Kap14: Lichtblicke, Tatendrang und ein Plan.

 

Als Jamie mit dem ersten Hahnenschrei erwachte, war eine kalte Dusche mehr als nötig um die Dumpfheit abzuschütteln. Offenbar hatte ihn die zweite Begegnung mit Zachary zumindest nervlich so zugesetzt, dass er nun ein Gefühl von Steifheit am ganzen Leib verspürte, so als hätten seine gespannten Nerven die Muskeln gleich mit gespannt.

Frisch rasiert und mit noch tropfenden Haaren kippte er gierig eine Tasse Kaffee auf Ex, fluchte weil er noch viel zu heiss gewesen war und er nun dieses unangenehme Brennen von der Speiseröhre bis zum Magen fühlen konnte, und wählte Red’s Nummer. Dann stellte er auf Mithören, lauschte dem Tuuut tuuut und zappelte ungeduldig mit den Beinen während die Tropfen ihn auf der Haut kitzelten, die aus den nur flüchtig mit dem Handtuch abgerubbelten Haaren troffen. Es war 7:30 Uhr in New York. Jamie wusste, er würde Red im Schlaf stören. Aber die Angst um Isar ließ ihn keinen Moment zögern den alten Mann aus dem Bett zu klingeln.

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„Zukue – Seminarzentrum, mein Name ist Nina. Was kann ich für Sie tun?“ Es klang MEHR als verschlafen. Aber es war relativ professionell dahin genuschelt. Jamie musste grinsen. „Guten Morgen, Nina. Du kannst mir den Alten geben! Hier ist Jamie, der Unsichtbare von Gestern……..“

Er hörte das Nina einen Moment stockte und, als sie realisierte das er „den Alten“ durchaus liebevoll ausgesprochen hatte, leise zu kichern begann.  „Oh der Geist der mich vom Knutschen abhielt!“

„Genau der. Und ich bin sicher, das hast Du nachgeholt!“ Ein weiteres Kichern war die Antwort. Backfisch blieb eben Backfisch. Auch wenn er von einem alten Schamanen ‚gesponsort‘ wurde.  „Jamie, ich fürchte das ist grad super ungünstig! Weisst Du wieviel Uhr es hier ist?“

„Halb zwei Uhr nachts, schätze ich……….“

Ein Rascheln von Bettwäsche und ein leises Brummen das eindeutig zu tief war um von Nina zu stammen. Dann undeutlich geflüsterte Worte, ein Kratzen als das Handy wohl gegen irgend etwas wie einen Knopf in der Bettwäsche scheuerte.

„Jamie, ich hoffe Du hast eine gute Entschuldigung, alte Männer vom wohlverdienten Schlaf abzuhalten!“ Jamie hielt sich nicht mit langen Vorreden auf. „Tut mir leid, Red! Zach konnte Isar sehen, und ich konnte es durch ihn! Er ist in Lebensgefahr!“

Man konnte hören, wie das Bett knarrte als Red sich offenbar mit einer schnellen Bewegung in die Vertikale brachte. „nein nein, Rehlein, schlaf Du nur weiter……..“, gefolgt von einem scharfen Einatmen. „Setz‘ mich ins Bild, Jamie!“

Sich nervös die Hände knetend und den Tatendrang kaum noch beherrschen könnend, hatte Jamie angefangen Red vom Treffen mit Zach zu berichten. Doch entgegen seiner sonst so ausufernden Erzählkunst, kam er heute zügig zum Punkt. Die Tatsache, dass Zachary offenbar durch ihn (wie auch immer das geschehen war konnte er weiterhin nicht beurteilen) einer alten Liebe gegenüber reumütig geworden war, und daher Jamie mit einer dicken Welle an Melancholie willkommen geheissen hatte, war jetzt nicht wichtig.

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Der Umstand das sich Jamie extrem elegant gekleidet zu dem Toreador begeben hatte (sogar Rosen als kleine Verbeugung vor dessen Clanszeichen auf der Weste zeigend), mit frisch polierten Fingernägeln und einem sündhaft teuren After Shave auf den (welch Ironie) unrasierten Wangen, weil das Ankleiden viel zu viel Zeit verschlungen hatte um noch an eine Rasur denken zu können, war so nebensächlich wie der berühmte Sack Reis in China. Ja, er hatte sich gerüstet um im Notfall den ‚jungen Mann‘ mit Schönheit blenden zu können, sogar die wilden Locken waren elegant mit Gel geglättet worden. Aber wen juckte das? Es juckte auch nicht, dass Zach seine Zelte in NY erst einmal abbrach und gen London aufbrechen wollte.

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Weder der Umstand das der Vampir überaus vertrauensselig Jamie gegenüber gewesen war, noch das er FAST dessen Trost angenommen hätte……..es ging nur um Isar! Das Bild, das ihm Zachary in einer Art „Geistverschmelzungskuss“ hatte sehen lassen, brachte ihn fast um den Verstand, dennoch war seine Stimme sehr beherrscht.

