Kap11: Mysteriöse Einladung

a bauarbeiten 1_001

Schon vom Deck der Fähre aus war Jamie klar geworden, dass die Baufirma ganze Arbeit geleistet hatte. Während er die Augen wegen des Fahrtwinds zusammen gekniffen hatte und die Insel immer näher kam, konnte er kein Baugerät mehr entdecken, aber dieses Haus, diese alte Mühle, prangte prächtig und weithin sichtbar mitten an der kleinen Bucht.

Neuerdings irritierte ihn so vieles……….

Wieso hatte ihm Aranza nicht bescheid gesagt? Oder war sie etwa doch nicht mit dem Kind in Philly? Tausend Gedanken schossen ihm durch den Kopf als er am späten Nachmittag seinen Fuß auf Unicorn Island setzte – die Fähre hatte ihn wie gewohnt am schmalen Landstreifen vor der Bucht abgesetzt indem man ihn mit dem kleinen Ruderboot dort hin befördert hatte. Den ganzen Vormittag hatte er damit verbracht zur Bank zu gehen und seine Ersparnisse zu plündern. Danach musste Christine davon überzeugt werden, ihm einen Monat bezahlten Urlaub zu geben. So wie ihm derzeit alles über den Kopf wuchs, war es unmöglich regelmässig zu arbeiten! Sie war nicht begeistert gewesen. Doch am Ende hatte er ihr mit viel Fantasie den sterbenden Schwan präsentiert, der wegen einer unglücklichen Liebschaft im Augenblick keinen klaren Gedanken fassen konnte und dringenst eine Auszeit brauchte. Sie hatte es nicht willig geschluckt. Aber sie hatte es geschluckt.

Er hatte dem Ruderer ein Trinkgeld in die Hand gedrückt und ihm nachgeschaut. Dabei glitt sein Auge über den Schwimmreifen in dem Isar so fröhlich herumgeplanscht hatte und er biss sich auf die Unterlippe.

Das Zelt von Red war verschwunden. Klar. Wenn das Hostel wirklich fertig gestellt war, brauchte man natürlich keine Zelte mehr für Gäste! Red! Er hatte oft erwogen ihn anzurufen und um Hilfe zu bitten. Schließlich hatte er Oberon versprochen auf seinen Sohn zu achten. Doch wie sollte er Isar’s Sicherheit garantieren, wenn er nicht einmal wußte wo sich der Satyr aufhielt? Möglicherweise war diese ganze Scheiße schlicht ein Test .. vielleicht wollte die andere Welt von ihm wissen wie zuverlässig er war. Doch er wollte keinen Geist zu Oberon senden. Was sollte er auch ausrichten lassen? „Sorry Sir Oberon, aber ich habe nur einen auf dicke Hose gemacht als ich sagte ich könne Isar schützen, ich muss Ihnen leider mitteilen das mir Ihr Sohn in der Badewanne abhanden kam“?????

a bauarbeiten 3_001

Sonderbar wie vertraut und dennoch total fremd ihm die Insel heute erschien! Langsam dümpelte der Schwimmreifen am Ufer herum und zum ersten Mal seit Isar verschollen war, hatte Jamie die Augen geschlossen. Als würden sich die Tränen der Verzweiflung dadurch zurückdrängen lassen! Unwillig hatte er mit den Handrücken über die Augen gewischt und tief eingeatmet. Ein kurzes Schniefen und er bewegte sich forsch auf das Haus zu. Es schien zu wachsen während er sich näherte………mehr als die geringere Distanz es erklärte! Das Mühlrad bewegte sich knarrend und ein leiser Wind war eine Wohltat nach der stickigen Enge des sommerlichen New Yorks!

„Halloooo? Irgend jemand zu hause?“

Stille. Er ging noch ein wenig näher. Irgendwo MUSSTE jemand sein, Aranza würde das Hostel doch nicht unbewacht lassen! „Halloooooooooooooooo? Ist da jemand? Hier ist Besuch!“

a bauarbeiten 5_001

Irgend etwas hatte im Haus gepoltert. Kaum zu glauben, dass dieser Bau nur eine Replik eines ehemals wirklich hier erbauten Hauses aus der Zeit der Pilgrim Väter war! Wenn er genau hinschaute, konnte er sogar einige Spinnweben erkennen die im Gebälk des Balkons filigran in der sanften Brise zitterten. Das Klacken des Türschlosses liess ihn die Augen höher heben und da stand sie.

Er kannte sie nicht. Sie war klein, etwas drall und…………nackt. Ja sicher. Aranza’s Nudisten Insel!

