Kap6: To stay or not to stay.

Schon während er auf die Unicorn Isle zu ruderte, jede Menge Tüten und Taschen gefüllt mit seinen Einkäufen vom Festland auf dem ausgelaugten Holzboden des Bootes stehend, hatte er sehen können das Isar vor Red’s Zelt stand. Und kaum war er auf Rufnähe heran gewesen, hatte Red gebrüllt: „Wir kommen dann ins Haus, Jamie, richte uns ein paar Bagels aye?“

Sicher. Er war nun der Hausherr, ob er wollte oder nicht. Bagels. Zum Glück hatte er tatsächlich welche besorgt da er Red’s Vorliebe dafür kannte. Während er ausstieg, in die Küche stapfte und begann, Bagels mit Räucherlachs, mit Kräuterfrischkäse und mit Schinken zu belegen und den Rest mit Marmelade zu bestreichen, fragte er sich was die Beiden wohl miteinander besprochen hatten. Bevor er sich jedoch in diesen Überlegungen verlieren konnte, war der Königssohn schon hereinspaziert. Dieses Pochen in der Halsgrube, wenn sein Puls hochging weil er Isar erspähte……….. fast ein Reflex, hungrig die Arme auszubreiten…….!

Lesson 1_001

Die Uhr zeigte viertel nach eins, höchste Zeit fürs Mittagessen! Sein Magen knurrte vernehmlich während Isar mit skeptischem Blick die Teller in Augenschein genommen hatte. Jamie hatte ihm einen Klecks Marmelade der an seiner Fingerspitze klebte auf die Lippen getupft, aber das schien Isar nicht wirklich begeistern zu können.

„Isar, komm mit und probier erst mal was ich auf dem Tablett habe.“ Inzwischen war auch Red am Hausboot angekommen und machte es sich auf einem der Sessel am Kamin gemütlich. Jamie hätte den Eßtisch vorgezogen, aber Red wirkte etwas abgespannt auf ihn. Also balancierte er die Teller auf den viel zu kleinen Couchtisch während er Isar feststellen hörte: „Prinzipiell esst ihr deutlich zu einseitig. Ein Gericht sollte immer alle Komponenten beinhalten. Finde ich.“

Jamie hatte einladend neben sich aufs Sofa geklopft „Erst probieren – DANN maulen!“

Lesson 4_001

Eine ziemlich humorige Grundsatzdiskussion darüber ob man einen Räuchelachsbagel mit Marmelade toppen sollte, hatte Red dann jedoch im Keim erstickt. „Vertagt Eure kulinarischen Exkurse, Ihr Grünschnäbel! Wir haben ernste und wichtige Themen auf der Tagesordnung!“

Man sprach über den Caern, in dessen Nähe Red eine Untiefe ausgemacht und versiegelt hatte, und über die Frage wieso dieser Caern nicht geschützt war. Aus einigen Worten die Isar und Red wechselten, hatte Jamie schweigend gelernt. Wieder einmal war ihm bewusst geworden, wie wenig er wusste. Andererseits hatte Red aber auch immer wieder die Sorglosigkeit von Isar zu dämpfen versucht und ihm mehrmals aufgezeigt, in welcher Hinsicht er besser wachsam bleiben solle.

Schließlich hatte der alte Schamane in seine Hosentasche gegriffen, und eine dunkle Basaltkugel hervorgezogen, etwas kleiner als eine Billiardkugel. Mit einem „FANG!“ und einer sehr plötzlichen Bewegung warf er sie auf den Satyr zu………und Jamie, der reaktionsschnell wie es sich für einen Tänzer gehört den Arm ausgestreckt hatte für den Fall das Isar sie nicht fangen würde…….., Jamie blieb fast das Herz stehen als er sah, wie sein Prinz beide Hände anhob und die Kugel dann in einer Art Stasis zwischen seinen Händen abgebremst wurde. Dort hatte sie verharrt, bewegungslos. Wohin die Energie des Wurfs verschwunden war, das war Jamie völlig rätselhaft. Magie. Es war Magie!

