Kap24: Irritationen

 

(Dem geneigten Leser sei berichtet, dass dieses Kapitel von Zasta dem meinigen voraus geht….. 😉 )

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Wüstenwind’s Ohren bewegten sich aufmerksam während er der warmen, dunklen Stimme lauschte, die er so sehr mochte. „…..und ich verstehe es nicht. Es ärgert mich, weisst Du? Es ist weder vernünftig noch in irgend einer Weise nachvollziehbar!“

Der Hengst liess ein leises Schnauben hören als wolle er Jamie’s Worte bestätigen. Der Magus lächelte trotz allem, legte Wüstenwind die Hand auf die Blesse und begann, die warme Stirn zu kraulen, was das Pferd dankbar damit quittierte, dass es den schlanken Kopf ganz ruhig hielt. „Manchmal wünschte ich mir, ich wäre einer von Euch. Den ganzen Tag grasen und Fliegen verscheuchen, ein wenig herum spazieren und von Zeit zu Zeit einen Gast tragen…..herrjeh es wäre so wunderbar mich in der Sicherheit meiner puren Instinkte einigeln zu können! Keine Grübeleien über die Finanzen, keine zukunftsträchtigen Entscheidungen treffen müssen, keine Vampire oder sonstige Wesen….einfach nur das pure Sein! Du weisst gar nicht wie gut Ihr es habt!! Wenn Du überhaupt Sorgen hast, dann allenfalls die Frage wo im Winter das nächste Futter herkommt.“

Als wolle Wüstenwind ihm an dem Punkt widersprechen, bewegte sich der Pferdekopf einmal heftig auf und nieder, was Jamie’s kraulende Hand von seiner Stirn gleiten liess. Dann schnaubte er erneut und drehte sich halb, um  sich schliesslich im hinteren Teil seiner Box über die Tränke her zu machen.

Jamie war irritiert. Und das extrem trübe, fast novemberhafte Licht des gerade erwachten Tages war nicht dazu angetan, seine Irritationen zu mildern.

Noch vor dem ersten Hahnenschrei hatte ihn das ferne Klingeln des Telefons im Büro aus den Träumen gerissen, in denen er mit Isar in dessen Vater’s Ballsaal getanzt hatte. Nachdem er schlaftrunken die Treppe mehr hinunter gefallen als gelaufen war, stellte der Anrufer sich als ein Interessent heraus dem die Tarife auf Unicorn Island nicht passten, und der seinen Unmut darüber lautstark in den klirrenden Hörer knöterte. Nachdem der Magus es geschafft hatte, professionell freundlich zu bleiben, knallte er den Hörer nach dem Gespräch um so heftiger auf die Ladestation. Nach einer Katzenwäsche hatte er sich angekleidet um nach den Pferden zu sehen.

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Und auf dem Weg zum Stall empfing er dann die vibrierende Antwort von Zachary auf seine Whatsapp. „Ich werde in nicht ganz 72 Stunden amerikanischen Boden betreten. Du findest mich im Club. Ich hoffe, Du bist unterhaltsam.“

Ein flüchtiger Blick auf die Uhr, Kopfrechnen. Und dann hatte ihn dieser Schauer überlaufen. Dieser verdammte, gruselige, alarmierende, furchterregend erregende Schauer! Verdammte Scheisse, er war sich selbt ein Rätsel! Es gab nichts Erregendes an der Aussicht wieder auf diesen blassen Collegejungen zu treffen, der älter als Jamies Großvater -Gott hab‘ ihn selig!- war!

Nichts Erregendes beim Gedanken wiederum die Hilfe dieses Vampirs beanspruchen zu müssen! Absolut nichts Erregendes bei der Frage, was ihn antrieb oder woher sein Interesse an Jamie und seine verblüffende Hilfsbereitschaft kam. Und dennoch stand Jamie nun in dem verhangenen Grau des neuen Tages mit hochaufgestellten Körperhaaren und einer beginnenden Erektion, während das Blut in seinen Ohren lauter rauschte als der ferne Wasserfall unten an der Bucht! Und sah dieses bleiche, fast zerbrechlich wirkende Gesicht vor sich als sei es ein Versprechen.

Herrgott nochmal! Es konnte doch unmöglich angehen, dass diese eine angedeutete Berührung, dieser eine Moment indem Zach seinem Leib Gefühle souffliert hatte, die dieser von sich aus nie zuvor empfunden hatte, so lange nachwirkte!

Mit einem lauten Fluch hatte Jamie sich zu Wüstenwind gerettet. Aber auch nachdem er versorgt war, (um die anderen drei Rösser musste er sich nicht kümmern, da sie auf der Weide standen, sie waren ja nicht wie Wüstenwind verletzt und daher versorgungsbedürftig), wurde Jamie die Abscheu vor sich selbst nicht los. Seine Gedanken wanderten ins Haus zu Isar, der in einer fast kindlichen Unschuld in den Kissen gelegen und leise im Schlaf geschmatzt hatte als das Telefon läutete.

Beim Gedanken an seinen Gefährten beruhigten sich die aufgewühlten Wogen umgehend. Kopfschüttelnd war er zurück zum Haus gestapft und hatte sich im Büro niedergelassen, den Laptop hochgefahren und versucht, sich mit Verwaltungsaufgaben wieder einen Anschein von Normalität zu erschaffen.

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Die Wandlampen waren nicht ausreichend stark um die Tristesse dieses Herbsttages zu brechen, die sich auch in Aranza’s Büro breitgemacht hatte. In der Tat war der Tag mindestens so düster wie Jamie’s Innenleben.

Gerade als der Magus erwog, nach oben zu gehen und sich über seinen Prinzen herzumachen, sein Glück in einer Art sexual healing zu suchen, oder profan ausgedrückt – sich das Hirn (und damit all die verstörenden Irritationen) leer zu vögeln, war das melodische Klingeln eines Skype Anrufs zu hören.

Aranza. Er klickte den grünen Hörer. „Hallo mein Lieblingsvertreter!“

„Guten Morgen Aranza!“, es klang ein wenig mürrisch.

„Oh, welche Laus ist Dir denn über die Leber gesteppt, mein Bester? Ich hoffe es ist nur Morgenmuffeltum!“ Im Hintergrund konnte Jamie den Park der Rehaklinik sehen, der ebenso dunstig war wie Unicorn Isle. Offenbar rief Aranza von einem Tablet aus an.

„Wollte mich eben nochmal aufs Ohr legen…….was gibt’s denn? Hier ist alles beim Alten.“ Ein Nicken und dann ein Zwinkern während der Wind die schlohweissen Haare der Inselbesitzerin in alle Richtungen wirbelte.

„Good News: Pat und ich werden am Wochenende zurück auf der Insel sein. Er ist völlig wieder hergestellt, und ich bin heilfroh das unfreiwillige Hoteldasein endlich aufgeben zu können. Sag‘, hat sich dieser Golddingens….ehm Guldberg mal gemeldet?“

„Nee. Wieso?“

„Weil ich stillschweigend davon ausging, dass er aus irgend einem nordischen Teil der Welt stammt. Aber mir fiel auf das der bei dem Namen genau so gut ein Jude sein könnte.“

„So what?“

„Na wenn er schon einen Aufenthalt gebucht hätte, so wäre das zu eruieren gewesen. Angenommen er ist ein Jude, und zwar einer von der orthodoxen Sorte, die ihren Glauben ernst nehmen, hättest Du durchstarten und Koscheres einkaufen müssen!“

„Meine Güte Aranza. Kein Gast der Welt kann erwarten das man ihm die Wünsche von den Augen abliest bevor er vor Ort ist und sie ausgesprochen hat! Und da sagt Isar ich grübele zuviel!“ Ein leises Phhhhhh aus dicken Backen, ein mehr als überdrüssiger, genervter Blick.

„Na ich merke schon – ich hab Dich irgendwie auf dem falschen Fuß erwischt.“ Für einen Augenblick war sie nicht mehr zu verstehen, da sie einen Parkangestellten passierte der lautstark mit einem Laubbläser herum fuhrwerkte. „……es ja egal, dann haben wir ja noch Zeit. Wir sehen uns dann am Wochenende, Jamie. Mach’s gut!“.

Er hatte nur genickt und Skype geschlossen, den Laptop zugeklappt und die Arme verschränkt. Und während seine Hände sich an den eigenen Oberarmen festzuhalten schienen, stand das Bild eines blassen Collegeboys mit glänzend schwarzem Haar und Haut wie kühlem Porzellan wieder vor seinem geistigen Auge.

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Es war so wenig abzuschütteln wie eine Zecke!

Reblog: Traumwandler

Der gleiche Morgen des Kapitels 23 aus der Sicht von Isar.

Über die Eleganz der Vermeidung

Es war noch einige Stunden bis zum Morgengrauen. Der frühherbstliche Tau war schon gefallen und markierte seine Schritte vom Haus bis hier hinauf auf den Hügel. Die Dunkelheit stieg von der Bucht auf und floss wie Wasser über die sich zur Erde biegenden Grashalme. Die Luft war erfüllt vom Salzduft des Meeres und einem scharfen Ozongeruch, als sei ein Gewitter im Anzug.

Einen Fuß vor den anderen. Längst waren aus viel zu empfindlichen Zehen wieder Hufe geworden. Das Tier, die vorzeitliche Gottheit. Heraustretend aus einer Quelle oder einem Findling, verehrt und im Jahreskreis immer wieder blutgeopfert.

Die Wärme des Gefährten, der weiter unten schlief, sicher in einem Nest aus Decken und Magie, hing noch an ihm. Genau wie das Band, das zwischen ihnen gespannt war, sich hinunter zog, Wände durchdrang. Und sich immer mehr anspannte, je näher er dem Ort kam.

Der Caern. Ein Knoten in den Linien, sanft pulsierend vor…

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Kap23: Spione und Morgentaugedanken

 

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Es war kühl an seiner Brust. Suchend rollte der Arm über die blauen Kissen, das Rascheln blieb ohne Echo.

Jamie öffnete ein Auge und fand bestätigt was er gefühlt hatte – er lag alleine im Bett. Kein Grund beunruhigt zu sein. Nach dem gestrigen Gespräch war Isar so erschöpft eingeschlafen, dass er sich nicht einmal mehr die Mühe gemacht hatte sich auszukleiden. „Du hast sowieso einen völlig abstrusen Biorhythmus. Man muss kein Technokrat sein, um das zu sehen.“ murmelte er um dann die Glieder zu dehnen, zu strecken und ausgiebig zu gähnen. Das Band war fühlbar. Alles war in Ordnung. Ein liebevolles Lächeln machte sich in dem verschlafenen Tänzergesicht breit. Sein Prinz! Er hatte mit mehr Widerstand gerechnet. Aber gut, er hatte auch ein durchaus schlagendes Argument gefunden.

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Bevor er den Abend Revue passieren ließ rief er Lung zu sich. Sein Geistführer war wie üblich schnell da, er schien in der Tat keinen Schlaf zu brauchen. Äußerst strahlend umkreiste er Jamie und wünschte ihm einen guten Morgen. „Guten Morgen, Sensai!“

„Du nennst mich Sensei?“ Der Drache begann schallend zu lachen, es klang tief und fast ein wenig fauchend, aber Jamie kannte seine Stimmfarben und lachte einfach mit. „Dann heraus mit der Sprache, Magus! Du würdest mich nicht so titulieren, wenn Du nicht etwas auf dem Herzen hättest.“

„Du kennst mich zu gut, Lung. Also dann……..Sei so gut und finde für mich heraus, wo Hyppolite Redbarns wohnt! Ich weiss, Du bist ein guter Fährtenfinder. Falls Du Hilfe brauchst frag Red, der hat die meisten Infos über den Technokraten. Wenn Du seine Adresse gefunden hast, fängt der Spass erst an, denn ich möchte einen detaillierten Plan von seiner Behausung. Achte bitte auf alles! Das kleinste Detail mag sich im Nachhinein als wichtig erweisen.“

Nachdem Lung – nicht ganz ohne leises Gemurmel über Schleimer und zunehmend anspruchsvolle Magier zwischen seinen Drachen-Fängen heraus zu pressen – abgezischt war, ging Jamie den Vorabend in Gedanken noch einmal durch.

