Kap25: Peinlich…

war es nicht, nein, es war MEHR als peinlich!

Es war bereits hell als Jamie erwacht war, immer noch in dem melancholischen Gefühl in dem er, Isar fest im Arm, eingeschlafen war. Er hatte ihn die ganze Nacht nicht aus diesem besitzergreifenden und behütenden Griff gelassen, wann immer sein Schlaf ein wenig leichter wurde, konnte er die beruhigende Gegenwart des Gefährten spüren, die Nähe, die Wärme.

Am Vorabend hatten sie sich lange und fast verzweifelt innig angesichts der bevorstehenden Trennung vor dem Kamin geliebt. In das Nachspiel war das Geräusch eines Schlüssels gedrungen, und Aranza nebst dem Hermaphroditenkind geplatzt. Geistesgegenwärtig hatte die FKK-Hostel Betreiberin Pat flugs nach oben zum Duschen geschickt, und war dann mit einem Grinsen ebenfalls schnell im Obergeschoss verschwunden.

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Jamie hatte den etwas irritierten Isar beruhigt, ihm gesagt das Aranza immerhin die Einhörner sehen konnte, und sicherlich nicht angesichts eine Satyrs einen Nervenzusammenbruch entwickeln würde. Und da die Beiden ja nun offenbar wieder aus Philadelphia zurück waren, hatte er ihm auch gleich berichtet, was es mit dem Kind auf sich hatte.

Nachdem Aranza und Pat offenbar ausgiebig geduscht hatten und Pat im Kinderzimmer verschwunden war, kam Aranza zu ihnen herunter und Jamie hatte die Beiden einander vorgestellt. Auch wenn er schon vermutet hatte, dass seine alte Freundin wenig Wind darum machen würde, war er doch sehr verblüfft über die Gelassenheit, mit der sie Isar willkommen hieß. Lediglich einen Whiskey hatte Aranza gebraucht, und nach einem kurzen Smalltalk zu dritt beschloss sie, ausnahmsweise im Büro zu nächtigen damit Isar und Jamie nicht ihr Zimmer in ihrer letzten gemeinsamen Nacht vor Isar’s Abreise räumen mussten.

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Und nun hatte Jamie länger als gewohnt geschlafen, normalerweise erwachte er mit dem ersten Hahnenschrei, aber es war schon später Vormittag. Während seine Augen sich noch gegen das Licht wehrten wurde ihm die Leere bewusst! Blinzelnd hatte er auf Isar’s Bettseite herum getastet. Ein Laut der Verblüffung! Weg. Isar war weg.

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Der Puls schnellte nach oben. Nein, er war sicher nur im Bad……….

Der Magus spitzte die Ohren, aber aus dem Bad war keinerlei Geräusch zu vernehmen. Na gut, es gab ja schliesslich insgesamt drei Bäder im Hostel! Aber dann fielen seine Augen auf das Blatt welches halb von der Decke verborgen an der Bettkante lag. Mit bebenden Fingern hatte er es entfaltet. Isar’s Schrift! Sein Gefährte teilte ihm kurz und bündig mit, dass er ja nun wirklich hassen würde diesen strategischen Rückzug antreten zu müssen, dass er aber Abschiede noch mehr hasse, und daher schon aufgebrochen sei. Jamie solle sich nicht sorgen, denn er würde mehr als genug Glamour horten um im Bedarfsfall ein ganze Armee heilen zu können.

Nachdem Jamie die Nachricht gelesen hatte, starrten seine Augen eine Weile auf das Blatt als weigere sich sein Kopf den Sinn der Worte aufzunehmen. Dann löste sich ein lauter Schrei aus seiner Kehle……eine Mischung aus Schrecken, Schmerz und Wut! Auch er stand nicht auf lange Abschiede! Aber er hatte Isar persönlich zum Caern begleiten wollen und der Abreise ins Umbra beiwohnen! Er hatte ein Artefakt hergestellt, welches Isar die Konzentration auf das Seelenband erleichtern sollte! Nun konnte er es seinem Prinzen nicht mehr übergeben!

„Du verdammter, eigensinniger, starrköpfiger Hurensohn!!!!! Scheisse! Verdammte Scheisse nochmal!!“. Und nachdem er es hilflos in den Raum gebrüllt hatte, begann seine Faust auf Isar’s Kopfkissen einzudreschen. Es staubte.

„So war das nicht abgemacht! Du Arsch! Du alter dickköpfiger, stinkender Sohn eines Feldwebels! Fuck, fuck, fuck!“

Wieder und wieder rammte Jamie seinen Frust, seine Enttäuschung und die Wut die daraus entstand in dieses Kissen, und just als er den Höhepunkt seiner Rage erreicht hatte….breitbeinig über dem geduldig seine Schläge einsammelnden Kissen thronend und wild darauf einprügelnd……..ertönte Aranza’s Stimme nahe bei ihm.  „Jamie…..?? Alles in Ordnung?“ Er hatte sie in seiner Rage nicht eintreten hören. Peinlich. Mehr als peinlich. Hochnotpeinlich war das………..

