Kap30: Die Lust am Fordern

Während Red und Jamie frühstückten, kehrte Lung zurück und berichtete ihnen was er im Haus des Technokraten beobachtet hatte. Das sorgte nicht eben dafür, dass das halb vertrocknete Toastbrot schmackhafter geworden wäre.

„Gut“, murmelte Jamie kauend und knirschend, „er arbeitet also offenbar wirklich im Bereich der Cyborg Forschung und nun wissen wir, dass er sich ein Versuchsobjekt gegriffen hat. Weiss der Geier womit er sie gelockt hat sich auf so einen Mist einzulassen!“ Lung wandte ein, dass Redbarns offenbar damit rechnete Minnie könnte widerspenstig werden, wieso sonst der Käfig? „Naja“, meinte Red, „die wissen schon wo sie ihre Probanden finden. Du musst nur jemanden aufspüren, der nichts oder fast nichts mehr zu verlieren hat!“

Derweil Red das Geschirr reinigte, verfasste Jamie eine Whatsapp an Redbarns, allerdings mit einem dieser typisch amerikanischen Wegwerf-Handies. Seine wahre Nummer durfte ja nicht auftauchen. Er ließ sie klingen als habe er sie für einen Verbündeten verfasst, und dann versehentlich an den Falschen geschickt. Der Technokrat musste das Gefühl haben das ihn jemand ausspionierte…..Jamie berichtete dem imaginären Freund, Redbarnes habe nun erfolgreich die ersten Chips implantiert.

„Lung, sei so gut und besuche meinen Prinzen. Du magst doch den Hof von Oberon…..“ Jamie hatte gezwinkert, erinnerte er sich doch lebhaft wie bei seinem letzten Besuch dort Lung im Ballsaal versackt war. „Ich möchte wissen, was dort vor sich geht.“ Eine Tasse klapperte vernehmlich im Spülbecken. „Das kann ich Dir unterwegs berichten.“, brummte sein Lehrer.  „Oh, fein! Lung, flieg dennoch hin bitte. Sag ihm das ich an ihn denke, hm?“ Der Drache verzog seine Lefzen zu einem Grinsen und verblasste nickend, bis er völlig verschwunden war.

„Dann hol ich das Auto…………“ Doch als Jamie in der Tiefgarage ankam, sah er den Platten schon von Weitem. Verdammt und zugenäht! Als er gerade sein Loft wieder betrat um Red ins Bild zu setzen, tönte das Telefon und wie es manchmal so geht – es war Denis!

„Hi Jamie! Sag maaaal……….lebt der rechte Hinterreifen noch?“ Es hätte nicht viel gefehlt und der Magus hätte das Handy fallen lassen! „Alter! Bist Du unter die Hellseher gegangen?“ Denis‘ Lachen klang wie die Häme eines aus der Box auftauchenden Kastenteufelchens…. „Neee aber der hatte ne Macke. Ich wusste das der es nicht mehr lange macht! Okay, Du hast meinen Reifen kaputt gekriegt. Hehehe, dann wirst Du schauen müssen, wo Du Ersatz herbekommst, mein Freund!“

Jamie hatte zuwenig Schlaf. Das Wetter war auch nicht der Bringer heute. Und er sorgte sich um Isar. Die Entscheidung bezüglich des Caerns lag ihm auf dem Magen. Und dann das hier! Er explodierte.