„Sir, was kann ich für Sie tun? Mein Name ist Lena Henderson, ich vertrete die Hostel Leitung.“

Jamie hatte sich schnell wieder gefasst, ihr erklärt wer er war und sie nickte lächelnd und wissend als sie seinen Namen hörte. „Ja, Aranza hat viel von Dir erzählt………komm hoch zum Haupteingang, ich öffne Dir!“.

a bauarbeiten 7_001

Während er die Treppen hochstieg durchzuckte ihn ein Gedanke……..Isar würde dieses Haus lieben! Es hatte Charakter. Und es war alt. Dann stand sie vor ihm und strahlte ihn mit diesem förmlichen Schicki-Micki Lächeln an – schnell glitten seine Augen an Lena auf und ab und er hatte sich sein Urteil fix gebildet. Viel zu viel Makeup, zu moderner und kühler Schmuck, eigentlich fehlte nur noch das sie trotz der FKK-Haut Pumps getragen hätte. Nachdem sie sich noch einmal mit Handschlag begrüsst hatten, war er eingetreten, hatte dankend den Tee angenommen den sie ihm servierte und leise in sich hinein geflucht das sie von der Ausstrahlung her so gar nicht sein Typ war.

Ihr Leib gefiel ihm durchaus, die Weise wie ihre drallen, weichen Titten vor seinen Augen herumwippten als sie das Tablett mit dem Tee servierte machte ihm klar das er möglicherweise die Besorgnis und Verwirrung für eine halbe Stunde hätte loswerden können, wenn er mit ihr geflirtet und sie am Ende vielleicht ganz unverbindlich ins nächste Bett gezogen hätte. Den Kopf in diesen Brüsten vergraben! Fühlen wie das weiche, warme Fleisch beim Kneten die Zwischenräume zwischen seinen Finger füllte! Die harten Nippel in der Mitte seiner Handflächen reiben spüren……..und schließlich immer mehr den Kopf verlieren während sein hartes Fleisch ihre heissen Falten teilen würde……….Sexual Healing! Funktionierte. Fast immer. Ein kleines Kopfschütteln auf das sich Lena wohl kaum einen Reim machen konnte……ein leises Räuspern. „Hast Du Kunde wie es Aranza und dem Kind geht?“

Aber die seidige, cremefarbene Haut mit den hübschen Sommersprossen half nix wenn darin eine NYC-Geschäftsfrau steckte………………Jamie hatte am Tee genippt und als der Smalltalk ausklang, hatte sie ihm eine Führung durch das Haus angeboten, die er natürlich mit größter Neugierde und Begeisterung angenommen hatte.  „Ja, Pat ist auf dem Wege der Besserung. Aranza ahnte schon das die Neugierde Dich her treiben würde. Sie sagte ich möge Dir alles zeigen! Kannst du bald übernehmen? Ich müsste langsam zu meinen Immobilien zurück!“

Das war es also. Aranza’s Freundin war Maklerin………das passte!

Dummerweise war darüber die Zeit so schnell verflogen das er die letzte Fähre verpasste……..er bemerkte erst wie spät es war als sie horn-tutend an der Insel vorbei rauschte, da niemand auf der Landzunge stand und signalisierte er wolle zusteigen.

Kochen konnte Lena! Nachdem er zum Abendessen Lachsfilet im Blätterteig mit einer rahmigen Spinatsauce bekommen hatte, gekrönt von eine unglaublich süffigen, südafrikanischen Weißwein, hatte sich Lena in Aranza’s Büro zurückgezogen, in dem sie wohnte. Jamie machte einen Rundgang über die Insel, lenkte sich ab indem er die Pferde begrüsste und dann kam ihm der GEdanke die Einhörner könnten eventuell weiterhelfen. Doch es war vermaldedeit…..keins war zu finden. Ebensowenig wie er Red erreichen konnte, was er schon seit Tagen versuchte, konnte er nun die Einhörner befragen. Dabei war er so mit seinem Latein am Ende!

a bauarbeiten 11_001

Resigniert hatte er sich in den neuen Schlafsaal zurück gezogen, ein Bett gekapert und dann festgestellt das er nicht einschlafen konnte …. die halbe Nacht hatte er damit zugebracht in völlig uninteressanten Magazinen zu lesen. Er musste die allererste Fähre erwischen! Die Lösung konnte nur in New York liegen, das war ihm nun klar. Hier war jedenfalls nichts, das ihn weiterbrachte!

Beim ersten Tageslicht hatte er sich angezogen, sich hastig verabschiedet und als die Fähre in New York angelegt hatte, fühlte er sich als würde ihm ein Vorschlaghammer auf den Kopf geschwungen………der fehlende Fahrtwind (natürlich hatte er die ganze Zeit an Deck verbracht!), die zwischen den Häuserschluchten und von den warmen Steinen vielfach reflektierte, stehende Hitze………welcome home, Jamie!

