Kap13: Besuch auf Hawaii

Die Nacht war kurz und unruhig gewesen. So vieles, das ihm nach dem Besuch bei Zachary durch den Kopf ging. Dummerweise immer im Kreis!

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Jamie hatte sie auf einem Hausboot verbracht. Denis war immer gern bereit, sein altes und ziemlich unkomfortables, aber funktionierendes Hausboot gegen ein wenig Cash zu verleihen. Und er wusste das Jamie pfleglich damit umgehen würde. Jamie wiederum brauchte einfach einen Ort mit absoluter Ruhe. In New York schwer zu finden aber auf dem Ozean in Hülle und Fülle vorhanden. Ein Glücksfall, dass er Denis tatsächlich sofort nach seiner Rückkehr aus dem Lethe erreicht hatte. Nun also hockte er mitten auf dem Nordatlantik mit nichts als Wellen und Dunkelheit um sich herum.

Zuvor hatte er  lange in seinem Loft herumgewühlt um etwas Persönliches von Isar zu finden. Obwohl dieser im Bad gewesen war als er verschwand, und Jamie davon ausging das er nichts am Leib getragen hatte, waren Jamies Shirt und Shorts die der Satyr zu tragen pflegte wenn er menschliche Gestalt annahm MIT Isar verschollen.

Unter der Dusche war er am Ende fündig geworden. Offenbar hatte sich eine Strähne aus Isar’s Dreads gelöst, ein kleines Büschel blonder Haare mit einem winzigen Fetzen Stoff, den der Satyr benutzte um seine Dreads zu bändigen. Jamie hatte sie in eine kleine Schachtel geschoben und hütete diese als enthalte sie den Kohinoor.

Doch jeglicher Versuch sich über das Büschel mit Isar zu verbinden, war fehlgeschlagen. Frustration hatte sich, wie so oft, breit gemacht.

Dann war er mit Denis‘ Boot hinaus geschippert, langsam und bedächtig, nicht einmal halbe Kraft voraus, denn es war ungewohnt bei der Dunkelheit zu navigieren. Er hatte mitten im Nichts geankert. Es blubberte als er die Maschinen drosselte, erstaunlich das das alte Teil überhaupt noch funktionierte. Ein leichtes Nachdieseln, wie immer. Dann nur noch das Rauschen der Wellen in der windstillen Nacht. Seine Augen hatten sich längst an die Dunkelheit gewöhnt. Nur noch die Positionslichter des Hausboots leuchteten in die tiefe Bläue hinaus. Vollmond. Hätte er sich eigentlich denken können!

Langsam war Jamie zum Bug gegangen und hatte sich dort vor der Reling nieder gelassen. Das Chaos im Kopf besänftigen! Zur Ruhe kommen! Einen klaren Gedanken fassen können!

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Jamie war sich bewusst, dass er mit dem Feuer spielte. Da er aber nicht den Dunst einer Ahnung hatte wie er Isar ohne Zachary finden sollte, würde er wohl oder übel in den sauren Apfel beissen müssen. Zwei Alternativen mussten erprobt werden: Per Geistreise Red besuchen um so viel wie möglich über Vampire zu erfahren. Und möglicherweise einen Tip zu erhalten wie man ohne fremde Hilfe versuchen könne durch die Haare Isar aufzuspüren.

Jamie wusste, das das Voodoo eine der Disziplinen war, mit denen so etwas durchaus machbar ist. Dennoch – sämtliche Techniken über die er verfügte bezogen sich auf den irdischen Schamanismus. Purer Geist. Null Materie. Alles im Kopf. Den Geist ausdehen bis an jeden beliebigen Ort. Das MUSSTE auch in den Welten Isar’s funktionieren. Aber da dort andere Gesetze herrschten, wie er ja nun wusste, war es fraglich ob er damit Erfolg haben könnte.

Es war eine gute Idee gewesen hier heraus zu fahren. Die fast meditative Stimmung der Vollmondnacht auf dem absolut ruhigen Ozean schaffte es, Jamies Nervosität zu besänftigen. Das sanfte Schaukeln des Bootes auf der spiegelglatten See. Das leise Knarren der Seile an denen der Anker befestigt war. Seine Überlegungen gewannen zunehmend an Struktur. Und auch wenn er ohne Ende müde war – es musste kurz nach zwei Uhr morgens sein – so klärte sich dennoch sein Kopf mehr und mehr.

Jamie hatte sich erhoben und war zum Heck gewechselt, wo er ganz in der Ferne noch die Küstenlinie erkennen konnte. Mit den Beinen baumeln, ruhig werden! Nicht daran denken, wie attraktiv sich der angedeutete Biss Zachary’s in seine Hand angefühlt hatte! Da war er, der weisse Elefant. Shit!

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Es hatte eine weitere Viertelstunde gedauert bis es gelang die Erinnerung erneut abzuschütteln. Danach war es leicht, sich auf Red zu konzentrieren, einen geistigen Zeitsprung zu machen um nicht mitten in der Nacht bei seinem Lehrer zu landen. Es wäre nicht sinnvoll Red im Schlaf zu überraschen.

In seiner eigenen Art der Magie war Jamie ausgesprochen versiert, und so löste er sich recht zügig aus seinem Körper……..nachdem er sich die Kette am Leib befestigt hatte, die normalerweise dazu diente den Eingang zum Boot zu verschließen. Nicht auszudenken wenn er während seiner ‚out of body experience‘ ins Wasser fallen würde! Er hätte sich auch in die Koje legen können. Doch offenbar hatte Denis lange die Bettwäsche nicht gewechselt und der Duft der den Kissen anhaftete war nicht unbedingt etwas worin Jamie sich nun wälzen wollte! Salz, Maschinenöl, Schweiß, die Ausdünstungen sonstiger Körperflüssigkeiten die sich durch diverse Flecken repräsentierten… nein danke!

Es war später Nachmittag auf Hawaii, als Jamie’s Geistkörper – Isar hätte wohl von seinem ‚Avatar‘ gesprochen – auf Hawaii landete. Natürlich direkt vor seinem Lehrer, denn der Zielort machte sich an dessen Körper fest.

Red sass auf einem Liegestuhl auf dem Gelände seines hawaiianischen Seminarzentrums. Jamie war überrascht über das blutjunge Ding das sich auf dem Schoß seines Lehrers räkelte. Im ersten Moment wurde er gar nicht bemerkt, Red war damit befasst, die Kleine löffelweise mit Obstsalat zu füttern. Doch dann konnte Jamie fühlen wie der Geist seines Lehrers den seinen bemerkte, wie sein Blick sich löste von den winzigen Brüsten unter der knappen, offenen Jeansjacke des Mädchens. „Namasté, Jamie! Du kommst ungelegen!“

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„Offensichtlich!“ Ein kleines, amüsiertes Lachen rollte aus Jamies Avatarkehle. „Aber vermutlich war es nie so dringend wie gerade jetzt. Verzeih mein Eindringen, aber ich muss darauf bestehen Dich zu sprechen, Red. Es ist Gefahr im Verzug!“

Scheinbar konnte die Kleine seinen Avatar nicht sehen. Jedenfalls schaute sie verwirrt umher nachdem Red ihn offenbar tatsächlich stimmhaft begrüsst hatte. Der Schamane hatte den Zeigefinger unter ihr Kinn gelegt und ihren Kopf zu sich hin gelenkt „Nina, wir haben Besuch. Der Geist einer meiner Schüler. Sag hallo zu Jamie!“ Als sie leise ein „Hallo Jamie“ etwas irritiert in die Luft gehaucht hatte, musste er grinsen. Red’s Erklärung folgte umgehend.

„Nina ist in der Ausbildung. Meine Buchhalterin und Empfangsdame Miriam hat mich verlassen, und da ich ja häufig reisen muss, brauche ich dringend jemand Neuen der hier die Dinge für mich regelt. Jetzt weisst du auch warum mein Handy aus ist, Jamie.“ Ein Zwinkern. Ein leichtes Kneifen in die Brust der Kleinen. „Hopp, lass Jamie und mich alleine. Da Du noch nicht so weit bist ihn sehen oder hören zu können wäre es eh langweilig für Dich, Hase!“

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Nina hatte ein leicht verschmolltes Gesicht gezogen, Red einen Kuss auf die bärtige Wange gedrückt, sich dann aber brav erhoben. „Ich bin am Empfang, Boss.“ Red hatte nur grinsend genickt. Als Jamie anhob zu berichten, stoppte ihn Red mit einer Handbewegung.

„Warte. Gib mir Zugang, das wird schneller gehen!“  Jamie hasste es, jemand anderen in seinen Geist zu lassen. Aber Red war sein Lehrer und wenn er jemandem vertraute, dann ihm. Der alte Schamane war unzählige Male in seinem Kopf gewesen. Während Jamie der neuen ‚Empfangsdame‘ nachsah, wie sie mit einem aufreizenden Wackeln der knappen Shorts über die Brücke zum Empfang schritt, hatte sich Red erhoben. Ein schneller Griff in die Badehose um sich neu zu sortieren, offenbar hatte Nina Spuren hinterlassen……Einige entspannte Schritte hin zu Jamie……Eine kurze Umarmung. „Okay Red. Ist vermutlich wirklich einfacher, ist ne Menge was ich berichten müsste.“

„Ich vermute es geht um Isar?“

„Nicht nur! Was weisst du über Vampire, Red?“

Der Schamane hatte gestockt,  dann leicht das Gesicht verzogen. „Gehen wir in mein Haus, Jamie! Und dann lass uns unseren Geist verschmelzen. Ich seh schon……….das wird ernst.“ Tatsächlich schien Red nun etwas beunruhigt zu sein.

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Dort angekommen, hatte Red sich entschuldigt Jamie keinen Platz anbieten zu können da sein Sofa beim Polsterer war. „Die Felle am Fenster sollten für eine Verschmelzung taugen, komm!“

Die Vereinigung fand rasch und unproblematisch statt. Bei einer Geistverschmelzung wechselt das Bewusstsein in das des Partners hinein. Es ist als hätte man die „Köpfe getauscht“. Jamie wusste das Red ihm den uneingeschränken Zugang gab, und ebenso würde er uneingeschränkt in Jamie’s Geist herumkramen. Da sie keine Geheimnisse voreinander hatten beschloss Jamie, sich die Wartezeit die vergehen würde bis Red informiert war damit zu vertreiben, herauszufinden was es mit Nina auf sich hatte.

Kein Geheimnis. Nichts Ungewöhnliches. Nina war tatsächlich menschlich, 17 Jahre jung und…….verdorben. Jamie merkte nicht während er sich in Red’s Erinnerungen umsah, das er breit grinste. Er begab sich an den Ort in Reds Kopf, an dem die Erinnerung an den letzten Fick mit Nina ruhte und genoss es dabei zu sein. Sehr unterhaltsam. Kaum zu glauben was die Kleine drauf hatte! Meine Güte, die Jugend von heute…………..

Als Jamie fühlte, das Red sich aus ihm zurückzog, kam er pfeilschnell in die Gegenwart zurück und während des kurzen Moments der Orientierungslosigkeit, der einer Geistverschmelzung folgt, fühlte er die Nässe in seiner Hose. Dann drang die Stimme des Schamanen an sein Ohr: „Offensichtlich hat Deine Libido nicht unter den jüngsten Ereignissen gelitten!“ Nach einem kurzen, anzüglichen Grinsen und einem „ich leih‘ sie Dir wenn Du mal wieder körperlich nach Hawaii kommst!“, wurde der Schamane aber sofort ernst. „Schöner Mist. Oh Mann, Jamie!“

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„Ja. Schöner Mist! Jetzt weisst Du warum ich Deine Hilfe brauche.“

„Hast Du einmal versucht, Isar mit Hilfe eines persönlichen Gegenstandes……….“ — „EINMAL? Zigmal!!!!! Just bevor ich zu Dir reiste, Red. Es geht nicht. Ich sehe nur Dunkelheit!“

„Was hast Du verwendet?“

„Haare.“

„Mist, wenn Du körperlich hier wärest könnte ich es versuchen………….natürlich kann ich es SO nicht………und das Treffen mit diesem Zachary ist ……morgen abend schon?“

„Zweiundzwanzig Uhr.“

„Gut, dann bleibt mir wenig mehr als Dich mit den Informationen zu versorgen die mir selbst zugänglich sind, Jamie. Ich gestehe, ich hatte sehr selten Kontakt zu Vampiren. Es gibt dreizehn Clans, die sich sowohl in den Charakterzügen als auch politisch sehr voneinander unterscheiden……und er hat Dich wissen lassen, dass er ein Toreador ist hm? Achte Generation?“

„Ja, das sagte er.“

„Das erklärt die Rose auf der Whatsapp. Jeder erfahrene Magus würde bereits daran erkannt haben, was Zachary’s Natur ist, Jamie. Der Clan der Rose. Ich hoffe nur, er ist kein Antitribu…….der Kontrast dieser Bruchbude, der extrem hässliche Raum in Verbindung mit der exquisiten Schönheit der wenigen Möbel und der Noblesse des Clubs an sich würde dafür sprechen das er nicht nur der Schönheit verfallen ist sondern auch die Ästhetik der Hässlichkeit zu genießen weiss…….nur……..“ Er war verstummt. Nachdenklich. Ohne den Satz zu beenden fuhr Red dann fort:

„Je nach Clan sind auch die magischen Fähigkeiten sehr unterschiedlich. Zachary dürfte Auspex beherrschen, das hat mit Wahrnehmung zu tun.  Das würde ihn befähigen, seine Sinne extrem zu schärfen, Gedanken zu lesen, Auren zu sehen, Weitsicht zu haben was bedeutet eine vertraute Person ungeachtet der Distanz zwischen ihnen so sehen zu können als wäre er dort und…………last not least würde er ebenso wie Du nun zu mir gereist bist geistig reisen können.

Wir nennen es out of body Reisen…….er würde vermutlich psychische Projektion dazu sagen. Ebenso wie wir ist er dabei mit einer Silberschnur an seinen Körper gebunden. Und ebenso wie wir würde er seinen Körper verlieren sofern die Silberschnur durchtrennt würde. Hier haben wir einen der seltenen Fälle wo die universalen Gesetze von unserer Welt mit denen ihrer Welt übereinstimmen.

Neben Auspex noch Geschwindigkeit. Du warst fasziniert von der Weise in der er sich Dir näherte hm? Schallgeschwindigkeit in Slow Motion aufgezeichnet? Das konntest Du nur wahrnehmen weil Du bist was Du bist. Ein normaler Mensch würde ihn so schnell gar nicht mehr gesehen haben, da hätte er einfach wupps…..vor dir gestanden ohne das Du gewusst hättest, wie er so flugs da hin gelangte.

Und last not least…….Präsenz. Und hier liegt die größte Gefahr für Dich, Jamie! In der achten Generation dürfte er nicht jede Stufe davon beherrschen. Aber auf jeden Fall und ohne Zweifel schafft er es mit Leichtigkeit Dir so vertrauenswürdig zu erscheinen, dass Du geneigt bist ihm alles Mögliche zu glauben. Und ich kann nur hoffen das er Dich nicht mit ‚Entzücken‘ segnen kann! Ich baue darauf das Deine Liebe zu Isar das verhindern wird! Und ich bete dafür, dass er Dich nicht für so aussergewöhnlich hält, Dich der Nachwelt erhalten zu wollen. Vermeide es auf jeden Fall, vor ihm zu tanzen. Ich weiss, Du bist gut in Deinem Beruf. Du hast Anmut wenn Du tanzt. Du strahlt eine enorme Schönheit aus wenn Du es tust…….ich sah Dich in Momenten in denen ich Deinen Tanz fast übersinnlich fand. Vermeide es. Aber nutze es für den Fall das es zu gefährlich wird! Du könntest es schaffen, ihn mit einem Deiner Tänze zu paralysieren für den Fall, dass Du ihm entkommen musst.“

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Und das war erst der Anfang gewesen. Über zwei Stunden lang hatte ihm der alte Schamane alles erzählt, was er über Vampire im Allgemeinen und Toreador Vampire im Besonderen wusste.

Jamie hatte seinen Lehrer mehr als irritiert angeschaut, versuchte die Informationen zu bearbeiten die Red ihm da unterbreitete, und fühlte sich danach ein wenig klüger – aber auch irgendwie vor den Kopf geschlagen. Es war eine Flut an Informationen die kaum zu bewältigen war. Und einiges würde er sobald er geschlafen hatte und wieder wach und konzentriert arbeiten könnte, aufschreiben müssen um es nicht zu vergessen.

Schliesslich fühlte er ein leises Ziehen an der Silberschnur………sein Körper wollte irgend etwas von ihm. Vermutlich ein eingeschlafenes Körperglied oder profaner Harndrang.

„Red, ich danke Dir! Ich fühle mich nun deutlich besser für die kommende Begegnung vorbereitet. Aber ich muss zurück.“

Red hatte ihn kurz an sich gezogen und in sein Avatarohr gehaucht „Lass ihn nicht wissen das Du nun deutlich mehr Informationen hast. Es ist gut wenn er Dich für unbedarft hält. Möglicherweise entdeckt er es schnell wenn er Dich liest. Vielleicht schaut er aber auch gar nicht nach. Und……trage die Kette mit dem Zahn, Jamie! Sie wird es ihm etwas schwerer machen Dich zu lesen, wenn auch nicht unmöglich.“

Dann hatte es den bekannten Ruck gegeben als sein Geist zurück in seinen Leib schnellte. Es war noch immer dunkel auf dem Hausboot, aber am Horizont begann sich eine zart gelbe Linie zu bilden, umwabert von einem leichten Rosé mit einem Stich Orange. Es würde ein schöner Tag werden. Jamie hatte sich hinter das Steuer geklemmt und war zurück zu Denis‘ Anlegeplatz geschippert. Er hätte im Hausboot geschlafen. Wenn er frische Bettwäsche gefunden hätte.