Er hatte gerade mit einem Workout begonnen, oben auf dem Hügel, als Isar (erstaunlicherweise in menschlicher Gestalt) zu ihm gestoßen war. Nach einem kurzen, fröhlichen Geplänkel über Hundewelpen und Väter hatte Jamie ihn hinunter zu der majestätischen Trauerweide gelockt. Nachdem er ihn über Oberon’s Sorgen und Befürchtungen in Kenntnis gesetzt hatte hing jeder einen Moment seinen Gedanken nach. Dann hatte Jamie es einfach ausgesprochen, die Bitte mit der Auszeit im Umbra. Die Reaktion seines Prinzen hatte er zuvor in Gedanken tausendmal durchgespielt. Aber man ist wohl nie auf das gefasst, was dann wirklich geschieht.

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Das Ringen nach Worten war Isar deutlich anzusehen gewesen. Was er dann so leise in das Meeresrauschen hinein formulierte, war durchaus dazu geeignet  Jamie fast das Herz zu brechen! „Ich bin also doch eine Belastung .. oder Gefahr für Dich … Daran habe ich nicht gedacht.“ Und nach einem etwas hilflosen Ablenkungsversuch den Jamie gestartet hatte um erst einmal Zeit zu gewinnen, setzte Isar nach: „Bin ich ein Problem? Habe ich Dein Leben gefährlich gemacht? Bin ich schuld, dass Vater nun alles Mögliche in Bewegung setzen muss?“

Nachdem er nun selbst nach Worten gerungen hatte, um seinem Prinzen diesen Zahn möglichst schnell wieder zu ziehen, hatte er ihm schließlich einen ziemlich langen Vortrag gehalten. Jetzt als er sich daran erinnerte musste er ein wenig lachen. Du hast dich fast wie das Orakel verhalten, nur das es nicht um Eichhörner und Lebensbäume ging!

„Hör mir zu. Und unterbrich mich nicht. Ich sage Dir wenn ich fertig bin, Du Kindskopf. Gefahren gehören zum Leben. Bei allen und jedem von uns. Ob du nun hier bei mir bist oder nicht spielt überhaupt keine Rolle. Wenn mich kein Technokrat gefährdet, dann vielleicht ein Vampir. Wenn mich nichts Magisches gefährdet, dann eine abstürzende Cessna über den Hamptons. Was auch immer………….Gefahr ist ständig da. Unser Geist schafft sich lediglich die Illusion von Sicherheit weil wir ansonsten ziemlich schnell mehr als paranoid wären.

Ich bitte Dich nicht diese Auszeit zu nehmen weil Dein Hiersein mich in irgend einer Weise gefährden würde. Es war mir bestimmt, zu erwachen. Das passt einigen Menschen oder Wesen nicht. Nun gut. Wäre ich nicht durch Dich erwacht dann wäre es etwas anderes gewesen. Destiny!

Und der Grund warum ich Dich lieber im Umbra sähe, zumindest bis ich diesen Kampf ausgefochten haben werde ist, dass ich verdammt nochmal nicht möchte das dir etwas passiert, Isar. Du bist mir zu wertvoll! Ich möchte Dich heil und glücklich sehen, denn sonst wüsste ich gar nicht für wen ich mangels Gästen die ganze Schokolade kaufe. So. Fertig.“

Die Frage die Isar ihm dann gestellt hatte, lieferte die Steilvorlage für die eigentliche Lösung, das schlagende Argument. „Also könnte ich bleiben, wenn ich kämpfen lernen würde?“

„Deine Berufung ist nicht der Kampf mein Prinz. Du solltest unbeschadet bleiben um mich nach dem Kampf heilen zu können. Möglicherweise werde ich Deine Künste dringend benötigen. Weisst du, ein Rückzug macht zuweilen deutlich mehr Sinn als die Hörner zu senken und los zu stürmen, auch wenn ich verstehe das dir das eher nicht so geläufig ist.“

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Offenbar ein Treffer ins Schwarze. Die einzige Sorge Isar’s war nun gewesen, dass er fürchtete nicht zu erfahren wenn Jamie seiner Heilkünste bedürfe. Der Magus hatte ihn daraufhin mit dem Seelenband vertraut gemacht, und Isar war mächtig angestrengt sofort ans Üben gegangen.

Auch jetzt konnte Jamie spüren das das Band immer wieder aktiviert wurde. So lange nicht einer von beiden sich bewusst darauf konzentrierte, existierte es natürlich auch, aber war vergleichbar mit einem Computer im Ruhemodus. Auf Standby, sozusagen. Lächelnd schnappte er sich sein Handy und begann eine Textnachricht an Zach zu verfassen, im dämmerigen Schlafzimmer leuchtete ihm das Rosenwappen wie ein Blutfleck auf dem Display entgegen.

„Hallo Zach, erwähntest Du nicht, Ihr hättet beschlossen in absehbarer Zeit wieder NY zu besuchen? Bitte teile mir mit wenn Ihr ankommt, denn es gibt da etwas das ich mit Dir besprechen möchte. Möglicherweise ist es sogar dringend. Danke sehr. Jamie“

Nachdem er sie abgeschickt hatte, rollte er sich vom Bett und tappte ins Bad, nicht ohne zuvor die Stereoanlage aus der Lounge so laut aufzudrehen, dass das ganze Haus beschallt wurde. Sollte ja auch unter der Dusche noch zu hören sein!

Doch während er unter der Dusche stand, hatte Lung offenbar tatsächlich die Wohnung des Technokraten ausfindig gemacht. Die Bilder die er Jamie telepathisch sandte, verdrängten das Rauschen des Wassers komplett aus dessen Bewusstsein. Der Hang eines modernen, technikgläubigen Magiers zu Stilmöbeln war nicht was ihn so verblüffte – sein Herz setzte aus als er durch Lung’s Augen die Computerecke des Hyppolite Redbarns erspähte. Offenbar arbeitete der Mann mit Hochdruck am Thema Cyborgs. Der Duschkopf fiel zu Boden und rollte noch ein wenig hin und her, bevor das Wasser dann endgültig gegen die Decke sprühte. Jamie bemerkte es nicht.

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Nachdem er sicher war, dass Redbarns das Haus in Richtung Bäckerei verlassen hatte, materialisierte Lung sich auf dem Speicher, weil er dort ein Labor vermutete. Doch leerer konnte ein Raum nicht sein.

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phhh – Technokraten! So akribisch, dass sie sogar die Treppenstufen zum Speicher durch numerieren müssen….!

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Lung flog einen langen Flur entlang, leuchtete in jeden Winkel, prägte sich sämtliche Details ein.

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Ein erstaunliches Bad. So viel Kupfer – sicher, neuwertig und modern produziert. Aber irgendwie erinnerte es Lung fast an Viktorianische Zeiten. Steampunk……bei einem Vampir würde er das verstehen, bei einem Technokraten war es jedoch eher verblüffend!

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ein Schlafzimmer…..ist ein Schlafzimmer…..ist ein……….warte! Diese Bilder musste er sich ja dann doch einmal etwas genauer ansehen, japanische BDSM Art……..er rieb ein Horn gegen den Vorsprung in der Wand und schaffte es gerade noch, sich auf seine Aufgabe zu besinnen bevor er sich fast in dem Gemälde verloren hätte.

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Die Küche war etwas wo man hineinzischte, eine Runde drehte und alles wusste, was es zu wissen gab. Schnell weiter!

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Aha. Ein fast zugemauerter Balkon und ……….eine Computerecke! Nichts wie hin, die sind ja alle an! Das bedeutet er wird nicht lange weg sein, sonst hätte er sie heruntergefahren….

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Herrjeh! Jamie, schau Dir das an!!!

Kap22: Umwege

In einem Moment waren Isar und Jamie noch auf dem Orakelplatz. Und im nächsten Moment würden sie wieder auf Unicorn Isle sein. So funktionierten die Reisen durch Raum und Zeit, durch das was Jamie gern als „Wurmlöcher“ bezeichnete, auch wenn dieser Begriff es nicht ganz traf. Lung war gerufen worden und erschienen überraschend schnell um sie nachhause zu geleiten. Diesmal hatte Jamie die Augen geschlossen, denn zuweilen machte ihn so eine Raumreise etwas schwindelig.

Um die Reise anzutreten griff er nach Isar’s Hand. Die Nacht in der Hütte des Orakelortes war heiss gewesen, die Erinnerung ebenso heiss. Daher bemerkte er nicht sofort das etwas anders war als sonst. Dieser Zug, die Art wie das physikalische Befinden auf den Kopf gestellt wurde…..der Eindruck von einem Zustand ähnlich der Schwerelosigkeit..alles wie immer. Bis……….

Bis es sich plötzlich anfühlte als würde er aus der ziehenden Bewegung heraus gerissen, seitlich fortgeschwemmt und ein Looping vollführen. Irritiert hatte er die Augen aufgerissen. Bereits im gleichen Moment fühlte er den leichten Ruck, der eintritt wenn der Körper wieder Materie unter den Füßen hat und das eigene Gewicht plötzlich wieder eine Rolle spielt. Leise Musik klang gedämpft von irgendwo an seine Ohren, geschmückt von ebenso leisem Lachen, fast war es als befände er sich oberhalb eines Ballsaals. Doch die Szene die sich ihm bot war mehr als surreal. Als er im ersten Moment erschreckt die Luft einsog, roch sie nach Natur. Gras. Erde. Frühling, ja – beinahe Frühling!

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Der Raum drehte sich etwas. Es schien als würden bestimmte Dinge in der Umgebung verblassen und wieder an Form und Farbe gewinnen. Nach und nach schälten sich Umrisse in sein Sichtfeld. Das Erste war ein Thron. Flankiert von zwei kleinen Felsbrocken aus denen unablässig eine leuchtend blaue Energie strömte, und die zwei Bäumen als Halt dienten welche im gleichen Farbton blühten. Auf dem Thron saß Oberon, einen schlafenden Welpen locker im Arm. Zwei oder drei Hirsche waren damit beschäftigt die Grasbüschel zu äsen, welche aus den Steinplatten des Bodens wuchsen.Ihre Geweihe aber ähnelten eher Bäumen als Geweihen……. grünes Blattwerk spross daraus hervor.  All das nahm Jamie blitzartig wahr, aber sein Kopf weigerte sich einen Augenblick lang, es zu verarbeiten. Manchmal nimmt man ein Bild auf, zu welchem man sich kein Bild machen kann.

Die ersten Worte die Jamie über die Lippen brachte,  waren „Isar? Isaaaaaaaaaar!!!“, während er sich hektisch umgeschaut hatte. Doch er schien alleine zu sein mit Oberon, welcher nun hinter Jamie deutete. „Setz‘ Dich, Junge!“

Zwei Baumstämme wuchsen aus dem Boden, und der Magus machte in paar torkelnde, unsichere Schritte auf sie zu, dankbar sich darauf niederlassen zu können. Manchmal gehorchen einem die Muskeln nicht wirklich. Der Welpe gab ein Geräusch von sich als träume er einen aufregenden Traum und ruderte mit den Vorderbeinen.

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„Grüss‘ Euch, Sire!“ Es klang immer noch atemlos und überrascht, doch einer der herumflatternden Schmetterlinge erwischte Jamie’s Wange und da wurde klar, dass es kein Traum war. Der Satyrkönig hatte offenbar mit dieser Verwirrung seines Gegenübers gerechnet, jedenfalls blieb er entspannt und wirkte wie immer. Schliesslich hatte er einen der Hirsche mit den Baumgeweihen herbeigewinkt.

