Kap23: Spione und Morgentaugedanken

 

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Es war kühl an seiner Brust. Suchend rollte der Arm über die blauen Kissen, das Rascheln blieb ohne Echo.

Jamie öffnete ein Auge und fand bestätigt was er gefühlt hatte – er lag alleine im Bett. Kein Grund beunruhigt zu sein. Nach dem gestrigen Gespräch war Isar so erschöpft eingeschlafen, dass er sich nicht einmal mehr die Mühe gemacht hatte sich auszukleiden. „Du hast sowieso einen völlig abstrusen Biorhythmus. Man muss kein Technokrat sein, um das zu sehen.“ murmelte er um dann die Glieder zu dehnen, zu strecken und ausgiebig zu gähnen. Das Band war fühlbar. Alles war in Ordnung. Ein liebevolles Lächeln machte sich in dem verschlafenen Tänzergesicht breit. Sein Prinz! Er hatte mit mehr Widerstand gerechnet. Aber gut, er hatte auch ein durchaus schlagendes Argument gefunden.

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Bevor er den Abend Revue passieren ließ rief er Lung zu sich. Sein Geistführer war wie üblich schnell da, er schien in der Tat keinen Schlaf zu brauchen. Äußerst strahlend umkreiste er Jamie und wünschte ihm einen guten Morgen. „Guten Morgen, Sensai!“

„Du nennst mich Sensei?“ Der Drache begann schallend zu lachen, es klang tief und fast ein wenig fauchend, aber Jamie kannte seine Stimmfarben und lachte einfach mit. „Dann heraus mit der Sprache, Magus! Du würdest mich nicht so titulieren, wenn Du nicht etwas auf dem Herzen hättest.“

„Du kennst mich zu gut, Lung. Also dann……..Sei so gut und finde für mich heraus, wo Hyppolite Redbarns wohnt! Ich weiss, Du bist ein guter Fährtenfinder. Falls Du Hilfe brauchst frag Red, der hat die meisten Infos über den Technokraten. Wenn Du seine Adresse gefunden hast, fängt der Spass erst an, denn ich möchte einen detaillierten Plan von seiner Behausung. Achte bitte auf alles! Das kleinste Detail mag sich im Nachhinein als wichtig erweisen.“

Nachdem Lung – nicht ganz ohne leises Gemurmel über Schleimer und zunehmend anspruchsvolle Magier zwischen seinen Drachen-Fängen heraus zu pressen – abgezischt war, ging Jamie den Vorabend in Gedanken noch einmal durch.

Er hatte gerade mit einem Workout begonnen, oben auf dem Hügel, als Isar (erstaunlicherweise in menschlicher Gestalt) zu ihm gestoßen war. Nach einem kurzen, fröhlichen Geplänkel über Hundewelpen und Väter hatte Jamie ihn hinunter zu der majestätischen Trauerweide gelockt. Nachdem er ihn über Oberon’s Sorgen und Befürchtungen in Kenntnis gesetzt hatte hing jeder einen Moment seinen Gedanken nach. Dann hatte Jamie es einfach ausgesprochen, die Bitte mit der Auszeit im Umbra. Die Reaktion seines Prinzen hatte er zuvor in Gedanken tausendmal durchgespielt. Aber man ist wohl nie auf das gefasst, was dann wirklich geschieht.

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Das Ringen nach Worten war Isar deutlich anzusehen gewesen. Was er dann so leise in das Meeresrauschen hinein formulierte, war durchaus dazu geeignet  Jamie fast das Herz zu brechen! „Ich bin also doch eine Belastung .. oder Gefahr für Dich … Daran habe ich nicht gedacht.“ Und nach einem etwas hilflosen Ablenkungsversuch den Jamie gestartet hatte um erst einmal Zeit zu gewinnen, setzte Isar nach: „Bin ich ein Problem? Habe ich Dein Leben gefährlich gemacht? Bin ich schuld, dass Vater nun alles Mögliche in Bewegung setzen muss?“

Nachdem er nun selbst nach Worten gerungen hatte, um seinem Prinzen diesen Zahn möglichst schnell wieder zu ziehen, hatte er ihm schließlich einen ziemlich langen Vortrag gehalten. Jetzt als er sich daran erinnerte musste er ein wenig lachen. Du hast dich fast wie das Orakel verhalten, nur das es nicht um Eichhörner und Lebensbäume ging!

„Hör mir zu. Und unterbrich mich nicht. Ich sage Dir wenn ich fertig bin, Du Kindskopf. Gefahren gehören zum Leben. Bei allen und jedem von uns. Ob du nun hier bei mir bist oder nicht spielt überhaupt keine Rolle. Wenn mich kein Technokrat gefährdet, dann vielleicht ein Vampir. Wenn mich nichts Magisches gefährdet, dann eine abstürzende Cessna über den Hamptons. Was auch immer………….Gefahr ist ständig da. Unser Geist schafft sich lediglich die Illusion von Sicherheit weil wir ansonsten ziemlich schnell mehr als paranoid wären.

Ich bitte Dich nicht diese Auszeit zu nehmen weil Dein Hiersein mich in irgend einer Weise gefährden würde. Es war mir bestimmt, zu erwachen. Das passt einigen Menschen oder Wesen nicht. Nun gut. Wäre ich nicht durch Dich erwacht dann wäre es etwas anderes gewesen. Destiny!