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Genau wegen diesem Makel erklärte er Denis, der fischend am Kai sass, das er das Boot das nächste Mal umsonst geliehen haben wollte, sonst würde er es nie wieder „borgen“.

Auf dem Weg nachhause arbeitete sein Kopf zwar wild aber strukturiert. Funf Uhr dreissig!! Oh Mann!  Als er sich hingelegt hatte, war er wie der Wind in einen tiefen Schlaf gesunken. Der leider viel zu kurz anhielt.

 

 

 

 

 

 

Kap12: Lethe (Teil zwei)

Kurzes OOC vornweg: Der geneigte Leser kann sich Zachary’s Sicht der Geschehnisse gerne hier in Zasta’s Blog zu Gemüte führen! Ich bitte darum 😉

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Jamie öffnete erneut die Augen. Hatte sich da nun ein wenig Amüsement in die Aura von Zachary geschlichen, oder bildete Jamie sich das nur ein?

„okay, okay okay!“ ein leises Lachen……nicht verlegen – eher als wolle sich Jamie seine Niederlage schön lachen. „Dann lege ich die Karten auf den Tisch, Zach…………die dürften zumindest zur Hälfte sowieso bereits offen liegen.“ Wieso wurde ihm in diesem Augenblick derart heiss? Betont lässig war er zurück zu seinem Sessel geschlendert über dessen Lehne er seine Jacke hängte, die ihm unerträglich wurde.

„Sie sind noch nicht lange dabei, Junge?“

„Ich bin definitiv lange dabei, aber in einer anderen Liga. Und ja…………in Deiner erst kurz. Und wie Du bemerkt haben dürftest……ich kann Dich nicht lesen. “ Es war irgendwie hilfreich, die förmliche Anrede fallen zu lassen. Vielleicht liess sich die Gefahr ja  etwas reduzieren indem man eine Nähe vorgaukelte die es nicht gab?

Ein kurzes, verwundertes Kopfschütteln „Nun, ich sage nicht, dass ich Magier verstehe. Vermutlich hat mich meine zu geringe Kenntnis dazu verführt, Dinge anzunehmen. Also keine Möglichkeit, etwas zu sehen, das an einer Person hängt?“

Was konnte schon an einer Person hängen? Ein Infusionsständer mit Blutkonserven? Er verstand nicht einmal die Bemerkung, wie sollte er jemals weiter  kommen in dieser verrückten Welt mit Wesen von denen er bisher eher angenommen hatte das sie ins Reich der Mythen und Legenden gehörten? In der Anderwelt in die er schamanisch zu reisen pflegte, kamen jedenfalls weder Satyre noch Werwölfe oder Vampire vor! Da gab es auch keine Materie! Da war alles, restlos alles purer Geist! Verdammt Red, Du hättest mich nicht davor zu schützen versuchen sollen sondern mich dort heran führen müssen! Du wolltest mir die Hälfte des Dir bekannten Universums vorenthalten!

Zum ersten Mal hatte Jamie an den Kompetenzen seines Lehrers gezweifelt. Konnte es sein, das Red die Welt Isar’s zwar kannte, aber lange nicht so gut wie er vorgab? Oder kannte er sie vielleicht gut genug, mochte sie aber nicht und pflegte sie gewöhnlich zu meiden? Ein Scheissgefühl der Ohnmacht war das, wenn man genau wusste das man NICHTS wusste. Wie sollte er vernünftig und zu Isar’s Bestem handeln, wenn er keinen Dunst hatte wie er sein Gegenüber einschätzen musste? Jamie hätte am liebsten eine Bombe in das Appartement geworfen. Schnelle, heisse Emotionen hatten ihn durchzuckt: Wut auf Red, Wut auf sich selbst, Verzweiflung über die eigene Ohnmacht und Unwissenheit. Diese endlos schmerzende Sehnsucht nach Isar! Die Angst das ihm etwas zugestoßen sein könnte………..und erneut Wut auf das gesamte, verdammte Leben das einem nie erlaubte „fertig“ zu sein, sondern einen ständig zwang den Horizont zu erweitern, zu lernen, an sich zu arbeiten und neue Erfahrungen zu machen!

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Die betont lässige Haltung in der er sich nun in den Sessel warf, stand in krassem Gegensatz zu dem was in ihm vorging.

„Nope. Ich kann dich weder lesen, noch sehe ich etwas das Dir anhängen würde, Zachary“. Er war sich bewusst, sich damit in einer Weise auszuliefern, deren Reichweite er nicht abschätzen konnte. Dennoch tat er es ganz bewusst. Hätte Zachary Böses im Sinn, hätte er es schon lange tun können!

Zachary hatte tief eingeatmet. In diesem Moment fiel Jamie auf, dass es tatsächlich das erste Mal seit er hier weilte ist, das Zachary Luft holt. „Nun, es ist ja nicht so, als würden sich unsere … Sorten all zu häufig begegnen. Und ich bin meinem Erzeuger sehr dankbar, dass er ein paar seiner ungewöhnlicheren Qualitäten an mich weitergegeben hat, was mir die Camouflage doch deutlich erleichtert. Aber ich bin nicht das Thema. Ich möchte nur wissen, wie ich aus Ihrer Kraft etwas ziehen kann, um den Satyr zu finden. Ja, natürlich gäbe es den offensichtlichen Weg – aber ich vermute, da hegen Sie die üblichen Vorurteile.“

Den offensichtlichen Weg? Kraft aus mir ziehen? Verdammt, wenn ich wüsste was Du bist, könnte ich Dir auch sagen ob ich da ‚Vorurteile hege‘, komm endlich raus und hör auf mich hinzuhalten!

Seine Wut meisterhaft versteckend hatte Jamie lediglich gesäuselt „Ich habe keine Ahnung wie alt Du bist aber wenn ich Du sage kannst du es ebenso…………..und wenn Du wirklich durch meine reine Existenz irgendwie profitieren kannst…………..und sei es meine Kraft, dann macht Zusammenarbeit Sinn. Aber dann muss ich wissen was genau Du bist, Zachary. Und was genau Du willst.Ich habe mein Blatt aufgedeckt. Now it’s your turn!“

Die Reaktion des „Jungen“ war ein halb affektiertes und halb erotisches Wedeln mit der Zigarette  „Da wir hier in meinem privaten Elysium sind und ich sowieso damit gerechnet habe, dass … Du es siehst – ich bin Toreador. Achte Generation seit Cain und Sohn von Alessandro Alleri. ja, der Alessandro Alleri.“

Diesen Namen hatte er nie gehört. Nachdem er nachgefragt und erfahren hatte, dass es sich um einen bedeutenden Florentiner Manieristen handelte, und man sich kurz in ein fast von Leichtigkeit gezeichnetes Geplänkel verirrt hatte, kamen sie schlußendlich doch wieder auf den Punkt. Zachary gab nicht auf nach dem Grund von Jamie’s Suche zu forschen. „Und nun, bekomme ich den Grund, warum Du so sehr auf der Suche bist?“

„Zachary um Himmels Willen klär‘ mich auf…….WAS bist Du? Wieso atmest Du kaum? Und wieso zeigt Deine Haut keinerlei Einstiche Deiner ……was auch immer Du Dir da spritzt? Ich würde es verstehen wenn du ein Zombie wärest………aber Du bist wohl kaum aus meiner Welt! Ein Vampir war meine Vermutung aber du würdest nach meinem Wissensstand weder ein Kreuz tragen können noch würdest Du Essen benötigen….“ er hatte fahrig auf die angenagte Pie gedeutet………“aber ich bin mir sowieso nicht mehr sicher was von den Weisheiten meiner Welt auf die Wesen der Umbrae übertragbar ist!……………Ich erzähle Dir was Du wissen willst sobald ich weiss womit ich es bei Dir zu tun habe. Versprochen!“ Seine Stimme war diesmal eindringlich, fordernd, und zum ersten Mal konnte er nicht verhindern das eine Art Verzweiflung darin mitschwang. Zu groß war diese ständige Begleiterin seit Isar verschollen war!

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Zachary, der gerade an besagter Apple Pie genascht hatte, leckte sich die Finger ab und beugte sich zu Jamie hin. Und dann erschlugen die Informationen aus seinem sinnlichen Mund Jamie fast:

„Ich glaube fast, Oberon hat Dich zu mir geschickt, damit Du in New York noch ein paar Tage überleben kannst! Wärst Du auf einen weniger harmlosen Typen als mich getroffen, wärst du schon lange tot! Hölle, nicht einmal John hätte Dich am Leben gelassen … Egal!“,er lehnte sich wieder zurück. „Doch, Jamie. Ich bin ein Vampir. Kainit. Blutsauger . Lich. Wie immer ihr uns nennen mögt. Ich bin 1903 geboren und glaube fast, dass man mir auch ohne Hautpflegeprodukte mein Alter nicht ansieht. Das Kreuz hier? Es ist kein Zeichen eines echten Glauben. Es ist nur Schmuck. Das Essen und die Drogen? Das vertragen nur die wenigsten Vampire und verwerten können wir es auch nicht. Wir stillen unseren Hunger anders. Ja, mit Blut. Ja, von Menschen. Nein, Du stirbst davon nicht. Nein, es ist nicht schlimm. Im Gegenteil. Genau wie bei Euch Magiern gibt es auch bei uns verschiedene … nun, Stämme. Ich stamme in direkter Blutlinie von einer Tänzerin aus Karthago ab, die ihre Nachfahren Toreador nannte und darauf Wert legte, nur die Schönsten und Kreativsten unsterblich zu machen. Es gibt noch viele andere Clans mit anderen, meist weniger sanften Prioritäten, aber das sollte dir Dein Lehrer erklären. Ich hoffe, das hilft?“

Ein zufälliger Beobachter hätte sehen können wie Jamie sich sortierte. Sein Kopf begann fast zu qualmen, dann murmelte er völlig unbedacht: „Kann sein das Mr. Smith durchaus klar war, dass ich Oberon zuviel versprach als ich nach bestem Wissen und Gewissen behauptete auf seinen Filius aufpassen zu können! Und mag sein das er uns genau deshalb zusammen brachte. Was du mir sagst läuft fast gegen sämtliche Gesetze für die Vampire meiner Welt………..es sei denn die Legenden sind purer Aberglaube…………“  Sein Blick zu Zachary zeigte eine gelinde Dankbarkeit, dann aber war sein Kopf herumgeschnellt und sein Blick taxierte die roten Flecken unter den Staffeleien.“es ist………“ Man konnte förmlich sehen wie sich alle möglichen Puzzlestücke in seinem Hirn zusammenfügen. Ein gedehntes „Oh mein Gott!“ , und dann hatte er den bereits ziemlich abgestandenen Whisky auf Ex geleert. „Ja. Es hilft. Danke!“

‚Ich hab gleich gesagt, es ist ein Vampir! Aber du wolltest es ja nicht glauben. — Fuck! — mehr fällt dir darauf nicht ein?  — Ich habe keine Zeit mir Dir zu streiten, das erledigen wir später! — streiten? Eine Entschuldigung würde mir genügen! — Schnauze, sonst Beule!‘

„Wir sind die Vampire deiner Welt, Jamie. Und wir streuen sehr sorgfältig Gerüchte. Erstens haben wir Spaß daran, zweitens genug Zeit dafür und drittens hilft es, wenn irgend welche Trottel meinen, uns würde Knoblauch oder fließendes Wasser Angst einjagen. Unser letzter großer Coup war der Spaß, dass wir in der Sonne glitzern würden. Da lachen wir immer noch darüber.“ Seine Worte wurden von einem gezielt beruhigenden und harmlosen Lächeln eingerahmt.

Jamie hatte tief eingeatmet……..es klang so harmlos. Das war zu gut um wahr zu sein……der Teufel tarnt sich immer als gefallener Engel, nicht wahr?…………..andererseits, neigte er laut Isar nicht dazu Gefahren zu sehen wo gar keine waren? Und zum Grübeln? „Ich schulde Dir……….ein paar Antworten, Zach. Ich suche ihn aus zwei Gründen. Erstens weil ich Oberon versprach ihn zu schützen. Zweitens weil………..“ er stockte kurz, ist ja noch gar nicht so lange her das er es sich selbst höchst ungern eingestand…………“zweitens weil ich ihn liebe.“ Bum. Da war es heraus.

Die Reaktion von Seiten der Vampirfront war verwunderlicherweise ein schnelles, elegantes Sich-Erheben. Er war hinter Jamie geglitten, was diesen dazu veranlasste den Kopf in den Nacken zu legen, denn aus den Augen lassen würde er Zachary für kein Geld der Welt! Bildete er sich das ein oder war die Ruhe nun fast gänzlich aus der Aura des Wesens verschwunden? Sie wirkte deutlich aufgewühlt.

„Ah, Oberon … der alte Fuchs hatte wirklich Gründe, Dich zu mir zu schicken. Oh, was er mir dafür schuldet! Aber ja, natürlich helfe ich Dir. Das habe ich ja von Anfang an schon gesagt … bleibt nur die Frage, wie genau.“

In dem Moment war Jamie sich schlagartig bewusst geworden, wie seine Haltung auf Zach wirken musste. Er lag fast im Sessel, den Hals weit nach hinten überdehnt um den Vampir sehen zu können, sein Herz pochte schnell und erregt sodass sein Puls mit Sicherheit in der Halsgrube deutlich zu sehen war. Und wie immer wenn zwei Wesen dicht beieinander sind, hatten sich die Auren überschnitten, vermischt. Jamie konnte nun die Aura von Zachary nicht nur sehen sondern auch fühlen. War das lüsterne Erregung? Ärgerliche Erregung? Ablehnende Erregung? Er wusste es nicht, aber es war eindeutig Erregung.

Mit sehr ruhiger Stimme und den Blick Zachary’s fixierend hatte Jamie seine Erkenntnis geäußert: „Ich bin nicht hier weil du Oberon etwas schuldest. Ich bin hier weil Du hoffst ich könne Dich nähren!“ Wieso hatte er das Offensichtliche erst so spät bemerkt?

Doch was für Jamie eine klare Wahrheit war, wurde im gleichen Atemzug mit einem fast beleidigten Schnauben von Z. vom Tisch gewischt: „Ich sagte Dir doch schon – Du bist in dieser Beziehung nicht mein Geschmack. Dein Blut ist das Äquivalent eines Biohühnchens aus Weidehaltung. Gestreicheltes Koberind. Ich brauche anderes. Ich brauche einen möglichst chemischen Longdrink mit Schirmchen und Zuckerrand. “

OH, schade! — SCHADE? Knallst Du jetzt völlig durch? Du willst mir nicht erzählen das Du Dich grämst weil Dein Blut nicht dem Gusto eines Vampirs entspricht? — ehm. — Oh mein Gott …… ich kündige! Ich hänge meinen Job als Verstand an den Nagel und stelle einen Arbeitsunfähigkeitsantrag! Jamie. JAMIE!!!!!!

Der Schrei seiner Ratio hatte Jamie schliesslich wieder zu sich gebracht. „Und die Spritzen dienen nicht zur Einnahme von Drogen um die Camouflage aufrecht zu erhalten, sondern dem Anlegen von Konserven?“

„Nun wirst Du ein klein wenig persönlich…“ Seine Stimme verriet, das er nicht mehr beleidigt war sondern zu seiner amüsierten Blasiertheit zurück fand.“Ich gebe meiner Herde nur die hübschesten Chemikalien. Und niemals gegen ihren Willen.“ Für einen kurzen Moment hatte Jamie das innere Bild eines Regisseurs an einem Drehort, der mit Lockenwicklern und einem Seidenpyjama vor seiner Crew steht, eine Tasse Earl Grey in der Hand, den kleinen Finger geziert abgespreizt und diese Worte leicht tuntig-nasal artikuliert während sein Assistent der Crew aus einem Bauchladen Koks, Heroin. LSD und einige kleine Appetizer anbietet. Er murmelt ein „oh Mann!“ und dann erhebt er sich. Die Haltung die fast eine Demutsgebärde ist, ist nicht länger tragbar.

„Wie verfahren wir nun weiter, Vampir aus meiner Welt, hm? Und ja……….Oberon schuldet Dir vermutlich ein halbes Königreich wenn Du mir hilfst seinen Sohn aufzusprüren“. Er wirkte wieder lässig wie er so da stand und etwas grüblerisch die Unterlippe zwischen die Zähne sog. Die meiste Zeit hatte er seinen Beruf im Rahmen von Muscials ausgeübt. Und da war ein gewisses schauspielerisches Talent nun einmal unabdingbar!

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„Ich würde sagen, Du gehst nach hause und suchst etwas, das Dein kleiner Freund öfter einmal benutzt hat, das ihm etwas bedeutet oder dergleichen. Dann kommst du morgen Abend wieder zu mir und wir sehen nach, ob er sich irgendwo aufhält, wo ich ihn finden kann. Und du wirst mir hübsch dabei helfen.“Der Vampir machte einen sehr schnellen .. ja, übermenschlich schnellen Schritt auf Jamie zu und griff sanft nach dessen Handgelenk. Seine Finger waren weich, die Haut kühl aber nicht kalt.