Das war der Punkt, an dem Jamie jenseits von Gut und Böse geriet. Der Hirsch trug ein Tablett mit mehreren Tassen zwischen den Verästelungen seines Geweihs, ging elegant auf ein Vorderbein hinab und bot dem Magus somit an, zuzugreifen. Die Grenze des „Wunderns und nicht glauben Könnens“ war erreicht. Er befand sich definitiv im Umbra. Und zweifelsohne am „Hofe“ Oberons. Mit einem Lachen griff er sich eine Tasse und schnupperte daran, um dann dem servilen Hirsch zu versichern das er ihn nicht auslache, sondern lediglich verblüfft sei. Ein Schnuppern an der Tasse brachte ein olfaktorisches Ergebnis von „kaffeeähnlich“, und so nahm Jamie beherzt einen Schluck. Auch der Satyr griff nun nach einer Tasse, lehnte sich bequem zurück und erhob das Wort: „Ich habe nur die Gelegenheit genutzt, euch abzufangen, als ihr vorbeikamt.. Ich habe das Gefühl, unter Beobachtung zu stehen und werde mich deshalb im Moment nicht aus dem Reich bewegen. Aber was interessanter ist – Ihr beide … habt etwas Gefährliches angezogen. Das man noch nicht fassen kann.“

Einen Moment dauerte es schon, bis Jamie die Worte umgesetzt hatte. Doch der Fey ‚Kaffee‘ schmeckte aromatisch und die Frühlingsluft kitzelte seine Nase auf eine Weise die ihm immer mehr das Gefühl von Sicherheit und „Zuhause“ gab, ganz gleich wie surreal die Umgebung auch sein mochte. Ein Magus findet sich deutlich schneller mit unbekannten Reichen ab als ein magisch unbedarfter Mensch. „mhm………unter Beobachtung…….hört sich nicht gut an. Und wieso denkt Ihr wir hätten etwas Gefährliches angezogen?“ Als er sprach machte sich der Welpe durch ein Zappeln im Schlaf bemerkbar und liess ein leises „wrff“ hören, und Jamie musste schmunzeln da ihn dieser Hund irgendwie doch sehr an Isar erinnerte.

„Weil sich ein Geist, den ich gelegentlich bei euch vorbeischauen ließ, nicht mehr meldet. Was bedeutet, dass ihn jemand ausgelöscht hat.“

„Ein Geist den Ihr………….“, ein Räuspern, „…………..nicht zufällig ein kleiner blaugeflügelter Drache?“ Ein Nicken von Seiten des Satyrkönigs war die Antwort. „Normalerweise sehr harmlos und neugierig, nicht sehr schlau aber ideal für beobachtende Aufgaben, für die ein Rabengeist zu schnell gelangweilt und ein Rattengeist zu hungrig ist.“

Jamie hatte von den Geistern des Umbras nicht wirklich viel Ahnung, aber er war recht zufrieden zu sehen das sein Verdacht sich bewahrheitete. Er hatte ja auch sonst keine unbekannten Geister erspäht in letzter Zeit. „Ich sah ihn zuletzt vor zwei Tagen, er war mitgereist als Euer Sohn und ich zum Orakel reisten……….aber ………das wisst Ihr vermutlich bereits. Und Ihr seid sicher jemand hat ihn vernichtet? Mein Lehrer hat mir von einer seltsamen Vision berichtet die er hatte……..und ich frage mich ob es damit in Zusammenhang stehen könnte. Er machte sich keinen Reim auf diese Vision!“

„Erzähl nur. Das würde mich interessieren. Bis der Feendrachengeist sich wieder geformt hat, hat er garantiert alles vergessen, was ihm passiert ist, so dass ich ihn nicht befragen kann.“

„Oh, das heisst er wird sich selbst neu erschaffen wie ein Phönix?“, er rieb sich das Kinn, nippte wieder an dem Feenkaffee* So wie er es mir berichtete wollte er kurz nach Eurem Besuch auf Unicorn Isle herausfinden ob Isar und ich sicher seien und der Caern dort ausreichend geschützt ist. Seine Vision führte ihn in eine Einöde voller Krater, der Oberfläche Luna’s ähnlich. Er sagte, er habe Sterne gesehen und erkannt. Doch trotz des Erkennens seien sie………nicht wirklich am „rechten Platz“ gewesen. In der Ferne nahm er etwas wahr das ihn an das irdische Stonehenge erinnerte………Säulen. Lichter. Aber das blieb verschwommen. Und dann…………..dann nahm er ein Wesen wahr und es sprach zu ihm.“

„Das klingt nach einer anderen Ebene .. einem weiteren Reich, das vermutlich zeitlich nicht mit unserer Realität überein stimmt. Konnte er dieses Reich mehr als einmal besuchen?“

Ein bitteres, fast ironisches Lachen rollte über Jamie’s Lippen Unsere Realität! Als ob das Umbra je seine Realität gewesen wäre! Aber Oberon sprach vermutlich von beiden Welten…….und so fuhr Jamie fort ihm zu berichten, dass Red nicht wieder an diesen Ort gelangen konnte und was ihm die Wesenheit, die sich zu freuen schien ihn zu sehen, gesagt hatte, nämlich das jemand Isar und ihn suchen würde und ganz nahe sei.

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Oberon war nachdenklich geworden. Schliesslich hatte er den Magus gefragt ob er noch Kontakt zu ‚diesem exaltierten Vampir‘ habe, worauf hin Jamie ihm auch gleich noch von dem Alptraum berichtet hatte.

Nach einem kleinen Diskurs über verschiedene Interpretationsmöglichkeiten von Träumen und die Beeinflussung von Traumgeschehen, hatte der Satyrkönig dann kundgetan das er es für sinnvoll hielte wenn sich Jamie mit Zachary zusammen täte um dem Technokraten auf den Zahn zu fühlen der Isar damals entführt hatte. Nach Oberon’s Dafürhalten war es gut denkbar, dass dieser hinter dem Ganzen steckte. Natürlich war Jamie von der Vorstellung wenig begeistert. Erstens hatte er ohnehin das Gefühl Zach noch etwas zu schulden, und zweitens wurde er nie so ganz schlau aus dem Toreador. Mit Vampiren hatte er bewusst bis dahin ja auch wenig bis gar nichts zu tun gehabt! Sicher, Oberon fand sie ‚berechenbar‘. Jamie wollte ihm nicht widersprechen, aber für ihn waren sie alles andere als das.

„Sire, langsam frage ich mich ob es nicht sicherer für meinen…..“,ein leises Husten…….“ für Isar wäre wenn er schlicht seinen Besuch auf der Erde für eine Weile beenden würde und sich in den sicheren Hafen Eures Hofes zurück zöge!“

„Und du glaubst, ich könnte ihn hier halten? Das ist maximal naiv. Und sei ehrlich – wäre es das, was Du haben wolltest? Das Problem vermeiden? Statt es zu lösen? Du hattest einen Traum. Dessen prophetische Kraft … zweifelhaft ist. Ich kenne diese speziellen Vampire. Sie sind gefährlich – aber zumindest berechenbar.“

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„Ihr missversteht mich, Sire.“ Er begegnete Oberon’s nüchternem Blick offen, wirkte dabei keinen Deut als wolle er aufgeben, im Gegenteil, fast stand eine Art Trotz in seinem Blick. „Ich weiss, dass er stur ist wenn er was will. Und im Augenblick will er definitiv in meiner Welt sein. Aber möglicherweise könnte ich ihn ja überzeugen eine ‚Auszeit‘ zu nehmen. Und dann könnte ich mich mit Zachary kurzschliessen und versuchen dem Technokraten auf den Zahn zu fühlen. Es fiele mir jedenfalls leichter wenn ich Isar dabei in Sicherheit wüsste. Es geht mir lediglich um seinen Schutz, Sire. Aufgeben liegt mir schon allein deshalb fern, weil ich ja ebenfalls offenbar nicht gerade in Sicherheit bin.“

Oberon’s Miene zeigte deutliche Erleichterung darüber sich nicht mit Erziehungsaufgaben befassen zu müssen. „“Na, wenn Du ihn dazu bringst, dass er freiwillig nach hause kommt – von mir aus. Dann übernehme ich seine Mutter, die wie ein Falke über mich kommen wird, sobald sie seine Präsenz hier wieder spüren wird.“ Die Unterhaltung wurde etwas leichter, fast ein Geplänkel, doch dann verdüsterte sich Jamie’s Gesicht erneut. Ihm wurde schlagartig klar, wie wenig er bisher für Isar’s Schutz hatte tun können, und wie weit er sich damals beim ersten Besuch dessen Vaters aus dem Fenster gelehnt hatte!

„Es tut mir leid, Sire. Als ich damals sagte ich könne Isar absolut beschützen hatte ich wohl keine Ahnung was auf mich zu kommen würde.“
Nun sah er  fast wie ein Schwiegersohn mit schlechtem Gewissen aus, der sich für irgendwas peinlich berührt schämt. Doch Oberon’s Reaktion ist eher eine fröhliche Amüsiertheit, sein Lächeln verbreiterte sich zu einer Art väterlichem Grinsen. „Bisher hast Du einen wirklich guten Job gemacht. Du hast Dich Problemen gestellt, vor denen weitaus erfahrenere Männer schreiend davon gerannt wären. Also mach Dich nicht kleiner als du bist! Ich werde Isar, wenn du ihn dazu bringst zurück zu kommen, so lange hier festhalten, wie ich es zwischen Titania und Gwenda hinbekomme – von seiner eigenen Sturheit mal ganz zu schweigen. Und du greifst dir während dessen den Technokraten. und mit etwas Glück haben wir die ganze Geschichte dann aus der Welt, noch bevor ihr Samhain feiert.“

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Beim Stichwort Samhain hatte sich Jamie gefragt ob wohl Oberon in Satyrform in die Erdenregionen reisen würde um den ‚gehörnten Gott‘ zu geben. Irgendwoher mussten die Legenden ja stammen. Immerhin wäre das ein guter Grund, den Beobachter welcher ihn davon abhielt sein Reich zu verlassen, ein für alle Mal los zu werden!

„Das ist gar nicht mehr so lange Sire…… ich versuche diesen Optimismus zu teilen. Mag sein ich schaffe es nicht Isar zu überzeugen, dann werden wir es gemeinsam angehen. Aber ich werde alle Register ziehen die meine Orgel so hat………..“

Ein äussert zufriedener Blick. „Gut. Ich werde unterdessen ein paar Gefallen einfordern und sehen, ob ich den Feendrachen nicht schneller wieder geformt bekomme .. und mit ein paar Erinnerungen. Aber sicher ist das nicht.“Er hatte sich erhoben und nach schräg unten geschaut. „Ich glaube, Dein Geistführer hatte auch seinen Spaß hier im Reich.“

Diesmal erkannte Jamie Lung’s Stimme inmitten der lachenden Geräusche die aus dem offenbar darunter liegenden Geschoss hochschallten. Er hatte ihn die ganze Zeit fühlen können, aber natürlich nicht sehen. Als er gelandet war, war Jamie davon ausgegangen das Oberon nur ihn aus dem Übergang zwischen den Welten gefischt hatte, doch Lung’s Präsenz war die ganze Zeit über fühlbar gewesen. Der Magus hatte eine Art angedeuteten Kratzfuss vollführt – offenbar war die ‚Audienz‘ beendet.

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Im gleichen Moment, als er „Sire, ich danke für die Aufklärung. Sollte ich neue Informationen haben werde ich Lung zu Euch senden oder nach Mr. Smith rufen. Eine gute und sichere Zeit wünsch‘ ich!“, säuselte, hatte ihm Oberon sehr vorsichtig und liebevoll den kleinen Welpen zugeworfen.

Er hätte es wissen müssen! Bereits beim ersten Besuch auf Unicorn Isle hatte Oberon seinen Sohn in eine Art Tiefschlaf versetzt! Und die ganze Zeit über hatte der kleine Hund ihn so frappierend an Isar denken lassen! Mit einer weit ausholenden, schnellen Bewegung hatte Jamie den Welpen aufgefangen und dann eng an sich gepresst. „Oh mein Gott Sire………ich hätte drauf kommen können! Er erinnerte mich die ganze Zeit…“…..dann war auch schon Lung dicht hinter ihm.