„Ein Punkt für Dich, Isar! Deine Vorsicht gefällt mir.“ tönte es aus dem Sessel. Zeit, sich wieder zu entspannen. Neugierig hatten seine Augen die Kugel taxiert während er auf eine Erklärung seitens seines Lehrers wartete. Isar untersuchte das Ding neugierig.

„Es ist eine Kugel aus vulkanischem Gestein. Ich habe noch gestern Nacht einige Geister der feurigen Sphären gerufen und gemeinsam mit ihnen diese Kugel geschaffen. Im Prinzip ist es ein Feuerzauber und er ist so gemacht, dass Ihr ihn beide aktivieren könnt, und zwar völlig jenseits Eurer individuellen Fähigkeiten. Ihr solltet ihn bei Euch tragen. Und ich sage euch auch was er bewirkt und wozu er gedacht ist. Er schützt Euer Liebesspiel. Die Zeit, in der Ihr vor Extase blind seid. Legt ihn dicht neben Euch …. und sollte tatsächlich etwas auftauchen das Euch bedroht, so aktiviere ihn einer von Euch indem er kurz darauf spuckt! Daraufhin wird der Speichel für einen Sekundenbruchteil wirken als koche er, dann wird er eine Sphäre aus isolierender Feuchtigkeit um Euch schaffen in der Ihr vor dem Zauber selbst geschützt seid. Jenseits der feuchten Sphäre aber wird eine Kugel aus Lava alles was Euch bedroht zu knisternder Asche transformieren.“

Je länger Red gesprochen hatte, desto größer waren Jamie’s Augen geworden. Nun sass er mit heruntergeklappter Kinnlade da, wohingegen Isar über dieses Artefakt nicht sonderlich verblüfft schien, ihn plagte eine ganz andere Frage:

„Das alles klingt nun doch nach ziemlich viel Panik .. Warum? Besteht Anlass dazu?“

„Braucht es einen Anlass um sich zu rüsten? Jamie ist gerade erst erwacht. Sein vorheriges Leuchten war nur den Wesen dieser unserer Welt wahrnehmbar. Nun aber, da Du hier bist, ……müssen wir davon ausgehen das all diejenigen die sich gerne auf eben erwachte Magier stürzen ihn als lohnendes Ziel für ihre Umtriebe betrachten.“

„Ich will nicht, dass ich eine Gefahr darstelle. Wenn Jamie ohne mich sicherer ist, gehe ich zurück.“

„Keep calm and kill Wyrms………..nein. Du gehst nirgends hin. Schau, das ganze Leben besteht aus Gefahren. Jamie muss den Weg gehen der ihm bestimmt ist, so wie jeder von uns. Du bist offenbar ein Teil seiner Bestimmung. Also werdet Ihr tun was immer Ihr tun müsst. Das Einzige was Ihr nicht tun solltet ist: Nicht wachsam und achtsam sein……………und meine Hilfe nicht annehmen wenn sie Euch angeboten wird! Ihr werdet Vertraute brauchen. In allen Welten!“

Jamie hatte einen unterdrückten Ton des Protestes von sich gegeben als Isar gesprochen hatte und seine Hand hatte sich einem Schraubstock gleich um die des Satyrs geschlossen. Dessen nächste Worte brachten ihn dazu, noch fester zuzugreifen.

„Er hat es sich nicht ausgesucht. Er allein soll es entscheiden.“

Nein, dass Isar aus dem Nichts in seinem Loft erschien hatte er sich wahrlich nicht ausgesucht. Aber hätte er zuvor eine Wahl gehabt, so hätten vermutlich seine unbändige Neugierde und Abenteuerlust sowieso gesiegt. Dieser Lärm in seinem Kopf! Diese Kakophonie neuer, noch nicht verarbeiteter Eindrücke, Informationen und Entscheidungen……..Eine Berg- und Talbahn wäre ein gemütliches Fortbewegungsmittel, gemessen an dem wilden Fahrgeschäft innerhalb seiner Hirnwindungen! Mit einem Aufseufzen hatte er sie alle weg gewischt, sich zu Isar gebeugt und ihn inniger geküsst als je zuvor. Dann hatte er leise in das spitze, lange Ohr gehaucht „Bleib bei mir, Prinz! Wir wollten voneinander lernen, schon vergessen?“

Der alte Schamane hatte das zum Anlass genommen, etwas von einer Mütze Schlaf nach einer durchgearbeiteten Nacht zu murmeln und die beiden alleine zu lassen.