Jamie zuckte erst reflexartig leicht zurück als Zachary sich näherte, fast wirkte es als hätte man einen Vampir in Überschallgeschwindigkeit mit einer Slowmo aufgenommen………….die kühle Hand an seinem Gelenk bescherte ihm ein wohliges Schauern……….wieder beschleunigte sich sein Puls, aber ob aus Angst oder Erregung wusste er nicht zu sagen. Es scheint ein sonderbarer Sog der Anziehung von diesem unschuldig wirkenden, gefallenen Engel auszugehen. „Das klingt nach einem Deal!“

„Sehr gut. Chiu Minh wird Dich morgen wiedererkennen und einlassen.“ mit einer schnellen Bewegung hatte Zachary dann Jamie’s Hand an seine Lippen gezogen. Jamie hatte etwas empfunden, das fast Schmerz sein könnte, gefolgt von  etwas das der beste Orgasmus seines Lebens hätte sein können – wäre es nicht sofort wieder vorbei gewesen!

Schliesslich hatte Zachary die Hand des Tänzers fallen lassen, sich den einzelnen Blutstropfen der ausgetreten war, von den Lippen gewischt. Er hat tatsächlich nichts getrunken und auch an Jamies Handgelenk war nichts zu sehen. „Ich dachte, ich verdeutliche meinen guten Willen!“

Scheiss auf den guten Willen…….tu es! oooooooooooooohh komm! Ich will das! — JAMIEEEEE ICH KÜNDIGE! — geh doch! — Ich bin dein Verstand. Wenn ich gehe verlierst du mich!!! — na und? — Du willst ne Zwangsjacke? — fuck off! — gerne……ist ja nicht mehr auszuhalten mit dir! Aber eins möchte ich noch zu bedenken geben bevor ich mich vom Acker mache…… — ja sag’s schon und dann verpiss‘ Dich! —Ohne mich wirst Du Isar weder helfen noch wirst du ihn finden. 

Bang, Bumm! Während in Jamie’s Unterleib immer noch die sonderlichsten Gefühle Karussell fuhren, hatte sich sein Verstand mit diesem Hinweis schlagartig 98% seiner Macht zurück erobert. „Deinen guten Willen? Mir dünkt eher es war ein Versuch mich anzufixen, gepaart mit einer Demonstration Deiner ungeheuren Selbstbeherrschung“. Ein leises und überaus zynisches Lachen hatte Jamie’s Worte unterstrichen. Doch es war als hätte Zachary dem inneren Dialog gelauscht. Offenbar waren Vampire wirklich recht gut im Gedanken lesen……..

„Hmmm … Magierblut mit Drogen … ich würde mich sehr lange sehr großartig fühlen, das ist sicher. Aber nein, in diesem Fall wollte ich Dir nur eine Freude machen.“

Ob das vertretbar war? Die Gefühle von eben gewannen schon wieder ein wenig an Land, wobei sich aber das zynische Lachen ein wenig verstärkte bei Jamie’s nächsten Worten: „Wenn wir Isar finden, Zachary…………….und ich mich erkenntlich zeigen wollen würde…..also nur mal angenommen…………..ist mir sogar vorstellbar ein paar Joints zu rauchen. Aber keinerlei harte Drogen! Alkohol oder Gras, nicht mal beides gemeinsam…………..ich bleibe ziemlich ehm Bio. Und ………..ich würde zuvor auf einige weitere Details bestehen, denn man lernt nie aus, nicht wahr? Aber erst will Isar mal gefunden werden…………….hm, etwas das ihm was bedeutet………….ich werde………suchen müssen. Er brachte nichts mit und alles was er am Leib trug verschwand mit ihm. Wir werden sehen.“

„Ach, süße Unschuld … Gras rauchen .. nein, ich zwinge Dich zu nichts. Vielleicht gibt es ja anderes, was ich haben möchte. Aber du solltest nicht dieses Salz verstreuen; Nummer probieren um mich loszuwerden, das klappt nie.“ er atmete tief ein – wohl als bewussten und kalkulierten Effekt. „Also gut, wir sehen morgen, was Du findest. Und jetzt .. ich kann Dir natürlich anbieten zu bleiben – ich erwarte noch ein paar Gäste.“, eine vage Geste in Richtung des Bettes mit der Kamera. „Aber ich weiß nicht, ob das Deinen Vorlieben entspricht. Nicht sehr bio!“

Er würde Red erreichen müssen und ihn fragen ob es tatsächlich relativ ungefährlich war sich von einem Vampir beissen zu lassen……………es klang hier so, aber natürlich vertrat Zach seine eigenen Interessen. Jamie war völlig klar, dass er dieses orgiastische, nie dagewesene Gefühl nicht würde vergessen können. Aber möglicherweise musste es ignoriert werden. Einfach ignoriert. So einfach war er nicht anzufixen!

Ausserdem widersprachen sich nach seinem Verständnis das Bio Huhn und die Attraktion des Magier Bluts………….er war weit davon entfernt das morgige Treffen bar jeder Bedrohung zu sehen. Er schüttelte den Kopf „Nicht alle meine Vorlieben sind das was du wohl als Bio bezeichnest und was bei mir unter ‚Vanilla‘ rangieren würde……..aber ich beabsichtige nicht, Dich hier weiter zu stören, Zachary. Morgen Abend, gleiche Zeit?“

„Natürlich nicht. Kein Satyr vögelt ein langweiliges Gegenüber. Sie sind wählerisch und schnell gelangweilt, also musst Du schon einiges zu bieten haben.“ ein schmales, anerkennendes Grinsen war den Worten gefolgt. „Dann bis morgen. Ich freue mich, dich wiederzusehen.“

Jamie hatte es auf einmal eilig in seine Jacke zu schlüpfen.

„Soso denkst du…………..ich freue mich auch!“ er liess seinen Zeigefinger von der Gurgel über den Hals bis hinab zum Gürtel des Vampirs gleiten, die Bewegung wirkte zärtlich und dennoch ziemlich distanziert………so als würde ein Forscher ein ihm noch unbekanntes Insekt zu begreifen versuchen. Einmal noch fühlen wie ein Vampir sich haptisch darstellt……..Kaum hatte sein Finger sich gelöst hatte er sich umgedreht und war gelassener wirkend als er wirklich war zur Tür geschritten.

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Als er die Türe öffnete, standen Zachary’s Gäste bereits davor, wohl im Begriff zu klopfen.

Jamie hatte keinerlei Erinnerung an die Heimfahrt. Jetzt, rückblickend auf seinem Sofa lungernd, entfährt ihm ein tiefer Seufzer. Was für eine Scheisse! Er musste völlig irre sein! Und falls Red’s Handy ihm morgen immer noch mitteilen sollte, dass der Lehrer ‚temporarily not available‘ sei, na gut! Dann würde er seinen geistigen Avatar nach Hawaii auf Red’s Hausboot schicken und ihm einige dringliche Fragen stellen, ganz egal wobei er den Schamanen stören würde!

Hast du dir das mit der Kündigung überlegt? — Himmel ich weiss nicht wieso, aber ja, ich bleibe. Irgendwie häng‘ ich an dir, Du bescheuerter alter Sack! Aber ein wenig mehr Macht solltest du mir schon einräumen, eh?

Er würde Isar finden. Und er würde Zach dazu benutzen! Auf welche Weise auch immer……….!

Kap12: Lethe (Teil eins)

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Er hätte auf seinen Instinkt hören sollen. Er hatte es gewusst. Aber seine Ratio hatte es kompromisslos vom Tisch gewischt. Hatte nicht sogar Isar, nachdem er ihn gar nicht so lange gekannt hatte bereits festgestellt „Du grübelst zuviel, Jamie!“??

Er hatte es erkannt aber seine Intuition nicht ernst genommen weil sie einer rationalen Überlegung nicht standhielt. Was für ein Unfug! Er wusste genau wie sehr sein Schamanismus von Intuitionen und Unterbewusstem abhing. Die Unterhaltung war nicht so gelaufen wie er sich das erträumt hatte. Und bevor er morgen Abend noch einmal das Lethe aufsuchen würde, musste er unbedingt Red erreichen! Er brauchte Antworten. Und zwar nicht von Z.! Während er sich aufs Sofa wirft und versucht den ungewohnten Whisky zu verstoffwechseln ohne das ihm davon schwindelig wird, lässt er den Abend noch einmal Revue passieren. Er hatte so harmlos begonnen! Mit einem braven Gehorchen auf „Seien Sie attraktiv!“:

Jamie hatte die leichte Jacke übergeworfen und grummelt die ganze Zeit vor sich hin……………diese Hitze! Naja, mal schauen, er konnte sie auch kurz vor dem Clubeingang wieder überziehen. Wieder tauchte kurz der Gedanke auf das es eine Falle sein könnte. Er griff in eine Schublade, zog die Kette mit dem Schutzkristall über…………..Red hatte sie so programmiert, das eigentlich niemand so ohne weiteres in seine Aura kann! Dennoch blieb er ein wenig unsicher……..die Wesen der neuen Welten waren so anders als alles was ihm zuvor begegnet war! „Ich hoffe du tust deinen Dienst!“hatte er dem grossen, kühlen Quarz entgegen gebrummt.

Als er die 113th West erreichte musste der Tänzer feststellen, das es sich wohl kaum um den Lethe Club aus der Nachricht handeln konnte! Vielmehr stand er vor einem relativ offenen Gelände in dem wohl Rock und Pop Konzerte stattfanden. Seufzend hatte er Google Maps bemühen müssen und gesehen das es ganz woanders noch eine Lokalität dieses Namens gab, allerdings war ausser der Adresse kein weiterer Hinweis zu finden. Also ab zur nächsten Subway Station und dort hin. Die Verzögerung mit der er den Club erreichte betrug zehn Minuten, es hätte schlimmer sein können.

Seine Augen musterten verblüfft dieses Haus das wie ein Relikt aus den wilden Sixties wirkte……kein Schild, keine Werbung. Etwa zwanzig Stockwerke, so neutral wie ph neutrale Seife! Bis auf die Graffities. Jamie war nicht bewandert in Graffity Arts, aber hier war klar das es sich nicht um die üblichen, flüchtigen Schmierereien von spätpubertär-rebellenadoleszenten Geltungsbedürftigen handelte, deren persönliches Tag manchmal grösser ist als das eigentliche „Werk“, sondern um überraschend schöne und schlüssige Bilder.

Zwanzig Stockwerke heruntergelassener Rolläden! Einladend war anders.

Nachdem er sich die Stufen zur nichtssagenden Eingangstür hinauf bemüht hatte, schweiften seine Augen über den leeren Parkplatz. Sonderbar! Wo in NY gab es schon leere Parkplätze? Der Schlagbaum wies darauf hin das Besucher des Hauses hier nur parken könnten wenn sie eine entsprechende Parkmünze hätten……….seine Hand fand den einzig vorhandenen Klingelknopf während er ein wenig kritisch zu der kleinen Kamera über der Tür spähte.

Die Asiatin öffnete die Tür schon bevor das melodische Klingeln verstummt war. Er taxierte sie flugs…..eine androgyne Erscheinung die ihn ausdruckslos ansah und den Eindruck erweckte das sie es mit allen möglichen ungebetenen Gästen hätte aufnehmen können. Der Hosenazug an der großen, durchtrainierten Gestalt schien so gediegen wie die Lobby die er im Hintergrund wahrnehmen konnte……….leise Stimmen, Klaviermusik………ein gedämpfter Klangteppich mit Noblesse.

Auf sein „Guten Abend“ reagierte sie in keinster Weise. Sie stand schlicht da und wartete.

Er unterdrückte das leichte Befremden und murmelte mit einer Stimme die nicht seine zu sein schien; so distinguiert klang sie wirklich selten „Mein Name ist J. Journalist…………ich bin einer Einladung nach Mayfair hierher gefolgt, Lady.“ Während er noch sprach machte er einen kleinen Schritt nach vorne der eine sehr gut geschauspielerte Selbstverständlichkeit ausstrahlte, so als habe Jamie nie einen Zweifel gehabt umgehend eingelassen zu werden.

Eine Bewegung in der Lobby erhaschte seine Aufmerksamkeit…..ein bis auf diverse exquisite Schmuckstücke nacktes Paar, ausnehmend attraktiv, glitt durch den Gang um dann in einem der Aufzüge zu verschwinden. Jamie erinnerte sich an die Gerüchte von dionysischen Parties……..und kurz erschien auch ein Bild von Oberon’s Hof vor seinem geistigen Auge, so wie Jamie sich den nach Isar’s Beschreibungen eben vorstellte.

Nachdem die Aufzugtüren sich geschlossen hatten, gab die athletische Asiatin den Eingang durch ein schlichtes Drehen des Körpers frei und so wie jedes Haus auf dieser Welt, hatte auch dieses einen Duft, der durch diese Drehung zu ihm hinaus wehte…..Orchideen, Moschus, Amber………eine Explosion an olfaktorischer Sinnlichkeit! Jamie war ihr zu einem etwas abseits liegenden Lift gefolgt, wozu er fast die gesamte Lobby durchqueren musste. Er staunte nicht schlecht. Dicke, kostbare Teppiche dämpften jeden Schritt, teure und exquisite Kunstdrucke an den Wänden, vielleicht sogar Originale, mit hoch erotischen und ausgefallenen Szenen…….dazu die leisen Klänge die irgendwo ein Pianist offenbar seinem Instrument zu entlocken wusste. Wer auch immer dieses Haus eingerichtet hatte, hatte nicht mit Dollars gegeizt. Und Geschmack bewiesen. Fast fühlte er sich etwas deplaziert in dieser Upperclass-Umgebung.

Die Chinesin, (oder was immer sie war), wandte sich ab als er den Aufzug betrat…….fragend öffnete er bereits den Mund doch dann bemerkte er, dass es nur einen einzigen Knopf gab. Ein Direktlift. Vermutlich zu einem Penthouse oder ähnlichem. Die lange Fahrt bestätigte ihn in der Annahme.

Oben angekommen blieb Jamie für einen Sekundenbruchteil im Aufzug stehen, mit schmäler werdenden Augen musterte er den Gang der sich zeigte als die Türen zur Seite glitten. Ebenso gediegen wie bereits im Eingangsbereich! Als er sicher war, das im Gang keine Gefahr lauterte, eilte er mit langen Schritten auf die Stahltür an seinem Ende zu. Sonst gab es keine möglichen Ziele hier oben. Auch keine Klingel und keinen Klopfer. Aber eine Klinke.

Er drückte die Klinke hinunter und trat zögernd ein, seine Augen flogen eilig über die Szene die sich ihm bot. Fast war es wie eine kalte Dusche nach der Eleganz zuvor.

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Jamie beäugte die mitgenommenen Betonwände, es war als sei er in eine andere Welt geglitten. Der harte Kontrast der blitzenden Gerätschaften um ihn herum, die offenbar im Gegensatz zum Raum sehr gut gepflegt waren, ließ ihn beinahe eine Gänsehaut entwickeln. Er machte zwei, drei langsame Schritte in den Raum hinein, ein halblautes „Hallo?“

Alle Sinne in Alarmbereitschaft, und seine Nervosität hatte nun dieser emotionslosen Kühle Platz gemacht, die ihn jedesmal ergreift wenn er glaubt es gehe „Ums Ganze“. Jedes Detail nahm er überscharf wahr, denn seine Wahrnehmung wurde in dem Moment nicht mehr von irgendwelchen Emotionen getrübt. Sein Kopf speicherte die Eindrücke einem Computer ähnlich. Ein Käfig dessen Verwendungsmöglichkeiten klar waren. Ein großes Bett mit einer Kamera und Beleuchtung……….zwei Staffeleien……..ein Pornostudio? Ein Künstleratelier?

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Von weiter hinten, in der Nähe der breiten Fenster, die das Spektakel von New York bei Nacht zeigten, kam eine Antwort „Treten Sie ein. Machen Sie es sich bequem“. Ein eindeutig sehr britischer Akzent und eine unglaublich hypnotisch-wohlklingende Stimme!

Nach einigen weiteren Schritten auf die Fenster zu erspähte er dann den Besitzer der Stimme, der entspannt in einem noblen Sessel lehnte………alleine diese Sessel konrastierten mit der heruntergekommenen Bausubstanz derart, das Jamie blinzeln musste. Dann hatte er gelacht und auf eine leicht amüsierte, zynische Weise entgegnet:

„Eingetreten bin ich bereits. Bequemlichkeit wird überbewertet. Aber danke sehr. Habe ich die Ehre mit Z.?“

Sein Gegenüber hatte sich etwas vor gebeugt und begonnen mit flinken Fingern eine Linie Koks auf das glattpolierte Holz des erstaunlich urig wirkenden Tisches zu klopfen……..hatte sie dann mit einer einladenden Geste auf den leeren Sessel zugeschoben. Die Abwehrbewegung von Jamies Hand war subtil aber eindeutig. „No Drugs!“

Das Kokain war nicht die einzige Droge auf dem Tisch..Spritzen, Pillen……..zwei Flaschen weisser Tequila vor dem Sessel…….und dann, wie aus einem Bioladen versehentlich dort angelandet…..eine halb aufgegessene Apple Pie! Was für ein sonderbares Sammelsurium an Gegenständen. Noch sonderbarer dieser Mann! Mann? Junge! Wenn Jamie sich nicht völlig verschätzt hatte konnte er gerade mal volljährig sein. Schlank, fast zierlich. Der Teint eine noble Blässe, die aber nicht unbedingt ungesund wirkte. Während er Jamie mit einem etwas hintergründigen Lächeln bedachte, erklang die ungewöhnlich anziehende Stimme erneut „Wie Sie möchten, Jamie!“. Diese Augen!