„Du verdammter Arsch von einem nichtsnutzigen Tagedieb! Wenn der unterwegs geplatzt wäre könnte ich jetzt im Long Island College Hospital liegen oder sonstwo!“ Das Lachen am anderen Ende der Leitung stachelte Jamie’s Zorn noch einmal an. „Und weisst Du was, Du Motherfucker? Ich werde den Teufel tun Dir einen Reifen zu besorgen. Hol Dir deine verfickte Schrottkiste doch beim nächsten Schrottplatz ab!“ Er legte auf und fauchte Red an, der mit leicht gelupften Brauen den Ausbruch beobachtet hatte. „Komm runter Jamie! Ich hab ne Idee.“

Als Jamie’s Wut verraucht war, war seine Laune auf dem Nullpunkt angelangt. Red hatte bei der Schamanenvereinigung angerufen. „Haben wir einen Wagen in NY? City?………..ah gut gut……….gib mir die Nummer von dem Kollegen der die Schlüssel…………..ja. Alles klar, danke.“

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Als sie aufbrechen konnten, war es später Vormittag. Die Sonne schien dunstig orange durch die Schleierwolken, diesig und kühl war es. Doch der SUV den Red besorgt hatte, machte dem Magus Spass, erstens roch er fast wie ein Neuwagen (und Jamie liebte diesen Geruch!), und zweitens fuhr er sich einfach großartig. Da der Tank fast leer war mussten sie erst einmal einen Stop bei einer Tankstelle einlegen, aber dann verlief die Fahrt störungslos. Bei der Durchfahrt des zum Anwesen führenden Tunnels murmelte Red: „Parke ihn sicherheitshalber am Tunnelausgang, Jamie. Ich weiss nicht, was wir dort vorfinden werden………..aber es muss nicht jeder unsere Ankunft gleich mitbekommen!“

Gesagt getan. Red stieg aus aber Jamie folgte ihm nicht. Er war so verblüfft über das Bild, das sich ihm bot, dass er sogar vergaß seinen Sicherheitsgurt zu lösen. Mit offenem Mund starrte er auf das riesige Haus, was seinen Lehrer zum Lachen brachte.

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Sie liefen einige Schritte durch die fahle Sonne, das Meer rauschte leise und einige Seevögel schrien sich gegenseitig erspähte Beute zu. „Das ist viel zu gross für mich!“ Jamie streckte sich während er das Haus musterte. „Vieeel zu groß, da gehen Isar und ich ja drin verloren!“

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Wachsam musterte Red die Umgebung je dichter sie an das Haus kamen. Der Roller des verschollenen Magiers parkte vor der Garage, als sei er gerade vom Einkaufen zurück gekehrt. „Gibt es eine Spur, Red?“
„Nichts. Gar nichts. Es ist äußerst seltsam.“ Der Schamane zeigte seinem Schüler auch das Innere des Hauses, in dem es heute recht dämmrig war, aber das Licht funktionierte nicht. Offenbar hatten die Elektrizitätswerke wegen nicht erfolgter Stromzahlungen den Saft abgedreht.

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Als Red ihm auch das Obergeschoss gezeigt hatte, wandte Jamie erneut ein das Haus sei viel zu groß. „Aber ich habe Dir bereits kundgetan, dass die Vereinigung es für Versammlungen braucht. Betrachte Dich als eine Art Hausmeister!“
„Noch habe ich nicht zugestimmt. Red. Und ich kann den Caern fühlen, aber nicht sehen. Wo ist er?“

Ein breites Grinsen zog über Red’s Züge. „Oh, der ist gut verborgen……….sind Deine Schuhe wasserdicht?“ Lachend führte er Jamie über das Grundstück hin zu einem Wasserfall, der frappierende Ähnlichkeit mit dem von Unicorn Isle aufwies. Dort deutete der alte Schamane auf einige alte Baumstämme, die am Ufer einer Art Bachlauf entlang angebracht waren. Es war eigentlich kein wirklicher Bach, eher eine fingerförmige, sehr schmale Bucht, jedenfalls konnte man riechen das das Wasser salzig war. Jamie balancierte verblüfft hinter Red her, der forsch vorausstapfte.

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Als der Höhleneingang sichtbar wurde, staunte der Jungmagus nicht schlecht. Ein Käuzchen hockte über dem Eingang als würde es den Caern bewachen, und Jamie fühlte hin zu dem Tier. In der Tat, es handelte sich um einen Geist. Jamie tat es Red gleich und grüßte das Eulenwesen höflich.