„Ihn ruhig und vor Gwenda verborgen zu halten erfordert manchmal extreme Maßnahmen. Keine Angst, wenn ihr in eurer Welt ankommt, ist er wieder ganz er selbst.“

………und dann hatte die Reise sich fortgesetzt. Diesmal standen sie tatsächlich im Hostel. Da wo sie hingehörten, als hätte es nie eine Unterbrechung gegeben. Lung war mit einem leisen Lachen davon gezischt……..Jamie vermutete, dass er an Oberon’s Hof noch etwas zu Ende zu bringen hatte. Wahrscheinlich gab es dort auch Drachendamen!

Jamie ging auf die Knie, denn noch war Isar nicht verwandelt. Doch als der Magus amüsiert „Ich sollte Deinen Vater fragen, wie man das macht! Zuweilen wäre es sehr praktisch, Dich einfach an die Leine legen zu können!“, gemurmelt hatte, da setzte die Metamorphose ein, und so bezweifelte er das Isar seine Worte hatte hören können.

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Als er wieder in seiner üblichen Satyrform vor Jamie stand, konnte dieser nur mit der Zunge schnalzen. Ob er sich je an all diese Zauber und Welten gewöhnen würde? Nachdenklich hatte er den Hirsch angestarrt, diesen ausgestopften Gesellen mit den Lichtern im baumähnlichen Geweih. Hatte Aranza ihm etwas verschwiegen? Hatte sie gar einen von Oberon’s Dienern ausstopfen lassen?

Verflixt und zugenäht! (oder: Murphy’s Law)

OOC:

Früher oder später geht etwas schief. Immer. Egal bei was.

Murphy war ein weiser Mann.

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Nun hatten wir im RP alle wegen Bauarbeiten von der Insel ausgesiedelt. Und diese herrliche alte Mühle aufgestellt. Als Isar und Jamie kürzlich rpen wollten, stellten wir fest, dass der Durchgang zu den sanitären Anlagen versperrt war. Es war kein Primschatten. Es war kein transparentes Prim. Es lag auch nicht an der Türe.

Wir waren recht ratlos, vor allem weil ich mit meinem Mainavatar noch einen Tag zuvor anstandslos durchmarschiert war. Tat er dann aber auch nicht mehr.

Zuerst dachte ich, es ist die Einstellung der Tür, die auf Gruppe steht. Aber sie anders einzustellen half nicht. Dann setzte ich alle Türen von den Scripten her zurück. Vergass dabei, zwei zu schliessen. Toll. Die hatten dann einen völlig anderen Winkel und gingen nicht mehr richtig zu. Das wäre normalerweise mit „Teile bearbeiten“ zu handeln, indem man die Tür einfach wieder richtig dreht. Nicht so bei diesem Haus!

Also machte ich mir vor drei Tagen die Arbeit das Haus komplett zu löschen. Ich liebe es, wenn man das tut, aber das Mobiliar noch da lässt, und dann das neue Haus rezzt und versucht es genauuuuu da zu plazieren wo das kaputte vorher stand. Gut, dass ich einige Wände eingezogen hatte, denn die waren tolle Anhaltspunkte wie ich es ausrichten musste. Es gelang relativ schnell. Fein. Freude.

Und heute?

Nachdem drei Tage lang alles in Ordnung war, ist der Zugang wiederum „verstopft“. Ich mag nicht in einem Haus RP machen in dem man nicht durch alle Türen laufen kann! Interessanterweise hatte ich das Problem auch schon vor langer Zeit als ich das Haus neu gekauft und aufgestellt hatte. Aber dieses hier ist eine andere Version, die ich fürs RP nachkaufte, und ich rechnete nicht damit das es sich wiederholt. Bin wohl naiv.

Andere Leute haben das gleiche Problem mit dem Haus. So viel weiss ich inzwischen. Na toll. Denn – Lösungen dafür hat bisher niemand gefunden. Und der Ersteller hüllt sich in Schweigen.

Es ist Wochenende. Ich habe Zeit. Viel Zeit.

Zeit, das Haus zu löschen, alle Möbel zu löschen und ein anderes Haus hinzustellen. Da gibt es von Barnsworth Anubis eine umgebaute, zu einem Wohnhaus modernisierte Scheune in meinem Inventar. Die ist gross genug um als Hostel zu fungieren. Viele Schlafzimmer. Diverse Bäder. Das geht. Sicher. Alles easy.

ABER …… es gibt wieder einen logischen Bruch wenn sich die Umgebung fürs RP mit einem Schlag verändert. Und sowas hasse ich mehr als die Pest. (Okay, okay, ich hab‘ leicht reden, ich litt ja noch nie wirklich an der Pest……….). Die Insel wird auf Bildern wieder anders aussehen ohne das es dafür eine schlüssige Erklärung in der Storyline gibt. Damit kann man im RP leben. Man tut einfach so als wäre es schon immer so gewesen. Aber hier, im Blog, werden eventuell vorhandene Leser sich wundern wenn sie die Bilder sehen. Und diejenigen unter ihnen, die Second Life nicht kennen, werden sich vermutlich noch mehr wundern als die „Eingeweihten“.

Außerdem ist die Scheune zwar durchaus schön. Aber sie hat nicht so viel Atmosphäre und Charakter wie die Wassermühle. Seufz. Egal – ich fange jetzt an umzubauen. Denn egal wie genervt ich bin, nix ist schlimmer als wenn man durch eine Tür will und dabei gegen eine unsichtbare Mauer rennt!

 

 

 

 

Bilder. Alt aber nicht ‚überholt‘.

Zuweilen grabe ich in meinem innerhalb von sechs Jahren angehäuften Bilderfundus. Dabei entdecke ich häufig eigene „Werke“ neu, die ich schon längst wieder vergessen hatte. Und wundere mich. Über die Tatsache das selbst damals, als SL noch nicht war was es heute ist, und als ich über deutlich schlechtere Rechner verfügte, doch Dinge entstanden für die man sich auch Jahre danach nicht schämen muss.

Hier sind ein paar davon:

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Lord Of The Crows, 2013

 

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The Riddle, 2013

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On A Mission, 2013

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The Demon Of Lust 

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Ein weiterer Dämon der Lust.. 🙂

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The Hunter

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Young Master’s Challenge

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The Traveller

Gemeint ist mit dem Titel des letzten Bildes der Reisende zwischen den Geschlechtern, der Wanderer im Feld der nicht definierten Geschlechter Rolle, der Globetrotter auf dem Planeten der Trans- und Intersexualität. Sozusagen der nicht fest zuzuordnende und daher für viele Menschen so verstörende „Ihr habt keine Schublade für mich“ Mensch.

 

Kap21: Das Orakel weit hinter dem Umbra (Teil2)

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Es hatte nicht lange gedauert, bis Lung sich blicken ließ. Wie es seine Art war, schwebte er knapp hinter Jamie. „Es kann los gehen, wenn Ihr bereit seid.“

Als Jamie einen Blick auf Isar warf um zu sehen ob auch er bereit war, flackerte die Luft ein wenig. Das Flackern bekam Form, wurde schwächer. Ein Wesen schälte sich in sein Sichtfeld, wie er nie zuvor eines gesehen hatte. Nicht das das etwas heissen musste. Seit er mit Isar „gesegnet“ war hatte er so einiges gesehen von dem er sich niemals hätte träumen lassen das es existierte. Überrascht war Jamie allerdings als er Isar auf das Wesen ansprach das da zwischen ihnen träge mit den kleinen blauen Flügeln flappte, „gehört der zu dir?“, und Isar daraufhin irritiert herumguckte. „Wer?“

Auch Lung wurde befragt. „Guten Tag, Lung San……..oder gehört der zu Dir?“ Hätte Lung Schultern gehabt, so hätte er wohl mit ihnen gezuckt. „Das ist eine Drachenschimäre. Harmlos. Neugierig, Sorg dich nicht!“ Sicher, Jamie vertraute seinem Geisthelfer. Doch er wusste das auch Lung nicht unbedingt ein Experte für die Wesen des Umbra war. Isar jedenfalls konnte ihn wohl nicht sehen und Lung fand ihn harmlos. Na gut.

„Isar kannst du Lung sehen?“ Der Satyr hatte sehr zielgerichtet auf den Drachen gedeutet und genickt. „Sehe ich!“
„Gut, denn IHM folgen wir ja nunmal. Und zwischen uns schwebt ein…….ehm…..kleiner Drachenwurm mit blauen Flügeln. Also ich seh ihn. Ehm temporär….“ Ein Seufzen hatte Jamie’s Worte begleitet, ein Kratzen an der Nase, welches andeutete das ihm der kleine blaue Gesell der irgendwie putzig aussah nicht geheuer war. Aber konnte er seinen Instinkten noch trauen? Er hatte ein ungutes Gefühl. Allerdings hatte er auch diverse Male irgend etwas rein gefühlsmässig als gut eingeschätzt und war damit kräftig auf den Riechkolben gefallen. Egal. Sie würden noch Wurzeln schlagen….

Sie liessen sich also von Lung den Weg zeigen, folgten ihm in etwas, das der Magus so wahrnahm als würde man einen Science Fiction Film sehen in dem ein Wurmloch auftaucht. Und kaum hatten sie die ersten Schritte gemacht, wurden sie auch schon förmlich dort hinein gezogen. Dann…….. eine leichte Erschütterung als sich fester Boden unter den Füßen manifestierte. In dem Tunnel durch Raum und Zeit hatte Jamie noch ein etwas verzerrt hallendes „Zium!“ von Isar gehört, daher grinste er während seine Augen schnell und aufgeregt die neue Umgebung taxierten. Ein Ort in einer Galaxie hinter dem Umbra, hatte Red gesagt.

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Eine Art Hütte in deren Kamin lustig ein Feuer prasselte. Butzenscheiben die nicht sehr transparent waren. Und ein „Aha!“ vom Satyr, der nun offenbar den kleinen blauen Drachenwurm auch sah……..Jamie hatte die Stirn ein wenig gefurcht. In diesem Moment, während er „Ich komme mir vor wie im Mittelalter aber nicht wie in einer anderen Galaxie!“ brummte, wurde ihm bewusst das er viel, viel, VIEL zu skeptisch war. Denn als Isar begann, interessiert und neugierig in der Hütte herum zu schnüffeln, hier übers Fell auf dem Bett strich, dort ein Einmachglas öffnete um den Inhalt zu kosten oder ein Buch in die Hand nahm, war Jamie’s einziger Gedanke wo wohl der Haken war und was wohl vor der Hütte lauern mochte. Er versuchte ergebnislos aus dem Fenster zu spähen, ausser ein paar Baumstämmen nahm er durch die Butzenscheiben nicht viel wahr. Der Unterschied in den Naturellen der beiden ungleichen Freunde war selten klarer geworden.

„Naja, es ist eben eine Dimension, Welt, was auch immer .. wenn Red sie eingerichtet hat ….“ — „Hat er doch gar nicht……..er sagte jedenfalls er kenne den Ort, nicht das er ihn schuf!“ Lung verabschiedete sich mit dem Hinweis man möge ihn zum Behufe der Rückkehr rufen. Sonderbarerweise war er kaum abgezischt, als ihm der kleine blaue Drache folgte. Fast auf dem Fuße. Nun waren sie also alleine. Und Jamie versuchte, sich zu entspannen. „haha Isar, das Bord mit den Lebensmitteln hat es dir angetan hm? Suchst du Erdnussbutter?“ — „Hmm?“ Ein liebevoller Klaps auf den nackten Satyr Hintern. „Du bist ein Kindskopf! Und, was drin was du kennst?“ — „Marmelade, glaube ich.“

Während Isar das Glas zurückstellte, kommentierte Jamie „Na dann hat hier mal jemand gelebt oder es lebt jemand hier der essen kann…….interessant.“, doch kaum hatte er zuende gesprochen ging ihm durch den Kopf, dass es auch gut sein könne das der Ort sich lediglich auf Besucher eingestellt hatte. Wo war dieses Orakel????  Isar war schon mehr oder weniger auf dem Weg nach draussen. Was für ein ungeheurer Anblick, als er die Tür geöffnet hatte!