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Als Jamie sich langsam in den angebotenen Sessel gleiten liess, hatte er den Eindruck einer unglaublich unschuldigen Verderbtheit, es fehlten dem Individuum nur noch große, schwarze Flügel und der gefallene Engel wäre perfekt gewesen. Z., (Jamie ging nun davon aus das er es war), saß in der sündigen Umgebung wie ein in Haut gebündeltes Unschuldsextrakt. Jamie hatte viel gesehen in seinem Leben, aber selten eine Häufung solcher Kontraste. Schweigen. Es erschien ihm laut. Zu laut. Aber er hatte seine Frage gestellt, sie hing noch im Raum, und zuweilen war zu eifriges Fragen eher kontraproduktiv. ‚Lass ihn kommen, Jamie………das wird schon………er hat dich eingeladen, er wird nicht ewig still bleiben….‘ Es war normal, das Jamie in Situationen die er als spannungsgeladen oder gefährlich empfand, Gedankendialoge mit sich selbst führte.

Der Junge schenkte sich einen Whisky ein und seine Handbewegung forderte Jamie auf es ihm gleich zu tun.

Es war schwierig, aufmerksam zu bleiben als Z. nach einem fast lasziven Nippen an seinem Glas zu sprechen anhob…….diese Stimme verführte förmlich dazu sich einfach hineinfallen zu lassen……..dieser fast jedem bekannte Effekt das man so sehr eine Stimme fokussiert, bis der Sinn des Gesagten hinter irgend einem fluffigen Nebel verschwindet.

„Mein Name ist Zachary Quentin Baringford. Sie können gern bei meinem ersten Vornamen bleiben. Ich habe sie auf bitten von Mr. Smith eingeladen. Und nun möchte ich natürlich auch ein wenig für meine Hilfe haben – ganz egal, was Oberon meint, ich schulde ihm nicht gar so viel. also – wie wäre es, Sie erzählen mir, warum Sie einem Satyr hinterherlaufen?“

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Jamie’s Verblüffung hatte sich kurz in seinen Augen gespiegelt, irgendwo tief hinten hatte sich eine Alarmglocke gemeldet……aber er nahm sich nicht die Zeit auf sie zu achten. Vielmehr beugte er sich vor, schenkte sich (obwohl er ja so gut wie nie Alkohol trank) einen Whisky ein um Zeit zu schinden, hob das Glas, lächelte den fast fragil wirkenden jungen Mann gewinnend an.

„Cheers, Zachary! Sehr erfreut! ………….. Tue ich das denn?“

„Oh ja, das tun Sie. Mein … Assistent hat sie die letzten Tage beobachtet. Was ich mich allerdings frage … warum nutzen Sie nicht Ihre Fähigkeiten, um ihn zu finden? Sie haben zweifellos persönliche Gegenstände von ihm. Oder Körper…teile .. flüssigkeiten. Sie sollten das Selbe, was ich getan habe, mit weitaus größerer Präzision zu tun in der Lage sein.“

‚Das Selbe was er getan hat? Um Dich zu finden? Frag ihn was er genau getan hat! — Den Teufel wirst Du tun. Offenbar hält er dich für einen versierten Magus. Es wäre viel zu gefährlich gleich mit offenen Karten zu spielen! — Aber er weiss offenbar was zu tun ist um Isar zu finden! — Deshalb sind wir ja hier……..aber wir bleiben achtsam verdammt nochmal. Du hast keine Ahnung was er ist, was er will, was er kann!‘

Nach außen hin zeigte Jamie lediglich eine sehr glatte Oberfläche die von dem Streit seiner Emotionen mit seinem Verstand nicht das geringste offenbarte. Während er an seinem Glas nippte und es schliesslich abstellte, die Beine übereinander schlug und sich zurücklehnte, Entspanntheit vortäuschend, versuchte er zu ergründen was er hier vor sich hatte. Die Blässe……dieses kühl wirkende Sexappeal, Zachary konnte als Vampir durchgehen. Doch er trug an einer Kette einen Anhänger in Form eines Kreuzes……das konnte ein Vampir nicht, jedenfalls wenn die Legenden und Hypothesen die Jamie bekannt waren zutrafen!

Alles was Oberon und Red ihm berichtet haben über die Wesen der Umbrae geistert durch seine Synapsen während er bemüht ist nach aussen hin diese entspannte Selbstvertändlichkeit weiter zu mimen. Doch was kann man noch glauben und was nicht? Es könnte auch alles anders sein………………sein Lächeln blieb, wirkte aber inzwischen fast ein wenig einzementiert.

„Nun, Zachary………….meine Gründe sind also von Interesse für Sie. Und die Einladung habe ich wohl definitiv Mr. Smith zu verdanken. Schön. Sicher stimmen Sie mir zu wenn ich bemerke, dass blindes Vertrauen eine recht verhängnisvolle Eigenschaft sein kann — würde sie einem denn innewohnen. Vielleicht erzähle ich Ihnen also meine Gründe. Vielleicht auch nicht. Überzeugen Sie mich von Ihrer Vertrauenswürdigkeit und berichten Sie mir zuerst ein wenig über sich!“

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„Über mich? Oh, da gibt es wenig von Interesse. Ich lebe derzeit von dem, was der Club mir an Amüsement bieten kann. Aber ich werde in absehbarer Zeit nach London zurückkehren. Ich bin nur hier, um ein wenig Abstand zu gewinnen. Das tut einer Beziehung manchmal ganz gut.“ er hob die rechte Hand, spielte kurz mit den Fingern um diese Aussage zu untermauern. Jamie’s wacher Blick fiel auf einen  Claddagh-Ring. „Dass Oberon sich an mich wendet, hat mich verwundert. Mit meiner Sorte kommen sie zwar in speziellen Situationen gut aus, aber normalerweise hüten sich Feen, in unsere Schuld zu geraten.“

Jamie war offenbar ein wenig überfordert. Wie konnte Oberon durch die Hilfsbereitschaft von Z. in seine Schuld geraten, wenn Z. Jamie doch angeblich eingeladen hatte weil er selbst Oberon etwas schuldete? Diese Diskrepanz fiel ihm, wie einiges Andere nicht auf. Erneut versuchte er Zeit zu schinden.

Nachdem er den Ring erspäht hatte hob er sein Glas, murmelte diesmal aber ein leises „Sláinte!“ und schaute über die Schulter zu den beiden Staffeleien. Rot, schwarz, weiss………auf dem Boden jede Menge rote Farbe. Oder Blut? „Ihre Werke, Zachary?“

Sein Gegenüber war seinem Blick gefolgt, die Art wie er mit den Schultern zuckte wirkte erneut verdammt anziehend……..er verfügte wahrhaftig über eine ganz eigene Art von Nonchalance.

„Alles ist Werk. Ob man es nun festhält oder nur flüchtig beobachtet.“

‚Er weicht Dir aus, dafür muss es einen Grund geben. Ich ahne nichts Gutes! — Ach was, vermutlich ist er Fische vom Sternzeichen, die wirken immer und ständig wie ein Aal — ja aber was ist er, verdammt nochmal? *ich lebe von dem was mir der Club an Amüsement bieten kann* klingt bei Gott nicht nach einem vernünftigen Broterwerb. Und dieses Penthouse, so heruntergekommen der Putz auch ist……….btw, hast du dieses Graffity gesehen, die Monalisa mit einem Sturmgewehr?……..kostet mit Sicherheit ein kleines Vermögen. Irgendwoher muss die Kohle ja kommen! — Vielleicht ein Magus, den Vampir hab ich ja bereits ausgeschlossen. Ein Satyr isser jedenfalls nicht! Viel zu kühl, viel zu wenig Lebendigkeit, und wenn er verspielt ist, dann eher auf eine ätherische, abgeklärte Weise als ein warmer, erdiger Satyr! — Du hast den Vampir ausgeschlossen, ich noch nicht! Hast du die Bilder mal genau betrachtet?– Er trägt ein Kreuz! — So what? Wer sagt das ein Vampir das nicht könnte wenn es ein reines Camouflage Ding wäre? — ohhh halt die Klappe, wir müssen ihm langsam irgendwas antworten!‘

„Es war weniger eine philosophische Frage als die nach der Urheberschaft, junger Mann.“

„Urheberschaft .. das war früher wichtiger als heute. Aber wenn es für Sie wichtig ist, wer den Pinsel gehalten hat – ja, das war ich. Aber Sie fragen ja auch nicht danach, wer bei einem intimen, körperlichen Akt der Urheber ist. es ist das Zusammenwirken der Akteure, das die Kunst schafft.“ wieder ein amüsiertes Lächeln „Wobei sich natürlich zugegebenermaßen fassbare Dinge besser zu Geld machen lassen. Und ich habe mich an einen gewissen Lebensstil gewöhnt, wie Sie sehen können.“

Jamie hätte sich am liebsten die Haare gerauft. Der Sinn einen sexuellen Akt mit einem stofflichen Gemälde zu vergleichen erschloss sich ihm genau so wenig wie die Antwort auf die Frage wieso es bei Sex einen „Uhrheber“ geben sollte. War Zachary einfach auf einem Trip? Aber er erschien nicht zugedröhnt, im Gegenteil, er war von einer glasklaren Wachheit.

Jamie’s Augen wanderten zu der Spritze auf dem Tisch „ja, das sehe ich. Und ich sehe ebenso das die Philosophie eine wunderbare Ausweichmaterie für ungewollte Fragen sein kann. Man lernt nie aus, danke für den Hinweis, Zachary“……..seine Augen wurden etwas schmaler. Auf diese Weise war offenbar nicht weiter zu kommen, also Strategiewechsel! „Was ich aber immer noch nicht sehe ist, wie Sie mir im Sinne von Mr. Smith behilflich sein können oder möchten…………………..möglicherweise möchten Sie ja diese meine Denkblockade ein wenig zur Seite schubsen?“

„Sie haben mir meine Fragen auch noch nicht beantwortet!“ Er hatte sich inzwischen eine Zigarette angezündet, mit deren Rauch er nun kunstvolle Kreise in die Luft paffte um ihnen dann einige Sekunden mit den Augen zu folgen. „Aber ich will nicht so sein. Sie wissen ja, wozu meine Art in der Lage ist. Ich mag mich nicht so sehr auf die Seelenschau spezialisiert haben wie die geschätzte Kollegin von Phoenix and Dragon, aber ich bin in der Lage, Orte zu sehen. Und wenn Sie mir konkretere Hinweise zu Ihrer Suche geben, können wir gemeinsam sehen, wo der Satyr sich aufhält.“ Jamie hat tatsächlich schon von Phoenix and Dragon gehört – ein taiwanesischer Konzern, geführt von einer Lady, die sehr die Künste fördert und auch schon in New York Balletproduktionen gesponsort hatte. Aber er kannte sie lediglich aus der Presse, sie war ihm nie begegnet.

‚Er spielt mit Dir — achja? Was lässt Dich das vermuten hm? Ich spiele mit IHM! — oh mein Gott Du bist so blauäugig. Eine schlechte Eigenschaft für einen Verstand! Ich komme mir langsam vor wie ein Gazellenkind das von einer Löwin angefüttert wird! — Oh ja liebe Emotionalebene……..einen Hang zum Drama hattest Du ja schon immer………! — ach, leck‘ mich! Zieh Dein Ding durch aber wenn du nicht auf mich hörst, wasche ich hernach meine Hände in Unschuld. Ich hab Dich gewarnt.‘

Er hätte auf seinen Instinkt hören sollen. Das wusste er nun, da er auf seinem Sofa lag und seine Gedanken ordnete. Aber dort, im Penthouse, hatte er weiter den Überlegenen gemimt. Vermutlich war der Einzige der ihm die Überlegenheit abnahm, er selbst gewesen. Er hatte eine Braue gehoben und angefangen zu pokern.

„Wozu ist denn Ihre Art in der Lage, Zachary? Nehmen wir rein hypothetisch doch einmal an ich wäre unbedarfter als ich es bin………und nehmen wir weiter an, ich würde keine der Fähigkeiten nutzen wollen die mir zur Verfügung stehen……….wären die Gründe die ich als Antwort auf Ihre Frage nennen könnte dann relevante und konkrete Hinweise zu meiner Suche?“

Spätestens die von Verblüffung untermalte Antwort hätte ihm klar machen müssen, was Zachary war. „Sie sagen mir, dass Sie aus … ich vermute Höflichkeit .. noch nicht nachgesehen haben, was ich bin?“ er lacht und schüttelt den Kopf „Großartig! das erklärt, warum Oberon Sie so sehr mag! Sie sind das Gegenteil meines Abendessens!“

„Das Leben ist voller Überraschungen. Und Höflichkeit ist essentiell!“

„Nun, dann war ich zweifellos weniger höflich, da Sie ja bemerkt haben, dass ich mich informiert habe, was Sie sind. Wobei das natürlich auch nur die geringste aller Anstrengungen kostet.“

Dann hatte Jamie den kapitalen Fehler gemacht, denn er fuhr die überlegene Linie weiter, er hatte sich tatsächlich eingebildet mit so gut wie Null Wissen ein Wesen, das ihn zu lesen schien wie ein offenes Buch, eben mal bluffen zu können. Er hatte den jungen Briten auffordernd angestrahlt.“Es ist nicht zu spät, das nachzuholen, Zachary……also ehm, das höfliche Element………“

Natürlich hatte er daraufhin erwartet das sich Z. nun outen würde………..höflichkeitshalber. Er beobachtete wie Z. die Arme ausgebreitet hatte, offenbar um ihm zu zeigen das er weder die typischen Einstichstellen eines Drogenabhängigen hatte, noch irgendwelche Hämatome von alten Einstichstellen. „Bitte sehr, sehen Sie nach. Ich werde Sie nicht beeinflussen!“

Fuck! Caught! Was konnte er schon nachsehen? Hätte er die Fähigkeit besessen das Wesen zu identifizieren, hätte er es längst getan! Obwohl……….vielleicht würde die alte schamanische Weise die er auf der Erde benutzte ja auch bei einem Wesen der Umbrae wirken? Jamie war aufgestanden, hatte sich hinter Z. gestellt und dabei völlig vergessen eins und eins zusammen zu zählen. Wenn Z. sich nicht sicher gewesen wäre, Jamie’s Wahrnehmung beeinflussen zu können, hätte sein letzter Satz keinen Sinn gemacht. Wieso glaubte man einem Typen den man nicht einmal eine halbe Stunde kannte?

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Jamie brauchte nicht lange um in den Alpha Zustand zu gleiten, wobei seine Augen auf dem Panorama lagen das die Fenster vom nächtlichen New York boten. Er sprach telepathisch den Satz, der in seiner Welt kaum jemandem ausser den Schamanen bekannt war, und der jedwede Wesenheiten nach dem universellen Gesetz zwang sein wahres Ich zu offenbaren. Dann hatte er gewartet was sich vor seinem inneren Auge abbilden würde.

Nichts, nikkesse, nada, rien! Er versuchte es erneut – mit dem gleichen Ergebnis. Ein kurzer Seitenblick mit offenen Augen auf Zachary………..da war sie, seine Aura. Seltsam bleich. Eine sonderbar farblich gedämpfte Aura die fast nur Ruhe zeigte..ein ganz klein wenig Gier vielleicht und ein ganz klein wenig Lust. Zachary hatte sich im Sessel geräkelt und Jamie sich wieder auf die inneren Bilder konzentriert, nach wie vor: NICHTS! Es funktionierte nicht. Die irdischen Gesetze für Wesen sind offenbar nicht die gleichen wie die Gesetze in den Welten die sich Jamie durch Isar offenbarten. Man muss einsehen wann man verloren hat. Die Scharade war nicht länger aufrecht zu halten.

Jamie öffnete erneut die Augen. Hatte sich da nun ein wenig Amüsement in die Aura von Zachary geschlichen, oder bildete Jamie sich das nur ein?

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____________________________________ Fortsetzung folgt.

OOC: Ich habe beschlossen aus diesem langen und tollen RP zwei Blogposts zu machen. Denn nichts ist den meisten Lesern lästiger als wenn ein Beitrag kein Ende mehr nimmt, und selbst beim ganz unvirtuellen Essen sind kleine Häppchen besser verdaulich als große, schwere Mahlzeiten. Also, to be continued!

 

 

 

Kap11: Mysteriöse Einladung

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Schon vom Deck der Fähre aus war Jamie klar geworden, dass die Baufirma ganze Arbeit geleistet hatte. Während er die Augen wegen des Fahrtwinds zusammen gekniffen hatte und die Insel immer näher kam, konnte er kein Baugerät mehr entdecken, aber dieses Haus, diese alte Mühle, prangte prächtig und weithin sichtbar mitten an der kleinen Bucht.

Neuerdings irritierte ihn so vieles……….

Wieso hatte ihm Aranza nicht bescheid gesagt? Oder war sie etwa doch nicht mit dem Kind in Philly? Tausend Gedanken schossen ihm durch den Kopf als er am späten Nachmittag seinen Fuß auf Unicorn Island setzte – die Fähre hatte ihn wie gewohnt am schmalen Landstreifen vor der Bucht abgesetzt indem man ihn mit dem kleinen Ruderboot dort hin befördert hatte. Den ganzen Vormittag hatte er damit verbracht zur Bank zu gehen und seine Ersparnisse zu plündern. Danach musste Christine davon überzeugt werden, ihm einen Monat bezahlten Urlaub zu geben. So wie ihm derzeit alles über den Kopf wuchs, war es unmöglich regelmässig zu arbeiten! Sie war nicht begeistert gewesen. Doch am Ende hatte er ihr mit viel Fantasie den sterbenden Schwan präsentiert, der wegen einer unglücklichen Liebschaft im Augenblick keinen klaren Gedanken fassen konnte und dringenst eine Auszeit brauchte. Sie hatte es nicht willig geschluckt. Aber sie hatte es geschluckt.

