Kap5: „Hi, I’m Candy….“

Es hatte ihm keine Ruhe gelassen. Am frühen Abend hatte er sich verdrückt. Ein Wassertaxi fuhr ihn zurück in die Häuserschluchten von New York.

Während er langsam an den Bordellen vorbei schlenderte, hatte sich Jamie gefragt ob Oberon zu seiner Zeit wohl das New Yorker Rotlichtmillieu noch unter dem Namen „Hell’s Hundred Acres“ gekannt hatte, oder ob es da schon den gourmetartigen Namen „Tenderloin“ trug…. Aber möglicherweise hatte Oberon es nie nötig gehabt, auch nicht zur Zeit seiner Jugend im 19. Jahrhundert, sich käufliche Liebe zu suchen. Vermutlich war am Hofe der Satyrn die Sittenmoral damals nicht sehr viel anders als Isar sie ihm in der Gegenwart geschildert hatte. Und im Laufe der Dekaden hatte es sich eh weiter nördlich verlagert.

Jamie blinzelte gegen die grellen Neonreklamen an, als würde schon alleine das Blinzeln nicht nur seinen Augen sondern auch seinen grüblerisch-analytischen Überlegungen Klarheit und Schärfe verleihen können.

Sie stand an einer Laterne. Als sie bemerkte das sein Blick länger als zwei Sekunden auf ihr haftete, gurrte sie zu ihm hinüber „Hi, I’m Candy!“

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Jamie hatte keine Ahnung ob die kleine Hure Filme mochte, und ob sie ‚Connor McLeod vom Clan der McLeod‘ kannte – von dessen Widersacher Kurgan ganz zu schweigen. Dennoch anwortete er zitatsicher „Of course you are!“ Scheiss drauf, vielleicht Perlen vor die Säue, aber wen juckte das?

„Hast Du ein Zimmer, Candy?“ Nachdem sie bejahte, war der Deal schnell ausgehandelt. Noch auf der Straße hatte er sie bezahlt, und war überrascht als sie sich kurz dankbar an ihn schmiegte. „Nana…….ab mir Dir! Welcher Eingang?“

Candy hatte den Kopf heftig geschüttelt „Doch nicht HIER, Schöner! Ruf ein Cab, wir müssen paar Blocks weiter. Hier gibt es nur Dreckslöcher, so eine bin ich nicht!“

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Jamie hatte die Augen verdreht und als sie nicht von ihm lassen wollte, begann er sich zu fragen ob wohl auch Huren notgeil sein konnten. Bisher war er eher davon ausgegangen, dass sie ihren Job entweder dem Luden zuliebe taten oder aus purer Existenznot…..abgesehen von denen die in Drittweltländern oder dem Balkan gekauft wurden und dann ihrer Papiere beraubt von Zuhälterringen gezwungen wurden. Egal welche Art von Prostituierten……..die hier schien zu der seltenen Sorte zu gehören die wirklich Spass daran hatte. „Das zahlst dann aber Du von dem Geld das ich Dir gab, Candy. Du hättest es vorher sagen sollen.“ Zu seiner allergrößten Überraschung hatte sie nicht protestiert, schade, er hatte sich bereits Argumente zurecht gelegt. Widerwillig liess sie ihn los und nach einigen Minuten passierte sie sogar ein freies Cab.

Die Gegend in der Candy den Fahrer anhalten liess, wirkte auf den ersten Blick noch heruntergekommener als die von der aus sie gestartet waren. Eine fast in sich zusammenbrechende Gym, ein Haufen Müll, die obligatorischen Fässer in denen Obdachlose ein Feuerchen zu machen pflegen um sich im Winter warm zu halten…………Candy war eine Feuerleiter hinauf gekraxelt und Jamie hatte zu ihr hochgebrummt „Da darfste aber auch keinen alten gebrechlichen Freier aufgabeln!“

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Nachdem er ihr gefolgt war, stiess er einen überraschten Laut aus, denn mit so einem sauberen und modernen Appartement hätte er hier bei Gott nicht gerechnet! Gut, es war recht unpersönlich. Aber es war alles andere als eine billige Absteige mit Bettwanzen…

Candy verlor keine Zeit. Kaum hatte er sich auf dem Sofa nieder gelassen, kniete sie auch schon über ihm. Er war gespannt………sog ihren Duft ein, nein offenbar kein billiges Parfum! Die kannte er alle von seinen Kolleginnen am Theater zur Genüge…….von der kleinen Gage kaufte man sich kein Chanel No 5!

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Während das Schokocandy sich an ihm rieb und langsam die Träger ihres transparenten Fähnchens über die Schultern streifte, fühlte er das sein Körper reagierte. Gerade als er beschloss, das das Ablegen der Kleidung völlig unnötig sein würde, weil ein offener Hosenstall für eine schnelle Nummer mit einer Hure absolut ausreichen sollte, tat Candy das mit Abstand Verblüffendste an diesem Abend….

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Sie hatte sich ihres Kleides entledigt und legte ihm die Arme um den Hals, ein kleiner Schock, als er ihre Lippen auf seinen spürte und dann feststellte, dass sie tatsächlich beabsichtigte ihn zu küssen. Intim zu küssen. Einen Freier!! Sein Kopf war nach hinten geruckt und seine Stirn wies einige unwillige Falten auf.