Und der Grund warum ich Dich lieber im Umbra sähe, zumindest bis ich diesen Kampf ausgefochten haben werde ist, dass ich verdammt nochmal nicht möchte das dir etwas passiert, Isar. Du bist mir zu wertvoll! Ich möchte Dich heil und glücklich sehen, denn sonst wüsste ich gar nicht für wen ich mangels Gästen die ganze Schokolade kaufe. So. Fertig.“

Die Frage die Isar ihm dann gestellt hatte, lieferte die Steilvorlage für die eigentliche Lösung, das schlagende Argument. „Also könnte ich bleiben, wenn ich kämpfen lernen würde?“

„Deine Berufung ist nicht der Kampf mein Prinz. Du solltest unbeschadet bleiben um mich nach dem Kampf heilen zu können. Möglicherweise werde ich Deine Künste dringend benötigen. Weisst du, ein Rückzug macht zuweilen deutlich mehr Sinn als die Hörner zu senken und los zu stürmen, auch wenn ich verstehe das dir das eher nicht so geläufig ist.“

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Offenbar ein Treffer ins Schwarze. Die einzige Sorge Isar’s war nun gewesen, dass er fürchtete nicht zu erfahren wenn Jamie seiner Heilkünste bedürfe. Der Magus hatte ihn daraufhin mit dem Seelenband vertraut gemacht, und Isar war mächtig angestrengt sofort ans Üben gegangen.

Auch jetzt konnte Jamie spüren das das Band immer wieder aktiviert wurde. So lange nicht einer von beiden sich bewusst darauf konzentrierte, existierte es natürlich auch, aber war vergleichbar mit einem Computer im Ruhemodus. Auf Standby, sozusagen. Lächelnd schnappte er sich sein Handy und begann eine Textnachricht an Zach zu verfassen, im dämmerigen Schlafzimmer leuchtete ihm das Rosenwappen wie ein Blutfleck auf dem Display entgegen.

„Hallo Zach, erwähntest Du nicht, Ihr hättet beschlossen in absehbarer Zeit wieder NY zu besuchen? Bitte teile mir mit wenn Ihr ankommt, denn es gibt da etwas das ich mit Dir besprechen möchte. Möglicherweise ist es sogar dringend. Danke sehr. Jamie“

Nachdem er sie abgeschickt hatte, rollte er sich vom Bett und tappte ins Bad, nicht ohne zuvor die Stereoanlage aus der Lounge so laut aufzudrehen, dass das ganze Haus beschallt wurde. Sollte ja auch unter der Dusche noch zu hören sein!

Doch während er unter der Dusche stand, hatte Lung offenbar tatsächlich die Wohnung des Technokraten ausfindig gemacht. Die Bilder die er Jamie telepathisch sandte, verdrängten das Rauschen des Wassers komplett aus dessen Bewusstsein. Der Hang eines modernen, technikgläubigen Magiers zu Stilmöbeln war nicht was ihn so verblüffte – sein Herz setzte aus als er durch Lung’s Augen die Computerecke des Hyppolite Redbarns erspähte. Offenbar arbeitete der Mann mit Hochdruck am Thema Cyborgs. Der Duschkopf fiel zu Boden und rollte noch ein wenig hin und her, bevor das Wasser dann endgültig gegen die Decke sprühte. Jamie bemerkte es nicht.

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Nachdem er sicher war, dass Redbarns das Haus in Richtung Bäckerei verlassen hatte, materialisierte Lung sich auf dem Speicher, weil er dort ein Labor vermutete. Doch leerer konnte ein Raum nicht sein.
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phhh – Technokraten! So akribisch, dass sie sogar die Treppenstufen zum Speicher durch numerieren müssen….!
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Lung flog einen langen Flur entlang, leuchtete in jeden Winkel, prägte sich sämtliche Details ein.
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Ein erstaunliches Bad. So viel Kupfer – sicher, neuwertig und modern produziert. Aber irgendwie erinnerte es Lung fast an Viktorianische Zeiten. Steampunk……bei einem Vampir würde er das verstehen, bei einem Technokraten war es jedoch eher verblüffend!
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ein Schlafzimmer…..ist ein Schlafzimmer…..ist ein……….warte! Diese Bilder musste er sich ja dann doch einmal etwas genauer ansehen, japanische BDSM Art……..er rieb ein Horn gegen den Vorsprung in der Wand und schaffte es gerade noch, sich auf seine Aufgabe zu besinnen bevor er sich fast in dem Gemälde verloren hätte.
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Die Küche war etwas wo man hineinzischte, eine Runde drehte und alles wusste, was es zu wissen gab. Schnell weiter!
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Aha. Ein fast zugemauerter Balkon und ……….eine Computerecke! Nichts wie hin, die sind ja alle an! Das bedeutet er wird nicht lange weg sein, sonst hätte er sie heruntergefahren….
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Herrjeh! Jamie, schau Dir das an!!!
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2 Kommentare zu „Kap23: Spione und Morgentaugedanken

  1. Haha, im RP selbst habe ich das mit der Cessna und den Hamptons nicht zugeordnet, jetzt, beim Nachlesen kams und ich musste lachen. Da kann man nur hoffen, dass keine betrunkenen Kennedys über Unicorn Island herumsurren!
    Und der Herr Technokrat wird ja echt eine ganz schöne Plage. Kann man nur hoffen, dass er keine besonders ästhetischen Cyborgs erschafft, sonst ist Zach nutzloser als ein Hammer aus Schokolade. 😀

    1. hahaha. N Schokoladenhammer……….grübel……den könnte man sich immerhin auf der Zunge zergehen lassen! Ob er sie erschafft oder erst noch forscht weiss keiner so genau.
      Ich kenne diesen „beim Lesen eines gebloggten RP’s geht mir ein Licht auf“ – Effekt. Hab ich auch manchmal, grins. Ist immer wieder ein AAAAAha wert.

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