Er hatte dem Ruderer ein Trinkgeld in die Hand gedrückt und ihm nachgeschaut. Dabei glitt sein Auge über den Schwimmreifen in dem Isar so fröhlich herumgeplanscht hatte und er biss sich auf die Unterlippe.

Das Zelt von Red war verschwunden. Klar. Wenn das Hostel wirklich fertig gestellt war, brauchte man natürlich keine Zelte mehr für Gäste! Red! Er hatte oft erwogen ihn anzurufen und um Hilfe zu bitten. Schließlich hatte er Oberon versprochen auf seinen Sohn zu achten. Doch wie sollte er Isar’s Sicherheit garantieren, wenn er nicht einmal wußte wo sich der Satyr aufhielt? Möglicherweise war diese ganze Scheiße schlicht ein Test .. vielleicht wollte die andere Welt von ihm wissen wie zuverlässig er war. Doch er wollte keinen Geist zu Oberon senden. Was sollte er auch ausrichten lassen? „Sorry Sir Oberon, aber ich habe nur einen auf dicke Hose gemacht als ich sagte ich könne Isar schützen, ich muss Ihnen leider mitteilen das mir Ihr Sohn in der Badewanne abhanden kam“?????

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Sonderbar wie vertraut und dennoch total fremd ihm die Insel heute erschien! Langsam dümpelte der Schwimmreifen am Ufer herum und zum ersten Mal seit Isar verschollen war, hatte Jamie die Augen geschlossen. Als würden sich die Tränen der Verzweiflung dadurch zurückdrängen lassen! Unwillig hatte er mit den Handrücken über die Augen gewischt und tief eingeatmet. Ein kurzes Schniefen und er bewegte sich forsch auf das Haus zu. Es schien zu wachsen während er sich näherte………mehr als die geringere Distanz es erklärte! Das Mühlrad bewegte sich knarrend und ein leiser Wind war eine Wohltat nach der stickigen Enge des sommerlichen New Yorks!

„Halloooo? Irgend jemand zu hause?“

Stille. Er ging noch ein wenig näher. Irgendwo MUSSTE jemand sein, Aranza würde das Hostel doch nicht unbewacht lassen! „Halloooooooooooooooo? Ist da jemand? Hier ist Besuch!“

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Irgend etwas hatte im Haus gepoltert. Kaum zu glauben, dass dieser Bau nur eine Replik eines ehemals wirklich hier erbauten Hauses aus der Zeit der Pilgrim Väter war! Wenn er genau hinschaute, konnte er sogar einige Spinnweben erkennen die im Gebälk des Balkons filigran in der sanften Brise zitterten. Das Klacken des Türschlosses liess ihn die Augen höher heben und da stand sie.

Er kannte sie nicht. Sie war klein, etwas drall und…………nackt. Ja sicher. Aranza’s Nudisten Insel!

„Sir, was kann ich für Sie tun? Mein Name ist Lena Henderson, ich vertrete die Hostel Leitung.“

Jamie hatte sich schnell wieder gefasst, ihr erklärt wer er war und sie nickte lächelnd und wissend als sie seinen Namen hörte. „Ja, Aranza hat viel von Dir erzählt………komm hoch zum Haupteingang, ich öffne Dir!“.

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Während er die Treppen hochstieg durchzuckte ihn ein Gedanke……..Isar würde dieses Haus lieben! Es hatte Charakter. Und es war alt. Dann stand sie vor ihm und strahlte ihn mit diesem förmlichen Schicki-Micki Lächeln an – schnell glitten seine Augen an Lena auf und ab und er hatte sich sein Urteil fix gebildet. Viel zu viel Makeup, zu moderner und kühler Schmuck, eigentlich fehlte nur noch das sie trotz der FKK-Haut Pumps getragen hätte. Nachdem sie sich noch einmal mit Handschlag begrüsst hatten, war er eingetreten, hatte dankend den Tee angenommen den sie ihm servierte und leise in sich hinein geflucht das sie von der Ausstrahlung her so gar nicht sein Typ war.

Ihr Leib gefiel ihm durchaus, die Weise wie ihre drallen, weichen Titten vor seinen Augen herumwippten als sie das Tablett mit dem Tee servierte machte ihm klar das er möglicherweise die Besorgnis und Verwirrung für eine halbe Stunde hätte loswerden können, wenn er mit ihr geflirtet und sie am Ende vielleicht ganz unverbindlich ins nächste Bett gezogen hätte. Den Kopf in diesen Brüsten vergraben! Fühlen wie das weiche, warme Fleisch beim Kneten die Zwischenräume zwischen seinen Finger füllte! Die harten Nippel in der Mitte seiner Handflächen reiben spüren……..und schließlich immer mehr den Kopf verlieren während sein hartes Fleisch ihre heissen Falten teilen würde……….Sexual Healing! Funktionierte. Fast immer. Ein kleines Kopfschütteln auf das sich Lena wohl kaum einen Reim machen konnte……ein leises Räuspern. „Hast Du Kunde wie es Aranza und dem Kind geht?“

Aber die seidige, cremefarbene Haut mit den hübschen Sommersprossen half nix wenn darin eine NYC-Geschäftsfrau steckte………………Jamie hatte am Tee genippt und als der Smalltalk ausklang, hatte sie ihm eine Führung durch das Haus angeboten, die er natürlich mit größter Neugierde und Begeisterung angenommen hatte.  „Ja, Pat ist auf dem Wege der Besserung. Aranza ahnte schon das die Neugierde Dich her treiben würde. Sie sagte ich möge Dir alles zeigen! Kannst du bald übernehmen? Ich müsste langsam zu meinen Immobilien zurück!“

Das war es also. Aranza’s Freundin war Maklerin………das passte!

Dummerweise war darüber die Zeit so schnell verflogen das er die letzte Fähre verpasste……..er bemerkte erst wie spät es war als sie horn-tutend an der Insel vorbei rauschte, da niemand auf der Landzunge stand und signalisierte er wolle zusteigen.

Kochen konnte Lena! Nachdem er zum Abendessen Lachsfilet im Blätterteig mit einer rahmigen Spinatsauce bekommen hatte, gekrönt von eine unglaublich süffigen, südafrikanischen Weißwein, hatte sich Lena in Aranza’s Büro zurückgezogen, in dem sie wohnte. Jamie machte einen Rundgang über die Insel, lenkte sich ab indem er die Pferde begrüsste und dann kam ihm der GEdanke die Einhörner könnten eventuell weiterhelfen. Doch es war vermaldedeit…..keins war zu finden. Ebensowenig wie er Red erreichen konnte, was er schon seit Tagen versuchte, konnte er nun die Einhörner befragen. Dabei war er so mit seinem Latein am Ende!

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Resigniert hatte er sich in den neuen Schlafsaal zurück gezogen, ein Bett gekapert und dann festgestellt das er nicht einschlafen konnte …. die halbe Nacht hatte er damit zugebracht in völlig uninteressanten Magazinen zu lesen. Er musste die allererste Fähre erwischen! Die Lösung konnte nur in New York liegen, das war ihm nun klar. Hier war jedenfalls nichts, das ihn weiterbrachte!

Beim ersten Tageslicht hatte er sich angezogen, sich hastig verabschiedet und als die Fähre in New York angelegt hatte, fühlte er sich als würde ihm ein Vorschlaghammer auf den Kopf geschwungen………der fehlende Fahrtwind (natürlich hatte er die ganze Zeit an Deck verbracht!), die zwischen den Häuserschluchten und von den warmen Steinen vielfach reflektierte, stehende Hitze………welcome home, Jamie!

Isar hatte ihm beim Tanzen zuschauen wollen…………..diesmal würde er am Broadway suchen!

Wieder hatte die rastlose Wanderei in den belebten Straßen begonnen. Wieder hatte sie geendet wie jedes Mal zuvor, nämlich ergebnislos, als er aufgab weil ihm die Schuhsohlen brannten. Mit einem tropischen Fruchtsaft to go schwang sich Jamie in die Subway…….er war so k.o., dass die alu-silbrige Außenwand des Wagens ihm beim Einsteigen vor den Augen verschwamm. Dann endlich……zuhause!

Die kalte Luft der voll aufgedrehten Klimaanlage in der Eingangshalle bescherte ihm eine fast schmerzhafte Gänsehaut während er auf den Lift wartete………fast schien es als ob seine Seele sich ebenfalls schaudernd zusammenzöge. „bling!!!“ Das leise pneumatische Geräusch der Fahrstuhltüren hatte ihm kompromisslos klar gemacht, dass er auch heute wieder gescheitert war!

„Dingdideldu“…..eher teilnahmslos und automatisch war seine Hand in die Tasche geglitten um das Handy hervorzuziehen. Dann ein leichtes Versteifen….was wenn ihm Isar endlich……………? Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, auch wenn es mehr als unwahrscheinlich war, das der Satyr der eben mal die youtube app und teilweise pokémon go verinnerlicht hatte, eine whatsapp auf den Weg bringen würde. Für jemanden der mit dieser Technik nicht aufgewachsen war, war es eh schon recht erstaunlich das er pokémons jagen konnte! Jamies Finger hatten leicht gezittert als er über das Display wischte um die Nachricht anzuschauen.

Eine dunkelrote Rose als Icon? War ihm nicht vertraut. Auch der Absender nicht……..leicht stirnrunzelnd hatte er den Lift auf seiner Etage verlassen, doch bevor er seinen elektronischen Schlüssel in den Schlitz an der Tür schob musste er sie lesen…….die Neugierde war nicht bremsbar.

„Ich bitte Sie darum, sich heute Abend um zehn Uhr im Lethe Club einzufinden. Man wird Sie einlassen, wenn Sie erwähnen, nach Mayfair eingeladen zu sein. Ich werde Sie nicht mit Dresscodes belästigen, tragen Sie, was Sie wollen – aber seien Sie attraktiv. Und natürlich möchte ich Sie meiner wirklich extrem guten Absichten versichern. Ich schulde unserem gemeinsamen Freund O. noch einen Gefallen, so dass ich Mr. Smith versprochen habe, mich um Ihre Angelegenheit zu kümmern. Z.“

Für einen Moment hatte er auf das Display gestarrt und leicht den Kopf geschüttelt. Hä?

Tür auf, Tür zu, Hemd runter! Sneakers von den Füßen schleudern! Durchatmen. Kühlschrank. Tonic Water!…………

 

Als er getrunken und die Klimaanlage korrigiert hatte, liess er sich mit dem Handy auf seinem Sofa nieder………das war nicht irre geleitet, das war schon für ihn!  „unser gemeinsamer Freund O……“ im gleichen Zug mit „Mr. Smith“! Nein, das war eine Nachricht von der anderen Seite oder von jemandem der mit der anderen Seite in Kontakt stand. „Ihre Angelegenheit“????? Wusste denn irgendjemand ausser ihm, dass Isar verschwunden war? Oder ging es hier darum das er „erwacht“ war und die andere Welt begann, ihn als Magus wahrzunehmen?

Verdammt, der Text war so unverbindlich verfasst………….es wurde ja nicht einmal klar ob „Z.“ eine Frau oder ein Mann war! Der Lethe Club? Irgendwas bimmelte in seinem Hinterkopf. Lag der nicht in irgend einer Querstraße, die vom Broadway abzweigte?

Einhundertzwölfte West? Einhundertdreizehnte West? Schnaufend hatte er das Handy weggelegt, es zu hypnotisieren würde nichts bringen. „Seien sie attraktiv!“ Meine Güte! kein Dresscode aber attraktiv………….das war ja wohl Geschmackssache. Na gut, Jogginghose fiel aus. Jeanshemd wohl auch. Mal schauen ob der Sommeranzug schon aus der Reinigung war, wenn nicht würde er schon etwas finden was dem legendären Club angemessen war. …………in den kaum ein normal Sterblicher Zugang fand, jedenfalls hiess es so………….wie sollte er bloss die Zeit bis dahin umkriegen?

Die leise Stimme in seinem Hinterkopf die ihm soufflierte, er möge auch erwägen gar nicht hinzugehen weil es eine Falle sein könnte, ignorierte er heldenhaft.

 

 

 

 

Kap10: Rätselhaftes Verschwinden

Er war nervös. So nervös das er fast in die Falle getappt wäre und wieder mit Rauchen angefangen hätte. Er hasste es für Dinge keine Erklärung zu finden. Und Isar war nun bei Gott nicht der Typ, der gehen würde ohne sich zu verabschieden…….

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Jamie biss den Apfel an, ließ ihn dann angebissen wieder zurück auf den Teller rollen und wippte auf dem Barhocker hin und her.

Es war schwer einen klaren Gedanken zu fassen!

An dem Tag als er das erste mal die Vertretung für den erkrankten Tänzer hatte leisten müssen, wollte Isar so gerne mitkommen, und Jamie hatte sich breitschlagen lassen. Isar war „Luft schnappen“ gegangen – Jamie hatte keine Einwände erhoben. Der Satyr war zwar nicht immer wirklich sicher was die Umgangsformen im New York des 21. Jahrhunderts betraf – aber auch nicht so unsicher das Jamie ihn hätte einsperren wollen!

Er war nicht zurückgekehrt.

Nun, drei Tage später, neigte sich die Woche der Vertretung bereits ihrem Ende zu. Und mit jedem Tag der verging, wuchs Jamie’s Besorgnis. Er hatte erwogen Red anzurufen, es dann aber wieder verworfen. Vielleicht gab es ja eine ganz harmlose Erklärung für dieses Verschwinden………niemand sollte umsonst Pferde scheu machen!

Die einzige Chance auf einen klaren Kopf waren die unzähligen Workouts, mit denen Jamie sein Adrenalin das ihm die Sorge um seinen………(ja was denn eigentlich? Gespielen? Besucher? Geliebten?)………..Freund bescherte wieder los werden konnte. Aber er konnte nicht den ganzen Tag trainieren! Nachts hatte er die sonderlichsten Träume, ein paarmal war er schweissgebadet aufgewacht.

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Handeln! Die Krankenhäuser anrufen und sich erkundigen!

Es hatte nichts gebracht – nirgends war jemand eingeliefert worden der auch nur halbwegs auf Isar’s Beschreibung passte. Jamie hatte es mit Meditation versucht, aber er war blockiert, fand nicht hinein und hatte seit nunmehr einem Tag permanent einen Kloß im Hals. Schliesslich war er fast an jedem Nachmittag ruhelos durch die Straßen gestreunt, in jede dunkle Ecke schielend. Aber das Wesen das sein Herz bewohnte war nirgends auszumachen.

Es war eine Erleichterung abends zum Job zu gehen. Dort musste er sich konzentrieren die ungewohnte und nicht sehr gefestigte Choreographie nicht zu versauen. Die Kollegen waren freundlich, der Intendant auf eine angenehme Weise jovial.

Die Gedanken drehten sich im Kreis. Morgen würde er früh aufstehen und einen Trip auf die Insel machen………neben dem angenehmen Effekt, dass ihm das Kenntnis über den Stand der Bauarbeiten bringen würde, könnte ja möglicherweise dort eine heisse Spur zu finden sein!

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OOC: Ich wollte schreiben. Da Isar seit zwei Tagen nicht on war und wir die Tage davor nicht zum Spielen kamen, habe ich das nun so gelenkt. Irgendwo musste meine Schreiblust hin, und da es kein RP gab kann ich natürlich nicht darüber dichten 😉

(Hey Isar, ich hoffe es ist nur das ganz normale RL das Dich abhält! Toi Toi Toi!)

Kap9: Organisation ist alles….

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Endlich hatte man die ganzen Schläuche entfernt und die Überwachungsgeräte ausgeschaltet.

Wie sie diese Krankenhausatmosphäre hasste! Pat schien im Schlaf Schmerzen zu haben, jedenfalls verzog er/sie/es das Gesicht und hin und wieder löste sich ein Ton des Unbehagens von den verkniffenen Lippen in dem kleinen Gesicht. Das Zimmer war zu warm und zu stickig, Pat hatte schon vor einer Weile die Decke nicht mehr haben wollen. Besorgt hatte Aranza kurz die Hand auf Pat’s Bein gelegt um zu fühlen ob der Körper im Schlaf nicht doch zu sehr auskühlte.

Vielleicht würde es ja helfen, wenn sie…….(oh nein, Jamie hatte ja erfolgreich eruiert das es sich mehr als Junge fühlte…gut, dass sie ihn damals darauf angesetzt hatte. Ihr bester Freund hatte es tatsächlich geschafft Pat’s Vertrauen zu erringen und eine Art Aufklärungsgespräch mit ihr/ihm zu führen)…wenn also er! beim Erwachen erfahren würde, dass die Bettruhe aufgehoben war.

Aranza hatte die Worte wie eine Heilsbotschaft probehalber in den stillen Raum hinein gemurmelt „Pat, hey……..good news: Ab sofort darfst Du aufstehen. Wollen wir uns eine Cola ziehen gehen?“ Im gleichen Moment schallte ‚I feel good‘ von James Brown durch den Raum, der Klingelton ihres Smartphones für eingehende Messages. Ein prüfender Blick zu Pat – nein er war nicht aufgewacht. Aufatmen.