„Was wird das denn?“ hatte er zu wissen verlangt während seine Hände ihren Kopf von seinem fern hielten. Ein verlegenes, mädchenhaftes Kichern war die Antwort. Beide schauten sich eine ewig wähnende Weile in die Augen, und schliesslich senkte sie zuerst den Blick. Leicht  beschämt. Wie zu ihrer Verteidigung murmelte sie schliesslich „Ich……bin einsam. Und ich hab keinen Beschützer mehr…..ich meine………wie heisst Du?“

„Das geht Dich einen feuchten Kehricht an, Süße!“

Noch leiser als zuvor flüstert sie ein „Tut mir leid. Mein Fehler. Ich mache es wieder gut…..wie wäre es mit einer Massage hm?“. Wie der Wind war sie hinter ihm und begann über seiner leichten Sommerjacke die Schultern zu bearbeiten. Er hatte sie gewähren lassen, denn die Antwort auf die Frage die ihn dazu bewogen hatte hier her zu kommen, formte sich in seinem Hirn. Nicht sofort greifbar, aber klarer und klarer Gestalt annehmend………

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Auch wenn dem so war, und auch wenn er die Antwort nicht willkommen hieß – er versuchte nach einer Weile dennoch, die dralle Dunkelhäutige zu besteigen. Sein Schwanz war mehr als bereit dazu. Aber auch nur der.

Jamie realisierte einen gelinden Unwillen.Schon als er in sie eindrang. Es fühlte sich nicht richtig an. Sicher, er war niemand der die Monogamie in den Himmel hob. Und er hätte Isar gegenüber auch keinerlei schlechtes Gewissen da er wusste das der Satyr sicherlich keine Treue erwartete. Aber nachdem Jamie sich selbst hatte eingestehen müssen, dass Reddy am Morgen recht gehabt hatte, dass er über beide Ohren verknallt war, stellte sich dieses „ich will aber mit niemandem sonst“ – Gefühl ein.

Oh ja, das würde wieder vergehen! Sicher würde es das!

Spätestens wenn ihm die rosarote Brille von der Nase fiele, das war klar. Jeder wusste das. Aber so lange diese rosarote Brille auf seiner Nase klebte als hätte sie ein ungeschickter Erfüllungsgehilfe Amor’s dort mit Sekundenkleber angetackert, so lange würde er körperlich niemand anderen begehren. Fast hatte er während er sie halbherzig stiess, ein schlechtes Gewissen dem Mädchen gegenüber. Abgesehen von dem Patzer mit dem Kuss gab sich Candy wirklich alle erdenkliche Mühe. Schlussendlich hatte er sie von seinem Schoss geschoben, sein bestes Stück zurück in die Hose gepackt und gemurmelt „ich muss gehen, Candy.“

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Der konsternierte Blick den sie ihm daraufhin schenkte, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Ihren Kopf irritiert an seine Schulter bettend hatte sie leise gefragt „Meine Schuld? Du bist nicht gekommen, Schöner. Willst Du es nicht weiter versuchen? Ich kann Dir die Kohle nicht zurückgeben!“

„Das erwarte ich auch nicht. Aber ich muss gehen. Es liegt nicht an Dir. Nicht wundern!“

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Ziemlich brüsk hatte er sich erhoben, nicht ohne dem armen Ding zuvor noch einen freundlichen Kuss auf die Stirn zu hauchen. Sie war fast eben so schnell auf den Beinen gewesen. „Du bist doch ehrlich? Es liegt wirklich nicht an mir?“

„Candy, beruhige Dich. Nein es liegt nicht an Dir, versprochen!“ Kaum hatte er ausgesprochen, drehte er sich um, schlüpfte durch die Tür und als sie schnarrend hinter ihm ins Schloss gefallen war, lehnte er sich erst einmal über das Geländer der Feuerleiter und atmete tief ein und aus.

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Ein Blick auf seine Armbanduhr zeigte ihm, dass er gute Chancen hatte, Christine, seine Chefin jetzt im Büro des Theaters anzutreffen. Mit federnden Schritten, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, war er die klirrende, hohl hallende Leiter hinab gestoben. Dunkelheit umfing ihn, funktionierende Straßenlampen schienen in dieser Gegend Glückssache zu sein. Ein Rascheln zwischen den herumwirbelnden Zeitungsfetzen auf dem Asphalt sorgte dafür das er sich kurz versteifte.

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Doch das nachfolgende, eindeutige Quieken zeigte klar, dass es sich um handelsübliche Kanalratten handeln musste. Er tastete sich dennoch recht vorsichtig und langsam zur Hauptstrasse vor….., man wusste nie was in dunklen Ecken lauerte. Er war zu deutsch um sich zu bewaffnen. Auch wenn er es hier in NY durchaus gekonnt hätte. Bisher hatte sich Jamie immer auf seine mentalen Fähigkeiten verlassen, und das mit Erfolg. Aber auch die verlangen Wachsamkeit und so waren seine Sinne hellwach als er den Platz vor der verfallenen Gym wieder kreuzte.

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Natürlich. Jedes Cab war besetzt. Schnaufend winkte er sich einen Wolf bis eine Viertelstunde später tatsächlich eines anhielt. Ein Umweg über sein Loft wo er sich in Windeseile einige frische Klamotten in eine Tasche schaufelte, während das Taxameter unerbittlich weiter lief.Dann wies er den feisten Fahrer der wie eine kleine Lolita Kaugummi Blasen produzierte an, ihn zum Theater zu bringen. „Und pass auf das dein Bubble Gum nicht an der Windschutzscheibe hängen bleibt, Mann. Denn wenn Du uns in die Hölle chauffierst, werde ich  dafür sorgen dass Dir der Teufel wie ein unschuldiges Baby erscheint!“

Die Sache mit dem Urlaub war schnell abgeklärt, er hatte Glück! Es gab tatsächlich eine Vertretung die weder krank noch sonstwie verhindert war.

Ungeduldig charterte er ein Wassertaxi, für die Fähre war es bereits deutlich zu spät. „Mal schauen was Du für ’nen Unfug angestellt hast, mein Königssohn!“ murmelte er grinsend und in Vorfreude wieder ’nach hause‘ zu kommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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