Er war in sich zusammen gesackt und hatte sie verwirrt angeschaut, ihre fragenden Augen, den verwirrten Blick…………und dann suchten seine Augen die Falltür in der man verschwinden konnte bevor sich die Röte auf den unrasierten Wangen verteilen würde. Doch ehe er etwas entgegnen konnte, war die nackte Erscheinung schon wieder aus dem Zimmer. Verdammt, da verlor er ein einziges Mal die Contenance und dann sowas!

Durch die Tür, die Aranza nicht hinter sich geschlossen hatte, hörte er nun ein stetiges Gemurmel……was waren das für fremde Stimmen? Es klang als lausche man in eine gut gefüllte Kneipe hinein! Immer noch peinlich berührt trat Jamie an das Geländer und schaute runter in die Lobby. Gerade rechtzeitig um eine Gruppe von nackten Gästen dabei zu beobachten, wie sie an der Garderobe wieder in ihre Kleidung schlüpften und von Aranza abkassiert wurden. Nur ein afro-amerikanisches Paar blieb übrig, an einem der Tische einem frugalen Brunch fröhnend, während er Aranza in der Küche verschwinden sah.

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…..reiß dich zusammen, Alter! Schau nach ob du Isar vielleicht noch am Caern findest!

Eilig rannte der Magus die Treppe hinab, vielleicht war es nicht zu spät……. aber als er die Lobby betrat und kurz aber höflich die zwei Gäste begrüsste, schallte es aus der Küche (wo Aranza am Fegen war) „Oh, da bist du ja. Hier, ich habe Brunch für dich gerichtet“. Sie lehnte den Besen gegen die Wand und deutete auf einen Tisch mit zwei Gedecken.

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Als er zögerte, hatte sie ihn lächelnd am Arm gepackt und zu dem Tisch gezogen. „Er ist schon bei der ersten Dämmerung abgereist, Jamie. Ich sah ihn zu den Einhörnern gehen und als ich dort ankam um ihn zu fragen was ein Satyr so frühstückt, war weit und breit keine Spur mehr von ihm. Seit ich die Fähre stoppte, um den Touristen ein ‚Nude Brunch‘ anzubieten, löchert mich aber mein Kind mit der Frage wann Du wohl aufstehst! Pat hat ihren Onkel Jamie ziemlich arg vermisst! Nun setz‘ Dich, Junge!“

Er hatte mehrfach geschluckt. Bei der ersten Dämmerung also! Hätte er sich denken können! Und dann war Pat in den Raum geplatzt und hatte derart begeistert gestrahlt, als er/sie/es  Jamie sah, dass dieser sich der stürmischen Begrüssung nicht entziehen konnte.

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Während Aranza dem Kind und ihm Frühstück auftrug, hatte Pat begonnen ihm haarklein die Erlebnisse zu berichten, die zu dem Krankenhausaufenthalt geführt hatten. Und letztendlich lenkte ihn das Geplapper recht effektiv von seinem Schmerz ab.

„…und dann kam der um die Ecke geschossen. Obwohl die Fussgängerampel ja grün war! Ich wollte noch nen Satz machen aber ich hörte nur noch Mama’s Schrei…………und dann gab es so ein komisches Geräusch in meinem Bein………..boah das war krass, auf einmal war alles total schwarz und es pfiff in meinen Ohren, Jamie………und dann……….“

Jamie lauschte Pat aufmerksam, aber sein Frühstück rührte er kaum an.

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Nachdem auch die letzten Gäste sich verabschiedet hatten, räumten er und Pat gemeinsam die Tische ab. Und während das Kind sich freute erst morgen in die Schule zu müssen und nach oben rannte um sich in das Spiel von Final Fantasy zu vertiefen, konnte er nicht anders: Er ging hinüber zum Caern.

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Es war kühl. Viel zu herbstlich um ausserhalb des Hauses nackt zu sein. Aber er fühlte die Kühle nicht – im Vergleich zu seinem inneren Frost waren die 16 Grad geradezu tropisch zu nennen. Jamie traf lediglich die Einhörner. Natürlich. Nachdem er eine Weile mit ihnen geplaudert hatte, begab er sich wieder ins Haus um sich reisefertig zu machen. Jamie wollte nach NY zu seinem Loft. In Kürze musste er wieder im Lethe aufschlagen. Es wurde höchste Zeit, sich seelisch und moralisch auf die Begegnung mit dem Toreador vorzubereiten!

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