„Ich sah ihn bewegungslos auf nackten, weissen Fliesen liegen, Red. Das Bild war nicht klar genug um zu sehen ob er nur schlief oder besinnungslos war. Über seinen Leib spannten sich die Schatten von Gitterstäben. Er ist definitiv gefangen. Und Zachary’s Einschätzung zufolge befindet er sich in einer alten Lagerhalle unten am Hafen. Er sprach von Kollegen, Red! Zach denkt es ist ein Magus. Ein Technokrat! Und mein Bauchgefühl bejaht seine Einschätzung.“

„Dein Bauchgefühl würde alles bejahen, was er Dir mit Präsenz ins Ohr raunt, Jamie.“

„RED! Er hat sie genutzt,ja. Aber nur um mich vor Panik und unüberlegtem Handeln zu bewahren, und mich wieder mit beiden Beinen auf den Boden zu stellen, als ich vor Schreck abzuheben drohte. Zach leidet. Er war nicht in der Stimmung für Spielchen!“

„Verdammt! Wenn er wirklich in der Hand von Technokraten ist hat Isar ein Problem“.

„Wow“, es klingt zynisch, „Du wirst es kaum glauben aber so weit war ich auch schon. Red, was wollen die mit einem Satyr?“

„Das wissen die Götter und Spirits alleine, Jamie. Jeder Jeck is anners……jeder Technokrat auch. Sie teilen sich wenig ausser ihrem ach so wissenschaftlich-vernünftigem Paradigma. Einen Cybertech-Satyr aus ihm basteln? Seine DNA verändern? Ihn klonen? Einfach herumexperimentieren, weil ihnen die Laborratten ausgegangen sind? Was weiss denn ich? Es ist auch wurst, denn wir müssen ihn da hinaus schaffen, und zwar ziemlich pronto! Dennoch – meinen Glückwunsch! Offenbar bist Du besonnen genug gewesen nicht gleich los zu stürmen.“

„Naja, dank Zachary’s Hilfe. Wäre er nicht gewesen, hätten die Technokraten nun vermutlich noch einen eben erwachten und vorerst an kein Paradigma gebundenen Jungmagus im Käfig.“

„Mist, wo ist das Buch?“……..ein Schaben und Kratzen, das leise Geräusch einer aufgleitenden Schublade, das Rascheln von Seidenpapier……….“aaah da isses ja. Moment Jamie, ich muss etwas nachlesen. Ich werde Dir mit Hilfe eines Materie-Spirits etwas schicken, das wirst Du als Schutz brauchen. Und eventuell auch als Waffe! Und wenn es bei Dir angekommen ist, weise ich Dich in seine Benutzung ein. Dann machen wir einen Plan. Ich würde zu Dir kommen. Aber wer weiss ob wir die Zeit haben bis ich von Hawaii zu Dir geflogen bin……….also bist Du auf Dich gestellt. Aber ich werde Dich mit meinem Avatar begleiten. Ich werde ständig anwesend sein…….unkörperlich aber anwesend.“

Während Jamie Red’s Worten lauschte, beschlich ihn ein komisches Gefühl, die Luft vor ihm auf der Küchentheke wurde fast golden, begann in der Form einer Kugel die etwa die Größe eines etwas aufgeblähten Fußballs hatte, zu glitzern. Dann verpuffte das Phänomen, und im gleichen Moment klirrte etwas hölzern auf die Theke hinab. Ein Stab. Ein hölzerner, leicht gedrehter, gedrechselter Stab, etwa von der Länge eines Unterarms.

„What the fuck………..????“

„Aha. Offenbar angekommen. Den habe ich vor einiger Zeit hergestellt, Jamie, er ist dem Feuer zugeordnet. Er wird alles tun was Du mit Feuer tun würdest. Du kannst ihn als Flammenwerfer benutzen. Oder einen Feuerkreis als Schild um Dich herum generieren. Und das Geile ist, Du musst dafür nicht einmal Feuerspirits anrufen. Er ist so gemacht, dass er auf deine Imagination reagieren wird. Aber Vorsicht. Keiner der Zauber hält länger als allenfalls dreissig Sekunden. Danach muss er entweder erneuert werden, oder aber Du hast Dich bereits in Sicherheit gebracht. Und Du bist derartige Zauber nicht gewohnt. Denke daran, dass es Dich extrem ermüden wird. Es kostet einen Ungeübten ziemlich viel Lebenskraft diese Feuerzauber zu wirken. Und nein, Du musst Dich nicht um einen Hausbrand fürchten, es ist ein Feuer das nur angreift auf was Du gerade fokussiert bist.“

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Red hatte ihn eingewiesen, und Jamie war mehr als verblüfft, als er es tatsächlich nur Kraft seines Willens schaffte, die Spitze des Stabs hell auflodern zu lassen. Als sie beide das Gefühl hatten, das Jamie mit dieser Waffe gut zurecht kommen würde, begannen der alte Schamane und er, einen Plan zu schmieden.

„Du wirst dich am besten aus dem Penumbra heraus dort einfinden, Jamie…..weil……“

„jaja! Das war auch Zachary’s Idee……..“.

„Sieh an. So langsam hab ich das Gefühl, dieser Toreador wird noch zu Deinem Helden!“, ein leises Seufzen und dann weiter im Text. Mehr und mehr nahm der Plan Gestalt an. Bei Anbruch der Dunkelheit würde es los gehen!

 

 

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2 Kommentare zu „Kap14: Lichtblicke, Tatendrang und ein Plan.

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