„Wir haben ihn vorübergehend hier seinen Posten beziehen lassen, damit er uns Bewegungen des Gateways meldet!“, erklärte Red. Nachdem der alte Schamane sich hatte sagen lassen, das ausser einem Garou, einem Scrag (was Red leise fluchen liess), und einer laut dem Käuzchen ausgesprochen hübschen Fey niemand durch das Gate gekommen sei, betrat der Schamane die Höhle und winkte seinem leicht zögernden Schüler aufmunternd zu.

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Je näher Jamie kam, desto stärker fühlte er die Energie des Caerns. Dieser hier gab ihm das Gefühl als pulsiere die Luft, wohingegen der kleine auf Unicorn Isle eher den Eindruck gemacht habe, als drehe sich die Luft um ihn herum.

Der Laut war halb ein „oha“ und halb ein „häää?“ Denn als Jamie die Höhle betrat, sah er ein aus dicken Steinquadern erstelltes Tor dort stehen, in dem der Schleier für physische Augen sichtbar wurde! Halb starrte man noch in diese Welt, halb aber irgendwie ins Universum hinein……………………keuchend sog der Magus die Luft ein, beobachtet von den amüsierten Augen seines alten Lehrers, der wohl mit einer solchen Reaktion gerechnet hatte. „Ja. Das sagte ich auch als ich das erste Mal hier war, Jamie“, scherzte er leise lachend.

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Er ließ Jamie jede Menge Zeit sich umzusehen, und machte ihn dann mit dem Gateway des Caerns vertraut. Als sie schliesslich die Höhle verliessen, dämmerte es bereits und ihre Mägen knurrten vernehmlich.

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„Wollen wir schauen, ob Konserven im Haus sind?“
„Gute Idee, Red. Mir schwirrt der Kopf und das Knurren meines Magens ist sicher noch bis zum Umbra zu hören!“
„Komm, schauen wir nach!“Sie fanden Cornedbeef und Nudeln, sowie einige getrocknete Kräuter und Paprika. „Schlafen wir hier, Red?“
„Würde Sinn machen. Es gibt noch so viel zu bereden! Beim Essen erzähle ich Dir dann wieso es Ärger bei Oberon gibt.“
„Ja, ich bestehe drauf, Red. Das ist wichtig!“

Während Jamie in dem Topf herumrührte, in dem die „Fleischsauce“ aus Cornedbeef entstehen sollte, begann er trocken aufzuzählen:

„Gut, also ich bin dabei. Ich werde Euer Gatekeeper. Und damit hat sich dann wohl auch festgelegt, dass ich ein Schamane werde, auch wenn ich mich nicht danach fühle! Aber das muss wohl sein. Nur, Red, Ihr kriegt mich nicht für umme! Ich möchte den Wagen behalten, der ist geil! Werde ja viel fahren müssen. Und im Winter ist ein Roller suboptimal!“ Red’s Augen wurden gross. „Diese Seite an Dir kenne ich noch nicht, Jamie. Du forderst den SUV?“
„Ich auch nicht, Red, ich auch nicht. Aber diese Seite will jetzt ans Licht“, ein Zwinkern und dann setzte Jamie noch einen drauf: „Also den Wagen. Ich zahle das Benzin, einfach weil ich zu faul bin ein Fahrtenbuch zu führen. Aber Versicherung und Steuern zahlt die Vereinigung weiterhin. Genau wie meinen Umzug. Ich will meine eigene Küche hier haben, die hier ist mir zu altmodisch. Und meine Bezahlung wird Isar’s Unterhalt implizieren! Ferner bekomme ich eine Krankenversicherung, eine Rentenversicherung, Hausrat, Haftpflicht und ehm……..eine Risikolebensversicherung!“

 

 

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