Kap28: Neue Perspektiven

Der starke Kaffee tat seine Wirkung. Und als Red zu sprechen begann, verschwand Jamie’s Bedürfnis zu gähnen ganz und gar!

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„Wie lange überlässt Denis Dir den Buick, Jamie?
„Über’s Wochenende, warum?“
„Nun, weil wir morgen nach Oyster Bay aufbrechen werden. Und ohne den Wagen hätte ich einen bei Hertz oder Avis gemietet. Wir werden auf der State 495 ziemlich weit der Sonne entgegen fahren.“
Ein leises Lachen, „Danach biegen wir etwa auf Höhe des Lake Succsess nach Norden ab und fahren hoch zur Manhasset Bay. Das wäre mit öffentlichen Verkehrsmitteln äusserst unangenehm. Auch wenn es nicht so weit ist wie zur Unicorn Isle auf den Hamptons. Jamie, hast Du jemals etwas vom Shaman’s Gatekeeper Fond gehört?“

Jamie nibbelte am Rand seiner Tasse herum während die Spannung wuchs. Was in aller Welt wollte Red dort? Er hatte nur eine vage Vorstellung von der Gegend, von der sein Lehrer sprach. Auch wenn Jamie Deutschland schon bereits vor acht Jahren als er volljährig wurde, den Rücken gekehrt hatte mit dem Ziel einen Platz auf der „Liberated Movement“, der besten Tanzschule New Yorks zu ergattern, so blieb der Big Apple ein ziemlich unübersichtlicher Moloch für ihn.
(Es war dann übrigens doch nur ein Platz am PMT Dance Studio im Greenwich Village geworden, aber die Nummer Zwei war schliesslich auch was!)
Und alles was zwar noch im Staat NY befindlich war, sich aber ausserhalb der Stadt befand, betrachtete er als „Ausland“ 😉

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„Der Shaman’s Gatekeeper Fond ist etwas das die Vereinigung der Schamanen gegründet hat. Dort werden Gelder gesammelt, mit denen wir einige ausgesuchte Magier dafür entlohnen, dass sie sich um bestimmte Caerns kümmern, welche einfach wichtiger sind als die ‚handelsüblichen‘ Kraftorte.“ Red beobachtete Jamie sehr genau während er sprach.
Er sah die Neugierde in den Augen seines Schülers wachsen, aber auch eine Art Verwirrung von der Sorte ‚und was hat das mit mir zu tun?‘ aufblitzen. Red beugte sich auf seinem Barhocker leicht vor und legte Jamie eine Hand aufs Bein, um die Eindringlichkeit seiner nächsten Worte zu unterstreichen: „Es gibt dort oben an der Manhasset Bay einen verwaisten Caern. Und bei der letzten Versammlung haben wir beschlossen, dass Du von uns das Angebot erhalten wirst, ihn zu hüten. Der Magus der ihn bisher betreute, ist verschollen. Und das schon seit einem Vierteljahr! Wie auch immer das möglich war, aber sein Verschwinden entging uns. Der Caern ist in einem sehr schlechten Zustand.“

Tief Luft holend hatte Jamie verwirrt gestammelt „Das ist der auf Unicorn Isle auch…..und keiner macht einen Aufstand deswegen!“
„Aranza’s Caern hat ein anderes Rating. Er ist kaum jemandem bekannt, egal in welcher Dimension, und er ist nicht sehr leistungsstark. Das ist bei dem Caern auf Deer Manor anders! Der brummt! Der ist fast jedem bekannt. Und da er im Augenblick nicht geschützt und versorgt wird, könnte, je mehr sich das herumspricht, jedewedes Übel sich seiner bedienen um unsere Welt heimzusuchen, Jamie! Der Deer Manor Caern BRAUCHT dringend einen Hüter.“ Selten war die Stimme seines Lehrers derart eindringlich gewesen.

Jamie fand keine Worte. Das eben Gehörte drehte sich in seinem Kopf und seine Körperhaare stellten sich schneller auf als eine handelsübliche Gänsehaut es gekonnt hätte. Red liess ihn die Botschaft verdauen, stand auf und schenkte sich gluckernd einen weiteren Kaffee ein.