Isar hatte ihm beim Tanzen zuschauen wollen…………..diesmal würde er am Broadway suchen!

Wieder hatte die rastlose Wanderei in den belebten Straßen begonnen. Wieder hatte sie geendet wie jedes Mal zuvor, nämlich ergebnislos, als er aufgab weil ihm die Schuhsohlen brannten. Mit einem tropischen Fruchtsaft to go schwang sich Jamie in die Subway…….er war so k.o., dass die alu-silbrige Außenwand des Wagens ihm beim Einsteigen vor den Augen verschwamm. Dann endlich……zuhause!

Die kalte Luft der voll aufgedrehten Klimaanlage in der Eingangshalle bescherte ihm eine fast schmerzhafte Gänsehaut während er auf den Lift wartete………fast schien es als ob seine Seele sich ebenfalls schaudernd zusammenzöge. „bling!!!“ Das leise pneumatische Geräusch der Fahrstuhltüren hatte ihm kompromisslos klar gemacht, dass er auch heute wieder gescheitert war!

„Dingdideldu“…..eher teilnahmslos und automatisch war seine Hand in die Tasche geglitten um das Handy hervorzuziehen. Dann ein leichtes Versteifen….was wenn ihm Isar endlich……………? Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, auch wenn es mehr als unwahrscheinlich war, das der Satyr der eben mal die youtube app und teilweise pokémon go verinnerlicht hatte, eine whatsapp auf den Weg bringen würde. Für jemanden der mit dieser Technik nicht aufgewachsen war, war es eh schon recht erstaunlich das er pokémons jagen konnte! Jamies Finger hatten leicht gezittert als er über das Display wischte um die Nachricht anzuschauen.

Eine dunkelrote Rose als Icon? War ihm nicht vertraut. Auch der Absender nicht……..leicht stirnrunzelnd hatte er den Lift auf seiner Etage verlassen, doch bevor er seinen elektronischen Schlüssel in den Schlitz an der Tür schob musste er sie lesen…….die Neugierde war nicht bremsbar.

„Ich bitte Sie darum, sich heute Abend um zehn Uhr im Lethe Club einzufinden. Man wird Sie einlassen, wenn Sie erwähnen, nach Mayfair eingeladen zu sein. Ich werde Sie nicht mit Dresscodes belästigen, tragen Sie, was Sie wollen – aber seien Sie attraktiv. Und natürlich möchte ich Sie meiner wirklich extrem guten Absichten versichern. Ich schulde unserem gemeinsamen Freund O. noch einen Gefallen, so dass ich Mr. Smith versprochen habe, mich um Ihre Angelegenheit zu kümmern. Z.“

Für einen Moment hatte er auf das Display gestarrt und leicht den Kopf geschüttelt. Hä?

Tür auf, Tür zu, Hemd runter! Sneakers von den Füßen schleudern! Durchatmen. Kühlschrank. Tonic Water!…………

 

Als er getrunken und die Klimaanlage korrigiert hatte, liess er sich mit dem Handy auf seinem Sofa nieder………das war nicht irre geleitet, das war schon für ihn!  „unser gemeinsamer Freund O……“ im gleichen Zug mit „Mr. Smith“! Nein, das war eine Nachricht von der anderen Seite oder von jemandem der mit der anderen Seite in Kontakt stand. „Ihre Angelegenheit“????? Wusste denn irgendjemand ausser ihm, dass Isar verschwunden war? Oder ging es hier darum das er „erwacht“ war und die andere Welt begann, ihn als Magus wahrzunehmen?

Verdammt, der Text war so unverbindlich verfasst………….es wurde ja nicht einmal klar ob „Z.“ eine Frau oder ein Mann war! Der Lethe Club? Irgendwas bimmelte in seinem Hinterkopf. Lag der nicht in irgend einer Querstraße, die vom Broadway abzweigte?

Einhundertzwölfte West? Einhundertdreizehnte West? Schnaufend hatte er das Handy weggelegt, es zu hypnotisieren würde nichts bringen. „Seien sie attraktiv!“ Meine Güte! kein Dresscode aber attraktiv………….das war ja wohl Geschmackssache. Na gut, Jogginghose fiel aus. Jeanshemd wohl auch. Mal schauen ob der Sommeranzug schon aus der Reinigung war, wenn nicht würde er schon etwas finden was dem legendären Club angemessen war. …………in den kaum ein normal Sterblicher Zugang fand, jedenfalls hiess es so………….wie sollte er bloss die Zeit bis dahin umkriegen?

Die leise Stimme in seinem Hinterkopf die ihm soufflierte, er möge auch erwägen gar nicht hinzugehen weil es eine Falle sein könnte, ignorierte er heldenhaft.

 

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s