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Ein wenig Gras, einige Büsche. Und das Ganze auf einer Art fliegender Erdbrocken mitten im Nichts. Nein! Nicht Nichts. Galaxien, Sternennebel. Woher das Licht kam blieb ein Geheimnis, denn keine Sonne war zu sehen. Doch ringsherum nur samtene Schwärze, gespickt mit einem Teppich aus Sternen! Es dauerte einen Moment bevor der verblüffte Magus den Mund wieder schloss. Die Beiden untersuchten den kleinen Ort gründlich…….vermuteten das Orakel im Brunnen, erforschten ihn ergebnislos. Jamie zog es zum Feuer. Er war sich nicht mehr bewusst, dass Red ihm genau das am Telefon gesagt hatte……aber trotz der fehlenden Erinnerung schien ihn dieses Feuer fast magisch zu rufen. Jamie war nicht schwindelfrei. Und heilfroh, das Isar Schwingen hatte und ihm beim Abstieg über die schmalen Stufen die Hand reichte. Vielleicht war hier alles möglich. Vielleicht würde ein Fehltritt gar keinen Absturz bedeuten. Möglicherweise würde man einfach wieder heim in die bekannte Welt gebeamt. Aber das wollte er lieber nicht austesten.

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Unbekümmert wie es seine Art war hatte Isar sich es an einem der Baumstämme gemütlich gemacht während Jamie bemerkte das das Feuer eisern schwieg. Vermutlich wollte es gefüttert werden. Also hatte er Holz gesucht und sich dann hingehockt um ein paar Äste in die rubinrote Glut zu schieben. Und siehe da – tatsächlich flammte das Feuer schnell auf. Er wäre kein angehender Schamane gewesen (war er das? Bisher hatte er sich definitiv auf keine der möglichen Richtungen festgelegt die ein Magus zur Wahl hatte….), hätte er nicht einige Feuergeister angerufen um ihm beiszustehen. Eine Weile loderten die Flammen hell auf, und Jamie beobachtete sie mit Argusaugen. Dann geschah etwas das so trivial war als läse man einen schlechten Harry Potter Abklatsch: Die Flammen formten zwei Bilder und das Orakel spuckte dazu mit knisternder Stimme jeweils einen Orakelspruch aus, der einem Mystery B-Movie hätte entstammen können. In etwa sinngemäß: Jamie möge nichts auf den Klatsch geben und Isar seine Ziele verfolgen und ambitioniert bleiben.

Unmut breitete sich in Jamie aus. Er hatte sich neben Isar auf einem Baumstamm niedergelassen und seine Fragen innerlich formuliert. Und auf einmal begann die knisternde Stimme wieder zu sprechen………allerdings orakelte sich nicht sondern hatte ein Anliegen:

Dann höret meinen Spruch, ich lese die Fragen in Euch, es sind viele. Aber………………
Meine erste Pflicht ist es, mit Vorurteilen über Orakel aufzuräumen. Orakel können nicht die Zukunft sehen, und können es doch! Je nach Blickwinkel.

Wisset: Die Zukunft ist nicht festgelegt da sie von Euren Entscheidungen abhängt. Was festgelegt ist, ist Euer Charakter zu einem festgelegten Zeitpunkt, und Eure Fähigkeiten zu einem festgelegten Zeitpunkt.
Lasst mich Euch ein Bild an die Hand geben: Stellt Euch vor Ihr seid ein Eichhörnchen. Und Euer gesamtes Leben, von Alpha bis Omega, ist ein Baum. Gezeugt wurdet Ihr unter der Erde, und bereits im Leib von Mutter Gaia ist Eure Zukunft von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Wie gesund ist die Mutter? Welche Geräusche dringen aus der Welt über dem Erdboden zu Euch hinab?
Und so geht es weiter. Ihr werdet geboren, und sitzt nun am Stamm des Baumes im Gras. Schaut am Baum hinauf! Ihr wisst, er symbolisiert Euer gesamtes Leben. Und mehr. Denn das Leben ist ein Weg. Er führt von der Geburt zum Tod. Der Tod erwartet Euch im höchsten Punkt des Baumes. Aber wie Ihr dort hin gelangt ist nicht festgelegt. Ihr habt jede Menge Äste, Astgabelungen und Möglichkeiten die Krone des Baums zu erklettern. Er steht in einer Gruppe von anderen Bäumen, deren Äste ineinander ragen……..so kommen andere Wesen in Euer Leben.
Sobald Ihr geboren seid seht Ihr den Baum nicht mehr. Ihr seht immer nur das Stück des Baums das eine handbreit vor Euren Augen liegt. Ihr beginnt zu klettern. Das bedeutet, an der Stelle an der sich der Lebensbaum erstmals verzweigt, liegt Eure Trotzkind Phase.Denn ihr lernt eigene Entscheidungen zu treffen, weil Ihr Euer Ego entdeckt. Ihr wählt selbständig ob Ihr nun die eine oder die andere Seite des Baumes zum Weiterklettern benutzt. Eure Eltern verlieren ihre Macht über Euren Weg in dem Moment indem Ihr Euch nicht mehr als Teil der Welt und mit allem verbunden, sondern als eigenständiges Wesen erlebt. Ihr beginnt einen ganz individuellen Weg durch die Äste Eures Lebensbaums.

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Mit einem recht philosophischen Blick hatte Jamie geflüstert „Klingt wie ein längerer Vortrag……..aber ich wage mich nicht es zu unterbrechen“
Isar’s Blick hingegen war glasig, er schwieg und man hatte den Eindruck als sei er irgendwie noch bei der Eichhörnchen Metapher.

Ein Orakel kann im Gegensatz zu Euch den ganzen Baum sehen. Es erblickt alle Möglichkeiten, alle Wege. Alles was denkbar, machbar, verwirklichbar ist. Was es aber nicht wissen kann, ist welche Entscheidungen Ihr trefft. DAS liegt alleine in Euerer Macht und ist niemandem im ganzen Universum bekannt. So ist denn ein Orakelspruch immer nur das Aufzeigen der wahrscheinlichsten Entwicklung, nie aber eine unverrückbare Tatsache. Habt Ihr das verstanden?

Jamie kam ganz gut klar mit dem Bild dieses Lebens als Baum der einem verschiedene Wege zur Spitze anbietet. „Ehm ja schon. Irgendwie.“
Von Isar jedoch kam kein Laut. Da das Orakel auch nicht weiter sprach, hatte Jamie seinen Prinzen irgndwann auffordernd in die Seite geknufft. „Ich glaub‘ es wartet…………“
Die knisternde Stimme schien sich zu räuspern.
Ein eher mechanisches Nicken von Isar: „Nicht ganzes Bild .. alles Ausschnitt .. Perspektive“

Du hast den Punkt nicht gefangen, Wings of Ether!………es geht mir darum ob dir nun bewusst ist das egal was ich euch weissage…………es keine absolut unverrückbare Wahrheit ist ………..sondern nur die wahrscheinlichste Prognose vom jetzigen Zeitpunkt ausgehend………

An dieser Stelle hatte er sich erstmals bemerkbar gemacht, dieser gelinde Unmut in Jamie.“Verzeih aber du dürftest wissen, dass das nicht seine Baustelle ist, wertes Orakel! Er ist ein Satyr und kein Philosoph……..“ Während er die Worte mit Bedacht wählte, er hatte wirklich großen Respekt vor diesem Orakel, konnte man beobachten wie Isar die Brauen furchte, die Unterlippe vorschob und den Kopf senkte wie ein kleiner Widder der im Begriff ist, gegen jemanden anzurennen, es hätte nur noch gefehlt, dass er mit den Hufen scharrt! „Jetzt hömma, Du allwissende Feuerstelle! Hier geht´s um Jamie! Nicht um mich! Ich bin hier, damit er sich gut fühlt. Nicht, damit ich etwas auswendig lerne!“

Die Augen des Magus wurden ziemlich gross. Nicht nur dass er es bedenklich fand dem Feuer so entgegenzutreten wie Isar das gerade tat; er ging auch nicht wirklich konform mit dessen Worten. Denn sollte sein Alptraum ein halber Wahrtraum gewesen sein, wäre Isar definitiv in Gefahr! Er hatte sich auf die Lippe gebissen aber dennoch lag ein halb amüsiertes Zucken um seine Mundwinkel. Aber nein, er war nicht der Meinung das Isar nur hier war damit es ihm, Jamie, besser gehe! „Isar, es geht öfter um Dich als Du denkst. Sogar wenn Dein Schwanz ganz und gar unbeteiligt bleibt“. Der so Angesprochene brummelte nur „JaNeeIsDochWaaahr!“

Das Ganze löste in Jamie eine seltsam verhaltene Aggressivität aus „“Neee isses nich!!!…………..Wenn dich das alles so gaaaaar nicht betrifft, warum bist du dann hier? Hä?“ Er hätte gern noch weiter geredet. Diese Unbekümmertheit von Isar die Jamie sonst so gefiel, machte ihn in diesem Moment wirklich sauerer als eine Zitrone, doch das Feuer war plötzlich doppelt so hoch gelodert und liess sich erneut vernehmen:  Wenn Ihr meinen Spruch sucht, solltet Ihr Eure Zwistigkeiten verschieben!

Mist. Jamie hätte Isar zu gern gerüttelt, geschüttelt und ihm klar gemacht das es hier sehr wohl auch um ihn ging………aber mit Orakeln sollte man es sich eher nicht verderben, also schluckte er seine weitere Rede an Isar mit viel Kraft hinab.

Was Eure aktuelle Frage angeht kann ich Euch vermutlich weniger sagen als Ihr erhofft. Dennoch habe ich Euch einiges mitzuteilen.

Ihr beide habt wunderbare Fähigkeiten. Aber keiner von Euch ist alleine stark. Dafür seid Ihr zu jung, zu unerfahren in diesem Abschnitt Eurer Bäume. Es werden große Herausforderungen auf Euch zu kommen. Vampire sind deutlich lebenserfahrener als Ihr es seid. Ich kann Euch nicht dringend genug auffordern, zusammen zu wirken. Wenn Ihr Eure Fähigkeiten und auch Eure Temperamente, die unterschiedlicher kaum sein könnten, in einen Topf werft — so seid Ihr hervorragend gerüstet, egal welchen Ast Ihr als Weg wählt und egal über welche Zweige Euer Lebensweg führen wird.
An dieser Stelle griff Isar nach des Magus‘ hand, die ihm Jamie zu gern überliess ohne dabei die Augen von den zuckenden Flammen abzuwenden.
Agiert als Einheit. Beratet Euch und tauscht Euch aus. Und lasst zu das der jeweils andere Euer Temperament ein wenig beeinlfusst.
Jamie, Isar hat es bereits erkannt, Du grübelst zuviel. Du tust das weil Du versuchst auf alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Aber ach, stell Dir nur vor wie viele Zweige so ein Baum hat. Es ist UNMÖGLICH sich auf alles zu rüsten was eintreten könnte! Lebe mehr im Hier und Jetzt, das spart Nerven und Deine Kraft in einer Krise, so sie denn wahrhaftig eintritt, geistesgegenwärtig zu bleiben.

Wings of Ether,
 Du bist herrlich unbeschwert und voll im Hier und Jetzt. Aber zuweilen kann es nicht schaden weniger spontan zu sein und Dinge zu hinterfragen. Es ist wunderbar dem Leben zu vertrauen aber es schadet auch nicht, die Kuh zu melken wenn man hungrig ist.
Ja. Zachary ist gefährlich. Und ich kenne seine Pläne so wenig wie Ihr. Aber ich weiss sicher, dass Ihr zusammen dafür sorgen könnt dass, egal was er plant und will, Ihr heil aus allem heraus kommt. Ihr habt die Fähigkeiten. Setzt sie ein!
Jamie atmete pfeifend aus und beobachteet wie das Feuer auf einmal in sich zusammen fiel als hätte es nie gebrannt. Lediglich die Glut, die ja zuvor auch schon vorhanden war, glomm dunkelrot vor sich hin.

