Kap24: Irritationen

 

(Dem geneigten Leser sei berichtet, dass dieses Kapitel von Zasta dem meinigen voraus geht….. 😉 )

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Wüstenwind’s Ohren bewegten sich aufmerksam während er der warmen, dunklen Stimme lauschte, die er so sehr mochte. „…..und ich verstehe es nicht. Es ärgert mich, weisst Du? Es ist weder vernünftig noch in irgend einer Weise nachvollziehbar!“

Der Hengst liess ein leises Schnauben hören als wolle er Jamie’s Worte bestätigen. Der Magus lächelte trotz allem, legte Wüstenwind die Hand auf die Blesse und begann, die warme Stirn zu kraulen, was das Pferd dankbar damit quittierte, dass es den schlanken Kopf ganz ruhig hielt. „Manchmal wünschte ich mir, ich wäre einer von Euch. Den ganzen Tag grasen und Fliegen verscheuchen, ein wenig herum spazieren und von Zeit zu Zeit einen Gast tragen…..herrjeh es wäre so wunderbar mich in der Sicherheit meiner puren Instinkte einigeln zu können! Keine Grübeleien über die Finanzen, keine zukunftsträchtigen Entscheidungen treffen müssen, keine Vampire oder sonstige Wesen….einfach nur das pure Sein! Du weisst gar nicht wie gut Ihr es habt!! Wenn Du überhaupt Sorgen hast, dann allenfalls die Frage wo im Winter das nächste Futter herkommt.“

Als wolle Wüstenwind ihm an dem Punkt widersprechen, bewegte sich der Pferdekopf einmal heftig auf und nieder, was Jamie’s kraulende Hand von seiner Stirn gleiten liess. Dann schnaubte er erneut und drehte sich halb, um  sich schliesslich im hinteren Teil seiner Box über die Tränke her zu machen.

Jamie war irritiert. Und das extrem trübe, fast novemberhafte Licht des gerade erwachten Tages war nicht dazu angetan, seine Irritationen zu mildern.

Noch vor dem ersten Hahnenschrei hatte ihn das ferne Klingeln des Telefons im Büro aus den Träumen gerissen, in denen er mit Isar in dessen Vater’s Ballsaal getanzt hatte. Nachdem er schlaftrunken die Treppe mehr hinunter gefallen als gelaufen war, stellte der Anrufer sich als ein Interessent heraus dem die Tarife auf Unicorn Island nicht passten, und der seinen Unmut darüber lautstark in den klirrenden Hörer knöterte. Nachdem der Magus es geschafft hatte, professionell freundlich zu bleiben, knallte er den Hörer nach dem Gespräch um so heftiger auf die Ladestation. Nach einer Katzenwäsche hatte er sich angekleidet um nach den Pferden zu sehen.

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Und auf dem Weg zum Stall empfing er dann die vibrierende Antwort von Zachary auf seine Whatsapp. „Ich werde in nicht ganz 72 Stunden amerikanischen Boden betreten. Du findest mich im Club. Ich hoffe, Du bist unterhaltsam.“

Ein flüchtiger Blick auf die Uhr, Kopfrechnen. Und dann hatte ihn dieser Schauer überlaufen. Dieser verdammte, gruselige, alarmierende, furchterregend erregende Schauer! Verdammte Scheisse, er war sich selbt ein Rätsel! Es gab nichts Erregendes an der Aussicht wieder auf diesen blassen Collegejungen zu treffen, der älter als Jamies Großvater -Gott hab‘ ihn selig!- war!

Nichts Erregendes beim Gedanken wiederum die Hilfe dieses Vampirs beanspruchen zu müssen! Absolut nichts Erregendes bei der Frage, was ihn antrieb oder woher sein Interesse an Jamie und seine verblüffende Hilfsbereitschaft kam. Und dennoch stand Jamie nun in dem verhangenen Grau des neuen Tages mit hochaufgestellten Körperhaaren und einer beginnenden Erektion, während das Blut in seinen Ohren lauter rauschte als der ferne Wasserfall unten an der Bucht! Und sah dieses bleiche, fast zerbrechlich wirkende Gesicht vor sich als sei es ein Versprechen.

Herrgott nochmal! Es konnte doch unmöglich angehen, dass diese eine angedeutete Berührung, dieser eine Moment indem Zach seinem Leib Gefühle souffliert hatte, die dieser von sich aus nie zuvor empfunden hatte, so lange nachwirkte!

