Kap2: Grau ist alle Theorie…

 

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das Gespräch…

Er wusste nicht ob er es bedauern oder aufatmen sollte – und er hatte noch ziemlich lange auf das schmiedeeiserne Tor gestarrt, welches Oberon auf dem Platz bei den Einhörnern materialisiert hatte (der, wie Red ihm geflüstert hatte ein Caern war), und welches sich schlicht in Luft aufgelöst hatte nachdem Oberon mit Mr. Smith auf der Schulter hindurch geschritten war – jedenfalls waren der Satyrkönig und sein Rabenberater auf dem Heimweg. Sicher, der Satyr hatte es ja erwähnt……sie brauchten „Hilfsmittel“ um ins tiefe Umbra zurück zu kehren.

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Oberon in menschlicher Gestalt

Dafür hatte sich Red überraschend eingefunden, noch während Jamie mit Oberon und Mr. Smith konferiert hatte. Ein sehr ambivalentes Gespräch für den jungen Tänzer. Einerseits hatte er sich permanent auf dem Prüfstand empfunden, andererseits schlug ihm phasenweise ein Gefühl von Sympathie entgegen. Was ihn freute – wobei er sich aber nicht klar darüber wurde ob es denn nun wirklich etwas Positives war wenn einen ein Satyrkönig mochte. Die Ankunft des Wassertaxis auf dem Red in seiner wohlbekannt ruhigen und entspannten Art auf Aranza’s Insel geschippert kam, (was dafür sorgte das der Wechselbalg schneller als der Wind wieder seine menschliche Form angenommen hatte), war erst einmal eine große Erleichterung für Jamie. Er ahnte nicht, wie schnell dieses Gefühl umschlagen würde…

Auch fühlte er sich, Nudisten Camp hin oder her, als einziger Nackter unter zwei völlig bekleideten Männern slightly underdressed. Doch seine Kleidung lag oben in der Scheune wo er Gefahr laufen würde Isar aufzuwecken wenn er sie sich holte.

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Red’s Ankunft

Red hatte in seiner direkten und offenen Art keinen Hehl daraus gemacht, dass er sofort erkannte, wen er vor sich hatte. Jamie gewann den Eindruck, daß dies Oberon zwar nicht gefiel, daß es aber immerhin dessen Wahrnehmung von Red (den Jamie genau so wenig wie sich selbst als Magus bezeichnen wollte…..für ihn war sein Lehrer schlicht ein Großstadtschamane.) positiv beeinflusste.

Jetzt, da er hier im überraschend diffusen Licht der Morgensonne auf der Bank unter der Trauerweide hockte und darauf wartete das sein Lehrer aufwachen möge, kam ihm das Ganze schon wieder so unwirklich vor. Man hätte an einen Traum glauben können, würde nicht der kühle Morgenwind, der ihm aus Osten in den Rücken blies, die plätschernden Geräusche von Isar zu ihm wehen der verspielt und begeistert in einem Schwimmreifen in der kleinen Bucht herumplanschte.

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nachdenklich

Zumindest das Problem der Ungewissheit über den Verbleib von Aranza und dem Kind hatte sich in Luft aufgelöst. Während Jamie frühstückend im Haus hockte, hatte sie ihn angerufen und ihn atemlos gebeten sich Urlaub zu nehmen, auf ihre Insel zu düsen, und sie dort zu vertreten. „Ich erwarte zwar leider keine FKK Gäste, aber die Pferde müssen doch versorgt werden!“ Fast panisch hatte seine alte Freundin geklungen. Er erfuhr, dass Pat von einem Lieferwagen angefahren war als er/sie/es einen Zebrastreifen überqueren wollte und nun in der Klinik auf dem Festland weilte. Gottlob nicht lebensgefährlich verletzt, dennoch hatte man  strikte Bettruhe verordnet und Aranza hatte sich in der Nähe der Klinik in einer Pension eingemietet um dem Kind beistehen zu können. Jamie genoss die Erleichterung in Aranza’s Stimme als sie hörte das er bereits vor Ort war.

Seine Gedanken kehrten zurück zum Vorabend. Es hatte weh getan! Der junge Tänzer musste schmerzlich erfahren, daß der „Durchblick“ den er sich auf seine Fahnen geschrieben hatte eine Schimäre war. Eingebildet. Faktisch nicht existent. Nichts schien so zu sein, wie er es für gegeben betrachtet hatte. Seine Oberon gegenüber zur Schau gestellte Weisheit und Arroganz hatte sich bereits bei Red’s ersten Worten als Seifenblase entpuppt. (oh……Seifenblasen! Daran könnte Isar durchaus Freude haben, das musste dringend auf den Merkzettel für das Bespaßungsprogramm!)