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Er hasste diese Orakel die einen ebenso schlau zurückliessen wie man sie aufgesucht hatte! Sicher, das Orakel hatte Dinge für ihn fokussiert und zusammengefasst, auf den Punkt gebracht, die er von sich aus so nicht hätte formulieren können. Die er aber gewusst oder geahnt hatte. Naja………halb. Mist. Nun war er kaum klüger als zuvor. Gefrustet hatte er Isar’s Hand losgelassen und gebrummt „Na toll!“, woraufhin dieser urplötzlich in ein schallendes Gelächter ausgebrochen war. „Ich glaub, Red will, dass wir unsere Probleme selber lösen!“

Auch wenn Jamie sich ziemlich sicher war das Red weder das Orakel noch den Ort geschaffen hatte, hatte Isar da nicht ganz unrecht. Aber Jamie bezweifelte das Red hatte ahnen können wie dieser Besuch des Feuers ausgehen würde.

Eigentlich war der Ort ja höchst faszinierend. Sie beschlossen, die Nacht dort zu verbringen bevor sie nach Lung rufen würden……….Sterne. Galaxien. Knackärsche! Wow.

Kap21: Das Orakel weit hinter dem Umbra (Teil 1)

Was bisher geschah:

Trotz des Schmerzes den der Splitter des Uhrglases über seiner linken Braue verursachte, lachte Jamie laut und fast hysterisch auf. Es war ein Traum gewesen. Nur ein beschissener, blutiger Alptraum! Die Tauben waren damit beschäftigt Brotkrumen eines unbekannten Spenders aus den Ritzen im Pflaster zu picken. „Ruckediguuuuu“…….. „Shut up! Sonst gibt es heute Tauben in Aspik!“

Irgendwie hatte er die Brote abgeholt und es geschafft heim zu rudern. Schon von weitem sah er Isar in der Bucht im Schwimmreifen herum zappeln. Das war vermutlich der schönste Anblick des Tages!

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Nachdem das Boot vertäut und die Vorräte im Vorratskeller deponiert worden waren, konnte Jamie nicht anders als Isar in einer fast verzweifelt anmutenden Stürmigkeit an sich zu ziehen. Der Satyr hatte überrascht nach Luft geschnappt. Natürlich hatte er den geschwollenen Schnitt über Jamie’s Braue längst entdeckt und gemutmaßt, Jamie hätte eine Prügelei gehabt.  „Nein da ist Glas von Opa’s Taschenuhr drin.“

Nun schnappte er überrascht nach Luft. „Hey, was ist denn los .. Glassplitter und das?“ — „Versprich‘ mir was! Falls Du je Zachary begegnen solltest…………versuche dich so fern wie möglich zu halten und die nächste Tür zu finden!“ — „Hey, ich weiß, dass Vampire gefährlich sein können! Aber der hat Dir doch geholfen .. was ist denn passiert?“ — „Lass uns hoch gehen und die letzten warmen Sonnenstrahlen geniessen. Vielleicht kannst du mir in der Pergola oben aufm Berg das Glas irgendwie aus der Braue ziehen? Und dann erzähl ich dir den…….Traum den ich beim Einkaufen hatte.“ — „Ich hol das Glas raus und heil´ Dir den Schnitt. Und ich will das wissen! Träume können Türen sein!“ Jamie musste lachen, auch wenn in seinen Augen noch die Verzweiflung zu lesen stand, die dieser Alptraum ihm hinterlassen hatte. „Das erzählste einem Magus! Ich hab diesmal keine Ahnung wie ich den Raum hinter dieser Tür einschätzen soll! Na komm!“

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Sie hatten den Keller verlassen, und Jamie hatte unterwegs sein Shirt entsorgt, dessen gesamter Rücken nass war, da Isar ihn beim Vertäuen des Bootes von hinten umarmt hatte. Inzwischen war der Satyr natürlich getrocknet, nicht so das Shirt. Es war deutlich zu kühl draussen um ein nasses Shirt zu lieben! Jamie fröstelte kurz. Sie begaben sich hoch zur Pergola wo ihm sein Prinz mit einigen routinierten Handgriffen das Glas aus der Haut zog und den Schnitt heilte.

Ein unglaubliches Gefühl, diese „Zeitrafferheilungen“! Man konnte jedes Mal diese warme Energie fließen fühlen. Als Isar fertig war, hatte er Jamie sehr innig geküsst und schon allein dadurch liess der Schrecken des Alptraums ein wenig nach. Aber er war zu hart gewesen als das der Magus ihn so einfach hätte abschütteln können! Isar hockte immer noch rittlings auf seinem Schoss, eine Haltung die für die Heilung praktisch gewesen war, nun lehnte er sich zurück um sanft über Jamie’s Bauch zu streichen.

„Bist du jemals einem Toreador übern Weg gelaufen, Isar?“ — „Ich habe Vampire nie getroffen. Sie können nicht ohne Hilfe ins Umbra und es ist nicht so, als würde Vater sie oft einladen.“ — „Wer würde ihm das verdenken………..sie brauchen also Hilfe um ins Umbra zu gelangen. Das ist gut. Sehr gut. Okay, hör zu…. vielleicht erschliesst sich mein Traum ja Dir eher als mir……….“.  –„Erzähl´s mir .. und was das mit den Glassplittern zu tun hat!“

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Und während seine Hände Isar’s Wirbelsäule auf und ab glitten, fast eher als wolle Jamie dort Halt finden und weniger um den Satyr zu kosen, berichtete er ihm den Traum. Bis ins kleinste Detail. Er liess nichts aus. Beim Zuhören knurrte Isar ab und an ein wenig und sträubte die raumsparende Version seiner Flügel. Als Jamie geendet hatte, war seine Haut von kleinen Schweissperlen übersät.

Eine ganze Weile verbrachten die Beiden mit Überlegen und Philosophieren……..Laut Isar wäre es sogar möglich gewesen, dass Zach diesen Traum bewusst erschaffen und in Jamie’s Kopf gesandt hatte. Aber natürlich hatten sie keine Beweise für so etwas, und es war eine Theorie von vielen, die sie entwickelten.

„Es ist ja nichtmal gesagt, dass es von dem Vampir kommt….Vielleicht will etwas Dich zu unbedachten Handlungen verleiten. Oder es ist Deine Paranoia.“  Lachend hatte Jamie seinem Prinzen daraufhin spielerisch in den Bizeps gebissen. „Die ist ja auch vööööööööööööööllig unbegründet! Und Du hast recht man weiss nicht wo her der Traum kam. Ich weiss nur das er mich völlig durchgewirbelt hat! Wir sollten wirklich Red anrufen!“ — „Wenn er nicht grade auf seiner kleinen Freundin liegt …“ — „Nina ist was das wir beide uns irgendwann von ihm ausleihen sollten. Du hast sie ja nie gesehen………nur durch meine Beschreibungen. Aber ich sag dir, die Kleine ist nymphoman irgendwie. Auf was stehst du eigentlich wenn Du Schlitze statt Schwänzen suchst?“ — „Bei beidem das selbe – ich suche das Besondere. Das hat selten etwas mit dem Äußeren zu tun. Auch wenn du ein echter Glücksgriff bist!“ Nach dem stressigen Vormittag ging das natürlich runter wie Öl! Letztendlich brauchten sie also Red’s Rat, nicht das ihnen das nicht schon gestern bewusst gewesen wäre……….

Jamie hatte dem Satyr sein Smartphone in die Hand gedrückt. „Hier mein Prinz, Handylessons! Ruf Red an!“ Ein leises, leicht überhebliches Schnaufen.  „Denkst Du, ich habe nicht zugesehen?“ Er fand recht schnell die Kontakte, studierte dann jeden einzelnen akribisch um schliesslich Red auszuwählen. Dann wollte er Jamie das Phone zurück reichen, was dieser aber mit einem Lachen von sich wies. „“Gut bis dahin. Aber…..ruf ihn an! Finden allein reicht nicht.“ — „Wie … anrufen? was soll ich ihm denn sagen?“ — „Ich halte dich nicht für jemanden der auf den Mund gefallen ist. Du weisst, was wir von ihm wollen.“

Und Isar hatte es getan. Es entsponn sich eine relativ heitere Unterhaltung, da der alte Schamane offenbar Mühe hatte, sich sein männermordendes Mündel vom Leib zu halten. Schliesslich schickte er Nina Tee kochen und hörte sich den Alptraum an. Doch offenbar war er nicht zum Traumdeuter berufen. Statt dessen gab er kund: „Der Schlüssel zu dem Traum liegt wie immer in Deinem Unterbewusstsein. Nun weisst du aber das ein Magus ein anderes Unterbewusstsein hat als Otto Normalverbraucher-Unspirituell. Was völlig auf der Hand liegt und was ich gut verstehen kann ist, dass Du Verlustängste hast. Nach der Entführung kein Wunder.“

Jamie hörte Red zu, was ihm aber unter den aktuellen Bedingungen recht schwer fiel, da Isar offenbar der Meinung war, dass ein guter Gefährte seine bessere Hälfte in solch stressigen Zeiten möglichst effektiv zu entspannen habe, und so war seine Hand langsam in Jamie’s Hosenbund geglitten und nach unten gewandert.

„Das Zach darin vorkommt ist auch wiederum nicht verwunderlich weil er ja schliesslich dafür sorgte dass Du Isar wiedergefunden hast. Zach hat die Macht über Finden und Verlieren zu entscheiden, denn du denkst du schuldest ihm was. Und so lange das nicht abbezahlt ist wird dieses Gefühl bleiben. Aber ich kann nicht den ganzen Traum wirklich deuten, das ist nicht meine Baustelle, Jamie. Danke Nina. Zwei Löffel Zucker bitte!“

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Natürlich lag es Jamie fern, Red zu unterbrechen, dennoch konnte er ein leises Stöhnen nicht unterdrücken da Isar stetig an dem Thema Entspannung weiter arbeitete…..Jamie berichtete Red auch von dem Bild und den gezeichneten Prachtschwingen, die Zach ja unmöglich aus Jamie’s Kopfbildern hatte nehmen können. Es war offensichtlich, dass der Schamane immer nachdenklicher wurde.

„Schick Deinen Geisthelfer Lung zu mir. Ich werde ihm einen Ort mitteilen an den er Euch führen kann. Dieser Ort ist erstens vampirsicher, da er im Umbra liegt. Besser gesagt in den hinter dem Umbra liegenden Galaxien. Ich werde Lung so instruieren dass die Passage für euch beide reibungslos werden dürfte. Dieser Ort erfüllt zwei Zwecke: Erstens wird er euch wann immer ihr das braucht eine absolut sichere Zuflucht sein. Es gibt ausser mir nur drei Personen die von ihm wissen. Und alle drei geniessen mein absolutes Vertrauen. Das bindet Euch allerdings auch…………..diesen Ort niemandem zu verraten. Und ihr werdet dort ein Orakel finden. An einem Feuerplatz. Ihr werdet es nicht sehen können aber es ist dort. Reist da hin und befragt es bezüglich Zach!“

Gesagt, getan. Lung geistig anzurufen und zu bitten sich mit Red in Verbindung zu setzen war eine Sache von Sekunden gewesen. „Er ist auf dem Weg zu Dir, Red.“ hatte er ins Phone gemurmelt. Was Isar dann raunte, konnte Red offenbar mithören, „Klar, klingt gut. Sicherer Ort ist eine feine Sache. Und wenn es Dich entspannter macht …“, denn er lachte gleichzeitig mit Jamie los. Der Schamane kannte das sinnliche Naturell der Satyre lange genug um Eins und Eins zusammen zu zählen. Gottlob war Jamie’s Tag durch den Traum übel genug gewesen, also brachte ihn das Ganze nicht in Verlegenheit. „Isar……….ja wird es. Und ich bin mit Sicherheit besser zu ‚bocken‘ wenn ich diesen Nachtmahr aus meinem Bauch entlassen haben werde!“. Mit diesen Worten entzog er sich ein wenig. Nun musste der Satyr ebenfalls lachen. „“Ist ja gut, ich kann warten.“ Dann hatte er ein gespielt drohendes „noch“ nachgesetzt.

Eilends hatte Jamie sich bei Red bedankt. Derweil die beiden ungleichen Geliebten auf Lungs Rückkehr warteten auf dass er sie zu dem Orakel Ort führen möge, plänkelten sie ausgelassen. Es tat unendlich gut, auf diese Weise abgelenkt zu werden!