Mit einem lauten Fluch hatte Jamie sich zu Wüstenwind gerettet. Aber auch nachdem er versorgt war, (um die anderen drei Rösser musste er sich nicht kümmern, da sie auf der Weide standen, sie waren ja nicht wie Wüstenwind verletzt und daher versorgungsbedürftig), wurde Jamie die Abscheu vor sich selbst nicht los. Seine Gedanken wanderten ins Haus zu Isar, der in einer fast kindlichen Unschuld in den Kissen gelegen und leise im Schlaf geschmatzt hatte als das Telefon läutete.

Beim Gedanken an seinen Gefährten beruhigten sich die aufgewühlten Wogen umgehend. Kopfschüttelnd war er zurück zum Haus gestapft und hatte sich im Büro niedergelassen, den Laptop hochgefahren und versucht, sich mit Verwaltungsaufgaben wieder einen Anschein von Normalität zu erschaffen.

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Die Wandlampen waren nicht ausreichend stark um die Tristesse dieses Herbsttages zu brechen, die sich auch in Aranza’s Büro breitgemacht hatte. In der Tat war der Tag mindestens so düster wie Jamie’s Innenleben.

Gerade als der Magus erwog, nach oben zu gehen und sich über seinen Prinzen herzumachen, sein Glück in einer Art sexual healing zu suchen, oder profan ausgedrückt – sich das Hirn (und damit all die verstörenden Irritationen) leer zu vögeln, war das melodische Klingeln eines Skype Anrufs zu hören.

Aranza. Er klickte den grünen Hörer. „Hallo mein Lieblingsvertreter!“

„Guten Morgen Aranza!“, es klang ein wenig mürrisch.

„Oh, welche Laus ist Dir denn über die Leber gesteppt, mein Bester? Ich hoffe es ist nur Morgenmuffeltum!“ Im Hintergrund konnte Jamie den Park der Rehaklinik sehen, der ebenso dunstig war wie Unicorn Isle. Offenbar rief Aranza von einem Tablet aus an.

„Wollte mich eben nochmal aufs Ohr legen…….was gibt’s denn? Hier ist alles beim Alten.“ Ein Nicken und dann ein Zwinkern während der Wind die schlohweissen Haare der Inselbesitzerin in alle Richtungen wirbelte.

„Good News: Pat und ich werden am Wochenende zurück auf der Insel sein. Er ist völlig wieder hergestellt, und ich bin heilfroh das unfreiwillige Hoteldasein endlich aufgeben zu können. Sag‘, hat sich dieser Golddingens….ehm Guldberg mal gemeldet?“

„Nee. Wieso?“

„Weil ich stillschweigend davon ausging, dass er aus irgend einem nordischen Teil der Welt stammt. Aber mir fiel auf das der bei dem Namen genau so gut ein Jude sein könnte.“

„So what?“

„Na wenn er schon einen Aufenthalt gebucht hätte, so wäre das zu eruieren gewesen. Angenommen er ist ein Jude, und zwar einer von der orthodoxen Sorte, die ihren Glauben ernst nehmen, hättest Du durchstarten und Koscheres einkaufen müssen!“

„Meine Güte Aranza. Kein Gast der Welt kann erwarten das man ihm die Wünsche von den Augen abliest bevor er vor Ort ist und sie ausgesprochen hat! Und da sagt Isar ich grübele zuviel!“ Ein leises Phhhhhh aus dicken Backen, ein mehr als überdrüssiger, genervter Blick.

„Na ich merke schon – ich hab Dich irgendwie auf dem falschen Fuß erwischt.“ Für einen Augenblick war sie nicht mehr zu verstehen, da sie einen Parkangestellten passierte der lautstark mit einem Laubbläser herum fuhrwerkte. „……es ja egal, dann haben wir ja noch Zeit. Wir sehen uns dann am Wochenende, Jamie. Mach’s gut!“.

Er hatte nur genickt und Skype geschlossen, den Laptop zugeklappt und die Arme verschränkt. Und während seine Hände sich an den eigenen Oberarmen festzuhalten schienen, stand das Bild eines blassen Collegeboys mit glänzend schwarzem Haar und Haut wie kühlem Porzellan wieder vor seinem geistigen Auge.

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Es war so wenig abzuschütteln wie eine Zecke!

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2 Gedanken zu “Kap24: Irritationen

    • hahaha! Auch Oberon fand ihn ja berechenbar. Aber mein guter Jamie ist irgendwie heillos überfordert. Vor allem von sich selbst. Er versteht sich nicht mehr, und somit auch die Welt nicht. 😉

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