrichen voll!“

Es klang wie ein Versprechen. Jamie erhob sich, warf sich in Schale und holte den Wagen aus der Garage. Er würde irre werden wenn er jetzt nicht tanzen konnte, also ab in den Club „Phantas’n Mantas“, dort würde er sich abreagieren können. Tanzen fehlte ihm ja schon seit er angefangen hatte das Hostel zu hüten……..die Sehnsucht nach einer durchtanzten Nacht war fast so groß wie die nach seinem Gefährten.

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