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Jamie’s leise Worte vermischten sich mit dem Geräusch das der Löffel beim Verrühren des Zuckers machte: „Das kann ich nicht Red. Meine Güte, sind Euch die Guten ausgegangen, dass ihr einen Anfänger wie mich dafür ins Auge faßt? Schon alleine die tägliche Fahrt dorthin würde viel zu viel Zeit kosten, ganz abgesehen davon das ich keine Ahnung habe was ich dort tun müsste!“

Natürlich hatte Red mit dieser Reaktion gerechnet. „Von einer täglichen Fahrt war keine Rede, Jamie. Schau her!“ Er stellte die Tasse ab, machte einige schnelle Schritte zu seiner Tasche, kramte sein I Pad hervor und zeigte Jamie ein Bild von Deer Manor.

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„Hier, das Haus gehört der Vereinigung. Es wird dem Gatekeeper gestellt. Da der Magus verschollen ist, ist es noch eingerichtet, diese Einrichtung kannst Du übernehmen wenn Du das wünschst. Du wirst kostenfrei dort wohnen. Dafür hälst Du das Haus in Ordnung, denn es dient uns hin und wieder als Versammlungs- und Konferenzplatz. Und zwar weil das Grundstück so herrlich abgeschieden ist, was an der Manhasset Bay selten genug ist! Man erreicht es nur durch einen sehr gut kontrollierbaren Tunnel. Es ist sozusagen die Sackgasse am Ende dieses Tunnels. Neben der kostenlosen Miete erhälst Du ein Gehalt, welches zumindest Deine Lebenskosten decken wird. Allerdings müsstest Du das Engagement bei Christine dafür aufgeben.“

Mit weit  aufgerissenen Augen starrte Jamie auf das Foto des Anwesens. „Mein Gott, Red………..ich kann das nicht! Wie Zach sagte, ich bin doch gerade erst ‚geschlüpft‘, aber das klingt nach einer Aufgabe für einen Profi!“

„Stell Dein Licht nicht ständig unter den Scheffel, um Dich Deiner Verantwortung zu entziehen, Jamie! Momentan gibt es nur sehr wenig Menschen, die das Potential hätten. Um ehrlich zu sein, Du bist erste Wahl. Es gibt einen weiteren Magus der es tun könnte. Aber der lebt erstens in Alaska und hätte sehr viel mehr Umstände her zu ziehen, und zweitens ist er noch gar nicht erwacht. Wir wissen, dass er das Potential hat, aber vieles was Du bereits gelernt hast wären ihm noch böhmische Dörfer, Jamie!“
Dann tat Red etwas, was er nie zuvor getan hatte: Er griff nach der Hand seines Schülers, sah ihm eindringlich in die Bernsteinaugen und brummte: „Ich BITTE Dich, gib Dir einen Ruck. Wir brauchen Dich auf Deer Manor! Wenn ich es Dir zutraue, solltest Du es Dir selbst erst recht zutrauen!“

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Die Dringlichkeit in Red’s Stimme erschreckte Jamie. Es war als täte sich ein Abgrund vor ihm auf. Nein, er traute sich das nicht im Geringsten zu. Ganz und gar nicht. Andererseits hatte Christine ihm sowieso mit Entlassung gedroht, er sah einem Scherbenhaufen entgegen,  und Deer Manor wäre eine einmalige Chance sein Leben so einzurichten, dass er genügend Zeit für Isar und all die anliegenden Aufgaben haben würde! Vollzeit – Magus! Was für eine Vorstellung……..er schnaufte leicht überfordert, drückte Red’s Hand und murmelte: „Man sagt es kommt alles zur rechten Zeit. Und das es keine Zufälle gibt. Lass mich eine Nacht drüber schlafen, Red, okay?“

„Sicher. Auch zwei. Dennoch werden wir morgen dort hin düsen und uns das ansehen, Jamie. Lass uns eine Mütze Schlaf nehmen, es ist drei Uhr morgens und wir sollten nicht allzu spät aufbrechen!“

Es bedarf wohl keiner Erwähnung, das diese Nacht eine der unruhigsten wurde die Jamie je durchlebt hatte. Und das lag nicht an Red’s Schnarchen.

 

 

 

 

 

 

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2 Kommentare zu „Kap28: Neue Perspektiven

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