Kap21: Das Orakel weit hinter dem Umbra (Teil 1)

Was bisher geschah:

Trotz des Schmerzes den der Splitter des Uhrglases über seiner linken Braue verursachte, lachte Jamie laut und fast hysterisch auf. Es war ein Traum gewesen. Nur ein beschissener, blutiger Alptraum! Die Tauben waren damit beschäftigt Brotkrumen eines unbekannten Spenders aus den Ritzen im Pflaster zu picken. „Ruckediguuuuu“…….. „Shut up! Sonst gibt es heute Tauben in Aspik!“

Irgendwie hatte er die Brote abgeholt und es geschafft heim zu rudern. Schon von weitem sah er Isar in der Bucht im Schwimmreifen herum zappeln. Das war vermutlich der schönste Anblick des Tages!

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Nachdem das Boot vertäut und die Vorräte im Vorratskeller deponiert worden waren, konnte Jamie nicht anders als Isar in einer fast verzweifelt anmutenden Stürmigkeit an sich zu ziehen. Der Satyr hatte überrascht nach Luft geschnappt. Natürlich hatte er den geschwollenen Schnitt über Jamie’s Braue längst entdeckt und gemutmaßt, Jamie hätte eine Prügelei gehabt.  „Nein da ist Glas von Opa’s Taschenuhr drin.“

Nun schnappte er überrascht nach Luft. „Hey, was ist denn los .. Glassplitter und das?“ — „Versprich‘ mir was! Falls Du je Zachary begegnen solltest…………versuche dich so fern wie möglich zu halten und die nächste Tür zu finden!“ — „Hey, ich weiß, dass Vampire gefährlich sein können! Aber der hat Dir doch geholfen .. was ist denn passiert?“ — „Lass uns hoch gehen und die letzten warmen Sonnenstrahlen geniessen. Vielleicht kannst du mir in der Pergola oben aufm Berg das Glas irgendwie aus der Braue ziehen? Und dann erzähl ich dir den…….Traum den ich beim Einkaufen hatte.“ — „Ich hol das Glas raus und heil´ Dir den Schnitt. Und ich will das wissen! Träume können Türen sein!“ Jamie musste lachen, auch wenn in seinen Augen noch die Verzweiflung zu lesen stand, die dieser Alptraum ihm hinterlassen hatte. „Das erzählste einem Magus! Ich hab diesmal keine Ahnung wie ich den Raum hinter dieser Tür einschätzen soll! Na komm!“

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Sie hatten den Keller verlassen, und Jamie hatte unterwegs sein Shirt entsorgt, dessen gesamter Rücken nass war, da Isar ihn beim Vertäuen des Bootes von hinten umarmt hatte. Inzwischen war der Satyr natürlich getrocknet, nicht so das Shirt. Es war deutlich zu kühl draussen um ein nasses Shirt zu lieben! Jamie fröstelte kurz. Sie begaben sich hoch zur Pergola wo ihm sein Prinz mit einigen routinierten Handgriffen das Glas aus der Haut zog und den Schnitt heilte.

Ein unglaubliches Gefühl, diese „Zeitrafferheilungen“! Man konnte jedes Mal diese warme Energie fließen fühlen. Als Isar fertig war, hatte er Jamie sehr innig geküsst und schon allein dadurch liess der Schrecken des Alptraums ein wenig nach. Aber er war zu hart gewesen als das der Magus ihn so einfach hätte abschütteln können! Isar hockte immer noch rittlings auf seinem Schoss, eine Haltung die für die Heilung praktisch gewesen war, nun lehnte er sich zurück um sanft über Jamie’s Bauch zu streichen.