Lesson 8_001

Irgendwie war es rührend zu sehen wie sehr Isar besorgt war nun die Wurzel allen Übels zu sein!

„Klar. Lernen. Aber alles, was dein Lehrer gesagt hat, klang ziemlich bedrohlich. Und ich habe das Gefühl, dass ich nicht gerade nützlich sein kann.“

„Hast du nicht auch gesagt ich wäre zu ernst und würde zuviel nachdenken? Und das Abenteuer einen weiterbringen? Wieso sollte ich anstatt lockerer zu werden denn jetzt über Deine Nützlichkeit nachdenken, hm?“ Ein liebevoller Knuff in Isar’s Seite.

„Weil ich nicht wusste, dass hier alles so gefährlich ist! Dir will alles ans Leder … und ich bin so ´ne Art Leuchtkugel, die die bösen Glühwürmchen zu dir zieht.“

Jamie hatte geschnauft „ja, so könnte man das abbilden………..so what? Wir haben Red damit er mir beibringt mich zu schützen. Ich vermute er wird noch einige Lektionen mit mir durchgehen und ich werde echt pauken müssen. Aber wenn es so ist, ist es so …………….und Du wirst Dir verdammt nochmal dafür keinen Schuldmantel überhängen. Die Dinger sind total aus der Mode. Und selbst wenn nicht, es gibt nur Ursachen und Wirkung. Schuld ist nix Existentes, es sei denn Du bestehst darauf sie zu lieben.“

Im Übrigen, doch das hatte er nicht erwähnt um Isar’s schlechtes Gewissen nicht noch zu vergrössern, war es völlig egal denn das Kind war ja bereits in den Brunnen gefallen. In dem Moment als der Satyr sich in seinem Loft erstmals materialisierte, war Jamie alleine durch die Wahrnehmung einer Wesenheit aus diesen anderen Dimensionen „erwacht“.

Isar’s Tonfall wurde lockerer, er konnte wieder lachen. „Und du wirst damit klar kommen, dass Du ab jetzt in einer Welt lebst, in der man vor dem Sex eine Moskitospirale aufstellt, die Drachen zu Asche machen kann?“

Jamie war in das Lachen eingefallen.“Hab ich ne Wahl? Nö. That’s Life! Und so lange sie nicht meine eigenen Drachen verbrennt ist das ne feine Sache“

„Ja, Du hast immer eine Wahl. Also mach das Beste draus. Klar ist das Leben mit Magie viel spannender und bunter als ohne. Aber Du darfst auch nicht vergessen, dein anderes, normales Leben zu leben. Vor allem, weil ich ja auch sehen will, wie es … normal so ist! Das andere kenne ich ja schon.“Ein breites Grinsen hatte die Worte begleitet.

„Dann wird es höchste Zeit, an Deinen Umgangsformen zu arbeiten!“

Isar’s Protest und seine Beteuerungen er besäße durchaus welche, hatte Jamie weggewischt. Er würde ihn niemals mit nach New York nehmen wenn er nicht sicher sein konnte das Isar die einfachsten Grußformen beherrschte, denn es könnte in der Tat überlebenswichtig sein, dort nicht allzusehr aufzufallen. Bis zur späten Nacht hatten sie sich dann in „Wir sind im Lokal“ – Rollenspielen verloren. Natürlich nicht zu reden von den „Wir sind in der U-Bahn“ und „wir gehen einkaufen“ Übungen.

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