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Eine E-Mail. Aranza hatte sich mit dem Handy auf das kleine Sofa in der Ecke des Raums zurückgezogen, der für ein Einzelzimmer viel zu groß schien. Aber die Klinik hatte sich geweigert, Pat Bettnachbarn zuzuteilen. Schließlich wisse man ja nicht ob man Mädchen oder Jungs ins gleiche Zimmer legen solle. Das Kind schien aber gar nicht böse darüber zu sein keine Gesellschaft zu haben. (Und Aranza sollte es recht sein, ein Einzelzimmer auf eigenen Wunsch hätte ihre Krankenversicherung nie und nimmer übernommen.) In der Schule war Pat, seit ihm die kleinen Brüste vor einem Jahr zu sprießen begonnen hatten, oft genug in Erklärungsnot.

Aranza seufzte unterdrückt……..als sie das Baby damals auf den Planken ihres Hausboots gefunden hatte, schien es einfach ein gesunder Junge zu sein. Das sich in der Pubertät mal ein kleiner Hermaphrodit daraus entwickeln würde, konnte zu der Zeit niemand ahnen. Gottlob war das Kind aber dadurch einer dieser Zwangsoperationen zum Angleichen der Geschlechtsorgane entkommen. Jetzt war er Dreizehn und ein eher ruhiges, nachdenkliches Etwas. Und irgendwann, wenn er/sie/es alt genug war, würde es sich finden und selbst bestimmen können wie es leben wollte.

Das Handy lag immernoch in ihrer Hand und aus dem Augenwinkel nahm sie das Erlöschen des Displays wahr…….Energie sparen……sie aktivierte es wieder, schob die Erinnerungen zur Seite und überflog nun die Mail.

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„Guten Tag Mrs. Leydon“, stand da zu lesen, „Mein Name ist Sven Guldberg und ich wende mich auf Grund der Empfehlung von Dr. Preissinger aus Annapolis an Sie, die in den letzten Jahren schon zwei Mal Gast auf Ihrer Insel war und sich voller Enthusiasmus über Ihr Resort geäußert hat. Ich habe in den nächsten Wochen einige Vortragstermine an der Ostküste und würde eine mehrtägige Pause auf Ihrer Insel zur Erholung sehr zu schätzen wissen. Ich würde gern vier Nächte ab dem nächsten Dienstag buchen, sollten Sie noch Kapazitäten haben.

Ich freue mich auf die Ruhe und Abgeschiedenheit,

S. Guldberg“

Nächsten Dienstag? hmpf…….Ein Anruf bei der Conservations Constructions Ltd. tat wohl Not. Ob die bis dahin fertig sein würden? Und wer war diese Dr. Preissinger? Mist. Das würde warten müssen bis sie wieder im Hotel bei ihrem Notebook war. Jedenfalls erinnerte sie der Name an keinen der Stammgäste.

Nächsten Dienstag! Da würde sie bereits mit Pat in Philly sein! Ob ihre Freundin sie dann noch weiter vertreten würde? Sie beaufsichtigte die Bauarbeiten nur zu gerne, aber alles was mit zahlenden Gästen zu tun hatte war ihr immer schon suspekt. Ob Jamie sich dann noch einmal beurlauben lassen können würde?

Die gerunzelte Stirn und die tiefen senkrechten Falten über der Nase würden noch chronisch werden, wenn das so weiter ging!

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Etwa zur gleichen Zeit hatte Jamie angefangen an der Balletstange zu trainieren während sich Isar unter die Dusche verfügt hatte.

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Der Satyr hatte den Wunsch geäußert, Jamie einmal zur Arbeit zu begleiten…….zeitgleich hatte seine Intendantin Christine ihm mitgeteilt, dass sie ihn gerne an ein befreundetes Haus ausborgen würde. Sie sei dem Leiter des „Atlantis Grand Theater“ noch einen Gefallen schuldig, und einer seiner Tänzer habe sich eine Außenbandruptur am rechten Fußgelenk zugezogen. Es würde nicht einfach sein, die fremde Choreographie binnen einiger weniger Übungsstunden zu lernen!

Jamie hielt die Augen starr auf das Video gerichtet das Christine ihm ausgehändigt hatte und probte weiter. Das konnte ja heiter werden.

Er würde dringend einen Weg finden müssen, Isar in sein ‚ganz normales Leben‘ zu integrieren, denn selbst wenn er sich unbezahlten Urlaub nähme so lange Aranza mit dem Kind in Philadelphia Pa. weilte – irgendwann würde fertig mit Lustig sein!

Heute Abend hatte er noch frei. Ab Morgen dann die Vertretung im AGT………für  gottlob nur eine Woche, denn das Musical das man dort aufführte, lief Ende kommender Woche aus. Jamie war müde. Es war anstrengend sich mit den ganzen Terminen herum zu schlagen und zudem noch einen Satyr zu bespaßen! Ob er Sushi mochte? Mal sehen!

 

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OOC: Wer gern die „Gegenseite“ mitliest möge das hier tun denn ein „Rp Roman“ darf ja auch gern mal die Blickwinkel wechseln.

Kap8: Unverhofft kommt oft.

 

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Während sich Red auf seiner Vision befunden hatte, war es nicht verwunderlich das er Isar und Jamie nicht zu Gesicht bekam, denn sie hatten sich klammheimlich nach Coney Island verdrückt, um dort den Luna Park zu besuchen.

Nachdem Jamie begonnen hatte, endlose Vorträge über Benehmen und Umgangsformen in seinem Kopf zu formulieren, war ihm klar geworden das es SO nicht funktionieren würde. Normalerweise entsteht Kenntnis der Sitten und Umgangsformen über Jahre hinweg während ein Individuum sozialisiert wird. Nicht umsonst hat man ja schließlich selbst in der eigenen Welt einen Kulturschock, wenn man in einen anderen Kulturkreis reist. Nein, Isar musste es einfach unterwegs lernen, und da Jamie das Gefühl hatte als ob ihnen beiden demnächst die Decke auf den Kopf fallen könnte, hatte er Isar auf dem Handy Bilder vom Luna Park gezeigt. Isar schien interessiert.

Er sah Red auf dem Felsen beim Wasserfall und ahnte was dort vor sich ging, schliesslich hatte er ja seinen schamanischen Lehrer oft genug auf Visionssuche erlebt.

Die Zeit auf Coney Island verging wie im Flug! Nach einem Hotdog mit süssem Senf für Isar  – (unglaublich, wie er ständig versuchte sämtliche existierenden Geschmacksrichtungen im gleichen Gericht unterzubringen! Vermutlich war der Standbesitzer Bayer, denn süßer Senf war nicht unbedingt Standart an Hotdog Buden.) – hatten sie gemeinsam mehrere wilde Fahrgeschäfte besucht.

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Isar hatte ihn mit seinen magischen Heilkräften von der Übelkeit befreit, die ihn befallen hatte nachdem er aus dem Wagen der Achterbahn gekrabbelt war. Jamie wünschte sich wirklich er könne das erlernen! Gerade in puncto Gesundheit gab es so viel Leid auf der Welt!

Sie kehrten heim nachdem die Wilde Maus sie heftig durchgerüttelt hatte, und Jamie’s Budget an seine Grenzen stieß. Bei ihrer Ankunft schien Red auf dem Felsen zu schlafen und Jamie war erleichtert, dass ihre Abwesenheit offenbar wirklich nicht bemerkt worden war. „Und jetzt? Baden, ficken, pennen?“, hatte er Isar angegrinst. Der Satyr hielt das für einen guten Plan. Anderthalb Stunden später hatten beide leise vor sich hin geschnarcht, denn wer lange in der Abgeschiedenheit weilt, für den ist das Getümmel in einem Vergnügungspark ebenso anstrengend wie die lange Fahrt von den Hamptons bis nach Coney Island mit öffentlichen Verkerhsmitteln! Jamie war glücklich, dass Isar sich in der Tat recht unauffällig in der Öffentlichkeit verhalten hatte.

Am anderen Morgen war er weit vor seinem Besucher erwacht und hatte sich zum Stall begeben um die Pferde zu versorgen und auszumisten. Es sah aus als würde es ein friedlicher Tag werden. Wie wir wissen – unverhofft kommt oft. Im gleichen Moment als sein Handy klingelte, nahm Jamie das Boot einer bekannten Hochbaufirma wahr, das sich offenbar anschickte, in die inseleigene kleine Bucht zu navigieren.. Die Augen zusammenkneifend, hatte er abgehoben „Ja bitte?“

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Vor dem Krankenhaus, in dem Pat sich auf dem Wege der Besserung befand, war der Blick von Aranza auf die Datumsanzeige über dem Empfangstresen gefallen. Ein erschrockenes „Oh neeeeeeeeeee! Scheisse verdammt!“ hatte ihr einige rügende Blicke eingebracht. Doch Aranza war so schnell wieder hinaus vor die Türe geeilt, das sie diese gar nicht mehr warhgenommen hatte. Heute war der 15. ! Sie musste Jamie anrufen und zwar am besten schon gestern!

„Hi Jamie, Aranza hier!“

„Oh, hi schöne Wirtin der idyllischsten FKK Location in den Hamptons! Was verschafft mir die Ehre? Hier ist alles im Lot.“

„Hmmpf gut zu hören. Aber nicht mehr lange Jamie!“, hatte sie hektisch ins Handy gerufen.

Jamie hatte seinerseits die Augen nicht von dem Schiff der „Conservation Constructions Ltd.“ genommen und war sich nun sicher dass die Baufirma hier anlegen wollte. „Was heisst nicht mehr lange…….was ist denn los, Aranza? Gibt es eine Unwetterwarnung die ich übersehen hätte?“

„Nichts dergleichen!“ Aranza hatte unwillkürlich lachen müssen. „Aber heute ist der Fünfzehnte, und das bedeutet, dass ein Schiff der Conservation Constructions Ltd. bei uns anlegen wird! Weisst Du, vor einiger…………“

Jamie hatte sie rüde unterbrochen: „……….jaaa das sehe ich, sie ankern gerade. Meine Güte, dass das Riesending überhaupt hier in die Bucht passt ohne auf Grund zu laufen….! Was haben die denn vor?“

„Würdest Du schon wissen wenn Du mir nicht das Wort abgeschnitten hättest, mein vorlauter Lieblingsvertreter! Also – vor einiger Zeit fand ich in einem Archiv Bilder der Insel wie sie in den Fünfzigern aussah. Also noch bevor der Erbonkel sie kaufte, der sie mir vermacht hat! Und ich sah das am Ufer der Bucht eine Wassermühle aus Gründerzeiten gestanden hatte. Ein unglaublich schönes und pittoreskes Gebäude! Ich verliebte mich auf Anhieb da hinein. Na was soll ich sagen, ich muß Dir nicht erzählen was meine Insel wert ist, die Hamptons gehören schließlich zu den begehrtesten Orten der High Society!“

„Komm auf den Punkt, Aranza, die laden schweres Gerät ab! Soll ich das unterbinden?“

„Nein nein, lass sie machen!……… Also ehm heute beginnen die Bauarbeiten.“

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„Hä???“….. – ……..“Naja zuerst haben sie den Auftrag, das Gewächshaus abzureissen. Am besten gehst Du und bunkerst die Pflanzen oben in der Scheune! Ich habe die Insel mit einer kleinen Hypothek belastet weil mir klar wurde das der Nachbau eines solchen historischen Gebäudes hervorragend als Hostel geeignet wäre. Ein großer Schlafsaal, Gemeinschaftsraum……Küche mit Essbereich für die Gäs………“

„ARANZA! Oh mein Gott……..“. Mit einem Schlag wird Jamie klar wieso ausgerechnet eine Firma die auf Denkmalgeschützte Bauten spezialisiert ist, hier anlandete.

„Hehe, ja. Sie werden dann mein Hausboot in meinem Auftrag in eine Werft bringen, das hat eh mal eine Überholung nötig. Und dann könntest Du vielleicht………“

„NEIN Aranza, das kann ich nicht. Gar nichts kann ich. Ich vertrete Dich gerne im Urlaub und in Notfällen. Aber momentan kann ich Dir nicht anbieten auch noch stellvertretender Bauherr und Umzugshelfer zu sein. Es geht nicht. Ich kann Dir am Telefon nicht erklären wieso es nicht geht aber bitte glaub mir……wenn hier Bauarbeiten stattfinden, muss ich abreisen. Und Red vermutlich auch!“ Jamie hatte tief Luft geholt und das Handy angestarrt als hielte er ein UFO in der Hand. Was für ein Mist! Wohin sollte er nun mit Isar?

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Schweigen am anderen Ende.

„Aranza bist du noch da?“ ……“Aye!“

„Ist denn abzusehen wann du heim kommst? Ich hoffe doch Pat geht es besser!“

„Ja tut es. In drei bis vier Tagen wollte ich mit ihr aber auf eine Reha gehen, die sie braucht. Und die beste Klinik dafür liegt dummerweise in Philadelphia. Wir reisen also einen Staat weiter…………anstatt näher. Ich habe auf Dich gebaut“.

Jamie hatte eine ganze Weile ins Handy geschimpft, denn selbst ohne Isar hätte ihn das in größte Verlegenheit gebracht, so lange bekam kein Mensch Urlaub und Aranza wusste genau, dass er einen Job hatte! „Kannst Du nicht eine Freundin fragen ob sie Dir den Bauaufseher macht?“

„Hm ja…doch. Ich organisiere das! Aber bitte reise nicht vor Morgen ab, da Red offenbar auch auf Unicorn Isle weilt, kann er Dir ja ein wenig helfen!“

„Grr……. na gut. Aber morgen bin ich dann erst mal wieder daheim in NY!“

Jamie hatte eine ganze Weile auf dem Strohballen gehockt und gegrübelt nachdem Aranza aufgelegt hatte. Was für ein Durcheinander! Unten am Haus warfen die Arbeiter sich gegenseitig Scherze zu, ihr Lachen klang über die ganze Insel während sie zwei kleine Bagger und Gerät das er nicht kannte von Bord schafften. Schließlich hatte er einen Plan, es galt nun lediglich noch diesen Red und Isar mitzuteilen.

Gegen Nachmittag, als die Pflanzen in Sicherheit waren und die Arbeiter begannen das Gewächshaus abzureissen, hatte er sich von Red verabschiedet, der ihm erklärt hatte er habe eh nach Hawaii zurück gemusst um ein Seminar abzuhalten. Dann hatte er sich mit dem Satyr auf die Heimreise an den Ort gemacht, an dem vor so kurzer Zeit alles begonnen hatte: Sein Loft.

Vermutlich würden sie zurückkehren wenn die Bauarbeiten abgeschlossen waren, aber das konnte er nicht so genau sagen, denn wie lange es dauern würde die Replik dieser Wassermühle hinzustellen, das konnte Jamie nicht abschätzen.

Es sollte schneller gehen als er vermutet hatte, denn die Replik war von der Firma bereits in Fertighausbauweise vorgefertigt worden, in weniger als zwei Wochen würde sie bezugsfertig eingerichtet sein, Aranza hatte wirklich gut geplant und nichts dem Zufall überlassen.

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OOC: Kling ein wenig verquast? 🙂

Ich weiss. Erklärung ist, ich habe nunmal den spontanen Einfall gehabt das Hausboot zu entsorgen, welches mir optisch nicht so wirklich zum Rest der Insel zu passen schien, und besagte Mühle aufzustellen. Im RP gibt es einen cut, die zwei Wochen vergehen fade to black, und ruckzuck wird weitergespielt werden ;). Also, sofern Isar sich benimmt und in den zwei Wochen keinen Ärger macht.

 

Kap7: Vision impossible

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Er würde nicht ewig hier bleiben können. Die Miete der Räumlichkeiten auf Hawaii, wo er seine schamanischen Seminare abhielt, wollte bezahlt sein! Red hasste Verpflichtungen, aber auch das Leben eines Schamanen war voll davon. Und er taugte definitiv nicht zum Einsiedler, der Versuch bei einem indigenen Volk am Amazonas zu leben war kläglich gescheitert. Dennoch hatte er von dort einen Vorrat an Kräutern, Hölzern und Pilzen mitgebracht, der ihm beim Erreichen diverser Trance Zustände sehr dienlich war.

Am späten Nachmittag hatte sich Red auf einen der kleinen Felsvorsprünge am Wasserfall zurück gezogen. Während die Schatten länger wurden, versuchte er eine Lösung für diesen inneren Zwiespalt zu finden.

Einerseits hatte er Oberon mehr oder weniger versprochen, die Beiden unter seine schützenden Fittiche zu nehmen. Andererseits hatte er nicht damit gerechnet, dass es über eine Woche dauern würde – sicher, er konnte seine nächsten Seminare absagen. Die Teilnehmerliste ruhte in seinem I-Pad und somit waren sie erreichbar, doch er konnte es sich finanziell schlicht nicht erlauben. Abreisen schien unmöglich ohne das Versprechen zu brechen, Bleiben war ebenso undenkbar. Das Rauschen des Wasserfalls half ihm schneller den Alpha Zustand zu erreichen, den sein Hirn für eine gute Meditation benötigte.

Die Schatten wurden länger. Eine Lösung war trotz tiefer Meditation und Rücksprache mit einigen seiner geistigen Helfern nicht in Sicht. Schließlich hatte er unwillig den Kopf geschüttelt. Es half nichts! Eine Vision musste her. Was Jamie und Isar trieben wusste er nicht, er hatte seit zwei Stunden keinen von Beiden zu Gesicht bekommen. Jamie wusste was eine Visionssuche war, selbst wenn sie jetzt auftauchen würden, konnte sich Red darauf verlassen, das Jamie die Situation erkennen und ihn in Ruhe lassen würde.