(Fortsetzung folgt.)

Kap20: Des Magus‘ Daymare

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Der Herbst hatte seine Tücken. Sicher war es angenehm das Wasser nicht schneller weg zu transpirieren als man es trinken konnte, so wie es bis vor einigen Tagen noch schien als das Themometer sich beständig knapp unter der 100°F -Grenze bewegt hatte. Doch als Jamie das Boot vertäut und den Fussweg zu seinem Lieblingsmarkt hinter sich gebracht hatte, begann er heftig zu schwitzen. War es am späten Vormittag als er aufgebrochen war noch recht kühl und bewölkt gewesen, so stieg die Temperatur seit die Sonne die Wolken durchbrochen hatte permanent an.

Und dann der Ärger. Natürlich hatte er während des Frühstücks mit seinem Prinzen nicht daran gedacht, das Lieblingsbrot vorzubestellen. Und natürlich war es ausverkauft. Er liebte diese kleine, deutsche Bäckerei in dem nicht sehr vornehmen, sondern eher heruntergekommenen Viertel voller Künstler und Bohemians. Eigentlich wusste er auch, dass die nie große Stückzahlen von irgendwas buken, da sie schlicht nicht so viele Kunden hatten – und wer mag schon anderntags alte Backwaren zum halben Preis kaufen?

„Kein Problem Sir, ich kann ihnen eine gewünschte Anzahl backen derweil sie andere Dinge erledigen. Das würde etwa eine Stunde dauern.“ — „Ich habe bereits Einkäufe getätigt die eigentlich in absehbarer Zeit Kühlung brauchen. Insofern fürchte ich, ich habe keine Stunde mehr Zeit.“ — „Auch kein Problem! Ihre Einkaufstaschen haben sicher noch Platz in meinem Kühlhaus!“ Der für einen Bäcker erstaunlich magere Mann war wirklich freundlich, und so hatte Jamie das Angebot genutzt. Womit aber nun diese Stunde herum bringen?

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Das ziellose Schlendern durch die alten Gassen war zwar nett aber auch irgendwie ermüdend. Überhaupt, diese Müdigkeit mitten am Tag war ein wenig supsekt. Nachdem der Jungmagus eine Weile mit einer Blumenverkäuferin geflirtet hatte, entdeckte er auf einem Platz eine Art Café. Sehr pittoresk. Mal sehen ob ihn ein starker Türkentrank wieder auf Vordermann bringen könnte!

Als er sich auf einen der kleinen Caféhausstühle plumpsen liess, stob gurrend ein Schwarm von Tauben auf. Jamie orderte einen Kaffee und lehnte sich bequem zurück, beobachtete die Vögel – was irgendwie fast hypnotische Wirkung zeigte. Ruckediguuuu! Sein „Danke“ als die Bedienung ihm seine Bestellung servierte hatte bereits sonderbar verwaschen geklungen.

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Augenlider wie Blei! Der Kopf so schwer…. es kostete enorme Kraft die Augen überhaupt offen zu halten. Irgend etwas stimmte nicht…………! Doch auch wenn der Rest seines Geistes in warnte, auch wenn die inneren Alarmglocken lauter schrillten als das Horn der täglichen Fähre auf der Insel………..er schaffte es nicht. Ruckediguu, ruckediguu, Blut ist im Schuh!

Langsam sank der dunkle Lockenkopf vornüber. Der Lärm des sowieso recht spärlichen Verkehrs ausserhalb des Fußgängerzonenplatzes rauschte wie ein ferner Nebel an seine Ohren und durch sie hindurch. Eine kleine, graue Feder wehte hinab auf die alte Taschenuhr seines Grossvaters, die er sicherheitshalber vor sich auf den Tisch gelegt hatte um nach einer Stunde wieder in der Bäckerei sein zu können.

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Nebel. irgendwie versank alles im Nebel. Verdammt, wie war er in dieses Treppenhaus gekommen?

Höchst irritiert hatte Jamie den Kopf geschüttelt, aber die Benommenheit war bereits fast gänzlich gewichen. Was zur Hölle……………? Das Treppenhaus war stickig. Frische Luft! Aber pronto! Die Tür schwang sofort auf als er probehalber an der Klinke rüttelte. Aber da war nicht die Straße…….sondern …..eine Art Park? Ein Dachgarten? Wieder versuchte er Klarheit zu gewinnen wie er eigentlich in dieses Haus geraten war, aber seine Gedankenfäden ließen sich nicht bündeln, sie schwirrten wie halblebige Würmer im Todeskampf durch und um seine Synapsen.

Ein schöner Ort. Die frische Luft tat gut, das Grün des Rasens beruhigte. Genau so lange bis es sich verschattete. Dunkler wurde………..jäh entschwand das Licht, tauchte die Szenerie in eine Art Zwielicht. Als der Himmel sich so plötzlich verdunkelte hob der Jungmagus die Augen………..die Skyline war wie immer beeindruckend. Oder ..nein das war keine ihm bekannte Skyline! Eine leichte Hektik ergriff ihn. Aus der Mitte des Parks oder was immer das hier war, tönte ein beruhigend – meditatives Plätschern. Das Geräusch sorgte dafür das Jamie unwillkürlich näher darauf zu ging.

Und dann wuchs der Brunnen vor ihm quasi aus dem Boden. Der Brunnen der gekrönt wurde. Gekrönt von einem Käfig. Ein Käfig mit einem Schatten darin, denn das Wasser das den Brunnen speiste schien aus einer Thermalquelle zu stammen oder geheizt zu sein….dampfte….möglicherweise ein etwas extravaganter Swimming Pool…..doch so weit kam Jamie in Gedanken gar nicht mehr. Dort! Waren das Schwingen in dem Nebel? Verdammter Dunst!

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Ein paar eilige Schritte an den Rand des Brunnens! Das Zusammenkneifen der Augen machte das Bild nicht klarer. Sonderbare, nie zuvor gesehene Fische in einer Art Vitrinenaquarium starrten Jamie Blasen blubbernd entgegen. Schwer zu sagen wer den sonderlicheren Blick hatte. Er umrundete die Fische im Versuch diesen fast luminiszierenden Nebel in dem Käfig zu durchdringen. Die Form dieser Schwingen……….man vergass sie nicht wenn man ihrer einmal ansichtig geworden war!

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Lustig auf dem Wasser dümpelnd drehte sich der Schwimmreif mit dem Isar so gern planschte wie ein überdimensionaler Donut. Und der genau jetzt in der Bucht von Unicorn Island Isar zu kristallklarem, kühlen Vergnügen verhelfen sollte. Musste. Würde. Jamies Zunge wurde trocken.

Das eben noch so meditative, beruhigende Plätschern des Brunnens steigert sich, schwoll zu einem aggressiven Crescendo an! Sein Herz krampfte kurz bevor es einige Schläge aussetzte. Lichtete sich der Nebel in dem Käfig etwas? Der „Schrei“ war faktisch kaum zu hören. Trockene Kehlen krächzen; sie schreien nicht. „Isar??“

Mit einigen langen Schritten erklomm er den fast viktorianisch anmutenden Badezuber, balancierte traumwandlerisch sicher auf dessen Rand, während sein durchtrainierter Tänzerleib angesichts einer heftigen Adrenalinschwemme keinerlei Problem hatte den Rand des Brunnens zu erreichen und sein Gesicht dicht an die Gitterstäbe zu pressen. Der Schrei war so laut, dass man eigentlich hätte erwarten können der Nebel im Käfig würde von den Schallwellen verdrängt werden!

Jamie bemerkte nicht, dass seine Knöchel am Brunnenrand weiss wurden, er merkte auch nicht das er aufgehört hatte zu blinzeln. Mit weit aufgerissenen Augen und einem Mund der sich einfach nicht mehr schliessen wollte, nachdem ihm der Schrei entfahren war, konnte er nicht fassen was seine Netzhaut an sein Gehirn weiter leitete. Er starrte auf den Käfig und die Zeit stand still.

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Jegliche Farbe schien aus dem Bild gewichen zu sein, das sich ihm bot. Sein Herz setzte mit einem Stolpern wieder ein, sein Puls verlangte nach dem Recht zu rasen! Isar! War DAS wirklich Isar? Jegliche Farbe verschwand bis auf dieses Rot.

Es gab keinen Zweifel. Fassungslosigkeit. Verwirrung. Und dann – langsames Zurückkehren der Farben. Zuerst nur dieses Rot. Scharlachrot…Blutrot. Das verzerrte Bändchen am Hals einer diabolisch wirkenden Glücksneko die sich an Isar’s Horn klammerte? Der Schädel an dem schmiedeeisernen Ring hinter dem Rücken seines Geliebten schien ihn höhnisch anzugrinsen. „Isar, sag was!“

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Die einzige Reaktion auf seine gehechelte Bitte bestand darin das ein dunkeles Lachen von dem Schädel ausging und die Farben zurückkehrten. An den Rändern seines Sichtfelds breitete sich eine Art von Tinte aus, verästelte sich als sauge Löschpapier sie auf. Schwarz und Blutrot. Leise als bewege sich Seide, knisterten die schwarzen Rosen auf Isar’s Brust. Seine Haltung war…….demütig. Er bewegte sich kaum, nur sein Kopf schien ein wenig weiter nach unten zu sinken.

Das Leben kehrte in den erstarrten Jungmagus zurück! Mit wilder Entschlossenheit rüttelte er an den dicken Gitterstäben…….und schrie auf. Sie waren kalt. Eiskalt. So kalt, dass seine schwitzenden Hände umgehend daran festfroren. Konnte Isar ihn sehen? Das Dunkle über seinen Augen war keine Augenbinde………kurz hatte Jamie erkennen können das sich das bleifarbene Licht in den violett schimmernden Pupillen gespiegelt hatte. Aber blickloser hätten sie nicht sein können! Der Sturz geschah wie in Zeitlupe.

Isar’s Bild wurde nach oben aus seinem Blickfeld gezogen während seine Fersen vom Rand des Bottichs abglitten. Leise klirrte eine der Ketten des schmiedeeisernen Gebildes an Isar’s Rücken,  derweil Jamie quälend langsam beobachtete wie die Haut seiner Finger durch den Frost im Käfiggestänge an den Gittern blieb – seine Hände sich jedoch durch den Fall lösten und aus seinen rohen Fingerkuppen sein warmes Blut schoss.

Das „Plopp, plopp“  der auf dem Boden landenden Blutstropfen seiner von der Haut auf diese frostige Art befreiten Finger ging unter. Ging unter in dem berstenden Geräusch mit dem seine Stirn auf einem der Steine knallte welche den Teich begrenzten.

Wie lange er dort gelegen hatte war unklar. Lange genug jedenfalls um völlig taube Hände zu bekommen. Der Lebenssaft an seinen Fingerkuppen war bereits geronnen, glitzerte wie Himbeergelee auf den Spitzen der gefühllosen Finger.