„Bist du jemals einem Toreador übern Weg gelaufen, Isar?“ — „Ich habe Vampire nie getroffen. Sie können nicht ohne Hilfe ins Umbra und es ist nicht so, als würde Vater sie oft einladen.“ — „Wer würde ihm das verdenken………..sie brauchen also Hilfe um ins Umbra zu gelangen. Das ist gut. Sehr gut. Okay, hör zu…. vielleicht erschliesst sich mein Traum ja Dir eher als mir……….“.  –„Erzähl´s mir .. und was das mit den Glassplittern zu tun hat!“

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Und während seine Hände Isar’s Wirbelsäule auf und ab glitten, fast eher als wolle Jamie dort Halt finden und weniger um den Satyr zu kosen, berichtete er ihm den Traum. Bis ins kleinste Detail. Er liess nichts aus. Beim Zuhören knurrte Isar ab und an ein wenig und sträubte die raumsparende Version seiner Flügel. Als Jamie geendet hatte, war seine Haut von kleinen Schweissperlen übersät.

Eine ganze Weile verbrachten die Beiden mit Überlegen und Philosophieren……..Laut Isar wäre es sogar möglich gewesen, dass Zach diesen Traum bewusst erschaffen und in Jamie’s Kopf gesandt hatte. Aber natürlich hatten sie keine Beweise für so etwas, und es war eine Theorie von vielen, die sie entwickelten.

„Es ist ja nichtmal gesagt, dass es von dem Vampir kommt….Vielleicht will etwas Dich zu unbedachten Handlungen verleiten. Oder es ist Deine Paranoia.“  Lachend hatte Jamie seinem Prinzen daraufhin spielerisch in den Bizeps gebissen. „Die ist ja auch vööööööööööööööllig unbegründet! Und Du hast recht man weiss nicht wo her der Traum kam. Ich weiss nur das er mich völlig durchgewirbelt hat! Wir sollten wirklich Red anrufen!“ — „Wenn er nicht grade auf seiner kleinen Freundin liegt …“ — „Nina ist was das wir beide uns irgendwann von ihm ausleihen sollten. Du hast sie ja nie gesehen………nur durch meine Beschreibungen. Aber ich sag dir, die Kleine ist nymphoman irgendwie. Auf was stehst du eigentlich wenn Du Schlitze statt Schwänzen suchst?“ — „Bei beidem das selbe – ich suche das Besondere. Das hat selten etwas mit dem Äußeren zu tun. Auch wenn du ein echter Glücksgriff bist!“ Nach dem stressigen Vormittag ging das natürlich runter wie Öl! Letztendlich brauchten sie also Red’s Rat, nicht das ihnen das nicht schon gestern bewusst gewesen wäre……….

Jamie hatte dem Satyr sein Smartphone in die Hand gedrückt. „Hier mein Prinz, Handylessons! Ruf Red an!“ Ein leises, leicht überhebliches Schnaufen.  „Denkst Du, ich habe nicht zugesehen?“ Er fand recht schnell die Kontakte, studierte dann jeden einzelnen akribisch um schliesslich Red auszuwählen. Dann wollte er Jamie das Phone zurück reichen, was dieser aber mit einem Lachen von sich wies. „“Gut bis dahin. Aber…..ruf ihn an! Finden allein reicht nicht.“ — „Wie … anrufen? was soll ich ihm denn sagen?“ — „Ich halte dich nicht für jemanden der auf den Mund gefallen ist. Du weisst, was wir von ihm wollen.“

Und Isar hatte es getan. Es entsponn sich eine relativ heitere Unterhaltung, da der alte Schamane offenbar Mühe hatte, sich sein männermordendes Mündel vom Leib zu halten. Schliesslich schickte er Nina Tee kochen und hörte sich den Alptraum an. Doch offenbar war er nicht zum Traumdeuter berufen. Statt dessen gab er kund: „Der Schlüssel zu dem Traum liegt wie immer in Deinem Unterbewusstsein. Nun weisst du aber das ein Magus ein anderes Unterbewusstsein hat als Otto Normalverbraucher-Unspirituell. Was völlig auf der Hand liegt und was ich gut verstehen kann ist, dass Du Verlustängste hast. Nach der Entführung kein Wunder.“

Jamie hörte Red zu, was ihm aber unter den aktuellen Bedingungen recht schwer fiel, da Isar offenbar der Meinung war, dass ein guter Gefährte seine bessere Hälfte in solch stressigen Zeiten möglichst effektiv zu entspannen habe, und so war seine Hand langsam in Jamie’s Hosenbund geglitten und nach unten gewandert.