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Entschlossen hatte sich der Schamane erhoben, verblüffend schnell und wendig für einen Mann von fast siebzig Jahren. Einige zielstrebige Schritte und er stand vor seinem Zelt, wo er aus seiner Tasche diverse magische Hilfsmittel nahm und eine Prise der trancefördernden Pflanzen. Nachdem er sie in Zigarettenpapier mit ein wenig Tabak gemischt aufgerollt hatte, eilte er zurück zum Wasserfall, um sich erneut auf einem Felsen niederzulassen, diesmal etwas höher als zuvor. Die letzten Sonnenstrahlen würden seinen Körper warm halten während sein Geist „aushäusig“ war.

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Seine Augen brauchten einen Bezugspunkt. Bereits während er rauchte, hatte Red eine der Birken auf der Landzunge fixiert. Wie friedlich diese Insel doch war sofern das Wetter mitspielte! Dem Atlantik zugewandt störte nichts den Blick, die anderen Landmassen der Hamptons waren nah, aber durch die Felsen im Norden und Osten gut abgeschirmt. Red hatte im Laufe der vierzig Jahre in denen er schamanisch tätig war, viele Visionen gesucht und gefunden. Auch bei solchen Dingen pflegte sich eine gewisse Routine zu entwickeln, und so hatte er den Geistern seine Anliegen mitgeteilt: „Zeigt mir ob die Zwei hier alleine klar kommen, damit ich entscheiden kann ob ich Arcanshe herzitiere wenn ich weg muss!“

Während die Kräuter ihre Wirkung taten, hatte Red die Augen geschlossen und sein Ego völlig in den Hintergrund befohlen. Tat man das nicht, konnte es geschehen das das eigene Unterbewusstsein die Stimmen der Geister übertönte, die Bilder der Vision überschrieb. Und dann bestand sie am Ende in einer „Der Wunsch ist der Vater des Gedanken“ – Szene. Mehr als ineffektiv, er hatte genügend Lehrgeld bezahlt in den ersten Jahren! Der Wind hatte mit den Lederschnüren an seinem Kopftuch gespielt, aber Red war seiner Physis bereits so fern, dass er das Kitzeln nicht mehr wahrnahm.

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Als sein Geist sich vollends vom Körper gelöst hatte, sackte sein Kinn Richtung Brust, und während die Schatten sich schließlich auch den höchsten Punkt des Wasserfalls eroberten, durchquerte er dieses diffuse Nichts, das all seinen Visionssuchen vorausging. Meist landete er dann im Kreise durchaus hilfsbereiter Geister, deren Aufgabe unter anderem darin bestand, Menschen wie ihm mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Wie gewohnt war er davon ausgegangen sobald sich der Nebel des Nichts auflösen würde,  die Lichtung zu sehen die in achtzig Prozent seiner Geistreisen sein Landeplatz war…………..als aber sein Avatar festen Boden unter den Füßen spürte, verschlug es Red erst einmal den Atem.

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Was sich aus dem Reisenebel herausschälte, war eine düstere Kraterlandschaft. Staub. Dieser Staub! Gottlob legte er sich etwas nachdem Red sein geistiges Ebenbild, den Avatar, einmal um die eigene Achse gedreht hatte. Er sah nichts außer ödem Gestein, fast hätte man denken können diese Vision fände mitten auf dem Rücken von Luna statt! Schliesslich war seine Sicht klar und scharf wie gewohnt. Als er sich nach seinen Geisthelfern umsah wurde ihm klar das er nicht nur völlig alleine war, sondern das er offenbar mitten in einem Krater stand, über dessen Rand er gerade so spähen konnte. Die Dunkelheit besaß keinerlei Schwärze. Im Gegenteil, er würde es in Ermanglung eines besseren Terminus als eine lunare Nacht bezeichnet haben.

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Die Hände auf die Schenkel gestützt hatte er den Blick seines Avatars in den Himmel gelenkt. Sterne. Offenbar war er zumindest nicht weit von den irdischen Gefielden entfernt. Doch die Sternbilder die er sah schienen nicht vertraut……vergeblich suchte er nach der Venus, dem großen Wagen……………Falten auf seiner alten Stirn! Also doch eine völlig fremde Galaxie? Es konnte nicht Luna sein, denn dann hätte er Vertrautes am Firmament gefunden. Er würde es nicht herausfinden wenn er sich nicht aus diesem Kraterloch bewegte!

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Als er den Aufstieg etwa zu zwei Dritteln bewältigt hatte, entdeckte er Sirius. Ja, da war es, das Sternbild des ‚großen Hundes‘. Doch wo war die Milchstraße? Eigentlich sollte sie sich durch einen Teil des Canis Majoris hindurchziehen! Red befahl die Vewirrung, die versuchte sich seiner zu bemächtigen, hinfort. Es war eine Vision. Man musste mit dem Ungewöhnlichen rechnen! Außerdem war er kein Astronom, auch wenn die Sternbilder des irdischen Nachthimmels ihm sehr vertraut waren, was wusste er schon wie sie von anderen Planeten aussehen würden?

Er stapfte los. Da sich der Himmel zunehmend zu bewölken schien, gab es offenbar eine Athmosphäre………aber die Sterne verbargen sich seinem neugierigen Blick zunehmend. Also erst mal ganz heraus aus diesem Loch und sich einen Überblick verschaffen. Schließlich mussten ja auch irgendwo seine Geister warten!

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Auf das Bild das sich ihm bot sobald er den Krater verlassen hatte, war Red nicht vorbereitet, nicht einmal in der durchaus erwartungslosen Geisteshaltung einer Vision!

Endlos. Bis zum Horizont und vermutlich darüber hinaus nur diese staubige, nächtliche Ebene…..sein Blick wurde von einer Art hellem Flackern, einem leuchtenden Fließen gefangen. Was war das? Er kniff die geistigen Augen zusammen, aber außer einigen dunklen Formen die sich in der kontrastarmen Düsternis kaum gegen die Ebene abzeichneten, konnte er nichts erkennen. In der Mitte dieser Konturen waberten undeutlich Lichter. Vermutlich der Versammlungsort seiner Geisthelfer. Also los. Mit etwas Glück würde er nicht lange brauchen, auch wenn er nicht abschätzen konnte wie weit dieser Ort entfernt war. Weit und breit gab es keinen Orientierungspunkt an dem er das hätte ausmachen können. Egal. Es war eine Vision. Entfernungen sind relativ. So begann er einfach los zu marschieren.

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Die Stille war gespenstig. Selbst seine Schritte verursachten lediglich ein leises Knirschen. Die Lichter schienen weiter weg als er vermutet hatte, jedenfalls war er nun schon eine ganze Weile unterwegs gewesen aber hatte sich nur minimal genähert. Er beschloss, sich Kraft seines Geistes dort hin zu versetzen. Meist konnte man in Visionen Entfernungen innerhalb eines Sekundenbruchteils überwinden, aber der Schamane musste feststellen das das hier nicht galt. Jede Vision hatte ihre eigenen Gesetze……….na gut. Also weiter marschieren! Als er den ersten Schritt tat, war er nicht mehr alleine.

Nicht, dass er jemanden gesehen hätte, oder einer seiner Geisthelfer erschienen wäre. Aber die fremde Präsenz war deutlich zu fühlen. In seiner üblichen Routine fragte er stimmlos „Wer bist Du? Was willst Du von mir? Gib Dich zu erkennen oder weiche dorthin zurück, wo Du entsprungen bist!“

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Für einen Sekundenbruchteil war die Visionswelt in sich zusammengebrochen, es war als stünde er nun unmittelbar vor den……..Bäumen? Steinen? Pfeilern? Dem Tempel? Zu kurz. Viel zu kurz. um sich auf seiner geistigen Netzhaut einzubrennen. Das Bild zerbröselte als habe Wind ein Sandgemälde in tausend Körner gewirbelt und Red stand wieder genau da, wo er seine Frage gestellt hatte. Besser gesagt, er hatte sich nicht bewegt. Die Präsenz gab ihm weder eine Antwort, noch verließ sie ihn. Das war neu. Es gab kosmische Gesetze! Und eines davon besagte klar, dass jedwedes Wesen auf diese Frage gehorchen musste!

Drei, vier schnelle Atemzüge……auch wenn der Avatar eines Magus keinen Sauerstoff benötigte, war er doch nichts anderes als eine Art geistiges Hologramm, so wird ein irdischer Geist seine irdischen Gewohnheiten kaum ablegen. Da!

Etwas umfing ihn! Es fühlte sich an als ob die Energie des Wesens ihn einhüllen würde. War das etwas das man als Antwort werten konnte?  Seine Intuition sagte ihm klar, dass das Wesen über Bewusstsein verfügte. Freude. Er konnte Freude spüren. Da er weit davon entfernt war sich über etwas zu freuen, konnte sie nur von der Präsenz stammen. Mit gerunzelter Stirn stellte er seine Frage erneut. Der einzige Effekt war, dass sich die Freude zu verstärken schien. Red machte einige Schritte, gespannt ob das Wesen ihm folgen würde.

In der Tat schien es ihm nicht nur zu folgen sondern wie ein unstoffliches Seidentuch an seiner Aura zu haften. Wortlos hatte er die Frage formuliert „Was ist das für ein Ort? Wie soll ich Dich nennen?“ Währenddessen hatte er sich dem Leuchten bis auf etwa dreihundert Meter genähert, doch trotz der geringen Entfernung konnte er nicht klar erkennen um was es sich handelte. Es war als wäre dieser ……..Baumkreis? Steinkreis? Tempel?……einfach nur ein geistiger Schemen. Und er blieb schemenhaft. Auch die Sterne waren verschwunden.Nicht einmal die nun heller wirkenden Lichter hatten eine bestimmte Form, sie waren in ständiger Bewegung aber so verschwommen als trüge ein fast Blinder seine Brille nicht.

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Red hatte den Kopf geschüttelt als könne er so die Augen schärfen und die schlierigen Schleier die auf ihnen zu liegen schienen abschütteln. Genau in dem Moment als das zu gelingen schien, fühlte er plötzlich die Silberschnur, die seinen Avatar über Raum und Zeit hinweg mit seinem stofflichen Leib verband…….offenbar begann sein Körper ihn zurück zu pfeifen! Kurz war er abgelenkt…….und bevor er einen wirklich guten Blick auf den mysteriösen Ort werfen konnte, fühlte er bereits den Nebel des NICHTS, welcher ihm ankündigte das seine Vision hier und jetzt enden würde. „NEIN!!“

Es klang wütend. Frustriert. Dieses Nein füllte sein ganzes Sein vom Scheitel bis zur Sohle. Geistig wie körperlich. NEIN! Nicht jetzt! Nicht so!

Während Red versuchte, seinen Geist entgegen den Gesetzen seiner Vision an diesen Ort zu klammern, tönte überraschend eine Stimme in seinem Kopf. Sie gehörte dem Wesen, kein Zweifel! Es gab Dinge, die musste man nicht hinterfragen, die waren einfach klar.

„Ich freue mich auf Dich. Aber sei vorsichtig. Sie suchen euch und sind ganz nahe!“

Die Silberschnur hatte heftig gebebt und anstelle des sanften Gleitens durch das Nichts, schien er mit Lichtgeschwindigkeit in seinen Körper zurück zu schnellen! Das Gefühl eines harten Aufpralls………….dieses Mal war das „Hineingleiten in den Leib“ eher eine Art vom eigenen Körper fast gefressen zu werden……..

„Verdammt!“ Es war Nacht geworden auf Unicorn Isle. Schnellatmend, verwirrt und erschöpft, war Red’s Blick als erstes zum Himmel geglitten.

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Luna befand sich da wo sie hingehörte. Und nicht nur sie………

Der alte Schamane hatte den Frust ausgespuckt. „Fuck….fuck…….FUCK“. Eine neue Vision würde es hier und jetzt nicht geben. Er hasste diese Visionen die einen verwirrter zurückließen als man aufgebrochen war!

Der Atlantik rauschte ebenso unbeeindruckt wie der Wasserfall.

 

 

 

 

Kap6: To stay or not to stay.

Schon während er auf die Unicorn Isle zu ruderte, jede Menge Tüten und Taschen gefüllt mit seinen Einkäufen vom Festland auf dem ausgelaugten Holzboden des Bootes stehend, hatte er sehen können das Isar vor Red’s Zelt stand. Und kaum war er auf Rufnähe heran gewesen, hatte Red gebrüllt: „Wir kommen dann ins Haus, Jamie, richte uns ein paar Bagels aye?“

Sicher. Er war nun der Hausherr, ob er wollte oder nicht. Bagels. Zum Glück hatte er tatsächlich welche besorgt da er Red’s Vorliebe dafür kannte. Während er ausstieg, in die Küche stapfte und begann, Bagels mit Räucherlachs, mit Kräuterfrischkäse und mit Schinken zu belegen und den Rest mit Marmelade zu bestreichen, fragte er sich was die Beiden wohl miteinander besprochen hatten. Bevor er sich jedoch in diesen Überlegungen verlieren konnte, war der Königssohn schon hereinspaziert. Dieses Pochen in der Halsgrube, wenn sein Puls hochging weil er Isar erspähte……….. fast ein Reflex, hungrig die Arme auszubreiten…….!

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Die Uhr zeigte viertel nach eins, höchste Zeit fürs Mittagessen! Sein Magen knurrte vernehmlich während Isar mit skeptischem Blick die Teller in Augenschein genommen hatte. Jamie hatte ihm einen Klecks Marmelade der an seiner Fingerspitze klebte auf die Lippen getupft, aber das schien Isar nicht wirklich begeistern zu können.

„Isar, komm mit und probier erst mal was ich auf dem Tablett habe.“ Inzwischen war auch Red am Hausboot angekommen und machte es sich auf einem der Sessel am Kamin gemütlich. Jamie hätte den Eßtisch vorgezogen, aber Red wirkte etwas abgespannt auf ihn. Also balancierte er die Teller auf den viel zu kleinen Couchtisch während er Isar feststellen hörte: „Prinzipiell esst ihr deutlich zu einseitig. Ein Gericht sollte immer alle Komponenten beinhalten. Finde ich.“

Jamie hatte einladend neben sich aufs Sofa geklopft „Erst probieren – DANN maulen!“

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Eine ziemlich humorige Grundsatzdiskussion darüber ob man einen Räuchelachsbagel mit Marmelade toppen sollte, hatte Red dann jedoch im Keim erstickt. „Vertagt Eure kulinarischen Exkurse, Ihr Grünschnäbel! Wir haben ernste und wichtige Themen auf der Tagesordnung!“

Man sprach über den Caern, in dessen Nähe Red eine Untiefe ausgemacht und versiegelt hatte, und über die Frage wieso dieser Caern nicht geschützt war. Aus einigen Worten die Isar und Red wechselten, hatte Jamie schweigend gelernt. Wieder einmal war ihm bewusst geworden, wie wenig er wusste. Andererseits hatte Red aber auch immer wieder die Sorglosigkeit von Isar zu dämpfen versucht und ihm mehrmals aufgezeigt, in welcher Hinsicht er besser wachsam bleiben solle.

Schließlich hatte der alte Schamane in seine Hosentasche gegriffen, und eine dunkle Basaltkugel hervorgezogen, etwas kleiner als eine Billiardkugel. Mit einem „FANG!“ und einer sehr plötzlichen Bewegung warf er sie auf den Satyr zu………und Jamie, der reaktionsschnell wie es sich für einen Tänzer gehört den Arm ausgestreckt hatte für den Fall das Isar sie nicht fangen würde…….., Jamie blieb fast das Herz stehen als er sah, wie sein Prinz beide Hände anhob und die Kugel dann in einer Art Stasis zwischen seinen Händen abgebremst wurde. Dort hatte sie verharrt, bewegungslos. Wohin die Energie des Wurfs verschwunden war, das war Jamie völlig rätselhaft. Magie. Es war Magie!

„Ein Punkt für Dich, Isar! Deine Vorsicht gefällt mir.“ tönte es aus dem Sessel. Zeit, sich wieder zu entspannen. Neugierig hatten seine Augen die Kugel taxiert während er auf eine Erklärung seitens seines Lehrers wartete. Isar untersuchte das Ding neugierig.