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Der Schamane räumt mit eingebildetem Wissen auf

Ein tiefer Seufzer rollte aus Jamies Kehle und schien sogar die kühle Morgenluft kurz zum vibrieren zu bringen. So kühl, daß er sich heute tatsächlich einmal hier auf der Insel der Nacktheit dazu durchgerungen hatte, Kleidung anzulegen.

Nachdem Oberon gestern plötzlich unter einem Baum gestanden hatte als Jamie vom Wasserfall zurück kehrte, und nachdem sie sich bekannt gemacht hatten und Jamie die Verblüffung überwand, wurde relativ schnell klar was den Wechselbalg – König her führte.

„Ihr seid in Sorge um Euren Sohn, Sire?“

„In Sorge … nun, ein wenig. Aber eher darüber, wohin er geraten ist. Er hat kaum Ahnung von der Welt hier. Ich bin menschengeboren, wie fast alle unserer Sorte. Ich bin in Spanien geboren … im Jahre 1845. Zeit ist recht relativ. Ich mag diese Welt in dieser Zeit nicht kennen – aber Isar hat nicht die geringste Ahnung. Er stolpert herum wie ein Küken mit Gehirnerschütterung. Und das kann Ärger anziehen. Weshalb ich nun unauffällig feststellen muss, mit wem er es zu tun hat. Unauffällig, weil Kinder es nicht mögen wenn die Eltern sich einmischen. Also bitte ich um Stillschweigen. Aber ich muss wissen, was Sie sind, was Sie von sich wissen. Und was Sie von dem wissen, was nun auf Sie zukommen kann.“

Jamie hatte sich die größte Mühe gegeben ihm zu versichern das er auf Isar aufpassen könne. Daran hatten auch diverse Hinweise Oberons auf Wesen mit Mordlust die nun auftauchen könnten, da Jamie als Magus „erwacht“ war nichts geändert, denn Jamie war immer noch fälschlicherweise davon ausgegangen das die mentalen Reisen die er in die Anderwelten seiner eigenen Realität unternommen hatte, ihn befähigten auf den Satyr-Greif-Hybriden mit den sinnlichen Lippen und diesem reizenden Knackarsch aufzupassen. Doch Red hatte diese Illusion zerschmettert. Der Glaube an seine eigenen Fähigkeiten war für Jamie zerbrochen als hätte sich ein Diskuswerfer auf Speed auf einem Polterabend ausgetobt. Nur noch Scherben. Viele Scherben. Red’s Worte hängen seit dem in seinem Kopf und lösen das Gefühl aus als würde ätzende Säure an seinem Selbstbewusstsein nagen:

„Jamie kann mental reisen. Aber von allen Welten und Sphären die Ihr je gesehen und erlebt hat, kennt er keine einzige. Nein das ist nicht ganz richtig. Als ich ihn auf seinen Reisen noch begleitete, ihm seine Geisthelfer und Totems vorstellte, begab es sich ein einziges Mal das er einen Durchgang durch den Todesgürtel schuf und im Penumbra hängen blieb…..“ Jamie hatte ihn rüde unterbochen, fast panisch…….

„Aber …Red ich bitte dich……ich KANN reisen und bin viel gereist, das hast du selbst gesehen, du warst doch dabei!“

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„Sicher, Jamie. Aber du hast wirklich nur ein einziges Mal eine der Welten in denen Sir Oberon sich bewegen kann erlebt und ich sage dir………..es war nie geplant und du solltest auch nie dort einen Einblick erhaschen! Dein Schamanismus sollte in unserer Lügenrealität bleiben, ich plante nie ein Erwachen deinerseits!“

Jamie hörte Red’s Schritte bevor er ihn sah.

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Nachdem sie sich begrüßt hatten, begann der Unterricht unter der Trauerweide. Stundenlang referierte Red, versorgte den jungen Tänzer mit Fakten über Sphären, Wesen, Arten von Wechselbälgern, über die Suche nach Arcadien, über zerstörerische Zauber, Schutzzauber, Glamour, Magick und Hinweise welche Wesen warum wo hin können und wohin nicht…..

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…..und Jamie brummte am Ende einfach nur der Kopf. Kurz erwog er Oberon ans Herz zu legen seinen Filius schlicht ins tiefe Umbra zurück zu pfeifen. — Dann hörte er einen Jauchzer aus der Bucht, offenbar hatte Isar jede Menge Spass. Und — waren seine Träume nicht viel lebhafter und bunter geworden seit Isar sich zu ihm gesellt hatte?

Jamie konzentrierte sich wieder auf Red’s Lektionen. Nein, wegschicken ging nicht mehr. Dafür war er Isar’s Charme bereits viel zu sehr verfallen!

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