Zachary’s Stimme war nah an seinem Ohr. Zu nahe. Viel zu nahe. „Ist er nicht wunderschön?“. So viel Passion in diesem hypnotischen Timbre. Jamie fühlte wie er von sanften, kühlen Händen auf die Füsse gestellt und schliesslich langsam hochgehoben wurde. Wo nahm der Vampir diese Kraft her? Jamie war nicht schwer, aber er war auch keine Feder. Ruckediguu! Er konnte den Kopf nicht wenden um Zachary anzuschauen. Aber es bestand kein Zweifel daran wer ihm half, den Kopf der höllisch schmerzte wieder dicht vor den Käfig zu bringen. „Schau nur. Diese Unschuld. Diese Reinheit!“

Es war als hätte man ihm jedwede Kraft aus dem Leib gezogen. Jamie wollte schreien „lass ihn da raus! Was soll die verdammte Scheisse? Lass mich los Du Tier!“, aber alles was seiner Kehle entrollte war ein leises, hilfloses Glucksen für das er sich selbst hasste. Obwohl er heftig atmete wollte der Sauerstoff nicht seine Lungen erreichen. Irgendwo auf dem Weg zwischen Rachen und Bronchien verlor die Luft sich im Nichts. Ohne es sehen zu können wusste der Jungmagus, dass Zachary ebenso gebannt wie er selbst auf seinen schönen Geliebten starrte. Daher hatte er nicht mit den kühlen, duftenden Lippen gerechnet die sich zart wie ein Hauch gegen seinen Hals schoben um ihn wie nebenbei zu kosen. Der Schauer den sie auslösten war angenehm, löste eine durchaus sinnliche Erregung in Jamie aus. Nicht erwähnenswert, dass das seine Hilflosigkeit und Fassungslosigkeit noch steigerte! Was war nur los? Sein Schädel schmerzte höllisch und litt möglicherweise unter einem kleinen Riss von dem Sturz……..vor ihm kam Isars Bild wieder näher und schnürte ihm den Atem ab, und dennoch fühlte er Dankbarkeit und Erregung für den Vampir der ihn mit nichtmenschlicher Kraft seinem devot und duldsam schweigend da knienden Prinzen entgegenhob………….“Aber…….Zach……..was……….?“

„schhhhhh!“

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Jamie wusste nicht ob das Bild vor seinen Augen immer roter wurde weil ihm möglicherweise Kapillaren im Auge platzten, oder ob der Nebel im Käfig sich wirklich mit Blut anreicherte……er beobachtete wie Isar’s Lippen sich ein klein wenig öffneten. Weich wie sein Blick wurden. Immer noch hatte er sich ansonsten nicht bewegt, die so absonderlich schwarzen Hörner hatten nicht gebebt, kein Haar gezittert, kein Ton hatte sich von seinen Lippen gelöst. Aber er schaute Jamie in die Augen. Und dieser Blick schien dem Tänzer das Herz in zwei Stücke zu reißen. Mit letzter Kraft begann Jamie nach hinten auszutreten und zu zappeln, versuchte sich dem Vampir zu entwinden und gurgelte eben grade verständlich „Lass ihn………..frei verdammt! Trink mich, mach………was Du willst……..mit deinem Bio…..Hühnchen aber………LASS IHN DA RAUS!“

Er hörte das amüsierte Lachen noch ehe seine Füsse zurück auf dem Boden waren. Als Zachary ihn abgestellt hatte erklang seine Stimme leise aber deutlich „Jamie, ich halte ihn nicht gefangen. Er IST frei! Und so unfassbar schön, nicht wahr?“

Im gleichen Moment hatte sich Isar wortlos erhoben. Während Jamie’s Hirn noch versuchte die Worte zu verstehen, schwang der Deckel des Käfigs auf, völlig geräuschlos. Und während Zachary mit einem kaum zu definierenden Blick Jamies kleinen Finger zwischen die Lippen nahm um das geronnene Himbergelee abzulecken, hatte der Prinz seine dunkelsamtenen Schwingen ausgebreitet und sich aus dem Käfig emporgeschwungen.

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Sirrend teilten die majestätischen Schwingen die Luft. Für einen Moment schwebte Isar so über dem vermeintlichen Gefängnis. Dann fiel eine einzelne, heisse Träne hinab auf Jamie’s Stirn. Und während er völlig verwirrt nach oben starrte und die Lust zurückzudrängen versuchte die Zachary’s saugende Zunge an seinen blutigen Fingern auslöste, schlug Isar zwei, dreimal wild mit dem Greifschwanz um dann in Richtung der unbekannten Skyline davon zu fliegen.

„Sir? Geht es ihnen gut? Alles in Ordnung, Sir?“

Es knallte laut als Jamie mit dem Kopf auf die Taschenuhr krachte. Das Glas ging zu Bruch und er riss seinen Kopf nach oben. Das besorgte Gesicht der Kellnerin sprach Bände. „Sir, ich hole ihnen ein Glas Wasser. Nicht bewegen, bitte! Der Kaffee geht aufs Haus!“.

Trotz des Schmerzes den der Splitter des Uhrglases über seiner linken Braue verursachte, lachte Jamie laut und fast hysterisch auf. Es war ein Traum gewesen. Nur ein beschissener, blutiger Alptraum! Die Tauben waren damit beschäftigt Brotkrumen eines unbekannten Spenders aus den Ritzen im Pflaster zu picken. „Ruckediguuuuu“…….. „Shut up! Sonst gibt es heute Tauben in Aspik!“

Irgendwie hatte er die Brote abgeholt und es geschafft heim zu rudern. Schon von weitem sah er Isar in der Bucht im Schwimmreifen herum zappeln. Das war vermutlich der schönste Anblick des Tages!

Kap19: Schauplätze

In Philadelphia las Aranza die Antwort von Sven Guldberg:

Guten Tag Mrs. Leydon!

Da sich in meinem Vortragsplan einige unerwartete Verzögerungen ergeben haben, ist mir das Verschieben des Aufenthaltes sogar sehr recht. Ich danke für Ihr großzügiges Angebot und erlaube mir, meinen Assistenten Bram ebenfalls mitzubringen. Er mag manchmal ein wenig enthusiastisch sein, doch bin ich sicher, dass ihm ein beruhigender Urlaub gut tun wird.
Mit freundlichen Grüßen,
S. Guldberg

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Sie antwortete kurz aber erfreut:

Werter Mr. Guldberg,

wie schön zu hören, dass Ihr Interesse an Unicorn Isle ungebrochen ist, trotz meines unverzeihlichen Säumnisses. Ihr Assistent ist ebenso herzlich willkommen wie Sie. Die Welt wäre bunter mit etwas mehr Enthusiasmus! Da ich vermutlich noch mindestens zwei Wochen in Philadelphia weilen werde, kontaktieren sie bitte zwecks Buchung Mr. Journalist über das Hostel Festnetz. 

Mit freundlichen Grüßen,

Aranza Leydon

Dann hängte sie die Visitenkarte des Hostels mit der Nummer des Hausanschlusses an. Jamie wurde wie immer per Textnachricht darüber informiert, er möge das Haustelefon nicht aus den Augen lassen, bzw. immer mit sich führen wenn er sich im Gelände aufhielt.

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Auf Hawaii hatte Red Nina fortgeschickt um diverse Büroartikel einzukaufen, und kaum hatte sie das Seminarzentrum verlassen, versenkte er sich in eine Meditation. Diese Vision von damals ging ihm einfach nicht aus dem Kopf. Vor allem der Satz dieser mysteriösen Wesenheit plagte ihn. „Ich freue mich auf Dich. Aber sei vorsichtig. Sie suchen euch und sind ganz nahe!“.

Durch die Entführung des kleinen Satyrs hatte er das eine Weile verdrängt, doch nun, da Jamie und Isar in Sicherheit waren, musste er immer häufiger daran denken. Zwei Versuche erneut zu diesem Ort zu reisen waren fehlgeschlagen. Red fühlte, das die Aussage bedeutungsvoll war. Für jeden von ihnen, auch für ihn selbst. …… ich freue mich auf Dich………….das implizierte ihn! Sie suchen Euch war wiederum ein Hinweis das es wohl auch Isar und Jamie betraf. Aber wer waren „sie“??? Und wer oder was war diese ominöse Präsenz die an dem Ort seiner Vision zu ihm gesprochen hatte?

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Wenn „sie“ ganz nahe waren – bedeutete das dann nahe bei  ihm oder nahe bei den beiden Kindsköpfen auf Unicorn Isle? Wenn er bloss nicht so viel auf Hawaii zu tun hätte! Eine Reise auf die Insel wäre angesagt, schon alleine um zu überprüfen ob sein magischer Schutz des Caern bezüglich der in der Nähe liegenden Untiefe noch hielt oder erneuert werden musste.

Die Meditation war unbefriedigend…….er kam nicht richtig „hinein“ in den Alpha Zustand. Sein Geist wollte nicht ruhig werden……..und das verstörte ihn. Denn Red war so lange Schamane, und hatte so vieles gesehen und erlebt, dass es wirklich nicht normal war die einfachsten Routinen wie eine Meditation über ein bestimmtes Thema nicht abspulen zu können. Er würde es am Abend noch einmal versuchen!

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Auf Unicorn Isle hatten Isar und Jamie erst einmal ausgeschlafen, bevor sie den Vormittag mit dem ersten und ausgesprochen wilden Liebesspiel seit der Entführung füllten.

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Es war heiss, gierig, heftig und fast brachial gewesen…….offenbar löste es bei beiden die Spannung die von der unruhigen Zeit noch übrig war. Anschließend hatte beide der Hunger gepackt. Während Isar vergeblich Erdnussbutter gesucht hatte um Bananen damit zu bestreichen, und zu diesem Behufe den Kühlschrank des Hostels plünderte, deckte Jamie den Tisch und richtete ein frugales Brunch, das kaum Wünsche offen ließ. Die Nacktheit mit der die Beiden sich dann an einem der Tische im Speisesaal niederliessen, war von purster Unschuld; hatte man sich doch alles was auch nur annähernd erotisch war gerade eben vom Leib geschüttelt.

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Während sie aßen kamen sie wieder auf das Thema Vampire und ob man Zachary trauen konnte / sollte. Und sie waren sich wie bereits am Vortag einig, dass man jemanden fragen müsse, der etwas davon verstand. Nur wen? Isar hatte gefragt ob denn Jamie’s Lehrer da nicht der Mann der Wahl sei, aber Jamie war sich nicht sicher. „Wir werden ihn anrufen!“Es war wunderbar, sich nicht mehr um Isar sorgen zu müssen, der ich auch wirklich immer schneller erholte und fast der Alte war. So hatten sie gescherzt und gelacht……….Isar erklärte: „Mann, ich habe in der kurzen Zeit hier so viel gelernt!“

„Ja, vor allem das wir uns falsch ernähren weil wir nie alle Geschmäcker in ein Gericht packen, und wie man die kalte Luft aus Kühlschränken lässt hm?“ Isar hatte ihn ganz ernst angeschaut und dann an den Fingern abgezählt: „Erdnussbutter. Schokoladengetränke. Riesige Häuser. Schwimmreifen. Dein Schwanz. Deine Augen. Aufzüge.“

Jamie hatte sich fast vor Lachen verschluckt. „Oooh danke dass Du meinen Schwanz im gleichen Atemzug mit riesigen Häusern und Aufzügen erwähnst, das nehm‘ ich als Kompliment!“ Der Satyr zuckte mit den Schultern, „Ich habe keine Wertung aufgestellt, was am Spektakulärsten ist.“

Mit besonders leuchtendem Blick und einem recht verwegenen Gesichtsausdruck hatte Jamie bestätigt: „Das musst du nicht, ich WEISS, dass ich das Spektakulärste bin! Oh, eine Textnachricht!………………….“ Ein Griff nach dem Handy, schliesslich war man ab sofort wieder in Aranza’s Diensten. Er würde bei Zeiten mit der Freundin über Geld sprechen müssen, denn sooooo lange wie er das nun schon tat, begann der Freundschaftsdienst ihn ernstlich existenziell zu gefährden! „Laut Aranza könnte es sein, dass ein Gast namens Guldberg mit seinem Assistenten hier aufschlägt, den müssen wir dann pampern weil sie ihn betreffend irgend ein Versäumnis hat, sagt sie. Sie weiss aber nicht ob und wann er kommt und hat ihm gesagt er möge hier über das Festnetz buchen. Also müssen wir das Telefon immer bei uns haben!“

Ein Seufzen vom Satyr „Also menschlich bleiben. Egal was kommt.“

Jamie hatte ihm versichert das das nicht nötig war so lange sie alleine waren……….und das er oben in den privaten Räumlichkeiten auch durchaus die Hufe zeigen dürfe………..selbst wenn sie nicht mehr alleine wären. Dann war er aufgebrochen um die Hostel Vorräte aufzustocken und Isar freute sich derweil über ein Bad in der Bucht. „Wenn ich zurück bin, rufen wir Red an!“

 

Auch wenn es gut aussah, gemessen an den Turbulenzen der letzten Tage – es waren ja schließlich noch nicht alle Probleme und Fragen gelöst!