„Es ist eine Kugel aus vulkanischem Gestein. Ich habe noch gestern Nacht einige Geister der feurigen Sphären gerufen und gemeinsam mit ihnen diese Kugel geschaffen. Im Prinzip ist es ein Feuerzauber und er ist so gemacht, dass Ihr ihn beide aktivieren könnt, und zwar völlig jenseits Eurer individuellen Fähigkeiten. Ihr solltet ihn bei Euch tragen. Und ich sage euch auch was er bewirkt und wozu er gedacht ist. Er schützt Euer Liebesspiel. Die Zeit, in der Ihr vor Extase blind seid. Legt ihn dicht neben Euch …. und sollte tatsächlich etwas auftauchen das Euch bedroht, so aktiviere ihn einer von Euch indem er kurz darauf spuckt! Daraufhin wird der Speichel für einen Sekundenbruchteil wirken als koche er, dann wird er eine Sphäre aus isolierender Feuchtigkeit um Euch schaffen in der Ihr vor dem Zauber selbst geschützt seid. Jenseits der feuchten Sphäre aber wird eine Kugel aus Lava alles was Euch bedroht zu knisternder Asche transformieren.“

Je länger Red gesprochen hatte, desto größer waren Jamie’s Augen geworden. Nun sass er mit heruntergeklappter Kinnlade da, wohingegen Isar über dieses Artefakt nicht sonderlich verblüfft schien, ihn plagte eine ganz andere Frage:

„Das alles klingt nun doch nach ziemlich viel Panik .. Warum? Besteht Anlass dazu?“

„Braucht es einen Anlass um sich zu rüsten? Jamie ist gerade erst erwacht. Sein vorheriges Leuchten war nur den Wesen dieser unserer Welt wahrnehmbar. Nun aber, da Du hier bist, ……müssen wir davon ausgehen das all diejenigen die sich gerne auf eben erwachte Magier stürzen ihn als lohnendes Ziel für ihre Umtriebe betrachten.“

„Ich will nicht, dass ich eine Gefahr darstelle. Wenn Jamie ohne mich sicherer ist, gehe ich zurück.“

„Keep calm and kill Wyrms………..nein. Du gehst nirgends hin. Schau, das ganze Leben besteht aus Gefahren. Jamie muss den Weg gehen der ihm bestimmt ist, so wie jeder von uns. Du bist offenbar ein Teil seiner Bestimmung. Also werdet Ihr tun was immer Ihr tun müsst. Das Einzige was Ihr nicht tun solltet ist: Nicht wachsam und achtsam sein……………und meine Hilfe nicht annehmen wenn sie Euch angeboten wird! Ihr werdet Vertraute brauchen. In allen Welten!“

Jamie hatte einen unterdrückten Ton des Protestes von sich gegeben als Isar gesprochen hatte und seine Hand hatte sich einem Schraubstock gleich um die des Satyrs geschlossen. Dessen nächste Worte brachten ihn dazu, noch fester zuzugreifen.

„Er hat es sich nicht ausgesucht. Er allein soll es entscheiden.“

Nein, dass Isar aus dem Nichts in seinem Loft erschien hatte er sich wahrlich nicht ausgesucht. Aber hätte er zuvor eine Wahl gehabt, so hätten vermutlich seine unbändige Neugierde und Abenteuerlust sowieso gesiegt. Dieser Lärm in seinem Kopf! Diese Kakophonie neuer, noch nicht verarbeiteter Eindrücke, Informationen und Entscheidungen……..Eine Berg- und Talbahn wäre ein gemütliches Fortbewegungsmittel, gemessen an dem wilden Fahrgeschäft innerhalb seiner Hirnwindungen! Mit einem Aufseufzen hatte er sie alle weg gewischt, sich zu Isar gebeugt und ihn inniger geküsst als je zuvor. Dann hatte er leise in das spitze, lange Ohr gehaucht „Bleib bei mir, Prinz! Wir wollten voneinander lernen, schon vergessen?“

Der alte Schamane hatte das zum Anlass genommen, etwas von einer Mütze Schlaf nach einer durchgearbeiteten Nacht zu murmeln und die beiden alleine zu lassen.

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Irgendwie war es rührend zu sehen wie sehr Isar besorgt war nun die Wurzel allen Übels zu sein!

„Klar. Lernen. Aber alles, was dein Lehrer gesagt hat, klang ziemlich bedrohlich. Und ich habe das Gefühl, dass ich nicht gerade nützlich sein kann.“

„Hast du nicht auch gesagt ich wäre zu ernst und würde zuviel nachdenken? Und das Abenteuer einen weiterbringen? Wieso sollte ich anstatt lockerer zu werden denn jetzt über Deine Nützlichkeit nachdenken, hm?“ Ein liebevoller Knuff in Isar’s Seite.

„Weil ich nicht wusste, dass hier alles so gefährlich ist! Dir will alles ans Leder … und ich bin so ´ne Art Leuchtkugel, die die bösen Glühwürmchen zu dir zieht.“

Jamie hatte geschnauft „ja, so könnte man das abbilden………..so what? Wir haben Red damit er mir beibringt mich zu schützen. Ich vermute er wird noch einige Lektionen mit mir durchgehen und ich werde echt pauken müssen. Aber wenn es so ist, ist es so …………….und Du wirst Dir verdammt nochmal dafür keinen Schuldmantel überhängen. Die Dinger sind total aus der Mode. Und selbst wenn nicht, es gibt nur Ursachen und Wirkung. Schuld ist nix Existentes, es sei denn Du bestehst darauf sie zu lieben.“

Im Übrigen, doch das hatte er nicht erwähnt um Isar’s schlechtes Gewissen nicht noch zu vergrössern, war es völlig egal denn das Kind war ja bereits in den Brunnen gefallen. In dem Moment als der Satyr sich in seinem Loft erstmals materialisierte, war Jamie alleine durch die Wahrnehmung einer Wesenheit aus diesen anderen Dimensionen „erwacht“.

Isar’s Tonfall wurde lockerer, er konnte wieder lachen. „Und du wirst damit klar kommen, dass Du ab jetzt in einer Welt lebst, in der man vor dem Sex eine Moskitospirale aufstellt, die Drachen zu Asche machen kann?“

Jamie war in das Lachen eingefallen.“Hab ich ne Wahl? Nö. That’s Life! Und so lange sie nicht meine eigenen Drachen verbrennt ist das ne feine Sache“

„Ja, Du hast immer eine Wahl. Also mach das Beste draus. Klar ist das Leben mit Magie viel spannender und bunter als ohne. Aber Du darfst auch nicht vergessen, dein anderes, normales Leben zu leben. Vor allem, weil ich ja auch sehen will, wie es … normal so ist! Das andere kenne ich ja schon.“Ein breites Grinsen hatte die Worte begleitet.

„Dann wird es höchste Zeit, an Deinen Umgangsformen zu arbeiten!“

Isar’s Protest und seine Beteuerungen er besäße durchaus welche, hatte Jamie weggewischt. Er würde ihn niemals mit nach New York nehmen wenn er nicht sicher sein konnte das Isar die einfachsten Grußformen beherrschte, denn es könnte in der Tat überlebenswichtig sein, dort nicht allzusehr aufzufallen. Bis zur späten Nacht hatten sie sich dann in „Wir sind im Lokal“ – Rollenspielen verloren. Natürlich nicht zu reden von den „Wir sind in der U-Bahn“ und „wir gehen einkaufen“ Übungen.

Kap5: „Hi, I’m Candy….“

Es hatte ihm keine Ruhe gelassen. Am frühen Abend hatte er sich verdrückt. Ein Wassertaxi fuhr ihn zurück in die Häuserschluchten von New York.

Während er langsam an den Bordellen vorbei schlenderte, hatte sich Jamie gefragt ob Oberon zu seiner Zeit wohl das New Yorker Rotlichtmillieu noch unter dem Namen „Hell’s Hundred Acres“ gekannt hatte, oder ob es da schon den gourmetartigen Namen „Tenderloin“ trug…. Aber möglicherweise hatte Oberon es nie nötig gehabt, auch nicht zur Zeit seiner Jugend im 19. Jahrhundert, sich käufliche Liebe zu suchen. Vermutlich war am Hofe der Satyrn die Sittenmoral damals nicht sehr viel anders als Isar sie ihm in der Gegenwart geschildert hatte. Und im Laufe der Dekaden hatte es sich eh weiter nördlich verlagert.

Jamie blinzelte gegen die grellen Neonreklamen an, als würde schon alleine das Blinzeln nicht nur seinen Augen sondern auch seinen grüblerisch-analytischen Überlegungen Klarheit und Schärfe verleihen können.

Sie stand an einer Laterne. Als sie bemerkte das sein Blick länger als zwei Sekunden auf ihr haftete, gurrte sie zu ihm hinüber „Hi, I’m Candy!“

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Jamie hatte keine Ahnung ob die kleine Hure Filme mochte, und ob sie ‚Connor McLeod vom Clan der McLeod‘ kannte – von dessen Widersacher Kurgan ganz zu schweigen. Dennoch anwortete er zitatsicher „Of course you are!“ Scheiss drauf, vielleicht Perlen vor die Säue, aber wen juckte das?

„Hast Du ein Zimmer, Candy?“ Nachdem sie bejahte, war der Deal schnell ausgehandelt. Noch auf der Straße hatte er sie bezahlt, und war überrascht als sie sich kurz dankbar an ihn schmiegte. „Nana…….ab mir Dir! Welcher Eingang?“

Candy hatte den Kopf heftig geschüttelt „Doch nicht HIER, Schöner! Ruf ein Cab, wir müssen paar Blocks weiter. Hier gibt es nur Dreckslöcher, so eine bin ich nicht!“

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Jamie hatte die Augen verdreht und als sie nicht von ihm lassen wollte, begann er sich zu fragen ob wohl auch Huren notgeil sein konnten. Bisher war er eher davon ausgegangen, dass sie ihren Job entweder dem Luden zuliebe taten oder aus purer Existenznot…..abgesehen von denen die in Drittweltländern oder dem Balkan gekauft wurden und dann ihrer Papiere beraubt von Zuhälterringen gezwungen wurden. Egal welche Art von Prostituierten……..die hier schien zu der seltenen Sorte zu gehören die wirklich Spass daran hatte. „Das zahlst dann aber Du von dem Geld das ich Dir gab, Candy. Du hättest es vorher sagen sollen.“ Zu seiner allergrößten Überraschung hatte sie nicht protestiert, schade, er hatte sich bereits Argumente zurecht gelegt. Widerwillig liess sie ihn los und nach einigen Minuten passierte sie sogar ein freies Cab.

Die Gegend in der Candy den Fahrer anhalten liess, wirkte auf den ersten Blick noch heruntergekommener als die von der aus sie gestartet waren. Eine fast in sich zusammenbrechende Gym, ein Haufen Müll, die obligatorischen Fässer in denen Obdachlose ein Feuerchen zu machen pflegen um sich im Winter warm zu halten…………Candy war eine Feuerleiter hinauf gekraxelt und Jamie hatte zu ihr hochgebrummt „Da darfste aber auch keinen alten gebrechlichen Freier aufgabeln!“

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Nachdem er ihr gefolgt war, stiess er einen überraschten Laut aus, denn mit so einem sauberen und modernen Appartement hätte er hier bei Gott nicht gerechnet! Gut, es war recht unpersönlich. Aber es war alles andere als eine billige Absteige mit Bettwanzen…

Candy verlor keine Zeit. Kaum hatte er sich auf dem Sofa nieder gelassen, kniete sie auch schon über ihm. Er war gespannt………sog ihren Duft ein, nein offenbar kein billiges Parfum! Die kannte er alle von seinen Kolleginnen am Theater zur Genüge…….von der kleinen Gage kaufte man sich kein Chanel No 5!

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Während das Schokocandy sich an ihm rieb und langsam die Träger ihres transparenten Fähnchens über die Schultern streifte, fühlte er das sein Körper reagierte. Gerade als er beschloss, das das Ablegen der Kleidung völlig unnötig sein würde, weil ein offener Hosenstall für eine schnelle Nummer mit einer Hure absolut ausreichen sollte, tat Candy das mit Abstand Verblüffendste an diesem Abend….

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Sie hatte sich ihres Kleides entledigt und legte ihm die Arme um den Hals, ein kleiner Schock, als er ihre Lippen auf seinen spürte und dann feststellte, dass sie tatsächlich beabsichtigte ihn zu küssen. Intim zu küssen. Einen Freier!! Sein Kopf war nach hinten geruckt und seine Stirn wies einige unwillige Falten auf.

„Was wird das denn?“ hatte er zu wissen verlangt während seine Hände ihren Kopf von seinem fern hielten. Ein verlegenes, mädchenhaftes Kichern war die Antwort. Beide schauten sich eine ewig wähnende Weile in die Augen, und schliesslich senkte sie zuerst den Blick. Leicht  beschämt. Wie zu ihrer Verteidigung murmelte sie schliesslich „Ich……bin einsam. Und ich hab keinen Beschützer mehr…..ich meine………wie heisst Du?“

„Das geht Dich einen feuchten Kehricht an, Süße!“

Noch leiser als zuvor flüstert sie ein „Tut mir leid. Mein Fehler. Ich mache es wieder gut…..wie wäre es mit einer Massage hm?“. Wie der Wind war sie hinter ihm und begann über seiner leichten Sommerjacke die Schultern zu bearbeiten. Er hatte sie gewähren lassen, denn die Antwort auf die Frage die ihn dazu bewogen hatte hier her zu kommen, formte sich in seinem Hirn. Nicht sofort greifbar, aber klarer und klarer Gestalt annehmend………

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Auch wenn dem so war, und auch wenn er die Antwort nicht willkommen hieß – er versuchte nach einer Weile dennoch, die dralle Dunkelhäutige zu besteigen. Sein Schwanz war mehr als bereit dazu. Aber auch nur der.

Jamie realisierte einen gelinden Unwillen.Schon als er in sie eindrang. Es fühlte sich nicht richtig an. Sicher, er war niemand der die Monogamie in den Himmel hob. Und er hätte Isar gegenüber auch keinerlei schlechtes Gewissen da er wusste das der Satyr sicherlich keine Treue erwartete. Aber nachdem Jamie sich selbst hatte eingestehen müssen, dass Reddy am Morgen recht gehabt hatte, dass er über beide Ohren verknallt war, stellte sich dieses „ich will aber mit niemandem sonst“ – Gefühl ein.

Oh ja, das würde wieder vergehen! Sicher würde es das!

Spätestens wenn ihm die rosarote Brille von der Nase fiele, das war klar. Jeder wusste das. Aber so lange diese rosarote Brille auf seiner Nase klebte als hätte sie ein ungeschickter Erfüllungsgehilfe Amor’s dort mit Sekundenkleber angetackert, so lange würde er körperlich niemand anderen begehren. Fast hatte er während er sie halbherzig stiess, ein schlechtes Gewissen dem Mädchen gegenüber. Abgesehen von dem Patzer mit dem Kuss gab sich Candy wirklich alle erdenkliche Mühe. Schlussendlich hatte er sie von seinem Schoss geschoben, sein bestes Stück zurück in die Hose gepackt und gemurmelt „ich muss gehen, Candy.“

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Der konsternierte Blick den sie ihm daraufhin schenkte, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Ihren Kopf irritiert an seine Schulter bettend hatte sie leise gefragt „Meine Schuld? Du bist nicht gekommen, Schöner. Willst Du es nicht weiter versuchen? Ich kann Dir die Kohle nicht zurückgeben!“

„Das erwarte ich auch nicht. Aber ich muss gehen. Es liegt nicht an Dir. Nicht wundern!“

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Ziemlich brüsk hatte er sich erhoben, nicht ohne dem armen Ding zuvor noch einen freundlichen Kuss auf die Stirn zu hauchen. Sie war fast eben so schnell auf den Beinen gewesen. „Du bist doch ehrlich? Es liegt wirklich nicht an mir?“

„Candy, beruhige Dich. Nein es liegt nicht an Dir, versprochen!“ Kaum hatte er ausgesprochen, drehte er sich um, schlüpfte durch die Tür und als sie schnarrend hinter ihm ins Schloss gefallen war, lehnte er sich erst einmal über das Geländer der Feuerleiter und atmete tief ein und aus.

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Ein Blick auf seine Armbanduhr zeigte ihm, dass er gute Chancen hatte, Christine, seine Chefin jetzt im Büro des Theaters anzutreffen. Mit federnden Schritten, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, war er die klirrende, hohl hallende Leiter hinab gestoben. Dunkelheit umfing ihn, funktionierende Straßenlampen schienen in dieser Gegend Glückssache zu sein. Ein Rascheln zwischen den herumwirbelnden Zeitungsfetzen auf dem Asphalt sorgte dafür das er sich kurz versteifte.

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Doch das nachfolgende, eindeutige Quieken zeigte klar, dass es sich um handelsübliche Kanalratten handeln musste. Er tastete sich dennoch recht vorsichtig und langsam zur Hauptstrasse vor….., man wusste nie was in dunklen Ecken lauerte. Er war zu deutsch um sich zu bewaffnen. Auch wenn er es hier in NY durchaus gekonnt hätte. Bisher hatte sich Jamie immer auf seine mentalen Fähigkeiten verlassen, und das mit Erfolg. Aber auch die verlangen Wachsamkeit und so waren seine Sinne hellwach als er den Platz vor der verfallenen Gym wieder kreuzte.

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Natürlich. Jedes Cab war besetzt. Schnaufend winkte er sich einen Wolf bis eine Viertelstunde später tatsächlich eines anhielt. Ein Umweg über sein Loft wo er sich in Windeseile einige frische Klamotten in eine Tasche schaufelte, während das Taxameter unerbittlich weiter lief.Dann wies er den feisten Fahrer der wie eine kleine Lolita Kaugummi Blasen produzierte an, ihn zum Theater zu bringen. „Und pass auf das dein Bubble Gum nicht an der Windschutzscheibe hängen bleibt, Mann. Denn wenn Du uns in die Hölle chauffierst, werde ich  dafür sorgen dass Dir der Teufel wie ein unschuldiges Baby erscheint!“

Die Sache mit dem Urlaub war schnell abgeklärt, er hatte Glück! Es gab tatsächlich eine Vertretung die weder krank noch sonstwie verhindert war.

Ungeduldig charterte er ein Wassertaxi, für die Fähre war es bereits deutlich zu spät. „Mal schauen was Du für ’nen Unfug angestellt hast, mein Königssohn!“ murmelte er grinsend und in Vorfreude wieder ’nach hause‘ zu kommen.