„Das Zach darin vorkommt ist auch wiederum nicht verwunderlich weil er ja schliesslich dafür sorgte dass Du Isar wiedergefunden hast. Zach hat die Macht über Finden und Verlieren zu entscheiden, denn du denkst du schuldest ihm was. Und so lange das nicht abbezahlt ist wird dieses Gefühl bleiben. Aber ich kann nicht den ganzen Traum wirklich deuten, das ist nicht meine Baustelle, Jamie. Danke Nina. Zwei Löffel Zucker bitte!“

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Natürlich lag es Jamie fern, Red zu unterbrechen, dennoch konnte er ein leises Stöhnen nicht unterdrücken da Isar stetig an dem Thema Entspannung weiter arbeitete…..Jamie berichtete Red auch von dem Bild und den gezeichneten Prachtschwingen, die Zach ja unmöglich aus Jamie’s Kopfbildern hatte nehmen können. Es war offensichtlich, dass der Schamane immer nachdenklicher wurde.

„Schick Deinen Geisthelfer Lung zu mir. Ich werde ihm einen Ort mitteilen an den er Euch führen kann. Dieser Ort ist erstens vampirsicher, da er im Umbra liegt. Besser gesagt in den hinter dem Umbra liegenden Galaxien. Ich werde Lung so instruieren dass die Passage für euch beide reibungslos werden dürfte. Dieser Ort erfüllt zwei Zwecke: Erstens wird er euch wann immer ihr das braucht eine absolut sichere Zuflucht sein. Es gibt ausser mir nur drei Personen die von ihm wissen. Und alle drei geniessen mein absolutes Vertrauen. Das bindet Euch allerdings auch…………..diesen Ort niemandem zu verraten. Und ihr werdet dort ein Orakel finden. An einem Feuerplatz. Ihr werdet es nicht sehen können aber es ist dort. Reist da hin und befragt es bezüglich Zach!“

Gesagt, getan. Lung geistig anzurufen und zu bitten sich mit Red in Verbindung zu setzen war eine Sache von Sekunden gewesen. „Er ist auf dem Weg zu Dir, Red.“ hatte er ins Phone gemurmelt. Was Isar dann raunte, konnte Red offenbar mithören, „Klar, klingt gut. Sicherer Ort ist eine feine Sache. Und wenn es Dich entspannter macht …“, denn er lachte gleichzeitig mit Jamie los. Der Schamane kannte das sinnliche Naturell der Satyre lange genug um Eins und Eins zusammen zu zählen. Gottlob war Jamie’s Tag durch den Traum übel genug gewesen, also brachte ihn das Ganze nicht in Verlegenheit. „Isar……….ja wird es. Und ich bin mit Sicherheit besser zu ‚bocken‘ wenn ich diesen Nachtmahr aus meinem Bauch entlassen haben werde!“. Mit diesen Worten entzog er sich ein wenig. Nun musste der Satyr ebenfalls lachen. „“Ist ja gut, ich kann warten.“ Dann hatte er ein gespielt drohendes „noch“ nachgesetzt.

Eilends hatte Jamie sich bei Red bedankt. Derweil die beiden ungleichen Geliebten auf Lungs Rückkehr warteten auf dass er sie zu dem Orakel Ort führen möge, plänkelten sie ausgelassen. Es tat unendlich gut, auf diese Weise abgelenkt zu werden!

(Fortsetzung folgt.)

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